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Intent to Kill (inklusive Videokritik)

Originaltitel: Intent to Kill__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1992__Regie: Charles T. Kanganis__Darsteller: Traci Lords, Angelo Tiffe, Scott Patterson, Luis A. Pérez, Sabrina Ferrand, Michael M. Foley, Yaphet Kotto, Sam Travolta, Vinnie Curto, Elena Sahagun u.a.

„Intent to Kill“ ist Teil unserer Videokritik zu verschiedenen Actiongülle-Titeln. Schaut doch mal hinein.

„Intent to Kill“ als Teil unserer Videokritik

Intent to Kill Action mit Traci Lords Cover

Ex-Pornostar Traci Lords zeigt in “Intent to Kill” den Lumpen ihre knallharte Seite.

Traci Lords war noch minderjährig, als sie sich mit den Geburtsbescheinigungen der Schwester eines Freundes einen Führerschein erschlich, der sie als volljährig auswies. Mit diesen Ausweispapieren in der Tasche erschlich sie sich ab 1984 Jobs als Model für Erotik-Heftchen und stieß damit sämtliche Pforten für eine Porno-Karriere auf. Zwei Jahre später hatte Traci Lords in über 100 Pornofilmen mitgespielt. 1986, das Jahr in dem sie tatsächlich volljährig wurde, wurde ihre Minderjährigkeit beim Dreh von gut 99 Prozent ihrer Filme aufgedeckt.

Ein Skandal, der beinahe der gesamten Branche das Genick brach. Ihre Filme wurden als Kinderpornographie gebrandmarkt. Traci Lords selbst trat deftig nach, indem sie immer wieder behauptete, mit Drogen und Alkohol für die Pornoszenen gefügig gemacht worden zu sein. Die Folge war ein enormer Popularitätsschub, den Traci Lords für einen Wechsel ins seriösere Fach nutzte. Oscar-Ware kam dabei nicht heraus, aber immerhin eine solide Karriere in B-Filmen.

Dazu gehörten auch Kollaborationen mit der PM Entertainment Group, die sich schon immer gut darauf verstand, den Couch-Potatoes dieser Welt das zu liefern, was sie kennen und lieben. Also warum nicht einen Pornostar durch ein paar explosive Actionthriller hetzen? „Intent to Kill“ fällt genau in diese Kategorie und erzählt von Vickie (was ein Name!), einer jungen, ungemein rüde vorgehenden Polizistin in Los Angeles. Die ist auf der Spur eines kolumbianischen Drecksacks, der die Stadt mit Drogen fluten will.

Als Hure verkleidet verschafft sich Vickie Zugang zu dem Lump, doch der Zugriff eskaliert. Autos explodieren, Polizisten sterben und der Kolumbianer entkommt. Allerdings ohne die Drogen. Das sieht dessen Chef gar nicht gerne. Und so bekommt der Drogendealer eine Woche Zeit, eine vergleichbare Menge an Drogen zu beschaffen und den Verlust auszugleichen. Doch nicht nur dieses Ultimatum sitzt dem Lump im Nacken, denn natürlich will Vickie den Verbrecher nach wie vor endgültig aus dem Verkehr ziehen.

Schaut in den PM-Entertainment-Actioner mit Traci Lords hinein

In der Story von „Intent to Kill“ steckt der Wurm drin. Aber so richtig. Denn nach dem wirklich knalligen Auftakt, bei dem die Gangster nur mit ihren Knarren auf die Polizeiautos zeigen müssen, um diese explodieren zu lassen, scheint der weitere Storyverlauf klar. Die Polizistin will den Lump fassen. Der Lump namens Salvador will sich an der Polizistin für den missglückten Deal und einige tote Kameraden rächen. Stattdessen verschafft das Drehbuch beiden Figuren vollkommen neue Storylines.

