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Eternals

Originaltitel: Eternals__Herstellungsland: USA/Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2021__Regie: Chloé Zhao__Darsteller: Gemma Chan, Richard Madden, Salma Hayek, Angelina Jolie, Kumail Nanjiani, Lia McHugh, Brian Tyree Henry, Lauren Ridloff, Barry Keoghan, Ma Dong-seok, Kit Harington, Bill Skarsgård, Patton Oswalt, Esai Daniel Cross, Harry Styles u.a.
Eternals

“Eternals” von Chloé Zhao legt einen Superheldenfilm als Ensemble-Drama an

Dass Marvel gerne auch mal Indie-Regisseure an seine sündhaft teuren Blockbuster lässt, in der Hoffnung, dass diese für mehr Figurentiefe sorgen, ist keine Neuheit. Im Falle von Chloé Zhao erwies sich dies auch marketingtechnisch aus Glücksgriff, da diese gerade Dreharbeiten von „Eternals“ abgeschlossen hatte, als ihr Arbeiterdrama „Nomadland“ zum Award- und Festival-Liebling wurde.

So ist „Eternals“ dann am ehesten ein Ensemble-Stück unter den Marvel-Filmen und das ohne vorige Einführung der Figuren durch andere Filme wie etwa bei „The Avengers“. Es geht um drei Spezies von höher entwickelten Wesen: Die Celestials kontrollieren den Lauf des Universums und die Entwicklung von Spezies, während die Deviants diesen schaden wollen. Zum Schutz der Schöpfung vor den Deviants erschaffen die Celestials die Eternals. Zehn davon beschützen die Erde: Ajak (Salma Hayek), die Anführerin, zusammen mit Sersi (Gemma Chan), Ikaris (Richard Madden), Kingo (Kumail Nanjiani), Thena (Angelina Jolie), Sprite (Lia McHugh), Phastos (Brian Tyree Henry), Makkari (Lauren Ridloff), Druig (Barry Keoghan) und Gilgamesh (Ma Dong-seok). Schon an den Namen erkennt man den Bezug zu antiken Gottheiten wie Athene, Ikarus oder Hephaistos.

Nachdem der letzte Deviant getötet wurde, begannen die Eternals unerkannt unter den Menschen zu leben, durften aber nicht in deren Geschicke eingreifen. In der Gegenwart leben Sersi und die jugendliche Sprite in London, wo Sersi mit ihrem Freund Dane (Kit Harington) glücklich ist. Doch eines Abends greift sie ein Deviant an, den sie nur mit Hilfe des herbeieilenden Ikaris bekämpfen können. Sie können das Monster in die Flucht schlagen, sind jedoch alles andere als erleichtert: Die Deviants sollten nicht bloß tot sein, dieses Exemplar kann sich sogar heilen.

Also macht sich das Trio auf, um den versprengten Rest der Truppe einzusammeln, der über die Welt verteilt lebt und seine Existenz mehr oder weniger geheim hält. Doch sie müssen feststellen, dass die Deviants ihrerseits Jagd nach den Eternals sind…

Man merkt „Eternals“ an, dass Zhao hier ein Ensemble-Drama im Sinn hatte, bei dem jeder sein Päckchen zu tragen hat. Die Eternals sehnen sich nach Normalität, hadern mit ihrer Unsterblichkeit, weil ihre Liebsten altern und sterben oder sie selbst auf ewig Kinder bleiben, sie verlieben sich in Menschen und untereinander. Einige dieser Subplots sind dann auch mit der sicheren Hand einer Charakterregisseurin inszeniert, etwa wenn es um die Liebe zwischen Gilgamesh und Thena geht: Der wuchtige Haudrauf-und-Schluss muss die Kriegsgöttin umsorgen, die durch ein Trauma zur Furie zu werden droht und auch ihre Freunde angreift, weshalb das Paar abgeschieden im Outback lebt. Teilweise reichen kleine Gesten, etwa um die Zuneigung zwischen Druig und Makkari zu zeigen. Am meisten Raum nimmt dabei die vergangene Beziehung von Sersi und Ikaris ein, die an einigen Stellen für großes Drama sorgt, seltsamerweise aber nicht so für sich einnimmt wie manche von den kleineren Subplots. Gleichzeitig besitzt „Eternals“ auch seine humoristischen Seiten. Druig ist ein sarkastischer bis zynischer Sprücheklopfer, während Kingo der Hallodri der Truppe ist: Dieser hat sich eine Karriere als Bollywoodstar aufgebaut und genießt das Leben in vollen Zügen. Und Sprite kann ihre Fähigkeit zur Illusionserzeugung kreativ einsetzen, etwa wenn sie Gilgamesh für einen Scherz büßen lässt.

Eternals

Die Eternals: Kingo (Kumail Nanjiani), Makkari (Lauren Ridloff), Gilgamesh (Ma Dong-seok), Thena (Angelina Jolie), Ikaris (Richard Madden), Ajak (Salma Hayek), Sersi (Gemma Chan), Sprite (Lia McHugh), Phastos (Brian Tyree Henry) und Druig (Barry Keoghan)

Das Ensemble-Konzept mit diesen weitestgehend unbekannten Figuren besitzt den spannungsfördernden Vorteil, dass Zhao auch etwas rigoroser mit ihren Protagonisten umgehen kann: Nicht alle Eternals erleben das Ende des Films, das Drehbuch von Chloé Zhao, Patrick Burley sowie Kaz und Ryan Firpo nimmt beim Sterben auch nicht Rücksicht auf Sympathiewerte oder Starstatus eines Darstellers. Auch an der Castliste ist dies nicht so schnell zu ersehen, da „Eternals“ viel mit Rückblenden arbeitet und dort auch auf Gegenwartsebene verstorbene Charaktere noch aufkreuzen. Diese bieten zudem die Möglichkeit vergangene Zeitalter, von der Steinzeit über das antike Babylon bis hin zum Abwurf der Atombombe in Hiroshima, bildgewaltig aufleben zu lassen, die Geschichte der Menschheit mit jener der Eternals zu verzahnen und dabei mehr über diese Figuren und ihre Vorgeschichte zu erzählen.

