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Perfide

Originaltitel: Perfidia__Herstellungsland: Chile__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Lucio A. Rojas__Darsteller: Catherine Mazoyer, Iñigo Urrutia, Daniel Antivilo, Ximena Del Solar u.a.
Perfide

Der chilenische Horrorfilm “Perfide” lebt fast ausschließlich von seiner dichten Atmosphäre.

Laura und Ruben wollen ein gemeinsames Wochenende irgendwo in den Wäldern Chiles verbringen. Dieses Unternehmen gehen sie unter verschiedenen Vorzeichen an. Während Ruben auf erotische Zweisamkeit und romantische Stunden mit Laura hofft, will diese Probleme wälzen. Sie wolle ihre aktuelle Familie für Ruben verlassen. Inklusive ihrer Kinder. Ruben ist von diesen Aussichten mehr als überfordert. Da eröffnet Laura ihm auch noch, dass sie schwanger von ihm sei…

Doch nicht nur diese Geständnisse verwirren Ruben. Obendrein tauchen um die Wochenendhütte herum beständig Gestalten auf. Gestalten, die etwas mit Rubens Vergangenheit zu tun zu haben scheinen.

„Perfide“ ist ein kryptisches, schwer zu durchschauendes Horrorerlebnis, das es seinen Zuschauern nicht leicht macht. Anstatt wirklich greifbare Charaktere zu entwerfen, arbeitet Regisseur Lucio A. Rojas lieber mit sehr langen Einstellungen und einer eigenwilligen Soundkulisse, um ordentlich Atmosphäre aufzubauen. Was ihm vortrefflich gelingt, auch dank eines zunehmend verstörende Qualitäten entwickelnden Soundtracks, der wie das Sounddesign eine immer prägnantere Rolle einnimmt und einen wahrhaft dichten Soundteppich erzeugt. So gerät sogar der Showdown zu einem ausschließlichen Event für die Ohren, während die Augen beinahe verzweifelt nach einer optischen Entsprechung für die orkanartige Soundkulisse suchen. Und genau hier scheitert dann auch „Perfide“. Sein Schrecken wird nie wirklich plastisch. Gestalten tauchen auf und verschwinden. Weder attackieren sie die Hauptcharaktere noch wirken sie jemals wirklich bedrohlich. Die Panik der Hauptfiguren ist so nie wirklich nachvollziehbar.

Zudem vermisst der Zuschauer Zusammenhänge. So wird ihm zu Beginn eine Szenerie um zwei Teenager präsentiert, die keinerlei präzisierendes Ende erfährt. „Perfide“ deutet nun zwar mehrfach an, dass die aktuellen Ereignisse über Ruben mit den damaligen verknüpft sind, der Zuschauer erfährt aber nie so wirklich, wie. Ist damals jemand gestorben? Wenn ja, wie? Hatten die eigenartig gewandeten Gestalten etwas damit zu tun? Wenn ja, was? Hinzu kommt, dass man mit den Figuren nur bedingt mitfiebern mag. Laura und Ruben haben beide Momente, in denen sie dem Zuschauer sehr unsympathisch werden, weshalb deren Schicksal auch nicht mitzunehmen vermag. Auch hat man das Gefühl, dass genau zu dem Zeitpunkt, wenn man warm mit den Figuren geworden ist, der Film schon leise zum Abschied winkt, denn mit einer Nettolaufzeit von 60 Minuten ist er wahrlich kurz ausgefallen. Und während bei manch anderem Horrorfilm die Würze auch mal in der Kürze liegen mag, bleiben am Ende von „Perfide“ einfach nur ganz viele Fragezeichen…

Natürlich muss ein Film nicht bis ins Letzte durchschaubar sein. Man muss nicht alles entwirren, um einen Film gut zu finden. Man denke an die Filmrätsel eines David Lynch. Trotzdem bestehen kleine, aber feine Unterschiede zwischen Filmen, die einen mit ihren offenen Fragen zum Miträtseln weit über den Film hinaus einladen, und solchen, die sich einfach nur kryptisch geben und wo man als Zuschauer gar keine rechte Lust entwickelt, sich wirklich auf sie einzulassen. „Perfide“ gehört leider zur zweiten Gruppe, hat aber dennoch seine Qualitäten. Die aufgebaute Atmosphäre in den lichtschluckenden chilenischen Wäldern ist zum Schneiden dick, die Soundkulisse mal so richtig verstörend und der daraus resultierende Terror hat seine Momente. Richtig packen konnte „Perfide“ zumindest mich allerdings zu keinem Zeitpunkt.

Die deutsche DVD/Blu-ray erscheint am 29. Mai 2015 von Maritim Pictures im deutschen Handel und ist mit einer erstaunlichen FSK 18 Freigabe (kein Blut, kein Splatter, nix) ungeschnitten. Leider erleichtert einem das zusätzliche Making Of nicht den Zugang zum Film, da es ausschließlich in Originalsprache und ohne irgendeine Form von Untertiteln angeboten wird. Zumindest, soviel war zu verstehen, sind die Ansatzpunkte des Regisseurs wohl in religiösen Motiven zu finden…

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Maritim Pictures__Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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