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Death Kiss

Originaltitel: Death Kiss__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Rene Perez__Darsteller: Robert Bronzi, Daniel Baldwin, Richard Tyson, Eva Hamilton, Stormi Maya, Anton Clark, Reese Austyn, Zach Carter, Timothy Sheard, J.D. Angstadt u.a.
Death Kiss DVD Cover

“Death Kiss” gibt sich als Hommage an die “Death Wish” Reihe und das Actionkino der 70er/80er Jahre.

Filme sind ja schon aus den seltsamsten Gründen entstanden. Da mutet es irgendwie gar nicht SOOO seltsam an, dass die Prämisse für „Death Kiss“ im Grunde folgende war: Hey, wir haben da einen Darsteller, der ausschaut wie Charles Bronson zu seinen besten „Ein Mann sieht rot“-Zeiten! Warum drehen wir nicht einfach einen Wiedergänger der im Original „Death Wish“ heißenden Vigilantenreihe und geben dem den ähnlich klingenden Titel „Death Kiss“? Gesagt, getan. Das Ergebnis liegt nun vor… und sollte Fans altmodischer Action durchaus munden.

Dabei startet „Death Kiss“ durchaus etwas holprig. Weil ihm zu Beginn ein narratives Konzept fehlt. Der Zuschauer ist im Grunde nur dabei, wie der namenlose – beziehungsweise irgendwann K (eine offensichtliche Hommage an Charles Bronsons Kersey in „Death Wish“) genannte – Held durch finstere Viertel seiner Heimatstadt trabt. Wann immer ihm etwas missfällt, macht er Halt, schaut sich die Situation genauer an und bemüht irgendwann seine Magnum, um unter dem Unrat der Stadt aufzuräumen.

Damit das Ganze nicht komplett zusammenhanglos bleibt, installiert Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Rene Perez („The Dragon Unleashed“) einen Radiomoderator, der das Gesehene zumindest ansatzweise einordnet. Mit seinem stark nach rechtsaußen orientierten Gelaber trifft der den grundlegenden Ton der referenzierten Filmreihe auf den Punkt. Das kann man sogar als sozialkritischen Aspekt bewerten, wenngleich das Erzählte in aktuellen Zeiten doch eher in Richtung wutbürgerliches Geheul tendiert.

Schaut in “Death Kiss” hinein

Zumindest wird in den Anfangsminuten bereits offensichtlich, dass Perez seine Hausaufgaben auch in Sachen Action gemacht hat. Wie in den Vorbildfilmen (und da vor allem die frühen Teile) ist die nämlich eher behäbiger Natur und zeigt vornehmlich ihren Helden, wie er sich mit den Lumpen kleinere Shootouts liefert oder auch mal hinter ihnen her rennt. Autoverfolgungsjagden, große Explosionen oder gar lange Infights gibt es überhaupt nicht zu vermelden. Stattdessen gibt es die derbsten Blutfontänen der letzten Jahre zu begutachten. Wann immer K einen Lumpen mit seinem Argumentationsverstärker trifft, wird der Bildschirm amtlichst mit rotem Lebenssaft geflutet. Da Perez hier und da auch mal in die Zeitlupe schaltet, darf das Blut gefühlt beinahe minutenlang durch die Luft wabern.

Da all das ganz nett ist, aber keinen Film trägt, startet „Death Kiss“ dann nach etwa 20 Minuten in seine eigentliche Geschichte. In der findet sich K regelmäßig am Postkasten einer kleinen Familie ein, die aus einer Mutter und deren querschnittsgelähmter Tochter besteht. Denen hinterlässt K heimlich immer wieder finanzielle Zuwendungen.

Death Kiss mit Robert Bronzi

K hinterlässt kaum mehr als verbrannte Erde…

Eines Tages wird er von der Mutter erwischt, wie er das Geld einwirft. Die will ihren edlen Spender kennenlernen und versucht, hinter die Fassade des äußerst schweigsamen Einzelgängers zu blicken. Der legt sich derweil noch mit einem stadtbekannten Lumpen an, der mit K eine gemeinsame Vergangenheit hat. Eine Katastrophe scheint sich anzubahnen…

Drehbuchautor Perez trifft auch in Sachen Story komplett den Tonfall der referenzierten Actionfilmzeit. Die Story ist eher funktionaler Natur, hält den Film gut zusammen und ist vor allem richtig nett konstruiert. Vor allem, wenn am Ende alle angerissenen Handlungsfäden zusammenlaufen, fühlt man sich als Actionfan absolut verstanden. Zwar ist man der Story des Filmes immer weit voraus und ahnt sämtliche Entwicklungen vorher, aber das gehört zu Filmen dieser Art einfach dazu.

Großartig ist auch, wie Perez die Dialogführung dieser Art Filme imitiert. Während die Mutter quasi pausenlos auf K einbrubbelt, beantwortet der die meisten Fragen entweder gar nicht oder nur wunderbar einsilbig. Teilweise entstehen so beinahe quälend lange, dialogfreie Momente. Aber genauso liefen die Gespräche in Actionfilmen nun einmal ab, bevor in den 90ern die selbstironischen und dauerlabernden Helden auftauchten.

