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Beyond the Limits

Originaltitel: Beyond the Limits__Herstellungsland: Deutschland__Erscheinungsjahr: 2003__Regie: Olaf Ittenbach__Darsteller: Darren Shahlavi, Russell Friedenberg, Hank Stone, David Creedon, Joe Cook, Christopher Kriesa, Kimberly Liebe, Natacza Boon, James Matthew-Pyecha, Matthias Hues u.a.
Beyond the Limits DVD Cover

Olaf Ittenbach lässt in “Beyond the Limits” das Kunstblut spritzen. Darren Shahlavi kriegt einige Spritzer ab.

„Beyond the Limits“ erzählt im Grunde drei Geschichten. Geschichte Nummer eins rahmt die anderen beiden Storys ein und berichtet von einer Journalistin, die für ihre erste große Reportage unbedingt einen Friedhofswärter interviewen will. Der entpuppt sich als erstaunlich redselig und erzählt ihr zunächst die Geschichte von zwei Gangstern, die miteinander im Clinch liegen.

Als der eine die Frau des anderen tötet, geht er zu weit. Sein Kontrahent begeht Selbstmord, was den großen Obermotz der beiden Gangster auf den Plan ruft. Der lässt zwei seiner brutalsten Killer auf den vermeintlichen Gewinner des Zwistes los und scheint den beiden befohlen zu haben, ein richtig derbes Massaker zu entfesseln. Eine Anweisung, die die beiden liebend gerne befolgen.

Am Ende des blutigen Reigens ist eigentlich nur eine Frage offen: Was war das für ein seltsames Artefakt, das ein schlagendes Herz beherbergte und für wenige Augenblicke von Bedeutung schien? Die Antwort auf diese Frage liefert die zweite Story, die der Friedhofswächter erzählt. In der geht es um einen Priester, der der Ketzerei angeklagt wurde. Um ein Exempel zu statuieren, lässt der zuständige Lehnsherr mal eben die gesamte Gemeinde des Pfarrers abschlachten.

Den vermeintlich ketzerischen Priester erwartet kurz darauf eine unangenehme Folterbehandlung. Im Zuge derer wird schnell klar, dass in Wirklichkeit der Lehnsherr vom Glauben abgefallen ist und er mit dem Herz-Artefakt eine Kreatur namens Belial auf unsere Erde holen will. Könnte auch alles ganz gut klappen, wenn der Lehnsherr sich bei seinem Gemetzel an diversen Unschuldigen nicht einen seiner fähigsten Krieger zum Feind gemacht hätte.

Schaut in „Beyond the Limits“ mit Darren Shahlavi hinein

Man hat Olaf Ittenbach („Legion of the Dead“) gegenüber schon diverse Vorurteile. Der Wald- und Wiesensplatterexperte mag das Jonglieren mit abgetrennten Körperteilen echt drauf haben, filmisch jedoch sind seine Filme meist unterste Kajüte. Technisch ebenso wie in Sachen Schauspieler- und Storyführung. Umso mehr überrascht vor allem die erste Episode von „Beyond the Limits“, die ihre Story rund um den Streit zweier Gangster mit durchweg makaberem Unterton versieht, viel schwarzen Humor lanciert, ein paar brauchbare Dialoge und Oneliner kredenzt und mit wahrlich unvorhersehbaren Storyschlenkern aufzuwarten versteht.

Alles keine Oscarware, keine Frage, aber flott und ohne Hänger durchgezogen und ordentlich gespielt. Zudem knallen hier Ittenbachs Splattereffekte richtig rein. Wenn hier Köpfe und Körper aufgrund Pumpgun-Beschusses förmlich explodieren, hat das richtig Wucht. Zudem entpuppen sich die beiden Killer als wahrhaft sadistische Drecksäcke. Infolgedessen werden mit Hämmern, Sägen, Messern und sogar Schwertern fiese Wunden fabriziert und massenhaft Blutverlust verursacht. Nach knapp 50 Minuten Laufzeit, die wie im Fluge vergehen, kann man eigentlich nur kritisieren, dass ein Rückprojektionseffekt zu Beginn scheiße aussah und das gesamte Set sehr kulissenhaft und als Wohnzimmer einfach nicht realistisch wirkte.

