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Echoes of War

Originaltitel: Echoes of War__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2015__ Regie: Kane Senes__ Darsteller: James Badge Dale, Ethan Embry, William Forsythe, Maika Monroe, Rhys Wakefield, Owen Teague, Beth Broderick, Ryan O’Nan, …

Echoes of War

Zum Trailer (engl. OV) geht’s hier!

Basierend auf seinem 28-minütigen 2011er Filmschul-Abschlusswerk „A Relative Stranger“, handelt es sich bei „Echoes of War“ (2015) um einen nach Ende des US-Bürgerkriegs (1861-1865) angesiedelten dramatischen Western-Thriller des Australiers Kane Senes („Sissy“), welchen er gemeinsam mit seinem Kumpel John Chriss verfasste und in dessen Zentrum der nach der Niederlage gegen die Nordstaaten-Union nun in seine Heimat Texas zurückkehrende Konföderierten-Soldat Wade (James Badge Dale) steht. In jener ländlichen Region wurden zwar keine Schlachten gefochten – Armut, Enteignungen und tote Angehörige haben aber dennoch allerorts „Spuren gerissen“. Über keinen eigenen Besitz verfügend, kommt er erst einmal bei der Familie seiner verstorbenen Schwester unter: Sich aus deren Witwer Seamus Riley (Ethan Embry) und den beiden Kindern Abigail (Maika Monroe) und Samuel (Owen Teague) zusammensetzend, lieben letztere ihren Onkel und freuen sich über seine Anwesenheit – während Seamus merklich reservierter auf sein Auftauchen reagiert; ihn aber nichtsdestotrotz willkommen heißt und bei sich mit aufnimmt…

Abigail kümmert sich um einen kleinen Gemüse-Garten und Seamus und Samuel legen Fallen aus, um Wildschweine, Waschbären und ähnliche Tiere zu fangen, deren Fleisch sie essen und Fell sie verkaufen. Sie haben es nicht leicht – kommen in diesen harten Zeiten allerdings über die Runden. Sich tatkräftig integrierend, entdeckt Wade eines Tages jedoch, dass Dillard McCluskey (Ryan O’Nan) – einer der Söhne ihres Nachbarn Randolph (William Forsythe) – regelmäßig von ihnen stiehlt, um so seine eigene Familie zu versorgen, nachdem das Militär nahezu alle Rinder der einst wohlhabenden Rancher „beschlagnahmt“ hatte. Die Rileys wissen davon und haben sich damit abgefunden – auch weil die McCluskeys Abigail in der Vergangenheit mal mit Medizin ausgeholfen hatten, als sie sich jene nicht leisten konnten, und sie so nun „in Ruhe gelassen“ werden, da gewisse Verstimmungen zwischen ihnen schon vor dem Krieg existierten. Obgleich sich Seamus klar ausdrückt, Wade solle sich in diese Sache nicht weiter einmischen, hält der sich nicht daran, sucht den Patriarchen der McCluskeys auf und bindet eine entsprechende „Warnung“ in das Gespräch mit ein…

Dillard ist ein hitziger, „simpel gestrickter“ Bursche – wohingegen sein Bruder Marcus (Rhys Wakefield) ein besonnener junger Mann ist, der sich behutsam um seine Mutter Doris (Beth Broderick) kümmert, die nach dem Erfahren, dass ihr ältester Sohn an der Front getötet wurde, in einen tendenziell katatonischen Zustand abgeglitten ist. Zudem bilden er und Abigail ein Liebespaar, das sich regelmäßig (aufgrund der Animositäten ihrer Väter: heimlich) an einer idyllischen Stelle an einem Bachlauf im Wald trifft. Als Wade Dillard erneut beim Plündern der Fallen erwischt, mündet das darin, dass er ihn (in der Stress-Situation bewusst auf etwas hinter ihm nicht hinweisend) dahin „lenkt“, eine Verletzung zu erleiden. Mit Randolph erwartungsgemäß wütend darüber sowie Abigail und Marcus jeweils nur mit eingeschränktem Einfluss bei ihnen zuhause, bemüht sich Seamus im Folgenden darum, die akut drohende Eskalation noch zu verhindern – doch scheint der simultan zunehmend mit den psychischen Auswirkungen des in der Armee Erlebten ringende Wade da einfach zu beharrlich-starr in seiner Ansicht zu sein, dass dieses „Unrecht“ so nicht toleriert werden darf…

