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Planet USA

Originaltitel: Planet USA__Herstellungsland: Österreich__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Flo Lackner__Darsteller: Elma Alijagic, Wolfgang Bahro, Charles Rettinghaus, Janina Flieger, Pierre Geisensetter, Gunther Gillian, Tom Hanslmaier, David Hofer, Roland Koch, Christian Köfer, Ingo Kowatsch, Michael Kuglitsch u.a.
Planet USA

Die Standard-Edition von “Planet USA”

Nach seinen Abenteuern in „Red Santa Down“ und „Yellow Cape Town“ hat sich Major Conrad vom Leben zurückgezogen. Irgendwo in der Einöde Amerikas vegetiert er vor sich hin, fängt Schlangen und kämmt sich die Haare mit Igeln. Kurzum: Er ist noch immer der harte Kerl, der er schon immer war, nur hat er abgeschlossen mit dem Thema der Weltenrettung. Doch Major Conrad wird gebraucht. Gebraucht von einer Welt, in der der Ruf Amerikas als Weltpolizei seit der Ernennung des demokratischen Weicheis Obama zum Präsidenten extrem gelitten hat. Und freilich muss er auch deshalb noch einmal ran, weil ein echter amerikanischer Held nun einmal mindestens eine filmische Trilogie verdient hat.

In „Planet USA“ muss er nun zunächst mit seinen besten Gefolgsleuten einen besonders seltenen Sprengstoff stehlen. Erweist sich diese Aufgabe schon als echtes Himmelfahrtskommando, muss er danach gleich noch einmal ran. Die USA haben nämlich erfahren, dass die schwarzen Flecken auf dem Mond keine Krater seien, sondern unerschlossene Ölfelder! Conrad soll also zum Mond aufbrechen, mittels des Sprengstoffes die Ölfelder freilegen und alle Vorbereitungen treffen, um eine Pipeline vom Mond zur Erde zu verlegen. Doch der Einsatz schlägt ziemlich fehl und der Mond wird beinahe komplett zerstört. Die Trümmerteile des Erdtrabanten stürzen auf die Erde und die Verantwortlichen hinter dem Einsatz wirken irgendwie gar nicht zufrieden mit Conrad. Obendrein haben sie seine Schwester entführt und auch Verwandte und Bekannte seiner Mitstreiter wurden entführt und sollen nun getötet werden… Es ist natürlich klar, dass Conrad das so nicht auf sich sitzen lassen kann.

„Red Santa Down“ und „Yellow Cape Town“ waren studentische Kurzfilme des österreichischen Filmstudenten Flo Lackner. Die No-Budget Streifen boten erstaunliche Schauwerte und überzeugten mit viel Liebe zum Detail. 2009 beschloss Lackner dann, den Abschlussfilm seines Filmstudiums deutlich größer aufzuziehen. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern von „Red Santa Down“ und „Yellow Cape Town“ schrieb er etwa ein Drehbuch, das er so groß anlegte, als hätte er alles Geld der Welt. Man suchte erste Drehorte heraus und begann mit den Dreharbeiten. Gleichzeitig gelang es ihnen, Charles Rettinghaus (Synchronstimme von Jean-Claude Van Damme und Robert Downey Jr.), der schon „Red Santa Down“ für den deutschen Markt synchronisiert hatte, für dieses Projekt zu begeistern. Dieser übernahm nicht nur eine Rolle im Film, er besorgte auch die komplette, extrem professionelle Synchronisation des fertigen Filmes (so wird Conrad vom Kiefer Sutherland Sprecher Tobias Meister gegeben, was einfach passt wie Arsch auf Eimer!). Doch auch die ersten Probleme ließen nicht lange auf sich warten: Die Dreharbeiten zogen sich wider Erwarten monatelang hin. Zum einen war es schwer, die verschiedenen Terminkalender der Mitwirkenden überein zu bringen (meist Laiendarsteller mit filmfernen Berufen), zum anderen musste man auch bei diesem Film wieder massiv mit dem Geld haushalten. Die Folge war beispielsweise ein extrem kleines Drehteam, bei dem jeder mehrere Rollen auszufüllen hatte. Doch die engagierten Darsteller, viele für lau arbeitende, von der Begeisterung der Kerncrew angesteckte Filmprofis – unter anderem auch aus deutschen Landen – und der Zufall (erstaunliche Drehgenehmigungen, das Mitwirken des österreichischen Militärs,…) sorgten letzten Endes für eine ziemlich runde Hommage an den dummen Actionfilm…

