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Lebendig begraben

Originaltitel: The Premature Burial__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1962__Regie: Roger Corman__Darsteller: Ray Milland, Hazel Court, Richard Ney, Heather Angel, Alan Napier, John Dierkes, Dick Miller, Clive Halliday, Brendan Dillon u.a.

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Lebendig begraben

„Lebendig begraben“ erscheint als Nr. 71 der „Limited Collector’s Edition“-Reihe.

Auf dem Gipfel seiner Poe-Phase angelangt, umgeben von „Die Verfluchten“ (1960), „Das Pendel des Todes“ (1961), „Der grauenvolle Mr. X“ (1962) und „Der Rabe – Duell der Zauberer“ (1963), führte es Roger Corman mit „Lebendig begraben“ ausgerechnet tief in den Erdboden. Der gezielte Appell an eine konkrete Urangst des Menschen, im vorliegenden Fall die Taphophobie, war eine der besonderen Spezialitäten des altmodischen Gothic-Schauerfilms, der sich aufgrund seiner ontologischen Reinheit besonders gut dazu eignete, Pionierarbeit für das Horrorkino zu leisten.

Entsprechend stark ist natürlich auch die Verfilmung der Poe’schen Kurzgeschichte „Das vorzeitige Begräbnis“ daraufhin konzipiert, eine subjektive Nacherlebbarkeit der besonderen Psychologie der Hauptfigur zu erzeugen, in der Hoffnung, dass sich die beschworene Furcht unmittelbar auf den Zuschauer projizieren möge. Dieser Ansatz, der in gewisser Weise durchaus artverwandt ist mit dem Gimmick-Kino eines William Castle, entspricht nicht nur der in der Vorlage genutzten Ich-Erzähler-Perspektive, sondern begünstigt auch das kollektive Erleben bei der Kinoaufführung, das sich American International Pictures unter Nicholson und Arkoff erhofft haben dürften, nachdem sie den Vertrieb Pathé Lab während der laufenden Produktion übernommen hatten.

Entsprechend liegt großer Druck auf Hauptdarsteller und Publikums-Projektionsfläche Ray Milland, zumal Corman ursprünglich mit Vincent Price geplant hatte, mit dem er in den vergangenen beiden Jahren bereits Poes Gedanken ins Audiovisuelle übertragen hatte. Milland ist natürlich kein gleichwertiger Ersatz für Price, wenn es darum geht, die Abgründe einer ausgeprägten Phobie in einer Fratze des Entsetzens zu spiegeln. Im Kern liefert er eine weitere Variation des charmanten Lebemanns mit dem „Handsome Face“ ab und würde gar nicht weiter auffallen, wäre seine Figur nicht zufällig von aristokratischem Blute und sähe sich, wie es in jenen Kreisen so oft der Fall ist, mit den Geistern seines genealogischen Erbes konfrontiert, hier in Form des eigenen Vaters, dessen Veranlagung und dessen Schicksal Ursprung der Ängste sind, die ihn umtreiben.

Cormans Vorgehen als Regisseur ähnelt dabei einem Therapeuten, der eine Konfrontationstherapie anwendet, darauf ausgelegt, den Patienten gewaltsam zu kurieren, was ins Filmische übersetzt nur bedeuten kann, dass es nicht gerade subtil zugeht. Gleich die erste Szene wird mit einem Shock Cut abgeschlossen, dessen nachhallendes Schlüsselbild einer Totenfratze auf die nachfolgende Paranoia einstimmen soll. Unterstützt von den bewährten Zutaten eines typischen Studio-Gruselfilms – Nebelmaschinen, die auf Hochtouren rattern, perfekt hergerichtete Kulissen, Matte Paintings, so nah an der Szene, dass sie mit den Händen greifbar scheinen – gelingt so auf Anhieb eine gemütliche Kaminfeuerstimmung aus wohligen wie schaurigen Wellen.

