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Shootout – Keine Gnade

Originaltitel: Bullet to the Head__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Walter Hill__Produktion: Joel Silver__Darsteller: Sylvester Stallone, Jason Momoa, Christian Slater, Sarah Shahi, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Sung Kang, Jon Seda, Holt McCallany, Weronika Rosati, Beau Brasseaux u.a.
Shootout

Sylvester Stallone gibt den alternden Profikiller in Walter Hills “Shootout – Keine Gnade”.

„Bullet to the Head“, der auf der Graphic Novel „Du plomb dans la tête“ von Alexis Nolent basiert, war in der Vorproduktion ein echtes Problemkind. Nicht nur wurde der Film mehrmals umbenannt (unter anderem hieß das Projekt auch schon „Headshot“), auch in Personalfragen spielte man ein lustiges „Bäumchen wechsle dich“ Spielchen. So sollte der Film eigentlich vom „Running Scared“ Regisseur Wayne Kramer mit Sylvester Stallone und Thomas Jane in den Hauptrollen verfilmt werden. Die typischen kreativen Differenzen ließen Kramer allerdings bald ausscheiden, weshalb sich Jane und Stallone für Walter Hill („Nur 48 Stunden“) stark machten. Das Projekt kam wieder ins Rollen und Joel Silver („Stirb Langsam“) erkor den Film zu einem Bestandteil seiner „Dark Castle“ Reihe. Doch Thomas Jane („The Punsiher“), der für das Projekte mehr als nur gekämpft hatte, sagte Silver und den Mitproduzenten dank diverser filmischer Gurken so gar nicht zu. Er wurde geschasst und zugunsten von Sung Kang („The Fast and the Furious“) gefeuert.

Dem fertigen Film merkt man diese bewegte Vorgeschichte kaum an. Er präsentiert sich als kraftvolles, ungemein physisches Männerkino alter Schule, das vor 15-20 Jahren alleine aufgrund der Kombination aus Joel Silver (Produktion), Walter Hill (Regie) und Sylvester Stallone (Hauptdarsteller) ein finanzieller Selbstläufer gewesen wäre. Heute, wo Filme dieser Art ein wenig aus der Zeit gefallen wirken, werden sich die Macher leider mehr als einmal fragen lassen müssen, ob dieser Film Direct to Video nicht besser aufgehoben wäre. Als bekennender Actionfilm kann ich dazu nur sagen: Bloß nicht! Denn lange wurde ich nicht mehr so gut im Kino unterhalten wie bei „Shootout“, wie „Bullet to the Head“ nun in unseren Breiten genannt wird, vermutlich um eine Verwechslung mit dem beinahe gleichnamigen John Woo Klassiker “Bullet in the Head” zu vermeiden.

Shootout

Keine Frauen, keine Kinder … Jimmys Regeln sind simpel wie effektiv.

Jimmy Bonomo ist ein Auftragskiller ganz alter Schule. Gnadenlos zieht er seine Jobs durch und kennt bis auf „Keine Kinder, keine Frauen“ eigentlich keine wirklichen Regeln. Seine Zuverlässigkeit brachte ihm auch seinen neuesten Job ein. Mit seinem Partner Louis soll er einen ehemaligen Cop kaltstellen. Die beiden vollenden ihren Job eiskalt. Wenig später wird allerdings sein Partner von einem hünenhaften Angreifer gemeuchelt und auch Jimmy kann sich nur mit Mühe den Attacken des Hünen erwehren. Als jener geflohen ist, beginnt es in Jimmy zu rumoren: Eine Augenzeugin, die er bei der Ermordung des Cops hatte leben lassen, hat ihn hundertprozentig nicht verraten. Sie – eine Prostituierte – weiß, wie das Spiel läuft. Doch wieso ist er dann auf der Abschussliste seines Auftraggebers gelandet?

Gleichzeitig kommt der Cop Taylor Kwon in New Orleans an. Er ist auf der Suche nach seinem Ex-Partner, der in Washington bei seinem Dienst eine geheimnisvolle Akte mitgehen ließ und sich danach spurlos absetzte. Natürlich handelt es sich bei dem Cop um jenen, den Jimmy gerade ins Jenseits befördert hat und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Wege des Gesetzeshüters und des Killers kreuzen. Während Jimmy den Killer von Louis dingfest machen will, will Taylor den Killer seines Ex-Partners einbuchten. Doch schnell müssen beide bemerken, dass sie nur an der Spitze eines Eisberges aus Korruption und dubioser Machenschaften kratzen und dass sie zusammenarbeiten müssen, wollen sie die Ereignisse der letzten Tage umfassend verstehen …

Shootout

Christian Slater darf sich in “Shootout” von Sylvester Stallone foltern lassen.