Dieser vereinfacht gleich zu Beginn die Menschheitsgeschichte grandios auf die wesentlichsten Punkte: Erst war da das Universum, dann Adam und Eva, dann ein sprunghafter Anstieg der Erden-Bevölkerung und schon war er da. Zwangsläufig eigentlich. Der Krieg! Jeder kämpfte gegen jeden, bis die Amerikaner sagten: Schicht im Schacht! Doch dafür wurden sie nicht etwa geliebt, sondern verachtet. Ein Fluch, an dem vor allem Major Conrad schwer zu tragen hat. Auftritt David Hofer, der als strammer Patriot beständig mit Sonnenbrille und dicker Zigarre im Maul herumrennt und zwischen den zusammengebissenen Zähnen immer wieder grandios politisch unkorrekte Zeilen hervor pressen darf. So meint er zu zwei Arabern:

„Ein echter Amerikaner schüttelt niemandem die Hand, der es nicht schafft, mit einem Flugzeug zwischen zwei Türmen durchzufliegen.“

Planet USA

Die Special Edition zum Actionspaß

Genau mit dieser Art Humor und auch dieser Klischee-Reiterei darf man kein Problem haben, ansonsten wird einen „Planet USA“ überhaupt nicht erreichen. Da spielt George Bush mit Obama-Aufziehpuppen, bekommt Kindergeschichten zum Einschlafen vorgelesen und ist so intelligent wie ein Stück Brot. Die Araber im Film sind allesamt Kameltreiber und -ficker und natürlich abgrundtief böse. Und der Held hat eigentlich alles schon immer viel besser gewusst, wird aber dennoch für alle Schwachmaten dieser Welt den Tag retten. Unter hohem Blutzoll versteht sich. Und freilich schwingt er dabei die US-Flagge! Etwas schade ist, dass der Film weitgehend nur auf diesem ultrapatriotischen Aspekt mancher US-Kracher fokussiert und sich darüber lustig macht, die Regeln des Genres selbst aber kaum ironisiert. Sieht man mal von der absurden Zeichnung der Helden ab.

Problematisch ist auch, dass der Humor abseits des Patriotenbashings irgendwie nie so recht zünden will. Manche Abschnitte des Filmes wirken in der Folge deutlich überladen mit unpointierten Dialogen, die weder komisch sind noch etwas zur Handlung beitragen. Die Folge ist ein mit fast zwei Stunden viel zu langer Film, der sich allerdings mit manch abstruser Wendung dennoch gekonnt über Wasser zu halten vermag. Dennoch beginnt er sich vor allem gegen Ende ordentlich zu ziehen. Hauptgrund hierfür ist, dass es wirkt, als wolle man unbedingt immer noch mehr neue Ideen und Zutaten einfließen lassen. Beispielsweise ist der Folterkellerabschnitt in „Planet USA“ vollkommen überflüssig. Dadurch zerfasert „Planet USA“ etwas, wirkt nicht stringent und verhaspelt sich dann auch noch in einem viel zu unspektakulären Showdown.

Doch selbst wenn die Story und der Humor nicht zu 100 Prozent zu überzeugen wissen, die Inszenierung macht es definitiv! Schon in den ersten Einstellungen des Filmes denkt man unweigerlich an Michael Bay. Mittels starker und gekonnter Farbkorrekturen erreichte man trotz HD-Ausgangsmaterials einen ungeheuer filmischen, blockbustertauglichen Look, der sich gewaschen hat. Da donnern Hubschrauber (Black Hawks!!!) durchs Bild, rollen Panzer und Hummer an, verschießen Drohnen ihre Raketen, explodiert schweres Gefährt, steigen fette Feuerbälle gen Himmel und verpasste man den österreichischen Drehorten erstaunlich viel amerikanisches Flair. Der Hammer sind manche Drehorte, etwa ein gigantischer Staudamm, an dem bisher noch kein Drehteam arbeiten durfte und der für fantastische Bilder sorgt. Die Budget-Limitierungen merkt man so immer erst im Detail: So sind immer recht wenige Leute in den jeweiligen Spezialeinheiten unterwegs bzw. haben weder die Guten noch die Bösen richtige Hundertschaften an Bord. Wird mit Panzern gedreht, kriegt man immer nur einen zu sehen. Es fährt auch nur ein Hummer durchs Bild usw. usf. Weitere optische Schwächen hat der Film in dem freilich an „Armageddon“ erinnernden Weltall-Abschnitt. Und gegen Ende werden leider auch die Sets – meist Kellergewölbe – arg eintönig.

