Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Shelter

Originaltitel: Shelter__Herstellungsland: USA/Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Ric Roman Waugh__Darsteller: Jason Statham, Bodhi Rae Breathnach, Bill Nighy, Naomi Ackie, Bryan Vigier, Harriet Walter, Daniel Mays, Bally Gill u.a.
Shelter

Ric Roman Waugh setzt Jason Statham in „Shelter“ in Szene

Ric Roman Waugh ist ein Genrefilmer alter Schule, ein verlässlicher Handwerker im Mid-Budget-Bereich, der in den letzten Jahren öfter Gerard Butler in Filmen wie „Greenland“ oder „Kandahar“ in Szene setzte. Somit fast schon die logische Wahl für eines jener typischen Statham-Vehikel, so nun bei „Shelter“.

Michael Mason (Jason Statham) lebt in einem abgeschiedenen Leuchtturm, der eigentlich gar nicht mehr in Betrieb ist. Sein einziger Begleiter ist ein Hund, seine einzige Verbindung zur Außenwelt Jessie (Bodhi Rae Breathnach) und ihr Onkel, die ihn einmal in der Woche mit Vorräten versorgen, die sie ihm an den Strand stellen. Jessie will Kontakt aufnehmen, dem Mann ein Geschenk machen, wird jedoch von dem Eremiten barsch abgewiesen. Es ist klar: Dieser Typ, dessen Namen wir lange Zeit nicht erfahren, ist eine typische Jason-Statham-Figur.

Ein Mann mit Geheimnissen, ein Mann mit Vergangenheit, ein Mann, der sich auf der Flucht vor diesen Geheimnissen und dieser Vergangenheit verkrochen hat, der jeden Kontakt ablehnt, zum Schutz seiner selbst und zum Schutz aller anderen. Aber auch ein Mann der Tat, als das Boot seiner Versorger im Sturm kentert. Er rettet Jessie, für den Onkel (dem das Drehbuch noch nicht einmal einen Namen spendiert) kommt die Hilfe zu spät.

So wird aus dem selbstgewählten Exil eine Zwangsgemeinschaft. Notdürftig versorgt Michael die Wunden seines Schützlings, taut so langsam in Gegenwart des Mädchens auf, und offeriert, dass er und Jessies Onkel sich aus ihrer Zeit beim Militär kannten. Eine Infektion von Jessies Wunden schickt Michael zwangsweise in die Zivilisation, während es in einem Parallelstrang um das Geheimdienstprojekt T.H.E.A. geht, das Daten über britische Staatsbürger sammelt. MI6-Chef Manafort (Bill Nighy) nimmt zum Schein den Hut, arbeitet mit dem Segen der Premierministerin allerdings im Schatten weiter, während seine unwissende rechte Hand Roberta (Naomi Ackie) zur neuen Chefin befördert wird. Wer zwei und zwei zusammenzählen kann, der ahnt bereits eine Verbindung zwischen diesen beiden Handlungssträngen und bekommt dies bald bestätigt, als Mason kurz von einer Handykamera gefilmt wird, woraufhin T.H.E.A-bedingt beim MI6 die Alarmglocken angehen und ihn als angeblichen untergetauchten Terroristen brandmarken.

Wenig später steht ein Eingreifteam auf der Matte, das Mason zu deren und Jessies Überraschung ohne viel Federlesen plattmacht. Doch der Mann mit der geheimnisvollen Vergangenheit und seine Schutzbefohlene müssen danach die Flucht antreten, weil sie nun auf dem Radar von MI6 sind…

Schaut euch den Trailer zu „Shelter“ an

Statham-Vehikel sind meist generische Filme, aber unter diesen könnte „Shelter“ vielleicht sogar der generischste sein. Kaum eine Szene, ein Handlungselement oder ein Plotbaustein, bei denen dem geneigten Publikum nicht direkt eine Handvoll an Vorbildern oder ähnlich gelagerten Filmen einfallen. Das allseits beliebte Überwachungsthema, gern verbunden mit Launch einer neuen, innerfilmischen Technologie, das erinnert an „Der Staatsfeind Nr. 1“, die totgeglaubte Killermaschine im Visier der eigenen Leute hat viel von Jason Bourne, und die Plotte vom Ex-Irgendwas, der untergetaucht irgendwo in Frieden leben möchte, ehe Schurken ihn wieder in Aktion zwingen, die wurde im Actiongenre fleißig durchexerziert: Von „Phantom Kommando“ über „The Equalizer“ bis hin zu „Seized“.

Statham selbst hat diesen Typus oft genug verkörpert: Als Ex-DEA-Agent in „Homefront“, als Ex-Profikiller in „Mechanic: Resurrection“, als Ex-Geheimdienstler in „The Beekeeper“. Die Rolle als Halbweltprofi, der härter draufhaut, präziser schießt und schneller Auto fährt als alle anderen, das ist von je her der Rollentypus des Stars, den er nur gelegentlich variiert.

Shelter

Michael Mason (Jason Statham) möchte eigentlich nur seine Ruhe haben.

