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Hunting Season

Originaltitel: Deep Dark Canyon__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Abe Levy, Silver Tree__Darsteller: Ted Levine, Spencer Treat Clark, Nick Eversman, Martin Starr, Michael Bowen, Matthew Lillard, Justine Bateman, Abraham Benrubi, Greg Cipes, Stacey Travis u.a.
Hunting Season

Eher ein Drama um Schuld als der vom Cover propagierte Actionstreifen: “Hunting Season”

Die Brüder Nate und Skylar Towne gehen am Geburtstag des einen Bruders gemeinsam auf die Jagd. Dabei kommt es zu einem verhängnisvollen Zwischenfall. Denn Nate erschießt aus Versehen den örtlichen Bürgermeister Dick Cavanaugh. In ihrer Panik beschließen die beiden Brüder, dass Skylar vorgeben soll, den Bürgermeister erschossen zu haben, denn er ist noch minderjährig und kann im Gegensatz zu Nate vor Gericht nicht wie ein Erwachsener behandelt werden. Der Vater der beiden Brüder, gleichzeitig der Sheriff der Stadt, ahnt von dieser Absprache nichts und kann in der Folgezeit nur ohnmächtig mit ansehen, wie die einflussreiche Familie Cavanaughs alle erdenklichen Strippen zieht, damit Skylar doch wie ein Erwachsener angeklagt wird und sich vor Gericht verantworten muss. Doch für den hilflosen Vater kommt es noch schlimmer, denn als Nate erfährt, wie die Cavanaughs die Muskeln spielen lassen, um seinen Bruder zu verknacken, befreit er in einer Kurzschlussreaktion Skylar und tötet dabei zwei Cops. Gemeinsam wollen die Brüder gen Kanada fliehen, auf ihren Versen der wütende Mob der Familie Cavanaugh…

„Hunting Season“ lässt sich nicht viel Zeit für eine erklärende Exposition oder eine Verortung seiner Charaktere. Schon in den ersten Minuten wird die Ausgangssituation des Filmes etabliert und ist der Bürgermeister tot. Dann beginnt unversehens die Hatz auf die beiden Brüder und nach und nach erfahren wir, was wirklich hinter den ganzen Vorgängen steckt. Denn dass die Brüder eventuell nicht ganz unschuldig sind, schwant einem früh zu Beginn des Filmes. Der zeichnet ein eindrückliches Bild einer kleinen Gemeinde irgendwo in Amerika, wo jeder jeden kennt und jeder irgendwie mit jedem verwandt zu sein scheint bzw. die Lebenslinien des anderen bereits machtvoll gekreuzt hat. Auch im Fall des Todes von Dick Cavanaugh reichen die Verstrickungen weit in die Vergangenheit zurück und legen ein trauriges Geheimnis offen.

Aus dieser Erzählweise, bei der man immer gerade soviel weiß, wie die handelnden Charaktere, bezieht „Hunting Season“ seine eigentliche Spannung. Mit der angekurbelten Menschenjagd hätte der Film zwar noch einen tollen Spannungsbringer in der Hinterhand, macht daraus aber nicht wirklich viel. Zu souverän entkommen die aneinandergeketteten Brüder immer wieder ihren Häschern und zu dämlich handeln die Verfolger. Auch vermisst man eine gewisse Härte, die das ganze Treiben vielleicht zwingender und die Situation der Brüder auswegloser gemacht hätte. So drängen mit zunehmender Laufzeiten Unstimmigkeiten zwischen den Brüdern, familiäre Geheimnisse und vergraben geglaubte Wahrheiten immer mehr in den Vordergrund und übertrumpfen die halbherzige Jagd mühelos.

Tempomäßig ist „Hunting Season“ immer in Bewegung und gönnt sich keine Verschnaufpausen. Trotzdem gelingt es vor allem den Darstellern der beiden Brüder Nate (Spencer Treat Clark, der Junge mit den großen Augen aus „Unbreakable“) und Skylar (Nick Eversman „Urban Explorer“) greifbare, glaubwürdige und vor allem erstaunlich plastische Charaktere zu entwerfen. Auch die Darsteller in den übrigen Rollen machen einen erstaunlichen Job und spielen stark auf. Allen voran Ted Levine als Vater der beiden Brüder. Sehr zurückgenommen und dabei höchst präzise spielend reißt der ewige Nebendarsteller („Wild Wild West“, „Das Schweigen der Lämmer“) jede Szene, in der sein Sheriff auftaucht, an sich. Selbst Matthew Lillard („Scream“) macht in seiner kleinen Rolle einige peinliche Auftritte der letzten Zeit vergessen. Optisch trumpft der souverän inszenierte Streifen mit tollen Panoramen der rauen Natur auf, in denen die Menschenjagd steigt. Man spürt förmlich, wie einem das unwirtliche Klima der transportierten Bilder in die Glieder kriecht. Das absolute Highlight aber stellt der Soundtrack des Filmes dar. Tolle Singer-/Songwriter Songs verleihen vor allem den actionreichen Momenten eine erstaunliche, sehr eigene, leicht entrückte Stimmung. Besonders hervorgehoben sei die beinahe surreale Sequenz mit der Tränengasgranate!

Doch zum Ende hin versaut sich „Hunting Season“ eine bessere Note. Die Schlusseinstellung und das daraus resultierende, eher offene Ende wirkt in seiner Anberaumung einfach nur sehr seltsam hingebogen und konstruiert. Weder weiß man, was die Macher einem damit sagen wollen noch was sie damit überhaupt bezweckten. Hier wäre ein dramatischeres und (ich muss erneut den „zwingender“ Begriff nutzen) zwingenderes Ende die bessere Wahl gewesen. Im Großen und Ganzen ist „Hunting Season“ eher ein handlungs- denn ein actiongetriebener Streifen um das schwere Thema Schuld geworden. Dazu addiere man ein wenig Survivalstuff. Der Streifen verfügt über erstaunlich gute, teils beiläufig über kleine und kleinste Gesten gezeichnete Charaktere und bleibt die ganze Zeit in Bewegung, um den Zuschauer mit Tempo und einer ordentlichen Handlung bei Laune zu halten. Die Darsteller sind durch die Bank sehr gut und in technischer Hinsicht ist der Film über alle Zweifel erhaben. Man hätte sich einfach nur mehr Spannung, Härte und actionreichere Momente gewünscht… Schuld daran ist das arg reißerische, falsche Erwartungen weckende, deutsche Cover zum Film.

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von Mad Dimension und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten. Diese Freigabe bezieht sich allerdings auf das Bonusmaterial, der Streifen selbst ist ab 16 freigegeben. Die DVD / Blu-ray punktet mit einer gelungenen Synchronisation.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Mad Dimension__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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