In der Action inszeniert Flo Lackner so modern wie es nur geht. An der Kamera wird gerüttelt, sie ist immer in Bewegung, die Schnitte sind unfassbar schnell, die Perspektiven lassen die Bildinhalte fast aus dem Bild kippen, Reißschwenks und Freeze-Frames kommen ebenso zum Einsatz wie schnell getimte Wiederholungen des Geschehens. Auch eine gewisse Lens-Flare-Affinität kann der Österreicher nicht verbergen. Doch im Gegensatz zu etwa J.J. Abrams muss er diese „Effekte“ nutzen, um sein „billiges“ Ausgangsmaterial aufzuwerten. Und es funktioniert. Mit dieser modernen Optik zelebriert er Ballereien, kurze handfeste Auseinandersetzungen und diverse Explosionen und Feuerwände. Alles gerüttelt brutal (Menschen explodieren, Blut spritzt, Granaten werden in Münder gerammt), mal handmade, mal mit (ordentlichen) CGIs umgesetzt. Das einzige, was in diesen Szenen eigentlich fehlt, ist das übersteigerte Moment. Es spritzt leider nie viel Blut. Es gibt nicht zigtausend Tote. Es explodieren keine grotesk großen Kriegsmaschinen. Die Helden fangen nicht tausend Kugeln und sie agieren auch nie sonderlich überzogen. Hier lässt Flo Lackner mit seinen Leuten einiges an Potential liegen.

Und das ist das eigentliche Problem von „Planet USA“ – Es werden einfach zu viele Möglichkeiten verschenkt: Die Action ist spektakulär inszeniert, aber viel zu klein skaliert. Die Story ist wundervoll absurd, wird aber deutlich zerdehnt. Der Humor ist teilweise richtig garstig (vor allem Conrads Oneliner), aber einfach nicht vielfältig genug. Und „Planet USA“ bietet wundervoll viele Ansätze einer Actionfilmparodie, macht aber viel zu wenig daraus. Und dennoch hat der Film was. Man merkt es schon an den teilweise unbedarften Darstellern. Keiner von ihnen wird jemals einen Oscar gewinnen, aber sie sind mit sichtlichem Spaß bei der Sache und verziehen auch bei den blödesten Dialogen keine Mine. Und diese Professionalität und diese Liebe zum Projekt merkt man auch in allen anderen Abteilungen des Filmes! Die Regie ist für einen No-Budget Film spektakulär! Der Soundtrack klingt, als habe ihn Hans Zimmer höchstselbst eingespielt. Die Drehorte erstaunen, manch zufällig entstandenes Bild (etwa jene, die bei einer Flugschau gedreht wurden) wirkt wie Stock Footage aus Filmen, die Geld kosten durften. Und weil „Planet USA“ genau das nicht durfte, ist das Ergebnis einfach mal nur absolut beeindruckend (allerdings, und das sei final noch einmal erdend erwähnt: Auf einem amateurigen Level)! Vielleicht können wir in den nächsten Jahren ja mal einen echten Actionblockbuster aus Österreich bewundern? Zu gönnen wäre es Lackner und seinen Jungs.

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von Savoy Film und SchröderMedia und ist mit einer FSK 16 Freigabe uncut. Der Rezension lag die 3 Disc Special Edition zugrunde. Diese enthält sowohl die DVD als auch die Blu-ray zum Film, inklusive einem Audiokommentar und einem unfassbaren, zweistündigen, sehr ausführlichen Making Of zum Film. Hinzu kommt eine Extra-DVD mit zahlreichen Extras. Darunter auch der erste Major Conrad Kurzfilm „Red Santa Down“.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Savoy Film/SchröderMedia__FSK Freigabe: 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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