Zhao hat nicht weniger als das ganz große Comic-Epos im Sinn, was auf Figurenebene trotz der Vielzahl von Charakteren überraschend gut funktioniert. Allerdings müssen diese Charaktere auch etwas erleben und da schwächelt „Eternals“ dann leider merklich. Anfangs ist „Eternals“ noch erfrischend mysteriös, hält die Spannung mit der Frage aufrecht, wohin die Reise des Plots wohl gehen wird. Und dann wird diese gegen Ende des ersten Drittels mehr oder weniger salopp beantwortet. *SPOILER* Nachdem enthüllt wird, dass die Erde bei der Geburt eines neuen Celestials zerstört werden wird, ist umgehend klar, dass die Eternals den Rest des Films damit verbringen werden dies zu verhindern. Die Rolle der Deviants wird damit zunehmend unwichtig, die dann eher als wiederkehrende Störfaktoren denn als wirkliche Schurken erscheinen. *SPOILER ENDE* Zudem bewegt sich der Film damit zu jenem besonders abgehobenen Mystik-Mumbo-Jumbo, der im Gegensatz zu den Figuren komplett abgehoben und unnahbar ist. Da helfen auch ein paar Storytwists gegen Ende wenig, die das Ganze wieder auf die persönlichere Ebene hieven und den Plot um Weltenrettung bzw. -zerstörung wieder mehr erden. Nach dem Finale werden nicht nur in der Mid- und Post-Credit-Sequenz, sondern auch in den letzten Szenen des Films Fährten ausgelegt, die auf andere Marvel-Filme, vor allem aber auf ein direktes „Eternals“-Sequel ausgelegt sind.

Eternals

Das gibt kräftig auf die Deviant-Fresse

Darin könnten sich zumindest Teile des talentierten Ensembles noch einmal zusammenfinden. Zu den großen Überraschungen gehört, dass gerade die großen Namen Salma Hayek („Killer’s Bodyguard 2“) und Angelina Jolie („Mojave Moon“) ihren weniger bekannten Co-Stars so viel Raum zum Glänzen lassen. Dabei setzen vor allem Kumail Nanjiani („Stuber“) als Schlitzohr, Barry Keoghan („Dunkirk“) als zutiefst gekränkter Idealist, Bryan Tyree Henry („Godzilla vs. Kong“) als zweifelnder Tüftler, Ma Dong-seok („The Gangster, the Cop, the Devil“) als fürsorglicher Krieger und Lia McHugh („Songbird“) als mit ihrer Existenz hadernde Illusionistin starke Akzente. Doch auch Gemma Chan („Crazy Rich Asians“) und Richard Madden („Bastille Day“) in den größten Rollen des Films liefern starke Leistungen ab. Ein kleiner In-Joke ist der, dass ausgerechnet Madden und sein „Game of Thrones“-Buddy Kit Harington Rivalen um die gleiche Frau sind, deren Name dann auch noch wie Cercei klingt. So bleibt dann nur Lauren Ridloff („The Walking Dead“) – auch drehbuchbedingt – etwas blass, auch wenn sich „Eternals“ immerhin damit schmücken kann eine Gehörlosenrolle auch tatsächlich mit einer Gehörlosen besetzt zu haben.

Zusammen mit ihren Fight Choreographern Mike Lambert („Zack Snyder’s Justice League“) und Cameron Early („Fast & Furious 9“) kreiert Chloé Zhao recht gelungene Actionszenen, bei denen sie die Menge an Greenscreens und CGI so klein wie möglich hielt – so weit das bei Superhelden, die sich fliegend und mit Energieblitzen schießend mit Monstern kloppen, möglich ist. Die Fähigkeiten (Gedankenkontrolle, Materie transformieren, Heilkräfte usw.) ergänzen sich durchaus interessant, wobei die „X-Men“-Reihe dann doch kreativer in Sachen Teamarbeit und Kombination von Superkräften war. So ist es dann auch ein Problem der Action von „Eternals“, dass das Gebotene zwar durchweg brauchbar gemacht ist, aber man es anderswo halt auch schon mal besser oder kreativer gesehen hat. Zumal „Eternals“ sind seine Kampfszenen doch eher homöopathisch einsetzt.

Eternals

Ikaris (Richard Madden) und Sersi (Gemma Chan) waren mal ein Paar, das ist aber auch schon ein paar Jahrhunderte her

So fällt das abschließende Urteil zu „Eternals“ etwas schwer: Die rund zweieinhalb Stunden gehen dann doch überraschend schnell rum, das Darstellerensemble und die Charakterzeichnung sind sehr stark, die Action geht in Ordnung – und doch will der Funke nicht so recht überspringen. Das liegt am etwas abgehobenen Mainplot, der die meisten seiner Geheimnisse viel zu früh ausbuchstabiert und über weite Strecken auf vernünftige Schurkenfiguren verzichten muss. Die Ambition von einer diversen wie menschelnden Superheldentruppe zu erzählen und mit Verweisen auf Gesellschaft und Geschichte zu spicken ist mehr als lobenswert, aber „Eternals“ ist wahrscheinlich so ein Fall von „auf hohem Niveau gescheitert“.

Walt Disney hat „Eternals“ am 3. November 2021 in die deutschen Kinos gebracht, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Walt Disney__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, seit 3.11.2021 in den deutschen Kinos

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