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Night Walk

Originaltitel: Night Walk__Herstellungsland: USA, Marokko__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Aziz Tazi__Darsteller: Mickey Rourke, Eric Roberts, Richard Tyson, Louis Mandylor, Patrick Kilpatrick, Sean Stone, Ricco Ross, Sarah Alami u.a.
Night Walk mit Eric Roberts und Mickey Rourke

Eric Roberts und Mickey Rourke sind nur zwei von zahlreichen B-Fratzen in “Night Walk”.

Als wahr gewordenen Traum bezeichnet Aziz Tazi seinen Film „Night Walk“. Der Grund für diese Aussage ist simpel: Tazi hat eines Nachts davon geträumt, wie das Zusammensein zweier einander romantisch zugetaner Personen an einem öffentlichen Platz ein dramatisches Ende nahm. Dieses Szenario ließ Tazi nicht mehr los, weshalb er irgendwann eine Story rund um diese Idee wob. Diese Story entwickelte sich zu einem Drehbuch und dieses wurde zur Vorlage für Tazis Langfilmdebüt als Regisseur.

Das berichtet von dem amerikanischen Journalisten Frank. Als der der arabischstämmigen Sarah begegnet, ist es sofort um ihn geschehen und er verliebt sich Hals über Kopf. Sarah findet den Amerikaner auch supernett und reist irgendwann mit ihm in ihre Heimat Marokko, um ihr Herzblatt ihrer Familie vorzustellen. Vor Ort kommt es zu der eingangs erwähnten besonderen Situation – an deren Ende Sarah tödlich getroffen zusammenbricht.

Der örtlichen Justiz kommt ein Amerikaner als Täter gerade recht. Doch die Verteidigung von Frank schafft es zumindest, den Prozess aus Marokko herauszuholen und vor ein amerikanisches Gericht zu ziehen. Doch auch hier ist man dem unschuldigen Frank nicht wohl gesonnen. Infolgedessen wandert er für Jahre ein. Im Knast angekommen, lernt Frank schnell, dass er ohne Schutz in dem Gemäuer nicht überleben wird. Glücklicherweise übernimmt das sein gutherziger Zellenmitbewohner Ayman mit seiner „Gang“ streng gläubiger Moslems.

Derweil erfährt Frank von einem seiner Journalistenkollegen, dass der Richter, der Frank in den Knast gebracht hat, ein durch und durch korruptes Dreckschwein ist. Als der Journalist bei einem Zwischenfall mit seinem Auto getötet wird, ahnt Frank, dass dies kein Unfall war. Dementsprechend beschließt er, aus dem Knast auszubrechen und den Richter zur Verantwortung zu ziehen.

Schaut in den Knastfilm mit Mickey Rourke und Eric Roberts hinein

Man merkt „Night Walk“ immer wieder an, dass es sich um ein Regiedebüt handelt. Häufiger rumpelt es in der Story, wirkt der Film in der Wahl seiner Mittel total ungeschliffen und roh, dominieren zigfach besser durchgekaute Klischees die Szenerie und fehlt es an Figuren, mit denen man mitfiebern will.

Letztere wechseln teilweise von einer Szene zur anderen ihre Einstellung: So ist Sarah zu Beginn ein Traum von einer selbstbewussten, selbstbestimmten Frau, nur um kurz darauf in Marokko, auch fernab ihrer Eltern, zu einer grauen Maus zu mutieren, die zu allem Ja und Amen sagt. Und was der fiese Richterlump nun eigentlich genau davon hat, kleine Würste wie Frank in den Knast zu schicken… man weiß es nicht. Derartige Unzulänglichkeiten, gerade in der Zeichnung der Figuren, finden sich in „Night Walk“ zuhauf.

Was man dem Film nicht nehmen kann, ist, dass er durchaus von erkennbaren Ambitionen getragen wird. Vor allem ist ihm offensichtlich eine ausgewogene Zeichnung des Islam extrem wichtig. Hier schafft es der Film auch, sich von hinlänglich bekannten Klischees zu lösen. Am besten zu erkennen in der Figur von Franks Zellennachbarn Ayman. Blöd ist nur, dass viele dieser Ambitionen von ansonsten schlechten Darstellern und mülligen Dialogen begraben werden.

Ayman im Knastthriller

Ayman zeigt unserem Helden häufiger, was Phase ist.