Der Lump soll die Drogen wiederbeschaffen. Die Polizistin stolpert derweil in Beziehungsprobleme, zieht Vergewaltigern die Hammelbeine lang, gerät mit ihrem Chef aneinander, verliebt sich neu und erlebt lauter ähnlich “interessante” Sachen. Die wichtigsten Protagonisten des Filmes treiben also nebeneinander her, ohne dass sich eine rechte Berührungsfläche ergeben würde.

Das schwächt den Film enorm, schadet seiner Dramaturgie und saugt jedwede Form von Spannung aus dessen Eingeweiden. Dank der PM-Entertainment-Vorgabe, dass in einem Film des Studios mindestens alle 7-8 Minuten Action gemacht werden muss, wird es zwar nie vollends langweilig, allerdings fällt schon überdeutlich auf, dass die Actioneinlagen allesamt in der Luft hängen. Zudem sind sie im Vergleich zum Auftakt auch allesamt weniger spektakulär und man vermisst definitiv die gewohnten PM-Autoverfolgungsjagden mit sattem Sachschaden.

Zudem fällt auf, dass keine der Actionszenen wirklich ausgekostet wirkt. Gerade eine in Richtung Finale angeordnete Stürmung einer Polizeiwache inklusive Cop-Massaker ist kaum angelaufen, da ist sie schon wieder vorbei. Selbst der Showdown, wenn die erhoffte Handlung doch noch das Ruder übernimmt und Vickie den Lump wegsperren will, der noch ein Hühnchen mit ihr zu rupfen hat, gerät unbefriedigend kurz und abrupt. Zwar explodieren noch einmal ein paar Karren und Lumpen werden blutig gerichtet, aber richtig genüsslich zelebriert wird das alles nicht.

Traci Lords („Blade“) macht als Tough Cookie Vickie (die fick i… – ich habe wirklich lange widerstanden! Aber ich musste ihn einfach bringen.) eine erstaunlich gute Figur. Nur ihre stets angepisste Fresse geht einem irgendwann echt auf die Eier und macht ihre Figur wirklich extrem unsympathisch. Ihre Co-Stars sind bis auf Yaphet Kotto („Running Man“) reichlich unbekannt. Zumindest kann man einen Bruder von John Travolta, Sam, in einer knurrigen Nebenrolle bewundern. Salvador-Darsteller Angelo Tiffe („Collateral“) hätte ich gerne noch ausführlicher toben sehen wollte. Der entwirft einen hübsch ekligen Sausack.

Inszenatorisch bietet „Intent to Kill“ die gewohnte PM-Entertainment-Group-Stilistik aus stahlblauen Nachtbildern und solider DTV-Optik in den Tagesszenen. Alles ein wenig schmuck- und ideenlos, aber unproblematisch wegzugucken. Die Action wirkt in manchen Situationen ein wenig unübersichtlich und planlos geschnitten, bietet ansonsten aber handgemachte Effekte, Stunts und platzende Bloodpacks, was man heutzutage gar nicht mehr offensiv genug loben kann. Der Score geriet leider arg belanglos.

„Intent to Kill“ hat nicht den „Intent to Rock“

Die total unfokussierte Story und ihre häufiger sehr unsympathische Hauptfigur machen es „Intent to Kill“ nicht wirklich leicht, beim Actionfan zu punkten. Dabei macht Frau Lords als Actionheldin gar keine so verkehrte Figur. Zudem ist sie freilich auch was fürs Auge des Couch-Potatoes. Leider schafft es auch die häufig aufkommende, allerdings unbefriedigend verlaufende Action kaum, besser in den Streifen hineinzuziehen. Der entwickelt alsbald Tempoprobleme, nervt mit Fehlentscheidungen und wird vor allem in dem klischierten Beziehungspart rund um das arme Hascherl Vickie und deren fiesen Bad-Boy-Freund total langweilig.

04 von 10

Den Streifen gab es bislang nur auf VHS. Am 22. Mai 2020 erschien dann endlich eine DVD von dem Label MT Films / Cargo Records. Grundlage war offensichtlich ein (ziemlich gutes) VHS Master, das bei Schärfe und Kontrast deutlich schwächelt.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: MT Films / Cargo Records__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Nein/Ja

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