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Extraordinary Mission

Originaltitel: Fei Fan Ren Wu__Herstellungsland: China__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Alan Mak, Pun Yiu-Ming__Darsteller: Huang Xuan, Duan Yihong, Lang Yueting, Zu Feng, Xing Jiadong, Wang Yanhui, Ding Yongdai, Xiao Cong, Li Xiaochuan, Zhao Bingrui u.a.
Extraordinary Mission DVD Cover

“Extraordinary Mission” lässt es in seinem Showdown genial krachen!

Der Polizist Lin Kai ist seit drei Jahren Undercover bei chinesischen Drogenhändlern tätig. Mit List und klugen strategischen Entscheidungen hat er sich innerhalb der eher provinziellen und kleinen Gang nach oben gearbeitet. Als diese einen Deal mit einer Bande Großdealer aus dem Goldenen Dreieck anleiert, lässt Lin Kai den Deal auffliegen. Die anrückende Polizei sorgt für ordentlich Chaos und verletzt den Verhandlungschef der Dealer vom Goldenen Dreieck.

Lin Kai sieht seine Gelegenheit gekommen, tiefer in die Strukturen des weltweiten Drogenhandels einzutauchen. Er hilft dem Verletzten zurück nach Thailand und schafft es auch hier, sich allmählich das Vertrauen des Drogenkartells vor Ort zu erschleichen.

Immer näher rückt er dessen Anführer, der von allen nur „Eagle“ genannt wird. Was Lin Kai nicht ahnt, ist, dass sein direkter Vorgesetzter bei der Polizei eine gemeinsame Vergangenheit mit Eagle hat, die Lin richtig gefährlich werden könnte…

Schaut in “Extraordinary Mission” hinein

„Extraordinary Mission“ ist zu Beginn ein Paradebeispiel für effektives Erzählen. In wenigen Minuten wird die Ausgangssituation um Maulwurf Lin Kai und dessen jahrelange Undercover-Arbeit etabliert. Wir erfahren, wie Lin Teil der Gang wird, wie er aufsteigt, wie die Gang funktioniert und wer der wahre Kopf ist. Auf den Punkt erklären kurze Rückblenden, wie Lin für diesen Job rekrutiert wird. In 20 Minuten wird man förmlich mit Informationen zugeschmissen, ohne dass diese Verwirrung stiften würden. Man ist immer mittendrin in der Story.

Wenn „Extraordinary Mission“ am Goldenen Dreieck aufschlägt, nimmt die Informationsflut noch einmal deutlich zu. Neue Figuren werden unglaublich effizient eingeführt, bekannte Figuren erweitert und manche brutal aus der Handlung getilgt. Trotzdem überfordert „Extraordinary Mission“ nie, denn das Drehbuch von Felix Chong („Infernal Affairs“) hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf, bringt keinerlei überflüssige Handlungselemente ins Spiel und steuert konsequent auf den alles klärenden Showdown zu.

Seltsamerweise fühlt sich „Extraordinary Mission“ ungefähr nach 60 Minuten Laufzeit nicht mehr so an. Es fällt durchaus schwer, zu umschreiben, warum der Film in der zweiten Hälfte größere Probleme hat, die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu bündeln, weil er eigentlich weiterhin stark funktioniert. Auch emotional noch einmal zulegt und teilweise sogar mehr mitnimmt als die ersten 60 Minuten. Doch auf einmal scheint der Film immer mal wieder zu hängen. Es wird nie langweilig und eigentlich gibt es auch keinerlei Leerlauf zu verzeichnen, aber die Spannung fällt auf einmal immer wieder ab.

Das könnte zumindest ansatzweise daran liegen, dass das Regie-Duo aus Alan Mak („Infernal Affairs“) und Anthony Pun in dieser Phase kaum noch Actionscharmützel abfeuert. Diese ballten sich vornehmlich in der ersten Filmhälfte und waren hier ideal platziert, um so manch neue Erkenntnis sacken und wirken zu lassen. Dabei sind die ersten Actionszenen eher eruptiver Natur. Dabei sehr kurz, aber höchst explosiv! Denn Action-Regisseur Li Chung Chi („Legendary Assassin“) hat sichtlich Spaß an explodierenden Sachen. So dürfen hier manche Charaktere beständig mit Handgranaten um sich schmeißen. Andere bringen gerne Gasflaschen zur Explosion. Irgendwie vermisst man in der zweiten Filmhälfte diese Actionausbrüche. Denn diese pausieren auf einmal bis zum Showdown. Der es dann allerdings in sich hat.