Dabei ist sicherlich auch die emotionale Komponente behilflich, denn angetrieben wird der Plot von der fragilen Beziehung zwischen Guy und seiner Frau Emily (Hazel Court), die ihm noch vor der Heirat Stein und Bein schwört, trotz seiner Ängste immer zu ihm zu halten. Das Publikum ist geschult genug, zu wissen, dass diese Verbindung im Laufe der Handlung auf den Prüfstand gestellt werden wird, was eine zweite Ebene hinter dem reinen Terror verspricht, in der die Emotionen zu einem seidenen Netz aus Konflikten verarbeitet werden, denn wo die Liebe verweilt, da ist auch der Verlust nicht fern.

Als die zwischenmenschlichen Komplikationen auf dem Weg zum finalen Gong immer augenscheinlicher werden, wendet sich die Narrative dann auch langsam den typischen Verschwörungen gewöhnlicher Murder Mystery nach Holmes’scher Tradition zu; geschmückt zwar immer noch mit der geisterhaften Fassade des Übernatürlichen, aber in letzter Konsequenz etwas zu vordergründig in der Auflösung, um die Gänsepelle auf dem Arm zu halten.

Stärker ist „Lebendig begraben“ da schon im Mittelteil, wenn er die inneren Gedanken des Protagonisten kunstfertig illustriert. Eine mit Bavaesken Farben und wolkigen Hintergründen ausstaffierte Traumsequenz gehört hier sicherlich zu den Highlights, aber auch in den nüchternen Momenten findet die Kamera immer wieder Wege, Guys verzweifeltes Dasein so wirken zu lassen, als sei der Scheintod bereits eingetreten; so etwa bei den Kontrasten zwischen festlichen Anlässen und düsterem Ambiente, oder wenn er schlafend in Perspektiven eingefangen wird, die ihn wahrhaftig tot wirken lassen. Hinzu kommt das enervierende, jenseitige Pfeifen der Friedhofsstreuner (John Dierkes und Dick Miller in Tradition von Burke & Hare), das den Terror auf der akustischen Ebene beachtlich intensiviert.

Dem Unterhaltungswert zuträglich ist auch die Unbeirrbarkeit beim Verhindern der befürchteten Situation des Begrabenseins bei lebendigem Leibe, gleichwohl bezweifelt werden darf, ob die komische Wirkung der Vorführung einer „narrensicheren“ Gruft mit all ihren Fluchtoptionen tatsächlich so gewünscht war. Es gibt jedenfalls Momente, da steigert sich der Hausherr derart in seinen Wahn, dass man kaum anders kann, als den Erfindergeist im Angesicht des drohenden Todes mit einem Schmunzeln zu quittieren, zumal Milland bei alldem irgendwo immer noch schauspielerische Contenance bewahrt, die eine auffällige Kluft zwischen Handeln und Ausdruck treibt. Das fügt der gespenstischen Stimmung zwar feine Risse zu, bringt sie aber nie zum Einbruch, weil eine Prise Humor, wie auch ein Vincent Price regelmäßig zur Schau stellte, sich bislang immer noch als geeignetes Ventil für den Horror erwiesen hat.

Als Literaturadaption wie auch als Corman-Werk birgt „Lebendig begraben“ jedenfalls ein Minimum an Überraschung, aber dafür ein Maximum an effektvollem, altmodischem Gothic Horror, der voll einschlagen kann, wenn man gerade nach genau dieser Art von Stimmung sucht. Psychologisch wie kriminologisch simpel gestrickt, gibt es für Corman eben auch wenig falsch zu machen, solange die Nebelmaschinen nur genug qualmen.

06 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von „Lebendig begraben“

Limited Collector’s Edition #71

Sorgen, das digitale Zeitalter vergraben unter der Erde zu verbringen, musste sich „Lebendig begraben“ eigentlich nie machen. Zu zugkräftig sind die Namen Corman und vor allem Poe wohl über all die Jahrzehnte hinweg geblieben, als dass so ein Film wirklich in Vergessenheit geriete.

So löste das Label e-m-s die alte Videokassette aus den 90ern im Jahr 2003 ab und präsentierte ihn erstmals mit deutschem und englischem Ton, anamorphem 2,35:1-Bild und sogar einigen Extras, inklusive eines Roger-Corman-Interviews. 2012 erschien dann anlässlich einer erfolgten Restauration nochmal eine Neuauflage mit identischer Ausstattung und überarbeitetem Bild von Black Hill / Koch Media. Parallel dazu wurde auch die erste Blu-ray zum Film veröffentlicht.

