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Hide and Seek – Kein Entkommen

Originaltitel: Sumbakkogjil__Herstellungsland: Südkorea__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Huh Jung__Darsteller: Son Hyeon-joo, Moon Jeong-hee, Jeon Mi-seon, Jeong Joon-won, Kim Soo-an, Kim Ji-yeong, Kim Won-hae, Lee Joon-hyeok, No Soo-san, Lee Yeong-seok u.a.
Hide and Seek

Hochspannungs-Thrill aus Südkorea: “Hide and Seek”

Eine junge Frau auf ihrem Heimweg. Sie telefoniert mit ihrem Freund und hat beständig das Gefühl, beobachtet zu werden. Irgend- wann bemerkt sie tatsächlich eine Gestalt, die ihr Gesicht unter einem Motorradhelm verbirgt. Die Gestalt folgt ihr bis kurz vor ihre Wohnung und verschwindet in einer benachbarten Wohnungstür. Die Frau kommt mit dem Schrecken davon. Sie schließt sich schnell in ihrer Wohnung ein. Im weiterhin stattfindenden Telefongespräch mit ihrem Freund erfahren wir, dass sie vermutet, dass ihr ihr leicht gestörter Nachbar nachgestiegen sei. Da bemerkt sie, dass in ihrer Wohnung etwas nicht stimmt. Es liegen auf einmal Sachen herum, die ihr nicht gehören. Sie stürzt wieder aus ihrer Wohnung und klopft wie verrückt an der Tür, in der zuvor die Gestalt verschwun- den ist. Die Frau spricht wüste Beschimpf- ungen aus und eilt zurück zu ihrem PC, um die Bilder ihrer Webcam zu überprüfen, die sie immer laufen lässt, wenn sie nicht da ist. Sie ist sich sicher, dass sie so ihren Nachbarn des Hausfriedensbruches überführen kann. Sie startet die Aufzeichnung an deren Ende und sieht, dass die Gestalt mit dem Helm kurz vor ihr ihre Wohnung betreten hat und sich versteckte. Die Frau dreht sich langsam um, erahnt die Gestalt hinter sich im Halbdunkel und… stirbt.

Es ist ein unwahrscheinlich effektiver Einstieg, der „Hide and Seek“ eröffnet. Eine Kinderstimme bringt dann den wahren Horror hinter dem Film effektiv auf den Punkt: „Es geht ein seltsames Gerücht um: Man sagt, es gäbe Eindringlinge, die sich heimlich in die Wohnungen fremder Leute schleichen und dort verstecken. Dort leben sie unbemerkt und nehmen irgendwann den Platz der anderen ein!“

Das letzte Refugium der Menschheit, unser liebster Rückzugsort, unsere letzte Feste ist also mal wieder das Ziel finsterer Gestalten. Und egal wie viele Home-Invasion-Filme man schon gesehen haben mag, das Thema packt einen immer wieder. So auch bei „Hide and Seek“, der seine Grundthematik allerdings ein wenig subtiler angeht als die zumeist sehr handfesten Varianten aus den Staaten.

In den folgenden Minuten lernen wir Sung-soo kennen. Er hat eigentlich alles erreicht, was man im Leben erreichen kann. Er hat einen guten Job, eine kleine, ihn liebende Familie und eine tolle und vor allem luxuriöse Wohnung. Doch unter der Oberfläche ist das alles gar nicht so perfekt: Sung-soo leidet an einer heftigen Zwangsneurose, die ihm beinahe pedantische Ordnung abverlangt, und schreckt fast täglich aufgrund finsterer Albträume aus dem Schlaf. Das alles verstärkt sich, als er eines Tages erfährt, dass sein von ihm totgeschwiegener Bruder spurlos verschwunden sei. Sung-soo begibt sich selbst auf Spurensuche und taucht in die Lebenswelt seines Bruders, seines Zeichens ein Ex-Häftling, ein. Seine Suche führt ihn in einen verkommenen Wohnhausblock, in dem es zuletzt zu einigen brutalen Vorfällen kam. So lebte die eingangs erwähnt Frau direkt neben seinem Bruder. Je weiter sich Sung-soo vor wagt, umso mehr hat er das Gefühl, beobachtet zu werden. Und tatsächlich, plötzlich steht eine Gestalt vor ihm, die ihr Gesicht unter einem Motorradhelm verbirgt…

Sung-soo

Sung-soo sucht nach seinem verschollenen Bruder.

