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Elysium

Originaltitel: Elysium__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Neill Blomkamp__Darsteller: Matt Damon, Jodie Foster, William Fichtner, Sharlto Copley, Alice Braga, Michael Shanks, Faran Tahir, Diego Luna, Talisa Soto, Carly Pope, Ona Grauer, Terry Chen u.a.
Elysium

Matt Damon will nach “Elysium”, koste es, was es wolle!

Im Jahre 2154 ist die Erde weitgehend ausgebeutet und als Lebensraum nur noch ein Schatten ihrer selbst. Das uns präsentierte Los Angeles gleicht einem riesigen Slum: Staubig, zerstört, voller Menschen in Lumpen, ohrenbetäubend laut. Ein Moloch. Doch wo sind die schönen Seiten der Stadt? Diese gibt es nicht mehr, denn alle Reichen haben die Stadt und allgemein die Erde gen „Elysium“ verlassen. „Elysium“ ist eine Raumstation im Orbit unseres Planeten, eine Art Paradies für jene, die sich das Leben in diesem Refugium leisten können. Immer wieder versuchen Menschen von der Erde auf „Elysium“ zu gelangen. Doch die Obrigen von „Elysium“ sorgen notfalls auch mit Gewalt dafür, dass ihr Lebensstandard erhalten bleibt und sich niemand an ihren Errungenschaften „bereichert“. Wer sich auf „Elysium“ schmuggeln lässt, und sei es nur, um einmal von den dort vorhandenen, schier grenzenlos scheinenden Heilungspotentialen zu profitieren, muss mit Verfolgung und Abschiebung, ja sogar dem Tod rechnen…

Max lebt auf der Erde und er muss dringend nach „Elysium“. Bei einem Arbeitsunfall wurde er so stark verstrahlt, dass er nur noch wenige Tage zu leben hat. Doch als normaler Erdenbürger darf er nicht auf „Elysium“. Er muss sich eine Fake-Identität besorgen, die ihn als Bewohner „Elysiums“ ausweist, und er benötigt ein Raumshuttle, das ihn nach „Eylsium“ bringt. Das dafür benötigte Geld hat Max leider nicht. Also wendet er sich an zwielichtige Gestalten, die ihr Geld damit verdienen, Erdenbürger auf „Elysium“ zu schmuggeln. Diese verlangen von ihm, dass er spezielle Daten stehlen und in sein Gehirn runterladen solle. Das geht allerdings vollkommen schief und Max hat plötzlich Daten in seinem Schädel, die die gesamte Zukunft der Menschheit verändern könnten. Die Jagdsaison auf Max hat begonnen.

Elysium

Jodie Foster hat etwas gegen arme Menschen auf “Elysium”.

Neill Blomkamp hat vor wenigen Jahren mit seinem Film „District 9“ für gehörigen Aufruhr unter Filmfans im Allgemeinen und Science Fiction Fans im Speziellen gesorgt. Voller Verve erzählte er eine schräge Zukunftsmär, die sich gleichzeitig harte Seitenhiebe in Richtung Einwanderungspolitik diverser Länder erlaubte. „Elysium“ erzählt nun eine erstaunlich ähnliche Geschichte wie „District 9“. Hier wie da haben wir nämlich einen Charakter, der unheilbar erkrankt ist und zu einem „Mutterschiff“ kommen muss, weil dort die Heilung auf ihn warten könnte. Der Weg dahin ist mehr als steinig und wird auch in „Elysium“ genutzt, um einige Missstände unserer heutigen Welt anzuprangern. Wieder gibt es eindeutige Bilder in Sachen Einwandererproblematik. Egal was für Schicksale auch hinter den Immigranten stehen mögen, haben sie keine gültige ID, werden sie abgeschoben und mit ihren Problemen allein gelassen. Eine heute alltägliche und mit bürokratischer Kaltschnäuzigkeit immer wieder gerne durchexerzierte Praxis. Und auch die allgegenwärtige, vieldiskutierte Schere zwischen Armen und Reichen wird in „Elysium“ ins Extrem übersteigert. Denn dank der Raumstation „Elysium“ liegen zwischen reich und arm hier sprichwörtlich Welten. In der Umsetzung der Unterschiede dieser Welten hat „Elysium“ sehr starke Momente, schwächelt aber in Sachen Story teils gehörig.

