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Chain of Command mit Michael Dudikoff

Originaltitel: Chain of Command__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1994__Regie: David Worth__Darsteller: Michael Dudikoff, Todd Curtis, Keren Tishman, R. Lee Ermey, Steve Greenstein, Jack Adalist, Eli Danker, Jon J. Herison, David Menachem, Eli Yatzpan u.a.
Chain of Command mit Michael Dudikoff

Die “Chain of Command” juckt Michael Dudikoff beim Blaue-Bohnen-Verteilen wenig.

Merrill Ross, Ex Green Beret und jetzt technischer Berater (sic!) einer Ölbohrfirma namens Western Oil in dem Fantasie-Staat Qumir, wird eines Abends Zeuge, wie ein paar Lumpen die von seiner Firma bewirtschafteten Ölfelder „besuchen“ und im Namen der Qumir Liberation Front alle Amerikaner im Team als Geiseln nehmen und den Rest umnieten.

Klar, dass Merrill diesen Ereignissen auf den Grund gehen und seine Freunde befreien möchte. Hilfe findet er ausgerechnet bei der Qumir Liberation Front, die in Wirklichkeit nämlich gar nicht hinter dem Anschlag steckte und nun ihre Weste reinwaschen will…

Klingt auf dem Papier hübsch simpel, wird im Film selber aber leider recht kompliziert aufgezogen, was vor allem im Mittelteil ein paar amtliche Hänger zur Folge hat. Während denen wird zwar viel geredet, aber wenig gesagt. Am Ende will einfach nur irgendwer den Staat Qumir übernehmen und irgendwer hat etwas dagegen. Wie, warum und hat Merrills Love Interest eigentlich geile Moppen? All das sind Fragen, die einen daraufhin bewegen könnten, es aber nicht wirklich tun. Denn wenn dem Drehbuch wichtige Eckpunkte wie die Motivation der Bäddies oder der Qumir Liberation Front egal sind, warum sollten sie uns dann jucken? Seht ihr…

Da es mit Trailern zu “Chain of Command” mau ausschaut, hier der Killcount

(Dieser funktioniert! Trotz des wenig einladenden Youtube Screens!)

Doch Jucken hin oder her, sagen wir es doch, wie es ist: Die Hauptsache bei einem Film wie “Chain of Command” ist doch, dass die Action knallt! Und das macht sie auch, zumindest am Anfang. Hier wird zunächst die Western-Oil-Baustelle befriedet, woraufhin Michael Dudikoff („River of Death“) beinahe direkt im Anschluss die Homebase der Lumpen ausrottet. Da brechen Genicke, rußt der Dudi alles um, was bei drei nicht auf den Bäumen ist und wird wild mit Granaten und Molotowcocktails um sich geschmissen.

Kurzum: Hier macht “Chain of Command” ordentlich Laune und man fragt sich beinahe ein wenig ängstlich, wie das noch getoppt werden soll und vor allem: Wieso geht der Film denn noch weiter? Sind doch eigentlich fast alle tot und die Geiseln wurden befreit? Eine Frage, die sich auch “Chain of Command” stellen muss.

Blöderweise nicht zum Vorteil des Fans, denn es wird jetzt weder noch einmal spektakulär noch kommt noch einmal so etwas wie Action auf. Klar, hier und da stirbt noch mal wer und darf Michael Dudikoff ein paar Genicke krachen lassen – der Höhepunkt in Sachen Action ist allerdings schon lange Geschichte. Selbst wenn Dudikoff im Showdown mit zwei Kalaschnikows gleichzeitig ballert (und freilich alles trifft), will sich kein wirklich befriedigtes Grinsen beim Actionfan mehr einstellen. Schade. Einzig der Abgang der rechten Hand vom Oberlump macht echt Laune.

Zumindest sehen die Action und der Film selbst eigentlich immer ganz ordentlich aus und ist die Optik von Regisseur David Worth („Lady Dragon 2“) noch weit entfernt vom billigen Ostblocklook der Folgejahre. Witzig sind vor allem die Computereinlagen, in dem klickbare Buttons noch mittels bunt umrandeter Textfelder in einer Worddatei dargestellt werden. Als “Chain of Command” damals rauskam, hat mich das freilich noch nicht gewundert, heute reizt es zu geradezu hysterischen Lachanfällen.

Dennoch ist der Film der legendären Cannon Group irgendwo schon etwas Besonderes. Warum? Nun, weil Michael Dudikoff in dem Film endlich einmal nicht als tumb trotteliger und hoch naiver Charakter verheizt wird. Klar, Dudikoff ist auch in “Chain of Command” einfach Dudi in Jeanshosen, legerem Hemd und mit getönten Haarspitzen, aber in diesem Film darf er endlich mal forsch sein! Frech sein! Sprüche machen! Und durchaus auch mal Rummaulen, wenn ihm etwas nicht passt.

Eine echte Wohltat im Vergleich zu seinen sonstigen Rollen, in denen er einfach nur mit weit aufgerissenen Augen von einer Actionszene in die nächste stolperte. Und Dudikoff fühlt sich sichtlich wohl in dieser etwas anderen Rolle!

Undankbarerweise wird er aber von Todd Curtis („Bloodfist Fighter 4“) mit Wolle-Petrie-Frise ziemlich an die Wand gedrückt. Denn dieser gibt einen formidablen, herrlich abseitigen Bäddie, der in all seinen Auftritten ordentlich losrocken darf und wirklich Spaß macht. Und mit offenen Haaren hat er eh alle Lacher auf seiner Seite.

Seinen Boss spielt ein unglaublich passiver und zurückhaltender R. Lee Ermey („Boy Soldiers“), der schlicht verschenkt wird und dementsprechend nichtmal einen richtig fiesen Lumpentod sterben darf. Keren Tishman als Dudikoffs Love Interest sieht zwar ganz nett aus, besitzt aber die unverfrorene Frechheit, in einem B-Movie auf ein Bodydouble zurückzugreifen. Kein Wunder, dass ihre Karriere nie ins Rollen kam.

Was bleibt, ist ein B-Actioner, der nach einem furiosen Frühstart vollkommen erschöpft in sich zusammensackt und den Zuschauer mit endlosem, sinnentleertem Gelaber und einer endöden Story ins Reich der Träume entlässt. Zumindest macht die gebotene Action einigermaßen Laune und sieht man Michael Dudikoff an, dass er bei den Dreharbeiten zu “Chain of Command” durchaus seinen Spaß hatte. Würde der sich doch nur auf den Zuschauer übertragen.

3 von 10

Die einzige offizielle deutsche FSK 18 Fassung auf VHS ist geschnitten. Uncut kommt er unter anderem in den USA von dem Label Warner Home Video (mit einem R-Rating) oder auf einer deutschen Bootleg DVD, die auf Cannon-Veröffentlichung macht. Wäre schön, wenn es ein solches DVD-Label tatsächlich geben würde, da Cannon noch einige unveröffentlichte Perlen (auch mit Dudikoff) in der Hinterhand hat…

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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