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Gefesselt – Wake in Fear

Originaltitel: All I need__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2016__ Regie: Dylan K. Narang__ Darsteller: Caitlin Stasey, Markus Taylor, Leah McKendrick, Sorel Carradine, Rachel Melvin, J.T. Vancollie, Holly Twyford, Gregory Lee Kenyon, John Towley, …

Das (aus diversen Gründen unpassende) deutsche Covermotiv.

Das (unpassende) deutsche Covermotiv.

Ein ursprüngliches amerikanisches Postermotiv.

Ein amerikanisches Postermotiv.

Es war im Jahr 2013, dass (aus mir unbekannten Gründen) die Dreharbeiten an dem letztlich 2016 veröffentlichten Low-Budget-Horror-Thriller „Wake in Fear“ (aka „All I need“) eine Zeit lang unterbrochen werden mussten. Als es schließlich wieder vorangehen konnte, stand Regisseur und Skriptautor Dylan K. Narang („Sound Wave“) auf einmal aber seine Hauptdarstellerin Caitlin Stasey („Tomorrow, when the War began“) nicht mehr zur Verfügung, da jene inzwischen fest bei der „CW“-Erfolgsserie „Reign“ mit eingespannt war. Um das Material mit ihr irgendwie noch verwenden sowie das Projekt an sich (ohne kostspielige Re-Shoots) weiterführen zu können, entschied er sich am Ende dafür, einen komplett neuen zentralen Handlungsstrang auszuarbeiten sowie „beide Teile“ im Folgenden zu einer einzigen, sich parallel zueinander entfaltenden Geschichte zusammenzuschneiden. Möglicherweise wäre es aber vielleicht doch ratsamer (und effektiver) gewesen, aus Caitlin´s Szenen einfach einen schön bündigen Kurzfilm zu kreieren…

Als Chloe (Stasey) nach einer erlittenen Bewusstlosigkeit wieder zu sich kommt, muss sie (zu ihrer Bestürzung) feststellen, an einem unbekannten Ort in so etwas wie einem schäbigen Hotelzimmer eingesperrt zu sein – mit nichts außer Unterwäsche am Leibe sowie einer Reihe ebenso leicht bekleideter junger Frauen um sich herum, von denen einige ohnmächtig, andere aber bereits gar tot sind! Zügig wird ihr die schreckliche Tragweite der Situation gewahr, in welche sie da hineingeraten ist – inklusive einer maskierten Gestalt, die in unregelmäßigen Abständen den Raum betritt, sich jeweils ein Mädel heraussucht sowie jenes im Anschluss immerzu sogleich brutal ermordet. So schnell es nur geht, muss sie dort also raus – doch wie?

Simultan lernt der Zuschauer Andrew (Markus Taylor) kennen: Arbeitslos, hat jener u.a. gerade Probleme damit, den Unterhalt für seine jugendliche Tochter zu zahlen. Eines Abends unterbereitet ihm ein geheimnisvoller, mit russischem Akzent sprechender Anrufer das Angebot, für eine reizvolle Summe Cash ein vor seine Apartmenttür gelegtes Päckchen an den vermerkten Empfänger zu überbringen. Skepsis zum Trotz, erledigt er den Job in Anbetracht der Aussicht auf „leicht verdientes Geld“ aber dennoch. Im Zuge ähnlicher Aufträge beweist er fortan seine Zuverlässigkeit – inklusive des Einsatzes von Gewalt ab einem bestimmten Punkt, nach welchem er erstmals zu einem persönlichen Treffen gebeten wird…

Unverkennbar krankt „Wake in Fear“ an seiner „aus der Not heraus geborenen“ Struktur: Im Grunde überschneiden sich die „Story-Hälften“, zwischen denen zyklisch gewechselt wird, nie konkret – existieren in ihrer Art (bis zu einer späten darlegenden Offenbarung) weitestgehend unabhängig voneinander. Unweigerlich fragt man sich während des Sichtens, was genau denn wohl die Verbindung markiert – bspw. ob Chloe eventuell Andrew´s Tochter ist – und beginnt irgendwann darauf zu hoffen, dass das Ganze dann doch nicht so augenfällig wie mit der Zeit durchaus befürchtet ist. Andrew´s Bredouille, Erlebnisse und Entwicklung empfand ich als nicht sonderlich aufregend: Er engagiert sich der Bezahlung wegen für seinen unbekannten „Boss“, wird von jenem hinsichtlich der Ausprägung seiner Loyalität getestet – bis man ihn als „würdig“ erachtet, einem speziellen, ihm und seiner Familie (im Falle seiner Einwilligung) finanzielle Sicherheit bietenden „Zweck“ zu dienen. In Sachen Suspense oder „Schauwerte“ wird einem in diesem Plot-Bereich eher wenig geboten…

Dem gegenüber steht der „reale Albtraum“, in welchem sich Chloe (gemeinsam mit einigen ungefähr Gleichaltrigen, von denen die meisten allerdings nicht mehr am Leben sind) nach ihrem Erwachen wiederfindet: Ein verstörendes Szenario – samt einer auf Anhieb angespannten, düster-bedrückenden Atmosphäre und einem klaustrophobischen, seitens der begrenzten Location (ein verschlossener Raum mit zwei Betten, einer Schrank-Kammer sowie einem Blut-besudelten Bad nebenan) erzeugten Eindruck. Chloe kann ihre Hände entfesseln, wechselt keine unnötigen Worte mit einzelnen ihrer „Schicksalsgenossinnen“ und konzentriert sich rasch auf die Suche nach einer Fluchtmöglichkeit. Jedes Mal, wenn der Killer eintritt und sich aus den Zugegenen ein neues Opfer auserwählt – was bisweilen auch in „direkten Konfrontationen“ resultiert – steigen Nervenkitzel und Dramatik stets effektiv an; die damit verknüpften psychischen Belastungen auf die Leidtragenden (bspw. wenn jemand länger „unter einem Haufen Leichen“ liegen musste) sind unschwer nachfühlbar…