Bei der folgenden Episode rund um den Priester gibt es leider deutlich mehr zu kritisieren. Sie wirkt durchweg zu behäbig, zu langsam, zu bemüht konstruiert, teilweise fast schon hilflos in Sachen stringenter Dramaturgie. In der Folge haben die derben Splatter-Einlagen eher eine „Aufwachen“-Funktion und wissen bei aller Derbheit (Extremitäten ab, Gesichter ab, Rüben runter,…) nicht so reinzuhauen wie in der Vorgängerstory.

Darren Shahlavi kickt im Mittelalter

Was gefällt, ist der betriebene Aufwand. Es gibt eine Menge an Komparsen zu sehen. Die Schauplätze passen ordentlich zum Mittelaltersetting der Episode und die Kostümierung schaut nicht nach Kinderfasching aus. Hier punktet die Independent-Produktion ordentlich. Ein Highlight in Episode zwei ist der federführende Folterknecht. Von Charles Rettinghaus mit viel Verve synchronisiert, stiehlt der Mime wirklich jede Szene.

Auch jene von Darren Shahlavi („Kickboxer – Die Vergeltung“), der den Held der Posse gibt und mit Dreh- und Sprungkicks im Mittelaltersetting für Aha-Momente sorgt. Sehr geil ist in dem Zusammenhang auch das Cameo von Matthias Hues („Fist Fighter“), der sich mit Shahlavi ordentlich beharken darf. Abseits der Action wirkt Shahlavi von seiner Rolle ein wenig überfordert. Vom Drehbuch zum sauertöpfisch Dreingucken und emotionalem Herumwanken verurteilt, kommt sein Held leider immer wie ein Weichei rüber.

Leider ist der Rausschmeißer der Episode arg unfreiwillig komisch. Es handelt sich um eine der Höllenszenen, für die Ittenbach ja berühmt berüchtigt ist. Leider beschneiden höchst unvorteilhafte und lachhafte Creature-Masken die Wirkung der optisch definitiv beeindruckenden Szenerie deutlich. Etwas unbefriedigt hofft man nun zumindest auf ein derbes Finish der Rahmenhandlung, doch auch die wird eher unvorteilhaft und vor allem höhepunktlos abgeschlossen. Das wirkt leider arg lustlos und zieht den Film noch einmal runter…

„Beyond the Limits“ geht selten an seine Grenzen

Was am Ende bleibt, ist eine richtig starke Episode, eine insgesamt okaye, aber langweilige Episode und ein egales Rahmen-Episödchen. Insgesamt wäre Ittenbach gut beraten gewesen, bei der veranschlagten Laufzeit von circa 105 Minuten auf drei vollwertige Episoden zu setzen. Im Zuge dessen hätte er die beiden längeren Episoden straffen müssen, was vor allem der Mittelalter-Episode zugute gekommen wäre.

Und er hätte die Möglichkeit gehabt, die Story um das Artefakt noch breiter auszuwalzen und um weitere Ideen zu ergänzen. Denn prinzipiell hätte man aus der ganzen Story rund um „Das ewige Herz“ viel mehr herausholen können. Insgesamt gehört der in seinen Splatterszenen sehr derbe, humorlose und definitiv nicht für ein Mainstream-Publikum geeignete „Beyond the Limits“ zu Olaf Ittenbachs besseren Streifen und markierte einen kleinen Schritt Ittenbachs raus aus den Amateurgefilden.

05 von 10

In Deutschland nahm sich Laser Paradise der Uncut Veröffentlichung von „Beyond the Limits“ auf DVD an. Mit einer harten SPIO/JK Freigabe versehen, findet man den Film inzwischen unter anderem auch von XT Video nur unter dem Ladentisch.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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