„Echoes of War“ erzählt nicht gerade eine sonderlich originelle Geschichte: Ein Mann, der nach seinem Militär-Dienst Probleme dabei hat, sich wieder in ein „ziviles Umfeld“ einzufügen, den grausam-belastende Erinnerungen und Albträume plagen und der sich postwendend mit einem weiteren Konflikt konfrontiert sieht, bei dem es ihm schwerfällt, sich aus diesen (seine Familie betreffenden) Geschehnissen und Gegebenheiten herauszuhalten – dazu in einem Western-Setting angesiedelt, einen ein wenig an die legendäre 1878-1891er „Hatfield-McCoy-Fehde“ denken lassend (u.a. jedoch in einem kleineren Rahmen) sowie obendrein mit einem Hauch Shakespeare’s „Romeo and Juliet“ angereichert. Damals war Texas einer der sich in der politischen und wirtschaftlichen Rekonstruktion befindenden Verlierer-Staaten – mit viel Armut und Unsicherheit sowie noch nicht allzu ausgeprägter Zuversicht – und innerhalb dieses Kontexts bzw. vor diesem Background haben sich die (überdies von persönlichen Schicksals-Schlägen gebeutelten) Rileys und McCluskeys in eben jener Form „arrangiert“; woran Wade nach seiner Rückkehr prompt (unverständnisvoll) Anstoß nimmt…

Seamus weiß, was das Resultat wäre, wenn er Schritte gegen Randolph unternehmen würde – nämlich Streit sowie eventuell gar Gewalt: Dies will er vermeiden. Er ist Bibel-treu (nicht bloß im Sinne von „die andere Wange zuwenden“), hat vergleichbares durchgemacht wie die McCluskeys und ist nicht dazu bereit, seine Kinder irgendwie in Gefahr zu bringen. Außerdem hatte er für Abigail, als sie mal erkrankt war, Randolph’s Hilfe angenommen – weswegen er (in unkonkreter Absprache) in dessen Schuld steht. Die Rileys haben einander und müssen nicht hungern – nur könnte es ihnen durchaus besser gehen, wenn sie mehr Fleisch hätten, welches sie dann bspw. noch tauschen oder verkaufen könnten. Nicht nur da er nicht weiß, wie der Krieg ihn verändert hat, erfüllt ihn die Ankunft seines Schwagers eingangs nicht unbedingt mit großer Freude – doch verläuft alles ordentlich; bis hin zu Wade’s ersten Begegnung mit Dillard und seinem daraus erkeimenden, an ihm nagenden Drang, das so nicht akzeptieren zu „können“. Statt sich dem Wunsch desjenigen anzupassen, bei dem er zu Gast ist, stellt jener seine Auffassung diesbezüglich kurzerhand der sich nicht mit seiner deckenden voran…

Der Teenager Samuel idolisiert seinen Onkel und dessen Einsatz als Soldat – wäre selbst gern einer und erachtet es als enttäuschend, dass sein Vater nicht genauso „tapfer“ war. Er kann das damit Verbundene noch nicht begreifen – bis er gewisses in der Hinsicht bei Wade zu registrieren beginnt sowie er einige deutliche Sätze von ihm dazu zu hören erhält. Abigail empfindet viel für Marcus und wünscht sich ein sorgenärmeres Dasein für sich und ihre Familie – ist dabei aber dennoch realistisch genug, um potentielle Konsequenzen eines Bekanntwerdens ihrer Beziehung zu berücksichtigen, und ist auch nicht so naive, anzunehmen, dass ein „Durchbrennen“ mit ihm eine gute Option sei (weder für sie noch für ihre Angehörigen). Derweil sind Marcus und Dillard in nahezu jeder Eigenschaft verschieden, ist Doris von den Dingen um sich herum dissoziiert und haben „die Umstände“ dem seit jeher herrischen Randolph u.a. seinen ältesten Sohn, sein Business und die seelische Gesundheit seiner Frau genommen. Schade, dass es dem Werk nicht optimal gelingt, diese (den aktuellen Ereignissen vorausgegangene) Entwicklung seiner Person wahrhaft ergiebig zu vermitteln…