Dabei machen vornehmlich Logikfehler dem Film zu schaffen. Diese beginnen bei kleinen Details: So wird Max als vorbestrafter Häftling auf Bewährung eingeführt. Mit erstaunlich vorsintflutlicher Fußfessel ausgestattet. Doch nachdem „Elysium“ diesen Fakt groß und breit dargestellt hat, wird er plötzlich wieder unwichtig! So fragt man sich immer wieder, warum die Schergen „Elysiums“, die Max jagen, ihn nicht einfach über seine Fußfessel tracken! Stattdessen werden Drohnen losgeschickt und fliegen diverse Luftfahrzeuge auf der Suche nach Max durch die Gegend. Dass diese dann immer genau an dem Ort sind, wo auch Max gerade ist, wenn er sich mal wieder in die Öffentlichkeit wagt, ist ein weiterer blöder Logikbug. Doch das sind wirklich Kleinigkeiten in Bezug auf den Showdown. Hier verliert der Film beinahe seine Zuschauer. Die müssen sich zunächst einen ziemlich abstrakten „Resetknopf“-Plan gefallen lassen, in dessen Verlauf die Programmierung „Elysiums“ überschrieben werden soll. Dass der Quellcode dafür von einem systemtreuen Elysium-Bewohner stammt, macht das Ganze nur noch seltsamer und man fragt sich beständig, wie man von einem sogenannten Putschversuch zu einer komplett neuen Regierungsordnung auf Elysium kommen will? Und was bringt die Umprogrammierung, wenn doch die Bewohner „Elysiums“ selbst das eigentliche Problem sind, da sie die Armen nicht auf ihrer Station wollen.

Elysium

“Elysium”, ein Refugium der Reichen im All.

Gegen Ende reißen dann einige Bilder dem Film fast komplett den Boden unter den Füßen weg! Da präsentiert man dem Zuschauer auf einmal Schiffe voller Heilungsvorrichtungen, die gen Erde aufbrechen, um die Menschen zu versorgen. Warum gibt es diese Schiffe, wenn jedes Haus auf „Elysium“ eine solche Vorrichtung hat? Warum nehmen die Menschen der Erde die gefährlichen Grenzübertretungen gen „Elysium“ in Kauf, wenn sie doch nur eines dieser Schiffe klauen müssten, um ihre Kranken zu heilen? Warum schicken die Elysium-Bewohner nicht von sich aus diese Schiffe gen Erde, um die Einwanderungsversuche zu unterbinden? Und plötzlich wackelt der gesamte Film, denn in selbigen drehte sich nun einmal alles nur darum, wie Max die Gelegenheit bekommen kann, diese Vorrichtungen zu nutzen. Dass dann im Showdown plötzlich Schiffe von der Erde problemlos auf „Elysium“ landen können, ist ein weiteres echtes Ärgernis.

Elysium

Max gerät mehrfach mit den Häschern “Elysiums” aneinander.

Ein weiteres Problem ist Max selbst. Zwar gefällt, dass Blomkamp seinen Helden nicht zum Alleskönner stilisiert und ihn zu einer Art Superman aufbaut, ein wenig mehr Heldenmut hätte Max aber dennoch nicht schlecht gestanden. Wenn man ihn dann zur Mitte des Filmes sogar noch in ein metallisches Exoskelett stecken muss, damit der Zuschauer glauben kann, dass es Max mit seinen Gegnern aufnehmen könnte, ist das ein mehr als bezeichnendes Bild. Und seltsamerweise wirkt Matt Damon hinter den Metallverstrebungen komplett verloren. Wenn man dann seinen Kontrahenten Sharlto Copley („District 9“) sieht, mit welchem Verve dieser sich durch den Film schraubt und was für einen präsenten Badass er entwirft, verwundert einen das blasse Auftreten des eigentlichen Helden nur noch mehr. Zumal dieser trotz kraftverstärkenden Exoskeletts nie besonders kräftig wirkt, geschweige denn coole Szenen in Sachen Bösewichterbeseitigung zugestanden bekommt.

Doch genug nun des Gemeckers, denn auch wenn die Geschichte des Filmes eher funktionaler Natur ist und lieber nicht weiter hinterfragt werden sollte, hält sie „Elysium“ doch ziemlich gut zusammen. Was allerdings auch an dem Tempo liegt, mit dem Blomkamp seinen Film voranpeitscht. Blomkamp hält sich niemals länger mit seinen Figuren auf, als es sein muss. Stattdessen lässt er diese sich über ihre Taten definieren. Die eigentliche Geschichte wird gerade aufgrund ihrer Anspielungen auf die Probleme der heutigen Zeit interessant und der bittere bis zynische Humor des Filmes dürfte auch so manchen Zuschauer ansprechen.

