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Mord im Weißen Haus

Originaltitel: Murder at 1600__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1997__Regie: Dwight H. Little__Darsteller: Wesley Snipes, Diane Lane, Daniel Benzali, Dennis Miller, Alan Alda, Ronny Cox, Diane Baker, Tate Donovan, Harris Yulin, Tom Wright, Nicholas Pryor, Charles Rocket u.a.
Mord im Weißen Haus

Wesley Snipes ermittelt im Weißen Haus!

Harlan Regis (Wesley Snipes), ein Detective bei der Mordkommission in Washington D.C., hat ein kleines privates Problem: Eine Regierungsbehörde möchte sein Wohnhaus abreißen, um ein Parkhaus zu errichten. Doch solche Kleinigkeiten müssen aufgrund seines aktuellen Falls erst einmal hinten anstehen: Im Haus eines hohen Regierungsbeamten wurde eine Leiche gefunden. Großer Pferdefuß an dieser Geschichte: Das Haus steht an der Pennsylvania Avenue 1600, ist weiß und sein Bewohner ist der Präsident der Vereinigten Staaten. Wenig verwunderlich, dass sich der aufrechte Polizist schnell in einem Kompetenzgerangel mit dem Secret Service wiederfindet. Jener stellt ihm die Agentin Nina Chance (Diane Lane) als Unterstützung bzw. Wachhund zur Seite und findet merkwürdigerweise Beweise, wo vorher gar keine waren. Unter diesen erschwerten Umständen muss sich Regis durch ein Geflecht aus politischen Verwicklungen, Steinen, die ihm in den Weg gelegt werden, und persönlichen Motiven kämpfen, um den Mörder zu stellen.

Die Polizei respektive ein Polizist sucht einen Mörder! Das muss man erst mal sacken lassen, wie unglaublich originell das doch ist. Immerhin sieht man ähnliches höchstens 70-80-mal die Woche in diversen Krimiserien auf unzähligen TV-Sendern. Da erscheint es doch irgendwie ziemlich schwer, aus diesem Stoff eine Geschichte zu basteln, die nicht schon zigmal in qualitativ höchst unterschiedlichen Darstellungen erzählt wurde. Dennoch schafft es immer mal wieder ein Film dieser Art auch ins Kino und gelegentlich kommt dabei auch ein Klassiker wie „Auf der Flucht“ heraus.

Nun liegen bei „Murder at 1600“ prinzipiell gute Voraussetzungen für eine gelungene Mörderhatz vor: Ein Mord, der sehr im öffentlichen Interesse steht und dementsprechend möglichst schnell aufgeklärt werden sollte, trifft eine Ermittlung, welche teilweise von innen und außen behindert wird. Und auf dieser Grundlage baut Regisseur Dwight H. Little („Zum Töten freigegeben“) einen wirklich ansprechenden Thriller auf, wobei man in diesem Zusammenhang auch die Drehbuchautoren Wayne Beach und David Hodgin lobend erwähnen muss. Zwar wirkt die Geschichte auf den ersten Blick ziemlich 08/15, doch wird der Zuschauer einerseits clever auf falsche Fährten geführt und andererseits werden auch verschiedene Handlungsstränge clever miteinander verknüpft.

Insgesamt ist die Geschichte gut durchdacht und hält den Zuschauer ohne Probleme bei der Stange. Schön ist auch, dass man kaum einen Wissensvorsprung gegenüber den handelnden Figuren hat und der Mörder nicht durch einen dummen Zufall sondern aufgrund der tatsächlichen Ermittlungsarbeit gefunden wird. Auch der Blick auf das Privatleben Regis’ passt gut in die Handlung und lockert die Ermittlungen ein wenig auf. So regen die Anbiederungen des Polizisten an Regierungsmitglieder oder andere hohe Staatsbedienstete immer wieder zum Schmunzeln an. Nichtsdestotrotz liegt das Hauptaugenmerk der Geschichte ganz klar auf der Suche nach dem Mörder. Im Rahmen dieser Ermittlungen rumpelt es auch ein oder zwei Mal ganz ordentlich im Karton. Diese Actionszenen sind dann auch sehr ordentlich gemacht und wissen durchaus zu gefallen. Vor allem der Showdown mit dem Einbruch ins Weiße Haus ist sehr spannend und druckvoll inszeniert. Allerdings darf man hier trotz allem keinen Actionfilm erwarten, denn der größte Teil des Films beschäftigt sich mit der spannend in Szene gesetzten Suche nach dem Täter und den Hintergründen.

Wesley Snipes („The Expendables 3“) hat in seiner Karriere sicher schon viel Schund fabriziert und auch oft genug mehr als lustlos agiert, dies kann man ihm aber bei „Mord im Weißen Haus“ keinesfalls vorwerfen. Er spielt den Helden wirklich glaubwürdig und schafft es auch, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Ebenso überzeugend agiert Diane Lane („Man of Steel“), die zeigt, dass Frauen trotz ansprechendem Aussehen nicht nur als Dekoration dienen müssen, sondern mindestens so zäh wie ihre männlichen Mitstreiter sein können. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Übergang vom reinen Aufpasser zum Verbündeten bei den Ermittlungen nicht ad hoc geschieht, sondern nachvollziehbar gestaltet wird. Ronny Cox („Robocop“) hat einen bemerkenswerten Aufstieg hinter sich: Vom Polizisten zum Polizeichef in Beverly Hills bis hin zum US-Präsidenten. Und er agiert in jeder dieser Rollen sehr überzeugend. Mein persönliches schauspielerisches Highlight war aber eindeutig Daniel Benzali als Secret Service Agent Nick Spikings. Er gibt einfach einen herrlich ekligen Widerpart zum ermittelnden Polizisten ab, bei dem man das Gefühl hat, dass er schlicht aus purer Lust am Fies-Sein die Ermittlungen ausbremst. Die übrigen Darsteller machen ihre Sache auch sehr gut und somit lassen sich auf der Darstellerseite keine Minuspunkte notieren.

„Mord im Weißen Haus“ ist im Prinzip ein Whodunit: Es wird ein Mörder gesucht und zur Auswahl stehen einige Verdächtige, die alle ein veritables Motiv haben oder zu haben scheinen. Auch wenn am Ende weniger der Täter an sich als der Grund der Tat im Mittelpunkt steht, ist das Ganze spannend erzählt und weiß ohne Probleme, bei der Stange zu halten. All das wird von Dwight H. Little schön in Szene gesetzt und von Christopher Young ebenso schön akustisch untermalt. Zusammen mit gut aufgelegten Darstellern und garniert mit ein wenig Action ist „Mord im Weißen Haus“ zwar kein Überkracher, aber auf jeden Fall ein spannender Film, den man sich gut und gerne ansehen kann.

Eine ordentliche DVD, die den Film uncut bietet und ab 16 freigegeben ist, kommt von Warner Bros. Home Entertainment. Eine Blu-ray ist bislang noch nicht erschienen.

© Mr_Pink

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Bros. Home Entertainment__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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