Der bis hierhin letzte Stand der Heimkino-Evolution ist jedoch inzwischen die „Limited Collector’s Edition Nr. 71“ aus dem MGM-Lizenzprogramm von Wicked Vision, die bereits im Oktober 2023 erschienen ist und aktuell immer noch erworben werden kann, was bei limitierten Editionen wie diesen nicht immer ganz selbstverständlich ist. Auch die aktuelle Herbstsaison könnte man also wieder ins Zeichen des Sarges stellen.

Die Verpackung

Das erste Upgrade gegenüber der Blu-ray-Erstauflage ist mit den Augen natürlich schnell ausgemacht, denn es handelt sich selbstverständlich um die Verpackung. Bei Black Hill versuchte man es zwar 2016 auch schon selbst mit einem ästhetisch-haptischen Upgrade in Form einer Mediabook-Zweitauflage, aber hübscher geraten sind dann doch die neuen Wicked-Vision-Bücher. Drei Motive bietet die Mediabook-Galerie, wobei zwei davon auf alten Plakaten basieren und eines neu gezeichnet wurde.

Lebendig begraben Mediabooks

„Lebendig begraben“ erscheint in drei unterschiedlichen Mediabook-Ausführungen.

Zur Live-Ansicht liegt Cover A vor, das vom bekannten deutschen Originalposter Gebrauch macht. FSK-Logo und Hinweise zur Edition werden wie zumeist über ein loses Deckblatt abgefrühstückt, das sich einfach abnehmen lässt, so dass man auf dem eigentlichen Frontdruck die ganze Pracht des Artworks genießen kann. Das Mediabook kommt im matten Finish, was die ebenmäßig schwarzen Flächen sowie die grauen Schattierungen im oberen Bereich gut zur Geltung kommen lässt. Dadurch wird der 2D-Querschnitteffekt des ins tiefe Dunkel abgeseilten Sarges besonders schön wiedergegeben. Kleine Farbakzente werden von den gelben Scheinwerferaugen des überdimensionalen Hauptdarstellerkopfes, den waldgrün gedruckten Darstellernamen und dem orangefarbenen deutschen Filmtitel gesetzt. Für ein edles Finish sorgen die Spotlackeffekte, mit denen die Augen und der Titel effektiv hervorgehoben werden; auch auf dem Spine und dem Backcover heben sich einzelne Elemente wie Titel, Firmenlogo, Spezifikationsboxen und Screenshots von der matten Grundfläche hervor.

Wer noch mehr Spotlack haben will, sollte sich auf Cover B stürzen. Das US-Plakat arbeitet nämlich mit einem orangefarbenen Rundbogen, der mitsamt der schwarzweißen Zierkerzen auf der linken und rechten Seite einen Großteil der Front einnimmt und vollständig mit Spotlack hervorgehoben ist. Der aus der Vogelperspektive eingefangene Milland, der von Sargträgern in seinem offenen Sarg zu seinem Bestimmungsziel getragen wird, mutet allerdings in seiner Pose fast schon eher wie Dracula an; es fehlt eigentlich nur eine Fledermaus, die die Sicht auf das Prozedere versperrt. Oben findet man noch das Poe-Zitat „Deep, deep, and forever, into some ordinary and nameless grave…“; der Rest ist einfach mattes Schwarz.

Aus der Neuzeit stammt das C-Motiv, das Timo Wuerz eigens für diese Edition angefertigt hat. Milland hält hier tatkräftig eine Schaufel und wird dabei von seinen Co-Stars umgeben. Ein Mini-Sarg mit Schaufenster und schreiendem Skelett ist dann doch ein wenig ungelenkt vor seinem linken Oberarm drapiert und schaut dort fast aus wie der Teil einer exzentrischen Ritterrüstung. Dafür verströmen die Hintergründe reichlich Gothic-Atmosphäre. Das Schwarz im unteren Bereich ist von einem schlammigen Grünbraun durchzogen, das dunkle Blau im oberen Bereich wiederum von einem schmutzigen Grau, in das kahle Äste hineinragen. Und während man Cover B auf Fledermäuse absucht, hält man hier eher nach Raben Ausschau. Die Poe-Bezüge wären somit also erfolgreich abgedeckt.