Besser noch als in „District 9“ verteilt der Regisseur diesmal die Action über den Film. Wo der Vorgängerfilm vor allem in den letzten 20 Minuten formvollendet auf die Kacke haut, werden dieses Mal viele kleine Scharmützel über den ganzen Film verteilt. Leider fehlt dabei ein echter Höhepunkt, der an die supercoole Kampfrobotereinlage in „District 9“ heranreicht. Auch inszeniert Blomkamp seine Action viel zu hektisch. Gerade in den Infights verliert man teils vollkommen den Überblick, wer hier nun gerade wen verwammst. Auch wenn die Kameraführung in diesen Momenten teilweise erstaunlich ist. Genial sind wieder die für den Film erfundenen Waffen und die damit verbundenen, teils sehr splattrigen Momente. Da werden Menschen zersprengt, in Einzelteile zerlegt und zermatscht. Da explodieren Kugeln vor den Zielen und die Druckwellen zerlegen die Ziele in ihre Einzelteile, ja atomisieren sie förmlich. Und dass die Munition um Ecken herum die Gegner sucht oder gleich direkt die Wände durchschlägt und das Ziel punktgenau erwischt, sorgt ebenfalls für den einen oder anderen Aha-Effekt.

Elysium

Mit großen Schießprügeln geht es dem Reichtum an den Kragen!

Abgesehen von der hektischen Kameraführung in der Action ist „Elysium“ blitzsauber inszeniert und kann sich auf eine formidable Effektmaschinerie verlassen. Auch wenn Blomkamp irgendwann ein wenig zu selbstverliebt zum x-ten Mal ein Fluggerät beim Starten oder Landen zeigt, lassen einen die Schauwerte und der dazu rumpelnde Score von Ryan Amon immer dran bleiben. Ein Highlight sind auch die lebendigen, wimmelnden, in Staub und Dreck förmlich erstickenden Bilder der zerstörten Erdenoberfläche, die „Elysium“ direkt Endzeitflair atmen lassen. Seine Darsteller hat der Regisseur gut im Griff. Matt Damon liefert eine gute Leistung ab, man hätte ihm aber eine präsentere Rolle gewünscht. Als sein Jäger begeistert Copley mit einer herrlichen Performance. Jodie Foster gibt das eiskalte Vieh mit sichtlichem Spaß, wird aber leider in Richtung Showdown komplett verheizt, und Gesichter wie jenes von William Fichtner („Lone Ranger“) sieht man eh immer wieder gern.

Was bleibt, ist ein Film, der leider nicht so geschlossen, kompakt und genial wie das Vorgängerwerk des Regisseurs wirkt. Die im Film vorhandenen Logikfehler reißen einen immer wieder aus der Geschichte heraus, von der physikalischen Seite ganz zu schweigen (etwa kam mir die Atmosphäre von „Elysium“ in ihren Eigenschaften arg seltsam vor). Was auch erstaunt, ist, wie kalt einen die emotional gedachte Geschichte um Max und seine „große Liebe“ Frey (verkörpert von einer total unpräsenten Alice Braga („Predators“)) lässt. Mangels Chemie zwischen den beiden Darstellern verpufft diese Einlage vollkommen. Auch bekommt der von Matt Damon gespielte Max niemals so richtig die Kurve in Richtung echter Held oder Mann der Tat, weshalb er ziemlich luschig wirkt und sich nie vollends der Sympathie des Publikums sicher sein kann. Und die im Vorgängerfilm noch so schlitzohrig inszenierte Action ist leider ein wenig höhepunktlos und arg verwackelt inszeniert.

Ein Heidentempo, starke Darsteller, coole Bilder, geniale Effekte, viel Spaß am kreativen Töten, diverse Seitenhiebe auf heutige Probleme und ein cooler Rumpelscore (Tipp: Den Abspann abwarten und die erstaunlich guten Themen noch einmal in aller Ruhe genießen!) retten den Film aber problemlos über die Runden. Beim nächsten Mal sollte man wieder mehr Mühe ins Drehbuch einfließen lassen. Und ein persönlicher Wunsch: Herr Bloomkamp, gehen Sie bitte in Klausur für weitere coole Waffen und ebensolche Treffereffekte und dann drehen sie einen Oldschool Actioner der Marke „Phantom Kommando“, in dem ein Held alle Möglichkeiten bekommt, ihre coolen Knarren an den verschiedensten Lumpen auszuprobieren. Danke im Voraus!

Der Film ist seit 15. August in den deutschen Kinos zu sehen und mit einer FSK 16 Freigabe uncut.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony Pictures Releasing GmbH__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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