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Hope Lost

Originaltitel: Hope Lost__Herstellungsland: Italien__Erscheinungsjahr: 2015__ Regie: David Petrucci__Darsteller: Danny Trejo, Mischa Barton, Michael Madsen, Daniel Baldwin, Andrey Chernyshov, Diego Pagotto, Francesca Agostini, Alessia Navarro, Dino Giarrusso, Francesco Acquaroli u.a.
Hope Lost

Michael Madsen, Danny Trejo, Daniel Baldwin und Mischa Barton “veredeln” eine Story um Zwangsprostitution und Snuff-Fantasien: “Hope Lost”

Sofia stammt aus dem Ostblock und wartet auf die eine große Gelegenheit, die sie aus ihrem alltäglichen Trott herauszureißen vermag. In einer Disco trifft sie auf Gabriel. Ein Kerl, den sie vor Jahren bei einem Schönheitswettbewerb kennengelernt hat. Gabriel hat interessante Neuigkeiten für Sofia: Er drehe bald einen TV-Film für das italienische Fernsehen und suche noch eine Hauptdarstellerin. Sofia sei dafür auch dank ihrer Italienischkenntnisse mehr als geeignet. Natürlich wittert Sofia ihre große Chance. Natürlich lässt sie für diese eine Chance alles zurück, auch ihren kleinen Bruder und ihre Familie. Und natürlich entpuppt sich der Traum vom neuen tollen Leben schnell als Albtraum…

Denn kaum in Rom angekommen, steht ein Typ namens Manol vor Sofia und eröffnet ihr, dass Gabriel ihm zigtausende Euros schulden würde, die sie nun für ihn abarbeiten müsse. Und genau hier, an einem viel zu frühen Moment im Film, verliert „Hope Lost“ bereits seine Zuschauer. Die fragen sich nämlich permanent, warum Sofia den Typen um Manol nicht einfach den Mittelfinger zeigt und sich verpisst. Weder bauen die Typen einen Leidensdruck auf noch schuldet Sofia irgendwem irgendetwas. Zudem ist sie nun nicht gerade in einem Hochsicherheitsknast untergebracht.

Doch Sofia fügt sich in ihr Schicksal. Ohne dass man dies nachvollziehen könnte, was den Zugang zu ihrer Figur total erschwert. Freilich eine mittlere Katastrophe für den Film, denn der verlässt sich vollkommen auf Sofia. Unbeteiligt schaut man nun zu, wie Sofia von Nümmerchen zu Nümmerchen weiter gereicht wird. Wie der Film beinahe entschuldigend dann doch noch eine Drucksituation für Sofia aufbaut (ihr kleiner Bruder wird bedroht). Wie sich eine Hure mit Herz Sofias annimmt…

Wirklich spannend ist das alles nicht. Zudem sind die Figuren rund um Sofia nichts weiter als wandelnde Klischees. Genau wie die Situationen, in die Sofia gerät. Alles hat man so schon einmal gesehen. Und immer hatte es einen krasseren Impact. Letzten Endes geht es hier um Zwangsprostitution, Herrgott noch mal… Da muss doch mehr Involvement her! Zudem langweilt Sofia in ihrer Naivität irgendwann ziemlich. Da kommt es dem Film gelegen, dass er mit Eva plötzlich eine sehr interessante Figur aufbaut. Die ehemalige Söldnerin mit Foltertrauma sorgt im Alleingang für die wenigen faszinierenden Momente des Filmes, hat eine irre Ausstrahlung und ist auch optisch höchst ansprechend. Irgendwann wünscht man sich, „Hope Lost“ hätte sich vollends auf ihre Figur konzentriert. Schauspieldebütantin Alessia Navarro hätte es verdient gehabt.

Zum Ende hin wird es dann richtig abstrus. In einer beinahe theatralischen Inszenierung geht es in einem „Snuff-Szenario“ urplötzlich um Leben und Tod. Dieser wirklich krasse Richtungswechsel sorgt dann durchaus für etwas mehr Aufmerksamkeit von Seiten des Zuschauers, wirklich das Ruder herumreißen kann aber auch dieser Abschnitt nicht mehr. Und so klingt der Film genauso banal aus, wie er begann und hinterlässt das dumpfe Gefühl, dass „Hope Lost“ gerne deutlich mehr gewesen wäre, als dann letzten Endes herauskam…