Das Booklet

Während das Black-Hill-Mediabook lediglich ein 8-seitiges Booklet mit gerade mal drei Seiten Text bot, kommen wir hier zumindest auf das etablierte 24-Seiten-Minimum. Auf der Front des Booklets begrüßt uns ein weiteres Alternativposter, das in den 70er Jahren für die Wiederaufführung des Films verwendet wurde. Zu sehen ist darauf eine Hand, die im Carrie-Stil aus der Erde ragt und dabei Händchen hält mit einer Skeletthand. Stilecht natürlich nur mit Posterfalten.

Christoph N. Kellerbach schafft es selbstredend mühelos, den Textumfang seines Vorschreibers zu übertreffen, auch wenn er schon ab Seite 20 einer kleinen Galerie aus Aushangbildern Platz macht. Bei der stimmungsvollen Einführung, die er liefert, sollte er allerdings überlegen, vielleicht auch mal unter die Romanautoren zu gehen. Da wird man zur Einstimmung nämlich erst einmal wortgewandt in die Lage einer Person versetzt, die gerade im Sarg aufwacht, ohne zu wissen, wie ihr geschieht.

Weiter geht es mit unterhaltsamen Verweisen auf echte Berichte von Scheintoten, die kurz vor ihrer Beerdigung wieder aufwachten. Danach wird es mit Poe- und Corman-Biografien und der Produktionsgeschichte des Films wieder etwas konventioneller. Es hagelt die üblichen Querverweise und Filmtitelnennungen, diesmal kontextualisiert im allgemeinen Rahmen Corman’scher Poe-Verfilmungen. Bei Design und Layout kommt das klassische Wicked-Vision-Beige mit roten Überschriften zur Anwendung, was immer gut zu altmodischen Stoffen wie diesem passt. Die Seitenzahlen sind dabei übrigens als niedliche kleine Ray-Milland-Prints aufgemacht.

Jene Art von Detailliebe spürt man sogleich auch wieder bei der Einblendung der Rechtehinweise und kurz darauf bei der Menüführung, wenn man mit kleinen Schäufelchen die Menüpunkte „ausheben“ darf.

Der Ton

Der erste Weg führt uns wahrscheinlich zu den Einstellungen – zumindest wäre das angeraten, da es mehrere Optionen zur Auswahl gibt. Auf einem Grabstein darf man zwischen den Tonspuren wählen, ein zweiter Grabstein stellt eine kleine Entscheidungshilfe bereit, um die beiden verfügbaren deutschen Tonspuren voneinander zu unterscheiden. Beim Format (DTS-HD Master 2.0 Mono) gibt es nämlich keine Unterschiede zwischen ihnen, auch handelt es sich jeweils um die gleiche Synchronisation. Weiterhin wurden beide Spuren auf Grundlage einer 35mm-Kopie neu bearbeitet. Bei der vom Label bevorzugten und auch voreingestellten Tonspur wurde jedoch zusätzlich die Synchronizität angepasst, die auf dem Originalmaster nicht immer hundertprozentig passgenau auf das HD-Bildmaterial passte, so dass man es bevorzugte, hier entsprechende Korrekturen vorzunehmen.

Um dem Nutzer dennoch die Wahl zu lassen, wurde auch die diesbezüglich unbearbeitete Fassung hinterlegt, so wie sie damals auch im Kino zu hören war. Tatsächlich spürt man bei der unbearbeiteten Spur eine leichte Verzögerung in den Dialogen, insofern gibt es keinen Grund, den Empfehlungen nicht zu folgen. Die Eigenschaften des Tons selbst sind jeweils ähnlich: Dialoge neigen zu leichten Zischlauten, wie es bei Synchronisationen jener Zeit üblich war, der Soundtrack wölbt sich wie eine warme Wolke über den Film, insbesondere in den surrealen Sequenzen. Natürlich ist auch der englische Ton mit an Bord. Er liegt im gleichen Format vor wie der deutsche und weist in Sachen Musik und Effekte kaum Unterschiede zum deutschen Ton auf, nur die Dialoge wirken etwas weicher und wärmer als in der Synchronisation.

