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Legion of the Dead

Originaltitel: Legion of the Dead__Herstellungsland: Deutschland__Erscheinungsjahr: 2000__Regie: Olaf Ittenbach__Darsteller: Michael Carr, Russell Friedenberg, Kimberly Liebe, Hank Stone, Matthias Hues, Harvey J. Alperin, Christopher Kriesa, Darren Shahlavi, Birgit Stauber u.a.
Legion of the Dead DVD Cover

Darren Shahlavi und Matthias Hues waten durch Olaf Ittenbachs Blutgericht.

Olaf Ittenbach. Dieser Name hat in gewissen Kreisen einen durchaus beachtlichen Ruf. Splatterbomben wie „Premutos“ oder „Black Past“ sei Dank. Uwe Boll brachte ihn gar in mainstreamigere Fahrwasser, als er ihn die Effekte etwa für „Tunnel Rats“ oder „Bloodrayne“ umsetzen ließ. Und irgendwo in der Zeit dazwischen, ist „Legion of the Dead“ entstanden. Als Olaf Ittenbach offensichtlich von Größerem beseelt war und sich tatsächlich am Erzählen von Geschichten versuchte.

„Legion of the Dead“, in Amerika gedreht, ist Ittenbachs eigene „From Dusk Till Dawn“ Variante. Mehrere Parteien steuern hier zielbewusst auf irgendein Diner am Arsch der USA zu und geraten dort in ein mittleres Massaker, weil der mysteriöse „Blonde Mann“ eine Legion der Toten auf die Beine stellen will und dafür jeden weiteren Toten gut gebrauchen kann.

Was er mit der Legion eigentlich will, wird nie so recht klar. Warum er es sich selbst so schwer macht und in der Einöde nach neuen Gefolgsleuten sucht, ist genauso unklar. Immerhin hätte er sich auch einen Kriegsschauplatz aussuchen können und vermutlich nur ein Viertel der Zeit gebraucht. Doch mit Logik braucht man „Legion of the Dead“ gar nicht zu kommen. Immerhin schwebte Ittenbach hier keine Oscarware vor. Eher ein unterhaltender Streifen, garniert mit kleineren Gewalteskalationen. Dementsprechend versucht sich Ittenbach an einem humorigen Grundton, der sich in elend zerdehnten, größtenteils vollkommen unkomischen Running Gags erschöpft.

Schaut in „Legion of the Dead“ mit Darren Shahlavi hinein

Sprücheklopfend latschen die Figuren in der Folge durch Wüsten und leere Ortschaften und schaffen es teilweise minutenlang, sich über Belanglosigkeiten zu unterhalten. Ist man also vom allgemeinen Erzähltempo noch nicht angeschlagen, lullt einen das elende Geschwafel alsbald ein und Freund Sandmann schleicht sich heimlich an.

Hoffnung keimt auf, wenn das Diner erreicht ist. In dem wird es tatsächlich lustig, weil Ittenbach hier zusammenkarrt, was er unter den amerikanischen Brücken an vermeintlichen Schauspielern finden konnte. Die Folge sind stocksteife und dumme Dialoge, die einen mehr als einmal feiern lassen. Unfreiwillig. Und dann ist da natürlich noch der große Umschwung. Wie eben in „From Dusk Till Dawn“, wenn „Legion of the Dead“ vom Road Movie zur Splattersause mutiert.

Olaf Ittenbach saut auch in „Legion of the Dead herum“

Und auf einmal wird es durchaus herzhaft. Menschlein werden zerteilt, dämonische Fratzen keifen, Köpfe zerplatzen, Messer werden in alle möglichen Körperteile gerammt. Wenn Ittenbach eines kann, dann das. Auch hier geht ihm das Gesplatter leicht von der Hand. Auch wenn es immer irgendwie seltsam stockend wirkt. Weil kein rechter Fluss aufkommt. Der Kitt fehlt. Es wird einfach ein explizite Szene an die andere gereiht, ohne ein Gespür für Rhythmus oder zunehmende Eskalation.

Und hernach fällt der Film wieder ins Koma. Matthias Hues, der Hüne, treffsicher als „Blonder Mann“ besetzt, wirft drei bis vier Mal den Kopf in den Nacken und lacht böse und die verbliebenen Helden im Diner verenden teilweise arg unspektakulär. Ittenbach bekommt den Umschwung des Vorbildes nicht hin. Sein Film eskaliert nicht durch. Gefühlt läuft vor dem Auge des Zuschauers der Abspann durch, wenn das Gemetzel im Diner beendet ist. Und da zu dem Zeitpunkt noch immer nicht klar ist, was der „Blonde Mann“ nun eigentlich wirklich will, sind einem die restlichen Filmminuten noch egaler als jene zuvor.

Darren Shahlavi hätte einen starken Held abgegeben

Zumindest aus Sicht des Actionfans ist eine Personalie interessant. Der 2015 leider verstorbene Darren Shahlavi („Ip Man 2“) hat nämlich eine kleine Rolle in „Legion of the Dead“ abbekommen. Eine Rolle, in der er so locker und leicht spielt, dass er damit jeden anderen Darsteller im Film einfach nur alt aussehen lässt. Ittenbach hätte ihn als Helden aussuchen sollen. Dann hätte sein Film vielleicht sogar in Ansätzen funktioniert. So darf Darren Shahlavi zumindest im großen Gemetzel einige Male cool um sich treten. Was in Sachen Dynamik auch das Gesplatter total altbacken wirken lässt.

Matthias Hues („Death Match“) ist zwar auch immer eine Erwähnung wert, zumal man ihn ja niemals übersehen könnte, in „Legion of the Dead“ kommt er aber nie wirklich zum Zuge. Action darf er beispielsweise keine machen. Eigentlich darf er kaum mehr machen, als fies zu lachen.

„Legion of the Dead“ ist „From Dusk till Dawn“ in schlecht

Was am Ende bleibt, ist eine bemühte Neuauflage von „From Dusk Till Dawn“, die Olaf Ittenbach (“Beyond the Limits“) erstaunlich brav präsentiert. Denn obschon diverse Splattereinlagen angenehm explizit ausfallen und die häufiger auftauchenden, sehr blutigen Körpertreffer vor allem aus heutiger Sicht beinahe wehmütig stimmen, startet „Legion of the Dead“ nicht einmal im Splattersektor jemals so richtig durch.

Zudem ballt sich das Gematsche unvorteilhaft kurz vor Ende des Filmes, welches so mancher Filmfan aufgrund der häufiger aufkommenden Langeweile direkt verschlafen wird. Oder er schaltet wegen den gruseligen Darstellerleistungen oder den belanglos bekloppten Dialogen schon freiwillig aus. Einzig in Sachen Optik wissen die präsentierten Wüstenbilder durchaus zu gefallen. Immerhin etwas.

03 von 10

In Deutschland ist es, wie bei Ittenbach beinahe üblich, schwer, an eine ungeschnittene Fassung zu kommen. Selbst Discs mit dem Vermerk „Director’s Cut“ und einer schweren SPIO/JK-Freigabe sind geschnitten. NSM Records schuf dahingehend Abhilfe und brachte den Film ungeschnitten und ungeprüft auf DVD heraus.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: NSM Records__Freigabe: ungeprüft__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Nein/Ja

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