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Dead Bang – Kurzer Prozess

Originaltitel: Dead Bang__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1989__Regie: John Frankenheimer__Darsteller: Don Johnson, Penelope Ann Miller, William Forsythe, Bob Balaban, Frank Military, Tate Donovan u.a.
Dead Bang mit Don Johnson DVD Cover

“Dead Bang” mit Don Johnson.

Als ein Laden überfallen wird und dabei zwei Personen, darunter ein Polizist, getötet werden, wird Detective Jerry Beck vom Los Angeles Police Departement auf den Fall angesetzt. Als er einen Verdächtigen verfolgt, führt ihn die Spur zu Neonazis. Von seinen Ermittlungsmethoden wenig begeisterte Behörden und selbst sein Privatleben legen ihm jedoch Steine in den Weg.

Wir schreiben das Frühjahr 1988, und die Serie „Miami Vice“ neigt sich langsam dem Ende zu. Zwar wurde die Serie noch um eine fünfte und letzte Staffel verlängert, doch ein Drehbuchautoren-Streik verzögert die Produktion. Diese Pause nutzte Hauptdarsteller Don Johnson („Brawl in Cell Block 99“), der mit seiner Rolle als James „Sonny“ Crockett in der genannten Hit-Serie riesige Erfolge feierte, damals wohl als Gelegenheit, um sich auch als Filmstar zu etablieren.

Seine Wahl fiel auf den Cop-Thriller „Dead Bang“, und als Regisseur konnte Genre-Spezialist John Frankenheimer („Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen“) gewonnen werden, der zuvor mit Filmen wie „Botschafter der Angst“ oder „French Connection II“ Erfolge feiern konnte.

Schaut in den Actionthriller mit Don Johnson hinein

Offensichtlich scheint Don Johnson bei der Produktion des Films größeren Einfluss gehabt zu haben, da auffällig viele Darsteller für den Film verpflichtet werden konnten, die zuvor bei „Miami Vice“ mitgespielt haben. Neben Penelope Ann Miller („Das Relikt“), die in „Dead Bang“ nur wenige Szenen bestreiten darf und kaum im Film ankommt, war auch Bob Balaban, der hier einen mürrischen Polizisten spielt, schon bei „Miami Vice“ zu Gast. Balaban war gleich in zwei Episoden als Reporter zu sehen und spielt in jenen Folgen eine zentrale Rolle.

Auch Frank Military trat in der Serie in einer Nebenrolle in Erscheinung und durfte zudem für zwei sehr gelungene Episoden das Skript verfassen, während er in „Dead Bang“ in die Rolle eines zwielichtigen Ganoven schlüpft. Johnson selbst versucht mit seiner Rolle als Jerry Beck wohl auch ein wenig vom schillernden „Sunnyboy“-Image abzurücken, für welches er bei „Miami Vice“ bekannt war: Beck ist geschieden, pleite und lebt in einem heruntergekommenen Motel direkt neben dem Flughafen. Dazu hat er ein offensichtliches Alkoholproblem, was ein verdächtiger Ganove später unfreiwillig bezeugen muss.

Don Johnson scheint offensichtlich viel Spaß an der Rolle gehabt zu haben und spielt den zielstrebigen und etwas streitsüchtigen Polizisten durchaus überzeugend. Dabei vermag er den Film sehr gut auf seinen Schultern zu tragen. Angesichts dessen ist es durchaus schade, dass seine Kino-Karriere nie so recht durchstarten wollte. Aber immerhin konnte Johnson später nochmals für eine Hauptrolle in einer beliebten Actionserie („Nash Bridges“) gewonnen werden und ist auch heute erfreulicherweise wieder öfters in größeren Produktionen anzutreffen.

Die Nebendarsteller machen derweil einen soliden Job, ohne besonders aufzufallen, wobei Jerry Becks Streitigkeiten mit dem von William Forsythe („Stiletto“) dargestellten FBI-Agenten Kressler noch am ehesten einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Das Drehbuch von Robert Foster, basierend auf einer Geschichte von Jerry Beck (dem Polizisten, den Don Johnson in diesem Film darstellt), schickt den Hauptcharakter auf eine Reise durch mehrere US-Bundesstaaten – was auch für einige schöne Postkarten-Ansichten sorgt – und hält das Tempo erfreulicherweise durchgehend hoch, obwohl auch hier versucht wird, noch einige persönliche Nebengeschichten des Hauptcharakters in den Film einzubauen, welche grundsätzlich für den Film wenig von Belang sind.

Dennoch atmet der Film leider ein gewisses „B-Movie“-Flair und kann trotz der ordentlichen Regie von John Frankenheimer nicht an Genre-Größen aus dieser Zeit anknüpfen. Gerade das im Grunde nett gemachte Weihnachts-Setting des größtenteils in Kanada gedrehten Thrillers lässt Erinnerungen an den ein Jahr zuvor veröffentlichten Action-Klassiker „Stirb langsam“ aufkommen und hier kann der Film im Vergleich nur verlieren, was sich an den Kinokassen dann auch zeigen sollte.

Nichtsdestotrotz finden sich durchaus einige zwar nicht allzu zahlreiche, aber gut umgesetzte Actionszenen im Film wieder. Diese bestehen hauptsächlich aus einigen eher kurzen, jedoch gut choreografierten Schießereien sowie vereinzelten Prügeleien und etwas Blechschäden. Am ausuferndsten gestaltet sich dabei der Showdown, dessen Schauplatz, ein Tunnel, jedoch leider optisch wenig hermacht.

Die am Ende präsentierte Wendung ist auf den ersten Blick durchaus überraschend geraten, doch einer genaueren Betrachtung hält diese zumindest in der deutschen Fassung wenig stand – insbesondere, wenn man sich die Mühe macht, nochmals zu den Schlüsselszenen zurückzuspulen. Der Soundtrack von Gary Chang („Alarmstufe: Rot“) liefert derweil einen typischen 80er-Klangteppich, wirkt unter dem Strich jedoch leider etwas einfallslos.

„Dead Bang“ liefert solide Genre-Unterhaltung

In Summe bietet der mit einigen gelungenen Actionszenen angereicherte Cop-Thriller solide, überdurchschnittliche Genre-Unterhaltung mit einem gut aufgelegten Hauptdarsteller, kann sich jedoch aufgrund fehlender Höhepunkte und eines mäßigen Drehbuchs nicht restlos gegen die damals starke Konkurrenz behaupten.

6 von 10

Der Film erschien im Jahr 2008 von Warner auf deutschsprachiger DVD mit guter Bild- und Tonqualität, eine Blu-ray scheint jedoch bis heute weltweit noch nicht veröffentlicht worden zu sein. „Dead Bang“ ist mit einer Freigabe ab 16 ungeschnitten.

© John Woo

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Brothers__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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