Einen großen Anteil daran haben meines Erachtens auch die etwas bemüht eingebunden wirkenden Auftritte der „großen Stars“ des Filmes. Warum man hier nicht lieber auf talentierte Italiener zurückgegriffen hat, erschließt sich nie so recht. Stattdessen erleben wir einen gelangweilt im Arschlochmodus agierenden Michael Madsen („Piranhaconda“), der wirkt, als er habe er sich die Dreharbeiten rundweg schön gesoffen. Daniel Baldwin („John Carpenters Vampire“) taucht irgendwann im Film auf, befeuert einige zwischen seltsam bis fragwürdig rangierende Sinnlos-Szenen und verschwindet wieder. Einzig Danny Trejo („Machete“) spielt einfach wie immer Danny Trejo und macht dabei von den Stars tatsächlich den motiviertesten Eindruck. Und das ehemalige It-Girl Mischa Barton amüsiert dank ihrer unfreiwillig komisch angelegten Figur herzhaft und wird sich wohl noch in einigen Jahren fragen lassen müssen, wieso sie in diesem Film mitgespielt hat.

Diese Superstar-Riege scheint das gesamte Budget des Filmes aufgefressen zu haben. Der spielt nämlich weitestgehend nur an einem einzigen, total abgeranzten Parkplatz und in irgendwelchen Abrissbuden und kann sich ansonsten keinerlei wertige Schauplätze leisten. Die triste Bebilderung passt zwar zum Sujet des Filmes, bleibt letzten Endes aber zu unspektakulär und langweilig. Nur von der Soundtrackspur kommen erstaunliche Töne. Eine Band mit dem Namen „About Wayne“ steuerte für den Film zwei wirklich tolle Songs bei, die ihre jeweiligen Szenen deutlich über den Rest des Filmes heben. Ebenfalls kein Totalausfall ist Francesca Agostini als Sofia. Mit ihrer Figur wird man zwar nie wirklich warm, aber die junge Dame spielt durchaus ordentlich.

In Hinsicht auf die deutsche Fassung des Filmes fallen zwei Punkte auf: Zum einen ist die Synchronisation in einigen Fällen wirklich als absolut misslungen zu bezeichnen. Wenn sexy Eva gegen Ende aufräumt und mit ihrem deutschen Piepsstimmchen dazu auffordert, die Knarren fallen zu lassen, kann man sich ein Lachen nicht verkneifen. Auch Mischa Barton wird haarsträubend schlecht vertont. Allgemein hat es die Frauenfiguren teils übel erwischt und die Dialoge wirken megasteif in ihrer Übersetzung. Des Weiteren erstaunt die harsche Freigabe. Eine Spio/JK ist es geworden (Die FSK 18 Freigabe auf obigem Cover bitte ignorieren). Bei den aufgefahrenen Momenten um Vergewaltigungen und Mord und Totschlag sicherlich auf den ersten Blick nachvollziehbar, aufgrund der erstaunlich zurückhaltenden Bebilderung aber kaum erklärbar. Die Sexszenen zeigen so gut wie gar nichts und für harte Splatter- oder Bluteffekte war das Budget sichtlich nicht da… Action hat es bis auf kleine Keilereien auch keine. Kurzum: Da hatte die FSK keinen guten Tag, als sie diesen Film nicht passieren lassen wollte.

Plädoyer gegen Zwangsprostitution oder doch nur sensationsheischende „Snuff-Mythen-Befeuerung“? Am Ende bleibt ein Film, der den Zuschauer ratlos zurücklässt. Dabei vergeigt er es schon bei der Zeichnung der Ausgangslage. In der Folge lassen die weiteren Geschehnisse ziemlich kalt. Zumal die Story nur eine Anhäufung platter Klischees und hohle Phrasen dreschender Figuren ist. Das cool eingeleitete, dann aber leider unpointiert und wenig mitreißend inszenierte Schlussdrittel und die wirklich tolle Figur der kämpferischen, seelisch verkrüppelten Eva bilden die Highlights des Filmes. Die nette B-Fratzen-Gaststar-Riege dürfte den Film zudem für den einen oder anderen interessant machen. Wirklich aufwerten können aber auch sie „Hope Lost“ nicht. Eher im Gegenteil…

Die deutsche DVD/Blu-ray erschien von dem Label Mad Dimension und ist mit einer Spio/JK Freigabe ungeschnitten. Die Datenträger bieten leider keinerlei weiterführende Informationen zum Film und sind vor allem tonal nicht das Gelbe vom Ei. Nicht nur wegen der schwachen Synchronisation. Zudem wirkt die Tonspur gerade bei den Dialogen wenig druckvoll.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Mad Dimension__Freigabe: Spio/JK__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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