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Helden USA 3 – Die Abrechnung

Originaltitel: Private War__Herstellungsland: Jugoslawien, USA__Erscheinungsjahr: 1988__Regie: Frank De Palma__Darsteller: Martin Hewitt, Joe Dallesandro, George Shannon, Kimberly Beck, Curt Lowens, Reggie Johnson, Sam Hennings, B.J. Turner, Robert J. Bennett, David Clover u.a.
Helden USA 3 - Zeit der Abrechnung

“Helden USA 3 – Zeit der Abrechnung” setzt eine Videotheken-Fantasiereihe fort.

Wie bereits in der Kritik zu „Helden USA 2“ erwähnt, gibt es eigentlich per se keine „Helden USA“-Filmreihe. Diese wurde ausschließlich für deutsche Videothekengänger ins Leben gerufen. Und so heißt „Helden USA 3 – Die Abrechung“ eigentlich „Private War“. Und irgendwie trifft es der Titel ziemlich gut.

Wenn der Ausbilder total durchdreht

Phil Coopers Vater gilt seit seinem Dienst in Vietnam als verschwunden. Um ihn zu ehren, schlägt auch Phil eine militärische Karriere ein. Mehr noch, er schließt sich der Truppe an, die von dem einst besten Freund und Vietnam-Kameraden seines Vaters trainiert wird: Vince Rayner. Doch der hat augenscheinlich gewaltig einen an der Waffel und schießt schonmal auf seine Rekruten. Als Phil vor Ort auftaucht, scheint der Ausbilder noch mehr durchzudrehen.

Die Situation eskaliert, als Rayner eine Handgranate nach einem Rekruten wirft. Der landet im Krankenhaus und Rayner soll vors Militärgericht. Doch er türmt und macht fortan Jagd auf Phil. Der ist auf Befehl seines höchsten Vorgesetzten mit einer Jagdgesellschaft unterwegs, die sich als Ansammlung von Waffenhändlern entpuppt! Als wäre das nicht schon schlimm genug, taucht natürlich auch noch Rayner in dem Waldstück auf und macht gnadenlos Jagd auf alle.

Phil wehrt sich verbissen gegen Rayner und ahnt bald, dass dessen Verhalten etwas mit der gemeinsamen Vietnam-Vergangenheit von seinem Vater und Rayner zu tun haben muss.

„Helden USA 3 – Die Abrechnung“ hat eine interessante Story

In den wenigsten Fällen sind es bei B-Actionern die Geschichten, die man in Rezensionen hervorhebt. Im Falle von „Helden USA 3“ kann man allerdings von einer Ausnahme von der Regel sprechen. Denn der rabiate, in Teilen derbe Actionfilm erzählt tatsächlich eine brauchbare Story, die einige unverhoffte Wege geht – und irgendwann unvorhergesehen in Richtung Menschenjagd-Story umschwenkt. Während man zunächst nämlich glaubt, alles liefe auf eine simple Rachestory hinaus, schlägt das Drehbuch erstaunliche Volten.

Da erweist sich der Ausbilder einer in Italien stationierten US-Army-Einheit als formvollendeter Irrer. Taucht eine Journalistin in der Handlung auf, die der Story einen neuen Einschlag verleiht. Paktieren hochrangige Militärs mit Waffenhändlern und eskaliert ein Jagdausflug munter durch. Dazu kommt die Ungewissheit, dass man nie so recht weiß, ob der die Waffenhändler abschlachtende Raynor nun einfach nur Phil eine Lektion erteilen will, oder ob er dessen Begleiter so brachial ausschaltet, weil er um deren Gesinnung weiß.