Die deutschen Untertitel sind auf den englischen Ton abgestimmt, d.h. wenn man die Untertitel parallel zum deutschen Ton einschaltet, ergeben sich gewisse Unterschiede. Die englischen Untertitel wiederum entsprechen exakt dem gesprochenen englischen Ton.

Schaut in den Trailer von „Lebendig begraben“

Die Audiokommentare

Darüber hinaus befinden sich noch zwei Audiokommentare auf der Disc. Der deutschsprachige der beiden entstand in einer Runde mit dem harten Kern Dr. Gerd Naumann und Christopher Klaese, die diesmal von Marco Gessner ergänzt werden. Letzterer setzt zwischendurch immer mal wieder zu interessanten Exkursen an, in denen er spezifische Themen vertieft, die zuvor dialogisch zwischen Naumann und Klaese an die Oberfläche befördert wurden. Adressiert wird zum Beispiel die Dysfunktionalität der Ehe im viktorianischen Zeitalter, ähnlich wie in Kellerbachs Booklet wird mit Anekdoten um das Thema Tapophobie eingegangen, die Rechtesituation um AIP und Pathé wird analysiert und hypothetische Gedankenspiele aufgeworfen rund um die Frage, was gewesen wäre, wenn Vincent Price die Rolle gespielt hätte. Gelobt wird der Film nicht zuletzt für seine audiovisuelle Stilsicherheit und für seine geschmackvolle Präsentation, kritisiert ein wenig dafür, dass er seine progressiven Ansätze mit allzu konservativen Aspekten am Ende selbst wieder zunichte macht.

Zusätzliche Einordnung kann man sich im englischsprachigen Kommentar zwischen Filmhistoriker und „Dracula – Tot aber glücklich“-Autor Steve Haberman und Full-Moon-Stammautor C. Courtney Joyner holen. Das Duo bereitet den Boden, indem es zunächst die produktionstechnischen Hintergründe klärt, um dann verstärkt auf die Wirkung des Films einzugehen, nicht ohne zwischenzeitlich immer wieder personelle Details einzustreuen und auch filmhistorische Kontexte zu erzeugen. Während der deutsche Kommentar über keine englischen Untertitel verfügt, kann der englische Kommentar mit deutschen Untertiteln abgespielt werden.

Das Bild

Wo der Transfer der früheren Blu-ray nur in 1080i-Auflösung vorlag, da bietet die Wicked-Vision-Neuauflage erstmals echtes 1080p. Das farben- und kontrastreiche Filmmaterial liefert dabei mindestens ebenso viele Herausforderungen wie Möglichkeiten zu glänzen. Insgesamt wirkt der Film sehr dunkel und kräftig, manchmal ein wenig zu sehr womöglich; Wandverkleidungen und Türen aus Ebenholz können sich da im Hintergrund auch mal in schwarze Löcher verwandeln. Auch das Violettblau der Matte Paintings bohrt sich regelrecht durch die Mattscheibe hindurch. Hauttöne wirken kräftig und gut durchblutet, Pastelltöne satt deckend. Über alldem liegt meistens eine Schicht starken Filmkorns. In der Gesamtkomposition führt das zu einem überaus filmischen, fast schon opulenten Erlebnis, das gewisse Ähnlichkeiten teilt mit vielen Ausstattungs- und Kostümfesten der Hammer-Filme.

