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Marine Fighter

Originaltitel: The Human Shield__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1992__Regie: Ted Post__Darsteller: Michael Dudikoff, Tommy Hinkley, Hana Azoulay-Hasfari, Steve Inwood, Uri Gavriel, Avi Keidar, Geula Levy, Gil Dagon, Michael Shillo, Roberto Pollak u.a.
Marine Fighter aka The Human Shield mit Michael Dudikoff

Wenn der Irak aufmuckt, schaut Dudikoff in “Marine Fighter” nach dem Rechten!

Doug Matthews ist als militärischer Berater für eine amerikanische Botschaft im Irak zuständig. Hier wird er Zeuge, dass vom US-Militär an scheinbar verbündete irakische Kräfte gelieferte Waffen genutzt werden, um wahllos die irakische Zivilbevölkerung zu meucheln. Insbesondere ein spezieller Iraki stellt sich dabei als besonders sadistisch heraus.

Doug gerät mit ihm aneinander, hinterlässt ihm ein schönes Andenken im Gesicht und kündigt seinen Job. Fünf Jahre später haben sich die Zustände im Irak verschärft und alle Amerikaner flüchten aus dem Land. Unter ihnen der Bruder von Doug, der allerdings bei seiner Flucht einkassiert und inhaftiert wird! Und das natürlich von Dougs altem Iraki-Kumpel. Als Doug davon erfährt, bricht er natürlich sofort gen Irak auf, um da mal so richtig feucht durchzuwischen …

Das klingt nach astreiner und schnell gepacter B-Action von der Stange. Obendrein mit dem damals noch gut verdienenden Videostar Michael Dudikoff („American Fighter 4“) besetzt, dessen Filme allesamt für wenig Menschenliebe und kaum komplexe Handlungsgerüste bekannt waren. Was sollte da also schief gehen? Im Angesicht des Endergebnisses kann man nur konstatieren: Einiges.

Schaut in “Marine Fighter” mit Michael Dudikoff hinein

Denn in keinem anderen Michael-Dudikoff-Film aus dieser noch guten Phase des B-Recken wird soviel sinnloser Kram palavert wie hier. Es scheint fast, als habe man vergessen, dass der gecastete Hauptdarsteller sonst eher die Handkanten sprechen lässt und weniger die Stimmbänder beansprucht. Und so wird hier palavert und palavert und palavert und man fragt sich die ganze Zeit nur: Warum?

Die Handlung von “Marine Fighter” und deren Ablauf ist von Minute eins an klar: Bruder entführt. Anderer Bruder boxt ihn raus. Wer braucht denn da Dialoge? Und so mäandert “Marine Fighter” vor sich hin, ohne dass wirklich etwas passieren würde… und *bumms* rollt der Showdown an, alle Bösen sind plötzlich tot und nur Dudikoffs Frisur deutet an, dass er sich gerade etwas anstrengen musste. Keine Ahnung, was da wohl schief gelaufen ist.

Zumindest stimmt die extrem sporadisch eingewobene Action hin und wieder versöhnlich, denn wenn sie aufkommt, macht sie wirklich Laune. Vor allem, wenn Michael Dudikoff eine Kalaschnikow in die Hand bekommt, geraten die Shoot Outs mehr als nur hübsch blutig. Viel mehr gibt es seltsamerweise aber auch nicht zu sehen. Eine Stunteinlage mit Motocrossfahrern wird uninspiriert eingebunden und endet zumindest hübsch explosiv, das war’s dann auch schon. Dudikoff darf noch nicht mal kicken, maximal ein bis zwei mal die Fäuste gebrauchen.

Darstellerisch ist dann gleich mal komplett der Ofen aus. Klar, Michael Dudikoff hat sich noch nie gerne beim Spielen erwischen lassen und so ist er auch diesmal einfach nur er selbst: Hemdsärmlig stapft er durch die kargen Wüstenschauplätze (wohl noch so ziemlich das Beste am Film), steigt niemals aus seiner All-American-Boy-Jeans und trägt eine auf ultralässig gefönte Frisur vor sich her, die nicht mal die Druckwelle einer Granate in Fisimatenten bringen würde.

Seine ihn flankierenden Schauspielkollegen dilettieren ebenfalls munter vor sich hin, ohne großartig aufzufallen. Technisch bietet der Film solide Direct-to-Video-Ware, ohne große Haken und Ösen, eingefangen von dem immer ordentlichen Kameramann Yossi Wein.

So bleibt eigentlich die interessanteste Randnotiz, dass sich Regisseur Ted Post („Black Tiger“) mit der Cannon-Produktion “Marine Fighter” als einer der Ersten des damals vor sich hin schwelenden Irakkonfliktes annahm. Der Rest ist frei von Überraschungen, voll von ödem Geschwätz und entbehrt jeglicher Form von Spannung oder Tempo. “Marine Fighter”, bei uns in Deutschland herrlich offensiv an das erfolgreichste Dudikoff-Franchise angelehnt (eigentlich heißt er ja “The Human Shield”), verzettelt sich komplett in einem seltsamen Mix aus Thriller und Actionfilm, bei dem vor allem die solide und sauber inszenierte Action viel zu oft auf der Strecke bleibt. Dudikoff versuchte sich Jahre später mit „Chain of Command“ an einer Art Quasi-Remake, scheiterte aber auch hier grandios. Einfach weil es von Michael Dudikoff aber noch viel mehr viel schlechteren Kram gibt, macht das diesmal noch:

4 von 10

Die deutschen FSK 16 Verleihtapes und damit auch die Kaufkassetten sind allesamt an einer Stelle cut. Digital wurde der Film bislang nur als – ungeschnittenes – Bootleg in Deutschland veröffentlicht. Regulär gibt es den Film unter anderem in Schweden (unsere Coverabbildung) und Frankreich zu erstehen. Allerdings ist das nicht sooo einfach, da die Scheiben out of print sein sollten. Wird Zeit, dass sich mal ein deutsches Label Dudikoffs Oeuvre genauer zur Brust nimmt.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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