Das kleine, begrenzte Cast-Ensemble von „Echoes of War“ weist fähige Schauspieler auf – bloß wurde jenen keine allzu inspiriert oder filigran ausgearbeitete „Grundlage“ geboten. Die Story an sich ist ebenso facettenarm-vertraut beschaffen wie die sie bevölkernden Charaktere – was einem emotional involvierenden Mitfiebern hinderlich ist; überwiegend das Beste aus dem Material herausholender Akteure zum Trotz. Ethan Embry („the Guest“) portraitiert den passiv-religiösen Seamus prima – öfters kräftiger via Blicke, Mimik und Körpersprache als Worte – Owen Teague („It“), Ryan O’Nan („Copshop“) und Beth Broderick („Timber Falls“) agieren als Samuel, Dillard und Doris jeweils zweckdienlich-okay und Maika Monroe („Villains“) überzeugt, so wie von ihr gewohnt – ohne aber, dass sie dabei ernsthaft gefordert wurde. Während Rhys Wakefield („+1“) als zurückhaltender Marcus (nicht unerheblich seiner Rollen-Gestaltung ankreidbar) eher „blass“ verbleibt, ist B-Movie-Baddie-Veteran William Forsythe („Dead Bang“) als grummelig-bedrohlicher Randolph indes voll in seinem Element – doch sind einem Figuren in der Art seiner hier halt einfach schon unzählige Male zuvor begegnet…

Im Vorliegenden enttäuscht ausgerechnet James Badge Dale („Spectral“) in Form einer in entscheidenden Szenen „zu oberflächlich“ anmutenden Darbietung ein unvorteilhaftes Stück weit: Als Wade wäre von ihm eine markantere innere Zerrissenheit und intensivere Intensität zu wünschen gewesen. Eingangs hat man das Gefühl, er setzt sich löblich für seine Familie ein – wonach seine PTSD allerdings anwachsend stärker hervorkehrt und ihn einen Pfad beschreiten lässt, von dem aus er „das Drumherum“ nicht mehr vernünftig zu berücksichtigen vermag und welcher geradewegs auf einen tragischen Ausgang zuzusteuern scheint. Etwas in dieser Richtung kündigt eine vage-vorwegnehmende Eröffnungs-Sequenz bereits an – wobei ich in Anbetracht des generellen Entfaltungs-Stils aber nicht erwartet habe, wie „düster“ es am Ende tatsächlich wird (zumindest nicht in dem Ausmaß). Auf jede Aktion folgt eine um eine Stufe gesteigerte Reaktion – mit Blut-Vergießen irgendwann förmlich unausweichlich. Befürchtetes kann nicht abgewandt werden und das daraus entstehende Leid schließt auch Unschuldige mit ein: Klassisch – und von daher zugleich unweigerlich recht absehbar; weshalb andere Faktoren dafür hätten „glänzen“ müssen…

Zwar ist das Skript fernab von schlecht und verfügt zudem über einzelne löblich positive Details – wie z.B. Randolph’s für sich bewahrtes Akzeptieren, dass Marcus und Abigail sich treffen – doch ist die Zahl der Klischees und „Unebenheiten“ (á la die für Randolph’s Einführung gewählte Situation, die meines Erachtens später im Verlauf besser aufgehoben wäre) insgesamt zu groß. Senes hat angegeben, dass er Terrence Malick’s „Days of Heaven“ sehr schätzt – und im Sinne jenes Auteurs haben er und sein Kameramann Wesley Cardino („37: A final Promise“) offenbar eine ähnliche Stimmung und „poetische Bildersprache“ anzustreben versucht; mit vielen Natur-Aufnahmen und ruhigen Einstellungen. Gemeinsam mit den Kostümen, Sets, Locations sowie dem Score Hanan Townshends („Knight of Cups“) zur Erzeugung einer passenden Atmosphäre beitragend, besitzt diese jedoch nicht die Ausprägung, um das u.a. durchs ziemlich geringe Tempo nur punktuell effektive Level an Suspense auszugleichen. Im Ganzen ist „Echoes of War“ ein brauchbar produzierter und gespielter, allerdings wenig origineller sowie alles in allem bloß eingeschränkt zu empfehlender dramatischer „Slow-Burn“-Indie-Western-Thriller…

solide7 von 10

Während „Echoes of War“ hierzulande bislang noch immer nicht erschienen ist, wurde er u.a. in Großbritannien (dort als „War on the Range“) sowie den USA auf DVD veröffentlicht und ist überdies bei „Plex“ (im O-Ton) frei streambar…

Stefan Seidl

Echoes of War

(© American Film Productions, Arc Entertainment, Highland Film Group & VMI Worldwide)

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Copyright der „Echoes of War“ Postermotive und Pics:
American Film Productions / Arc Ent. / Provenance Pictures / Country Club / VMI Worldwide / Highland Film Group / ‎ Kaleidoscope Home Ent. (GB) / Vantage Media (US)__ Freigabe der britischen VÖ: BBFC 15__ DVD/BluRay/Stream: nicht in Deutschland / nein / ja (im O-Ton)

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