Letztere dürften in der lieblos wirkenden Synchronisation noch eine deutliche Vergröberung erfahren haben, sie waren aber auch schon im Original nicht eben oscarreif. Und das Problem der eher unbedarften Schauspieler zieht sich durch den ganzen Film. Größter Problemherd: Hauptdarsteller Sean Stone. Der Sohn von Regisseur Oliver Stone spielt schlichtweg katastrophal. Vor allem im Zusammenspiel mit der wundervoll natürlich aufspielenden Sarah Alami als Sarah wird dies absolut offensichtlich. Hier weiß man nie, was seine Mimik und Gestik transportieren soll. Ist er ein Filou oder doch eher ein Vergewaltiger? Echt übel.

In dem Knast wird er dann von einigen weiteren Totalausfällen flankiert, andere wiederum spielen ihn mit wenigen durchdringenden Blicken brutal an die Wand. Die großen Namen im Cast gehören da allerdings nicht dazu. Die waren sichtlich nur wegen dem Paycheck vor Ort. Louis Mandylor („Battle Drone“) ist so ziemlich der lächerlichste Knastdirektor aller Zeiten, Mickey Rourke („Sin City“) verstört einfach nur mit seinem Aussehen und muss keine Sekunde spielen und Eric Roberts („Asteroid-a-geddon“) hat in den meisten seiner Kurzauftritte als Richter nicht einmal Text. Der einzige, der einfach nur genial durch rockt, ist Richard Kilpatrick („Mission Open Fire“). Der überzieht als Abziehbild des fiesen Knastwärters so krass, dass man aus dem Feiern kaum noch rauskommt. B-Fratze Richard Tyson („Death Kiss“) darf ihm dabei fasziniert zugucken.

Night Walk mit Eric Roberts und Sean Stone

Frank will sich an Eric Roberts fiesem Richterlump rächen.

In technischer Hinsicht sieht man, dass die marokkanischen und amerikanischen Geldgeber eher knauserig unterwegs waren. Die glatte Digitaloptik hat durchweg einen sehr billigen Einschlag. Vor allem in dem Knast wirken die Bilder ultrabillig. Nur wenn Franks und Sarahs Liebesgeschichte außerhalb der Knast-Mauern erzählt wird, kommen ein paar schöne Bilder von Marokko auf. Musikalisch gibt es hier gar nichts zu holen.

Actiontechnisch im Übrigen auch nicht. „Night Walk“ dürfte einer der actionärmsten Knastfilme überhaupt sein. Es gibt keinen Gefangenenaufstand, keine richtige Knastprügelei, keinerlei heftige Keilereien zwischen Frank und einem besonders verhassten Insassen, nichts. Maximal wird mal wer in eine Gruppe reingezogen, dann zugelabert und wieder weg geschubst. Erst rund um den Ausbruch darf mal eine Figur brennen, der Rest verläuft komplett unaufgeregt.

Auch Franks Rache an dem Richter ist nicht das, was man als Actionszene beschreiben würde. Die hohe FSK 18 auf den deutschen Datenträgern entstand im Übrigen nur durch Trailer zu anderen Filmen, „Night Walk“ selbst ist locker mit einer FSK 16 durchgekommen. Und selbst die wirkt sehr hoch gegriffen.

„Night Walk“ ist reichlich umnachtet

Das Langfilmdebüt von Aziz Tazi mag für ihn einem wahr gewordenen Traum gleichkommen, den Zuschauer allerdings erwartet eher ein unterhaltungstechnischer Alptraum: Die Story vom unschuldig Inhaftierten hat sooo einen Bart, Hauptdarsteller Sean Stone ist eine einzige Katastrophe, die Figurenzeichnungen verfangen null, das Tempo lahmt extrem, die Dialoge lassen einem die Ohren bluten, die transportieren Bilder sind mit billig noch nett umschrieben und das ganze Finale tut jedem halbwegs logisch denkenden Menschen eigentlich nur weh.

Zumindest kann man dem Film hoch anrechnen, dass er versucht, das Bild vom Islam und dessen Anhängern geradezurücken, beziehungsweise es mit Komplexität aufzuladen. Blöderweise ist der Film rund um diese Ambitionen für einen solchen Diskurs alles andere als geeignet.

2 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien am 24. September 2021 von Spirit Media, ist ungeschnitten und hat neben Behind-the-Scenes-Material auch Deleted Scenes und einen Audiokommentar an Bord. Zudem ist der Film exklusiv bei Müller als Mediabook erschienen.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Spirit Media__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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