Über Chloe erfährt der Betrachter angrenzend nichts: Frei jeglicher Background-Infos, ist sie im Prinzip von Anfang bis Ende ein klassisches „Final Girl“ – nur halt ohne einer Einführung ihrer Person sowie irgendwelchen Rückblenden oder Preisgaben ihrerseits. Sie verfügt bloß über „eine Handvoll“ an Dialogzeilen – nicht einmal ihr Name wird genannt. Die australische Schönheit (und rege Social-Media-Aktivistin) Caitlin Stasey, welche innerhalb des Genres bereits Werke wie „Evidence“, „All Cheerleaders die“ und „Fear, Inc.“ durch ihre Mitwirkung bereichert hat, meistert die maßgeblich mimisch-emotional-physische Rolle glaubwürdig prima – wobei es allerdings schade ist, dass das Drehbuch ihr (und einigen der anderen Mädels) manch eine eher „fragwürdig-unclevere“ Entscheidung und Verhaltensweise (in erster Linie im Kontext einer sich rund um einen Lüftungsschacht abspielenden Sequenz) „zugeteilt“ hat. Neben Caitlin sind in dem besagten Zimmer zudem u.a. noch Sorel Carradine („the Good Doctor“), Leah McKendrick („Bad Moms“) und Rachel Melvin („Zombeavers“) mit von der Partie…

Trotz brutaler Tötungen und attraktiver junger, von nichts außer Slips und BHs verhüllter Damen ist jedoch anzuführen, dass der Streifen weder „exploitativ“ noch „sleazy“ daherkommt: Es gibt keine „sexuelle Komponente“ zu verzeichnen und ein paar der Grausamkeiten finden überdies auch „im Off“ statt – werden also bewusst Chloe´s sowie der jeweiligen Vorstellung des Zuschauers überlassen. Explizite „Härten“ sind dennoch vorhanden – etwa als Chloe einen Stich mit einer Mistgabel erleidet und im Folgenden selbst in der Wunde „herumstochert“, um ihren Widersacher hinsichtlich der Schwere der Verletzung zu täuschen. Generell geht Phil Bucci´s Editing ebenso in Ordnung wie die mit verschiedenen nett arrangierten Winkeln und Perspektiven aufwartende Kamera-Arbeit Collin Brazies – worüber hinaus der „zurückhaltende“ Einsatz von Jacob Yoffee´s Score (zugunsten der „natürlichen Soundkulisse“ der betreffenden Ereignisse) die heraufbeschworene Atmosphäre dienlich anzureichern vermag sowie der Film seine „limitierten Ressourcen“ an sich ergiebig auszuschöpfen in der Lage war…

Narang´s Regie-Leistung würde ich als „solide“ einstufen – allerdings hätte er einzelne Szenen (unabhängig der ohnehin schon kurzen Laufzeit von nur knapp 80 Minuten) auf jeden Fall ein wenig straffen sollen, denn jene entfalten sich in ihrer präsentierten Form nun unvorteilhaft ausgedehnt, was stets der bis dato aufgebauten Suspense entgegen wirkt. Problematisch auch, dass Andrew´s Story-Strang nicht so interessant und spannend wie der sich um Chloe rankende ist. Zwar verkörpert ihn Markus Taylor („Deadheads“) passabel – doch insgesamt waren mir seine „Sorgen“ angrenzend egal. Als man ihm im Rahmen des finalen Akts letzten Endes den Grund dafür eröffnet, warum genau man ihn eigentlich angeheuert und in der speziellen Weise getestet hat, entpuppt sich der als „verblüffend schräg“ sowie mit ungenügend konkreten Details „unterfüttert“, um wahrhaft zufrieden zu stellen. Nunja, zumindest wird „Chloe´s Seite der Geschichte“ (von einem mauen „Green Screen“-Effekt mal abgesehen) weitestgehend vernünftig abgeschlossen…

Fazit:  „Wake in Fear“ (bzw. „All I need“) ist ein düsterer, wortkarger, substanzarmer, nur in Teilen überzeugender Low-Budget-Horror-Thriller mit einer „gesplitteten“ (u.a. Produktionsschwierigkeiten geschuldeten, nachträglich geschaffenen) Erzähl-Struktur, bei der eine „Hälfte“ (die mit Caitlin Stasey im Mittelpunkt) der anderen klar überlegen ist…

Hierzulande erscheint der Film Anfang September auf DVD und BluRay – und das unter dem Titel “Gefesselt – Wake in Fear” sowie (von der Covergestaltung her) geradezu ärgerlich “falsch” vermarktet: Beispielsweise ist keiner im Film jemals nackt, in der abgebildeten Form gefesselt und gibt es keinerlei konkrete Gemeinsamkeit mit “I spit on your Grave” zu verzeichnen (weder “Rape”, “Torture” noch “Revenge”)…

Stefan Seidl

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Copyright der Poster-/Covermotive und Pics: Foggy Bottom Pictures / Girls and Corpses / Tom Cat Films / Grimm Ent. (GB) / Tiberius Film (D)__ Infos zur dt. VÖ:__ Freigabe: FSK-16 (bzw. FSK-18 wg. Trailer)__ Geschnitten: nein__ DVD/BluRay: ja/ja__

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