Auch so ein Archetyp, das ist das Kind, das einen schweigsamen Helden aus der Reserve lockt und zu mehr Menschlichkeit bringt, vom Westernklassiker „Shane“ über „Leon – Der Profi“ bis hin zum Jason-Statham-Vehikel „Safe“. Doch so bekannt das alles auch ist, so sehr gereicht es „Shelter“ zum Vorteil. Denn die Annäherung von Mason und Jessie gibt den Figuren einen emotionalen Anker, bindet das Publikum, ohne dass das Script von Ward Parry („The Shattering“) die Exposition zu lange gestalten würde. Eher gegen Ende, wenn Jessie beschwört, dass Mason doch nun quasi ihre Familie sei, dann wird es etwas kitschig und gewollt, sonst hat diese Allianz das richtige Maß an Charakterzeichnung.

Ansonsten folgt „Shelter“ erwartbaren Bahnen: Das Duo flieht durch die Gegend, wobei die schottischen und britischen Schauplätze, die hier gewählt wurden, einigermaßen unverbraucht sind. Im Nacken haben sie die gelegentlich die Polizei, vor allem aber MI6 und die Black-Ops-Killer, die von Manafort befehligt werden. Dass der sinistre Geheimdienstmann natürlich besonders viel Dreck am Stecken hat, ist von seinem ersten Auftritt an klar, dass später noch eine Verbindung zwischen ihm und Mason enthüllt wird, überrascht wenig. Sonst gibt es viele Standards, darunter die Autobeschaffung durch Schlüsseldiebstahl, der Besuch bei einem alten Weggefährten, die innergeheimdienstlichen Ränkespiele. „Shelter“ ist dabei so generisch, dass man die Uhr danach stellen kann, auch wenn Waugh das Tempo angenehm hoch hält und das Gebotene sauber inszeniert. Dramaturgisch etwas enttäuschend ist das Finale, denn die letzten Kampfszenen wirken gar nicht wie der Höhepunkt, sodass man sich etwas wundert, wenn schon die obligatorische Held-sucht-Schurke-in-dessen-Villa-auf-Szene zum Abschluss kommt.

Shelter

Für Jessie (Bodhi Rae Breathnach) wird Mason zum Beschützer.

Dass auch der Hauptdarsteller nicht mehr ganz so jung und agil wie zu „The Transporter“-Zeiten ist, das hatten seine letzten Filme merken lassen und „Shelter“ macht da keine Ausnahme. Doch die Action, die Waugh gemeinsam mit Stunt Coordinator Steve Griffin („Aquaman: Lost Kingdom“), Fight Coordinator Laurent Buson („The Crow“) und Fight Choreographer Godefroy Ryckewaert („Back in Action“) auf die Beine stellt, kann sich auf ihre bodenständigere Weise sehen lassen.

Bei der misslungenen Erstürmung von Masons Domizil kommen ein paar vorbereitete Fallen zum Einsatz, später stehen unter anderem ein Scharfschützenhinterhalt und eine anschließende Autojagd auf dem Plan. Das ist gelungen choreographiert und meist übersichtlich, im Mittelteil jedoch eher solide Genrebedienung als aufregend. Erst gegen Ende die Action noch eine Schippe drauf, wenn sich Mason erst mit Verfolgern in einem vollen Club duelliert (was an „Collateral“ und „John Wick“ erinnert), später den Schlussfight gegen ein Geheimdienstkiller bestreitet, den ein Kumpel als Mason von vor 20 Jahren beschreibt.

Jason Statham („A Working Man“) selbst tritt hier mit graumeliertem Bart auf, stellt den alternden Actionhelden, der es immer noch drauf hat, auch optisch dar und darf seine Paraderolle mit etwas mehr Nuancen verkörpern. Das Script zeichnet ihn erfreulicherweise nicht ganz so langweilig-übermenschlich-unbesiegbar wie etwa „The Beekeeper“ und im Zusammenspiel mit Bodhi Rae Breathnach („Hamnet“) darf Statham seine schauspielerische Seite überzeugend präsentieren. Sein junger Co-Star liefert eine starke Performance ab, gerade für ihr Alter. Bill Nighy („Das Phantom der Oper“) ist der übliche Altstar in der offensichtlichen Baddie-Rolle, macht das weder herausragend gut noch gelangweilt, sondern eben okay. Naomi Ackie („Star Wars – Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers“) ist die Geheimdienstlerin mit Gewissen, aber wenig memorabel, Stuntman und Gelegenheitsschauspieler Bryan Vigier („The Killer“) der Killer der nächsten Generation, aber noch unmemorabler, der Rest vom Cast quasi kurz nach Auftritt schon wieder vergessen.

Shelter

Roberta (Naomie Ackie) leitet die Jagd auf Mason beim MI6.

„Shelter“ ist ein komplett typischer Jason-Statham-Actionthriller, der so gut wie gar nicht mit der Formel experimentiert, sondern eher jedes Genrestereotyp abdeckt. Als solcher ist er weder herausragend gut noch wirklich schlecht, sondern einfach typisches Mittelmaß: Standardplot mit guter, aber nicht begeisternder Action, mit Ausschlägen nach oben (das Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren) und nach unten (die farblosen Bösewichte). Man kriegt, was man erwartet, wenn man ein aktuelles Statham-Vehikel schaut, das kann je nach Präferenz Empfehlung oder Warnung sein.

Tobis bringt „Shelter“ am 26. März 2026 in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Tobis Film__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 26.3.2026 in den deutschen Kinos

Tagged as: , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 22665113 andere Actionnerds