“Extraordinary Mission” lässt es in seinem Showdown genial krachen

Alles, was man bislang zu sehen bekam, ist wirklich gar nichts im Vergleich zu dem genialen Finish. In gut 20 Minuten zündet der Action-Regisseur hier eine wahre Lawine an Schauwerten. Alles beginnt auf den Dächern einer thailändischen Stadt. Hier beharkt man sich mit automatischen Knarren, nur um irgendwann den Krieg in die Straßen der Stadt zu bringen. Das Kunstblut spritzt, Blutwolken wabern über die Gehwege, der Bodycount rotiert. Irgendwann geht das Geballer mit Bullet-Time-Momenten in eine irre Stuntshow über.

In der springt der Held mit einem Motorrad aus dem oberen Stockwerk eines explodierenden Hauses über eine Straße hinweg in ein anderes Haus, wo er treppauf treppab rast und Lumpen killt. Irgendwann rast er dann mit seinem Motorrad über die Dächer der Stadt und verfolgt so in den Straßen dahin rasende Autos. Die durchbrechen derweil Wände, rasen durch Zäune, überschlagen sich und werden ordentlich durchlöchert. Der großartige Showdown endet wirklich erst dann, wenn sich alle Figuren ordentlich Blei eingefangen und alle offenen Fragen ausgelöscht wurden. Konsequent gut.

Bebildert wird all das von Co-Regisseur Anthony Pun, der für „Extraordinary Mission“ auch seine eigentliche Profession als Kameramann wahrnahm und die unverbrauchten Schauplätze des Actionthrillers in breite Kinobilder goss. Von der chinesischen Provinz geht es hier in den Dschungel Thailands. Dabei lässt Pun die zunächst viel gritty Realismus atmende, dynamische Optik mit der Ankunft im Goldenen Dreieck immer mehr ins Sepiafarbene kippen. Allgemein erinnert „Extraordinary Mission“ optisch immer wieder stark an den ebenfalls von ihm bebilderten „The White Storm“, der sich ebenfalls im Goldenen Dreieck abspielte. Sehr cool ist zudem der unter den Bildern tönende Score von Chan Kwong Wing und TAQ ausgefallen. In den emotionalen Momenten trifft dieser ebenso genau den Punkt wie in den zackigen Actioneinlagen.

Darstellerisch stechen zwei Mann überdeutlich aus dem Testosteronspektakel hervor, in dem weder Frauen noch Romantik irgendeine wesentliche Rolle spielen. Huang Xuan („The Great Wall“) gibt den Helden der Chose. Der junge Mime kommt sehr sympathisch rüber und gibt dem Undercover-Agenten ein glaubwürdiges Gesicht. Ein wenig drüber ist allerdings seine gewöhnungsbedürftige Interpretation eines Süchtigen auf Entzug. Duan Yihong gibt Eagle und entwirft einen sehr souveränen Oberlumpen. Das Drehbuch hätte ihn allerdings gerne etwas bedrohlicher zeichnen dürfen. Zumindest verleiht es ihm schwer einzuschätzende Charakterzüge, die Eagle ordentlich unberechenbar machen.

“Extraordinary Mission” punktet mit spannender Handlung und fettem Showdown

Trotz der Tempoeinbußen im Mittelteil bietet der stark gespielte und schön bebilderte „Extraordinary Mission“ eine spannende, taffe, geradlinig durchgezogene Handlung. Die funktioniert aus sich heraus so gut, dass sie sogar um hinreichend bekannte Undercover-Thriller-Klischee einen großen Bogen machen kann. Ob beispielsweise Lin Kai enttarnt werden könnte, spielt in dem Actionthriller nicht ein einziges Mal eine Rolle. „Extraordinary Mission“ fokussiert lieber darauf, allen Figuren nachvollziehbare Motive für ihr Handeln zu geben und sie in einem alles verzehrenden Showdown nach Erlösung suchen zu lassen.

Dieser dürfte dann jeden Actionfan verzückt mit der Zunge schnalzen lassen. Denn was das Stuntteam um Action-Coordinator Li Chung Chi hier abfeiert, ist schlicht und ergreifend großartig. Zwar gibt es ein oder zwei missglückte CGI-Shots in dem Chaos, zu weiten Teilen ist das Geballer und die Stuntshow jedoch handgemacht, wie ein Blick in die Making-Of-Materialien zum Film belegen.

7 von 10

Über eine deutsche Veröffentlichung ist mir aktuell leider nichts bekannt. Dafür bekommt man den Film als Code-1-DVD und Code-A-Blu-ray in den USA von dem Label Cinedigm / Crimson Forest. Die dem Review zugrunde liegende DVD hat neben dem Film im O-Ton mit englischen Untertiteln auch ein Making of zu bieten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label der US-VÖ: Cinedigm / Crimson Forest__Freigabe: not rated__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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