Die Extras

Auch auf die Video-Extras wurde im Vergleich zur Koch-Erstauflage noch eine Extraportion spendiert, ohne dass man dabei auf die alten Extras verzichten müsste. Zu jenen gehört etwa das 10-minütige Interview mit Roger Corman aus dem Jahr 2002, in dem er noch einmal detailliert auf die vertrackte vertragliche Situation um AIP und Pathé eingeht, die unter anderem dazu führte, dass Vincent Price die Hauptrolle nicht spielen konnte, als das Casting vollzogen wurde, da er bei AIP unter Vertrag stand und Pathé damals noch unabhängig von AIP war. Letztlich sollten sich die Wege von Corman und AIP aber schon am Set des Films wieder kreuzen, als Nicholson und Arkoff ihm mitteilten, dass ihr Studio Pathé aufgekauft hatte. In den folgenden Jahren sollte es also wieder zu weiteren Kollaborationen kommen. Im weiteren geht Corman noch auf seine Darsteller und Mitarbeiter hinter der Kamera ein und seine Methoden, alle Beteiligten zu Bestleistungen anzuspornen.

Interviews

Links: Roger Corman im Jahr 2002. Rechts: Joe Dante im Jahr 2015.

Auch die deutsche Titelsequenz, naturbelassen mit knisterndem Ton und von Doppelkonturen geprägtem Videobild, war den Erstkäufern bereits vergönnt. Deutsch ist hier übrigens nur die Titeleinblendung „Lebendig begraben“, nicht aber die anschließenden Produktionscredits. Neu für den deutschen Markt hingegen ist das 2015 enstandene HD-Interview „Buried Alive!“ (10 Min.) mit Joe Dante. Der „The Howling“- und „Gremlins“-Regisseur analysiert „Lebendig begraben“ und andere Poe-Verfilmungen Cormans mit Blick auf ihre Eigenarten offensichtlich aus der Sicht eines Filmfans, der für seine eigenen Werke viel Inspiration aus den Kinozeiten gezogen hat, in denen diese Filme entstanden sind. Mit Blick auf AIP führt er außerdem an, wie diese Filme das Kerngeschäft verändert und den Marktwechsel von den 50ern in die 60er Jahre hinein angetrieben haben.

Fehlen darf natürlich auch nicht der Originaltrailer. Darüber hinaus ist es Roger Corman persönlich, der zusätzlich den „Trailer from Hell“ einspricht und bei dieser Gelegenheit noch einmal zusammenfasst, wie es zur Produktion des Films kam. Auch für ein paar Anmerkungen zur Machart des Films reicht die knapp bemessene Zeit noch.

Last but not least finden wir noch eine Bildergalerie vor, die ziemlich großzügig ausgefallen ist: Satte 18 Minuten lang wird man mit Postern, Aushangfotos, Pressematerial, Stills, Mediencovern und sonstigen Raritäten aus aller Welt versorgt, während im Hintergrund der pompöse Filmscore donnert.

Wer damit noch nicht genug hat, darf sich dann sogar noch auf die Ostereisuche machen, denn eines hat sich im Menü versteckt. Wer nicht selbst suchen möchte, kann zur Seite 2 dieses Artikels wechseln und sich spoilern lassen.

Fazit: Die Wicked-Vision-Edition von „Lebendig begraben“ ist ganz sicher auch für die kalten Monate des Jahres 2025 ein wärmender Begleiter, den man am besten bei stürmendem Wetter auf der heimischen Couch genießt. Die anschließende Nacht wird man aber mit offener Schlafzimmertür verbringen, so viel ist sicher.

Sascha Ganser (Vince)

Bildergalerie zu „Lebendig begraben“

Lebendig begraben

Gerade verheiratet und schon die Schnauze voll.

Lebendig begraben

Ein (fast) narrensicheres System: Die Hi-Tech-Gruft des Taphephobikers.

Lebendig begraben

Ob’s wohl rot wird, wenn man an der Leine zieht?

Lebendig begraben

Schon während seines Lebens wirkt Guy (Ray Milland) manchmal wie ein Scheintoter.

Lebendig begraben

Eine letzte Meile in der Horizontalen.

Lebendig begraben

„Lebendig verbrannt“ wäre doch eine nette Idee für eine Fortsetzung gewesen.

Lebendig begraben

Gruselwald, brennende Häuser… einfach ein gemütlicher Sonntagnachmittagspaziergang mit Freunden.

Lebendig begraben

Burke & Hare bekommen Konkurrenz.

Sascha Ganser (Vince)

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Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Wicked Vision__Freigabe: FSK16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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