Schleichende Kamerafahrten, unheil- schwangere Musik, düstere Bilder, grausige Details, eigenartige Zeichen, Albträume und Szenerien, bei denen man wünschen würde, die Hauptfigur möge sogleich schweißgebadet aus einem Traum erwachen, doch es passiert nicht… Regisseur Huh Jung weiß ganz genau, wie er seine Zuschauer an den Film bindet. Das Ergebnis war in Korea ein unvermuteter Blockbuster, der zudem eigentlich eine Low-Budget Produktion darstellte. Davon merkt man beim Besichtigen des Filmes nicht viel. „Hide and Seek“ lanciert immer kinoreife Bilder, einzig das Sujet ist diesmal ungewohnt düster und abgerissen. Denn Sung-soo taucht in eine Welt ein, die weiter von seinem Luxusleben kaum entfernt sein könnte. So erhalten wir Zuschauer des westlichen Kulturkreises, die bisher immer Hochglanzbilder aus Korea gewohnt sind, auch einmal Einblicke in die Schattenseiten des Landes. Dreck, runtergekommene Straßenviertel, kaputte Wohnungen, die soziale Realität der Großstadt, in der der Film spielt, könnte kaum weiter weg sein von den gewohnten Stylebomben aus Korea.

Doch „Hide and Seek“ zehrt von der dadurch entstehenden, unbequemen Atmosphäre. Dazu kommt, dass das Whodunit des Filmes stark funktioniert. Auch weil sich der Regisseur nach dem Nägelkauer-Einstieg ganz seinem Hauptcharakter widmet, den Son Hyun-Joo sehr präzise zum Leben erweckt und im Handumdrehen zum Sympathieträger des Filmes aufzubauen versteht. Mit ihm blickt man gerne hinter die Kulissen diverser Mordfälle und fiebert mit ihm mit, wenn er seinem Häscher zu entfliehen versucht. Zudem verrät der Regisseur seine Auflösung keine Sekunde zu früh und kann sich die ganze Zeit auf einen tadellos funktionierenden, behutsam aufgebauten Spannungsbogen verlassen, den er mit diversen Höhepunkten versieht, in denen er die Spannungsschrauben ordentlich anzieht. Dabei beweist er mehrere Male gekonnt, dass Spannung nichts mit Blut oder actionreichen Momenten zu tun haben muss. Er dringt lieber in die Komfortzone des Zuschauers ein und lässt Fragen aufkommen wie: Was muss das für ein Gefühl sein, in seiner Wohnung den Feierabend zu genießen und dann sind da plötzlich ein paar fremde Blicke, die auf einem ruhen…

Sung-soo

Das bringt seine ganze Familie in Gefahr.

„Hide and Seek“ rührt da definitiv an Urängsten und lässt auch die heilige Institution der Familie nicht außen vor, bringt also Sung-soos Familie ebenfalls ordentlich in Gefahr. Gegen Ende läuft sein Film dann spannungstechnisch komplett Amok. Zwanzig Minuten lang türmt „Hide and Seek“ nun eine Spannungsspitze auf die nächste und immer, wenn der Zuschauer meint, es sei durchgestanden, packt Regisseur Huh Jung noch einen oben drauf. Das funktioniert auch deshalb so gut, weil einem Jung-soos Familie aufgrund der starken Leistungen der Darsteller längst ans Herz gewachsen ist. Interes- santerweise hat man aber auch mit dem (leider etwas overacteten) Täter so etwas wie Mitleid, denn dessen Motiv ist erstaunlicherweise genau jenes, welches der Held für sein Handeln hat. Ein intaktes, ein schönes Zuhause…

Unterm Strich bleibt für eine Low Budget Produktion erstaunlich stilvoll gefilmtes Hochspannungskino, das den Zuschauer in seinem Mittelteil zwar ein oder zweimal zu oft wieder vom Haken lässt, in seinen Spannungsspitzen aber unfassbar aufregend geraten ist und vor allem im Showdown alle Register zu ziehen vermag. „Hide and Seek – Kein Entkommen“ entpuppt sich so als ein echtes Kleinod im Thriller-Genre, das sich in diesem Fall in Sachen Atmosphäre und Bildgestaltung auch einige gekonnte Anleihen beim Horrorfilm erlaubt.

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von Edel:Motion Film und ist mit einer FSK 16 Freigabe uncut. Neben den Film gibt es auch ein Making Of und ein Behind the Scenes zum Film.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Edel:Motion Film__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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