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Fast Convoy – Tödlicher Transport

Originaltitel: Le Convoi__Herstellungsland: Frankreich__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Frédéric Schoendoerffer__Darsteller: Benoît Magimel, Reem Kherici, Tewfik Jallab, Mahdi Belemlih, Amir El Kacem, Leon Garel, Sofian Khammes, Foëd Amara, Alain Figlarz, Karine Martin-Prevel, Fanny Guidecoq u.a.
Fast Convoy

Schmuggel quer über Europas Grenzen hinweg: “Fast Convoy”.

Südspanien. Vier Wagen brechen zeitlich versetzt gen Paris auf. Zwei der Wagen transportieren mehrere hundert Kilo Gras, einer fungiert als Treibstoff-Transporter und einer als Absicherung. Via Handy halten sich die Fahrer auf dem Laufenden. Weisen einander auf Polizeisperren und ähnliches Ungemach hin. Da bemerkt Majid, einer der Beifahrer, dass in seinem Auto neben dem Gras auch noch eine Tasche voller Kokain gebunkert ist. Nun liegen bei ihm die Nerven blank. Mit Gras erwischt zu werden, ist das eine, mit Kokain wird daraus jedoch eine ganz andere Hausnummer.

Aufgrund der folgenden Aufregung und den damit verbundenen Telefonaten sind die Leitungen der Wagen irgendwann derart belegt, dass der voran fahrende Fahrer seine Kumpel nicht rechtzeitig auf eine Polizeisperre hinweisen kann. Als Majids Wagen auf die drohende Kfz-Durchsuchung zurollt, dreht Majid durch. Er beginnt auf die Cops zu schießen, die das Feuer sofort erwidern. Majid wird tödlich getroffen, sein Fahrer kann der Polizei aber entkommen und nimmt auf der Flucht eine weibliche Geisel.

Nun ist es an Alex, dem absichernden Fahrer, die Situation irgendwie zu retten. Doch die Vorzeichen für einen guten Ausgang stehen alles andere als gut…

Im Zuge der medialen Berichterstattung rund um die Attentate in Paris im November des vergangenen Jahres wurde immer wieder betont, wie beliebt gerade europäische Autobahnen unter Terroristen und ähnlichem Lumpenpack seien, könne man hier doch beinahe ungestört illegale Waren und Waffen in unscheinbaren PKWs hin und her transportieren. Das gibt „Fast Convoy“ eine gewisse Brisanz mit auf den Weg, denn bevor der Film zur adrenalingetriebenen Actionsause wird, dürfen wir in das Schmuggelgeschäft quer über europäische Grenzen hinweg eintauchen und bekommen eine Ahnung von dessen Professionalität.

Leider lahmt „Fast Convoy“ in dieser Phase trotz der spannenden/aktuellen Prämisse enorm. Das hat vor allem etwas mit seiner Anlage zu tun. Denn im Grunde handelt es sich um einen beinahe kammerspielartigen Film über annähernd autark agierende Einzelzellen einer größeren Unternehmung. Während bei den einen in der Folge buchstäblich die Luft brennt, unterhalten sich die anderen über den G-Punkt der Frau, Hochzeiten und ähnlichen Tand. Durch diesen Aufbau lassen Regisseur Frédéric Schoendoerffer und sein Co-Drehbuchautor Yann Brion den Zuschauer immer wieder von der Leine und schaffen es nicht, dem Film ein zwingendes Element einzuimpfen, eine steile Spannungskurve aufzubauen und den Zuschauer richtig in den Film hinein zu ziehen.

Fast Convoy

Die fette Sepiaoptik durchzieht den gesamten Film.

Stattdessen prunkt Schoendoerffer mit rasant über die Autobahnen fliegenden, auf Hochglanz polierten Karossen meist deutscher Bauart und einer megadeftigen Sepiaoptik, die den Film beinahe ein wenig entrückt wirken lässt und so stark ist, dass selbst schwarze Objekte einen lila Glanz bekommen. Dazu gesellen sich elegante Kamerafahrten, Straßenrasereien in POV-Optik und lange, bar jeder Hektik auskommende Einstellungen.

Was man derweil schmerzlich vermisst, sind echte Antipoden für die Wagen des Konvois. Denn obwohl einige unsere “Helden” von den Cops zusammengeschossen werden, hängen sich die Gesetzeshüter nie an deren Fersen. Verfolgungsjagden gibt es daher in „Fast Convoy“ keine. Dementsprechend dürfen wir auch keine fetten Explosionen, sich überschlagende Autos oder Schussduelle zwischen dahin rasenden Autos bestaunen. Kurzum, die erste Stunde von „Fast Convoy“ bietet leider kaum mehr als optisch schnieke Langeweile…

Fast Convoy

Alex bekommt als Fixer eine Menge zu tun.

In den letzten 40 Minuten dann tritt der Film endlich das Gaspedal durch. Die Handlung wird komplexer, die Hintergründe der großen Fahrt werden aufgerollt, gesichtslose Verfolger tauchen auf und die Polizei beginnt endlich, auch mit zu mischen. All das mündet in einen coolen, äußerst realistisch angehauchten Großkaliber-Shootout an einer Raststelle, der es in sich hat und ordentlich den roten Lebenssaft spritzen lässt. Ungeschoren kommt dabei niemand davon und der Zuschauer fragt sich schon ein wenig verwundert, warum Schoendoerffer erst so spät in den höheren Gang geschaltet hat.

Vor allem auch, weil sein unverbrauchter und mit den leider etwas klischiert angelegten Figuren gut zurechtkommender Cast durchaus bereit schien, den Film vollends zu einem Powerhouse zu machen. Allen voran der größte Name der Produktion: Benoît Magimel („Special Forces“). Der legt seinen Alex als maulfaulen Westernhelden der Straße so saucool an, dass man sich direkt eine ganze Actionfilmreihe mit diesem Charakter wünschen würde.

Fast Convoy

Der Konvoi wird auf drei Autos reduziert.

Letzten Endes erinnert der französische Actionthriller in seiner Dramaturgie stark an die Spiele der soeben zu Ende gegangenen Fußball-EM in Frankreich: Die erste Halbzeit saß man meist vor dem TV und fragte sich ob des lahmen Gekickes, warum man überhaupt eingeschaltet hat, nur um direkt nach dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit zu glauben, man sehe einer komplett neuen Partie zu. Ganz genauso ergeht es einem bei „Fast Convoy“. Der legt zunächst einen formidablen Fehlstart hin und punktet nur mit seinem brisanten Zeitbezug und der tollen Optik. Doch in Hälfte zwei startet der Film endlich durch und wird zu dem Actionthriller-Vehikel, das man sich beim Einlegen der Scheibe in den Player erhofft hat.

Die deutsche DVD/Blu-ray von „Fast Convoy“ kommt von Ascot Elite und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Neben einigen Trailern hat man auch ein B-Rolliges Making Of auf den Scheiben geparkt.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Ascot Elite__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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