Death Kiss Blutfontäne

Wenn K trifft, spritzt der Lebenssaft. Aber richtig!

Wenngleich die Szenen zwischen K und der Mutter gut funktionieren, ruht sich Perez freilich nicht darauf aus und präsentiert K immer wieder in kleineren, blutspritzenden Scharmützeln. Diese sind gut über den Film verteilt und münden in einen richtig schön in Szene gesetzten Showdown in einer winterlichen Waldlandschaft. Wo sich der Schnee mal so richtig blutrot färben darf. Perez bleibt dabei seiner Linie treu: Eher hüftsteif wuchtet man sich durch die Szenerien und sobald getroffen wird, suppt es amtlichst.

Darstellerisch schlägt sich dabei Robert Kovacs aka Robert Bronzi ganz ordentlich. Seine Hauptaufgabe ist es, wie Charles Bronson auszusehen und dessen Verhaltensweisen zu imitieren. Diese Mimikry ist für die 88 Minuten Laufzeit nahezu perfekt. Ob der Darsteller auch mehr als das kann, erahnt man hier freilich nicht. Zumindest wirkt er ein wenig agiler als Charles Bronson und scheint vor allem in der Action trotz fortgeschrittenen Alters eine Menge selbst zu machen. Ein Überbleibsel seiner Ausbildung zum Stuntman. An seiner Seite agiert sexy Eva Hamilton als sympathisches Muttertier, die mit Bronzi hervorragend funktioniert und dessen Charakter überzeugend aufbricht.

Death Kiss mit Robert Bronzi und Eva Hamilton

K lehrt seiner Schutzbefohlenen das Ballern.

Wunderbar schmierig kommt Richard Tyson („Boone: The Bounty Hunter“) als Superlump rüber. Prägnant eingeführt als Mörder und Frauenschänder hätte man ihm noch ein paar Auftritte mehr gewünscht, um die Gefährlichkeit und Asozialität seiner Figur stärker herauszuarbeiten. Daniel Baldwin („The Real Deal“) hat als Radiomoderator ein paar kleinere Auftritte. Leider sorgt er auch für eine der schwächeren Szenen, wenn der Film versucht, seine Figur irgendwie in das Gesamtkonstrukt zu integrieren. Da bleiben nämlich einige Fragezeichen…

Größere Probleme hat der Film auch in Sachen Budget. Perez hat ihn schon sichtlich an den abgeranztesten Ecken überhaupt in Szene gesetzt. Die Schauplätze wirken karg und leer und vor dem Hintergrund, dass es ja irgendwo um Gewalt in den Großstädten gehen soll, spielt die Großstadt eine arg minimale (da vermutlich zu teure) Rolle. Zumindest das Setting des Showdowns ist Gold wert und liefert Bilder, die ansonsten in „Death Kiss“ keinerlei Entsprechung finden. Diese werden dominiert durch einen stark digitalen Look, der zudem immer mal wieder in den Farbkontrasten komplett zu kippen droht. Grüne Flecken in menschlichen Gesichtern sind die Folge. Zumindest imitiert Perez den Look der Pre80s- und 80s-Actioner perfekt. Verfällt nie in wirre Schnittorgien und setzt so gut wie immer auf lange, ruhige Einstellungen.

“Death Kiss” erweist sich als gelungene “Death Wish”-Hommage

Was am Ende bleibt, ist eine wirklich unterhaltsame Hommage an den Old-School-Actionfilm im Allgemeinen und die „Death Wish“-Filme im Besonderen. Ordentlich blaue Bohnen, nackte Hupen, Machismo und dämliche Dialoge inklusive. Dazu ein Held, der mit vorgehaltener Autotür auf seine Gegner zu latscht und sie eiskalt und ohne mit der Wimper zu zucken ultrablutig in die ewigen Jagdgründe schickt. Leider schaut der Film teilweise arg billig aus und startet ziemlich ungelenk in seine ansonsten erstaunlich runde Geschichte. Schade ist dahingehend auch, dass Perez das querschnittsgelähmte Mädchen nicht nutzt, um seinen Helden für den Zuschauer zugänglicher zu machen.

Als Actionfan bekommt man in „Death Kiss“ die derbsten Blutfontänen seit Ewigkeiten zu sehen, hier und da hätte man sich aber auch aufwändigere Actioneinlagen gewünscht. Ein großes Lob geht noch an die geile Synthesizer-Mucke, die Rene Perez zusätzlich noch selbst auf die Beine gestellt hat. Im Großen und Ganzen weiß „Death Kiss“ ordentlich zu unterhalten. Ein Klassiker des Genres wird er sicherlich nicht werden, aber es ist doch schon einmal ein hübsches Lob, dass man unumwunden feststellen muss, dass die Hommage an die „Death Wish“-Reihe einige Teile derselben sogar übertrumpft (wenngleich das nicht sooo schwer ist).

6 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien am 14. Dezember 2018 von dem Label Busch Media Group und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Busch Media Group__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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