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Ouija: Ursprung des Bösen

Originaltitel: Ouija 2__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Mike Flanagan__Darsteller: Henry Thomas, Doug Jones, Elizabeth Reaser, Lulu Wilson, Lin Shaye, Annalise Basso, Parker Mack, Sam Anderson, Ele Keats, Alexis G. Zall, Eve Gordon, Lincoln Melcher u.a.
Ouija 2

Michael Bay produzierte auch Teil 2 der spielfilmlangen “Ouija”-Werbung.

Reden wir gleich zu Beginn Tacheles: „Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel“ und damit der erste Versuch, das Hasbro-Brettspiel „Quija“ mit einem spielfilmlangen Werbespot zu versehen, war in Sachen gruseliger Qualität vollkommen in die Hose gegangen. Finanziell dagegen spielte die Billigproduktion aus der Blumhouse-Schmiede („The Purge“), denen hier unter anderem von Michael Bay („Pain & Gain“) unter die Arme gegriffen wurde, genug ein, um eine Fortsetzung zu rechtfertigen. Nach den Erfahrungen mit Teil 1 konnte man von der eigentlich nicht viel erwarten. Zu Recht?

Los Angeles 1965: Alice Zander bewohnt seit dem Tod ihres Ehemannes mit ihren Töchtern Lina und Doris alleine ein recht großes Haus. Um finanziell über die Runden zu kommen, inszeniert die kleine Familie immer wieder Séancen, in denen sie mittels diverser Tricksereien Kunden den Kontakt mit Verstorbenen „ermöglichen“. Doch das Geschäft läuft nicht mehr wirklich gut, weshalb man beschließt, die Shows ein wenig aufzupeppen.

Ein „Ouija“-Brett und kräftige Magneten sollen die Lösung sein. Doch Doris, das jüngere der beiden Mädchen, gerät sofort in den Bann des Brettes. Der Mutter fallen die schleichenden Veränderungen ihrer Kleinsten kaum auf, auch weil Doris die Séancen mit unglaublichem Leben zu füllen versteht und die Kunden für diese Dienstleistung Schlange stehen. Lina dagegen will die Veränderungen ihrer Schwester nicht einfach so hinnehmen. Doch zu diesem Zeitpunkt hat längst etwas Böses Besitz von Doris ergriffen…

„Ouija: Ursprung des Bösen“ versucht von Anbeginn an mit kleinen Tricks und Kniffen den Eindruck zu erwecken, man schaue nicht nur einen Film aus den späten 60ern, sondern er sei auch bereits in dieser Zeit entstanden. So wird ein uraltes Universal-Logo vor „Ouija 2“ geschaltet, eine altmodische Vignette rahmt den Titel und Brandmarken, Bildsprünge sowie Tonkratzer verkünden einen Rollenwechsel. Überstrahlende helle Flächen sowie warme Brauntöne verleihen dem Streifen zusätzlich einen nostalgischen Charme, was durch den ausgesucht gelungenen Soundtrack nur noch unterstrichen wird.

Die perfekte und absolut stimmige Ausstattung macht den Eindruck zumindest optisch halbwegs perfekt, wenn man denn über den sonst etwas zu glatten Digitallook des Streifens hinwegsehen kann. Viel wichtiger jedoch ist, dass diese Bemühungen auf technischer Ebene auch in die Entwicklung der Story hinein strahlen! „Ouja: Ursprung des Bösen“ wirkt regelrecht altmodisch erzählt. Installiert in aller Ruhe seine Charaktere, füllt sie mit Leben und lässt den Horror in aller Ruhe über sie hereinbrechen.

Ouija 2

Mutter Zander wacht seit dem Tod ihres Ehemannes alleine über ihre Kinder…

Im Gegensatz zu dem misslungenen Vorgänger, der sein Heil in der Flucht suchte, einen Jump Scare an den nächsten reihte und den Zuschauer damit schier zu Tode langweilte, vergeht im zweiten Teil fast ein Drittel der Laufzeit, bevor Regisseur Mike Flanagan („Hush“) zum ersten Mal richtig ausholt. Ordentlich eingelullt und mit den Figuren verwachsen fährt man zum Dank auch mal wohlig zusammen und freut sich auf das, was da noch kommen wird. Und Flanagan macht so weiter. Schockt nicht um des Schockens willen. Bleibt bedächtig im Erzähltempo und fokussiert beharrlich auf die Zanders. Führt also kein Opfervieh ein und hält sich allgemein mit tödlichen Momenten zurück.

Erst gegen Ende wird auch Flanagan ein wenig zu krawallig. Vor allem der eigentliche Showdown gerät geradezu ohrenbetäubend laut, ist zumindest aber storytechnisch gut unterfüttert. Auch die Tatsache, dass in Teil zwei stärker und vor allem wirksamer mit einem Besessenheitsaspekt gearbeitet wird, macht das Finish recht wirksam. Dennoch verliert der Film hier deutlich an Faszination, wird beliebiger, austauschbarer und dem öden Original zu ähnlich.

Ouija 2

Die kleine Doris wird von dem Ouija-Brett beinahe magisch angezogen.

Keine Schuld daran tragen die grandiosen drei weiblichen Hauptdarstellerinnen. Elizabeth Reaser („Young Adult“) ist als gleichsam zerbrechliche und dennoch starke Mutter einfach grandios. Was für Lulu Wilson als junge Doris unisono gilt. Als absolute Verkörperung der Unschuld wählte das Drehbuch intelligenterweise sie als Zentrum vieler Schocks aus, die genau wegen diesem Gegensatz umso mehr einschlagen. Und egal ob zuckersüß oder einfach unberechenbar bedrohlich, Wilson trifft immer genau den richtigen Ton. Das Highlight ist allerdings Annalise Basso („Oculus“) als Lina, die im Verlauf des Filmes einige interessante Wandlungen durchmachen darf und als „Final Girl“ eine hervorragende Figur macht. Als einzige interessante Männerfigur weiß Henry Thomas („Red Velvet“) als Schulleiter der beiden Mädchen zu gefallen. Vor allem gegen Ende hat er als kühl analysierender Kopf ein paar großartige Momente.

Ouija 2

Line kämpft beherzt um ihre Mutter und ihre kleine Schwester.

So bleibt am Ende eine Fortsetzung, die das Original um ein Vielfaches übertrumpft. Vor allem die Abkehr vom rummelig lauten Aufbau des Erstlings und damit einhergehend die Hinwendung zu einer stimmungsvoll und durchaus ruhig erzählten Horrorgeschichte bescheren „Ouija: Ursprung des Bösen“ viele Charmepunkte. Zwar sitzen längst nicht alle Schocks und auch das Ende entgleitet Regisseur Flanagan ein wenig, dennoch wird man von dem beeindruckend gut gespielten und atmosphärisch absolut stimmig in Szene gesetzten Horrorfilm richtig gut unterhalten.

Für alle, die aus dem Kinosaal flüchten, sobald der Abspann läuft: Neben der Tatsache, dass es wirkt, als habe man den „Ouija 2“-Abspann auf eine Wahrsagerkugel projiziert, was einfach geil ausschaut, erwartet euch zudem noch eine weitere Szene, die einen interessanten Bogen zum ersten Teil schlägt. Also einfach mal sitzenbleiben!

Sehr starke:
6 von 10

Der Film läuft ab dem 20. Oktober 2016 in den deutschen Kinos, kommt von Universal International Pictures und ist mit einer FSK 16 Freigabe versehen wurden.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Universal Pictures International__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab dem 20.8.2016 in den deutschen Kinos

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