Und obschon das alles wenig subtil gereicht wird, diverse Dummheiten transportiert und einen reichlich naiven Helden präsentiert, der sich mit einer Blauäugigkeit in die Taschen lügen lässt, dass es nur so scheppert, transportiert der Film aufgrund seiner Anlage eine wirklich nette Grundspannung. Die trägt den Film problemlos über die Laufzeit und lässt eigentlich kaum Langeweile oder Leerlauf aufkommen. Die seltenen Actionszenen pumpen immer mal wieder zusätzliches Adrenalin in den Film. Dabei erweist sich „Helden USA 3“ als wenig zimperlich. Rayner hängt seine Opfer an deren eigenen Eingeweiden an Bäumen auf, sammelt die Finger der Ermordeten und ist ein Meister im Stellen von für Vietnamfilme typischen Fallen.

Dabei bleiben die ganz großen Schauwerte freilich aus, weil sich alles auf Mano-a-Mano-Duelle beschränkt, dennoch dürfen hier auch mal Autos und Brücken explodieren. Dabei war der Film sichtlich preiswert. Die meiste Zeit spielt er in einem Waldgebiet und lässt seine Akteure durch selbiges turnen. Erst für den Showdown zaubert er urplötzlich ein grenzgeniales Setting aus dem Hut: In einem Ruinen-Bergdörfchen will Rayner den Sohn seines besten Freundes töten. Dieses Dörfchen birst vor unverbrauchten Settings und fast wünscht man sich, die Menschenjagd wäre durchweg an diesem Schauplatz gedreht wurden.

Darstellerisch gibt es hier nicht viel zu holen. Martin Hewitt („White Ghost“) bleibt als Phil reichlich blass. Er profitiert allerdings vom Auftauchen der sympathischen Kimberly Beck als Journalistin. Die junge und vor allem direkte Dame bricht den drögen Helden immer mal wieder ein wenig auf. Joe Dallesandro („Cotton Club“) spielt seinen Rayner bar jedweder menschlicher Regungen. Das passt auf der einen Seite zwar zu seinem Charakter, andererseits kann es aber auch als reichlich mieses Acting angesehen werden. Der Rest der Darsteller ist für „Helden USA 3“ vollkommen irrelevant. Sie werden abgemurkst und gut.

„Helden USA 3 – Die Abrechnung“ schlägt etwas aus der Reihe

Man sollte „Helden USA 3“ nicht zu sehr mit den anderen Streifen der Fantasie-Reihe vergleichen, da kann er nämlich nur verlieren. Im Vergleich sind die anderen Filme nämlich um ein Vielfaches deutlicher auf lustvolles Rambazamba ausgelegt, bei dem die gesamte Handlung in den ersten zwei Minuten Film auserzählt ist. Man sollte „Private War“ stattdessen als das betrachten, was er ist. Ein eigenständiger Streifen, der in einigen Punkten zu überraschen weiß.

Seine Geschichte hebt sich mit ihren Entwicklungen immer wieder vom 0815-Actionfilmtand ab, die grundlegende Atmosphäre ist unangenehm fies und roh und das Showdown-Setting ein Knüller. Das alles kleidet Regisseur Frank de Palma (nicht verwandt oder verschwägert), der davor und danach nur fürs TV arbeitete, in funktionale Bilder und ließ seinen Musik-Maestro Harry Manfredini einen Klangteppich darunterlegen, der für damalige Vietnam-Film-Eskapaden typisch war. Der billig in Jugoslawien heruntergekurbelte Streifen ist aber dennoch weiß Gott keine Oscarware. Dazu ist er meist einfach zu grobschlächtig, wartet mit miesen Dialogen auf und erweist sich als zu unausgewogen in seiner Charakterzeichnung. Dazu gesellen sich so manche Dummheiten und ein wirklich durchgehend lächerlicher Bösewicht-Cast.

05 von 10

Auf VHS war der Film immer geschnitten. Seit März 2020 gibt es von Shamrock / HDMV eine ungeschnittene DVD zu erstehen. Die kann qualitätsmäßig mal wieder nicht verhehlen, dass nur eine VHS als Master vorhanden war.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Shamrock / HDMV__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Nein/Ja

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