Die Blaupause für diesen Film sollte eigentlich jedem Actionfan sofort ins Auge springen. Es handelt sich natürlich um die Walter Hill/Joel Silver Kooperation „Nur 48 Stunden“, in der ebenfalls ein Cop und ein Verbrecher zusammenarbeiten müssen, um einem Verbrecher das Handwerk zu legen. Wie das Vorbild spielt auch „Shootout“ weitgehend in einem Auto, in dem sich die beiden Charaktere Jimmy und Taylor näher kennen lernen und Einblicke in ihre Charaktere zulassen, die den Zuschauer schnell mitten ins Geschehen ziehen. Steigen die beiden dann aus dem Auto, brennt in New Orleans die Luft. Der Bodycount wird munter nach oben gedreht und beide Charaktere kommen sich frotzelnd immer näher, bis sie zu einer gut funktionierenden Einheit verschmelzen. Und was vor Jahrzehnten bei „Nur 48 Stunden“ funktionierte, weiß auch heute richtig gut zu gefallen. So weit so Buddy-Movie-mäßig gut. Die eigentliche Geschichte hält Walter Hill dankenswerterweise so schlicht wie möglich und wirkt damit in Zeiten von Jason Bourne und Co. wunderbar anachronistisch. Frotzelnd und ballernd gelangen unsere Helden von „Kriegsschauplatz“ zu „Kriegsschauplatz“ und bekommen so – wie der Zuschauer auch – immer weitere kleine Informationen zum großen Ganzen. Das ist so simpel wie geradlinig und funktioniert nach einfachsten und vor allem bewährten Genrekonventionen.

Shootout

Im Showdown von “Shootout” gehen die Kontrahenten mit Äxten aufeinander los.

Getragen wird das ganze Vehikel von einem souverän und enorm sympathisch aufspielenden Sylvester Stallone, den man trotz seines zwielichtigen Jobs sofort ins Herz schließt und der mit einem wundervollen, extrem trockenen Humor zu punkten versteht. An seiner Seite verkümmert Sung Kang zum bloßen Stichwortgeber. Man hat über weite Strecken das Gefühl, dass er Sylvester Stallone mehr oder weniger bewundernd zuschaut, während er selbst unfähig ist, eigene Akzente zu setzen. Zumindest die Chemie zwischen den beiden Akteuren stimmt offensichtlich, dennoch fragt man sich schon, wie dieser Film mit einem Raubein a la Thomas Jane an Slys Seite ausgesehen hätte. Auf Bösewichtseite machen Christian Slater („El Gringo“) und „Losts“ Adewale Akinnuoye-Agbaje (der in der deutschen Synchro mit einem fürchterlich weinerlichen Akzent ausgestattet wurde und dadurch irgendwie sogar gewinnt, weil seine Figur noch ekelhaft schleimiger daherkommt) Laune, werden aber leider vom Drehbuch stark vernachlässigt. Das gilt auch für Jason Momoa („Conan“) als hünenhafter Söldner Keegan, aus dem Walter Hill eigentlich viel mehr hätte machen können – wenn nicht sogar müssen. Allerdings ist Momoa schon rein physisch ein würdiger und beeindruckender Intimfeind für Sylvester Stallone und der Darsteller weiß denn auch in all seinen wuchtigen Auftritten zu beeindrucken, zumal diese gleichzeitig die eigentliche Marschrichtung von „Shootout“ eindrucksvoll vorgeben.

„Shootout“ präsentiert sich nämlich als kompromisslos brutaler Hardboiled Actionfilm, in dem wahrlich keine Gefangenen gemacht werden. Vor allem der Originaltitel „Bullet to the Head“ erhält hier mehr als einmal eine optische Entsprechung, wobei ab und an sogar mehrere Kugeln in nur einem Kopf einschlagen. Wie von Walter Hill gewohnt werden die „Shootouts“ brachial, direkt und zupackend zelebriert und entbehren niemals einer gewissen Härte: Da zerbersten Schädel, reißen manche Kugeln gigantische Löcher und nehmen die Leichenberge beeindruckende Ausmaße an. Auch ein zwei hübsche Explosionen inszeniert Hill mit Sinn für gewaltvolle Ästhetik. Doch es gibt auch Schlechtes in Sachen Action zu berichten und es scheint fast, als habe Sylvester Stallone („The Expendables“) hier seine Finger mit im Spiel gehabt, fielen diese Negativpunkte doch schon in seinen letzten Streifen deutlich auf. Zum einen greift man leider viel zu oft auf CGI Blut in den Shootouts zurück. Es ist schwer zu sagen, ob die Effektmaschinerie einfach noch nicht in der Lage ist, glaubwürdige Treffereffekte zu generieren, oder ob die Vorstellungen des Publikums hier soweit von denen der Macher abweichen … aber man erkennt einfach, wann echte Bloodpacks platzen (was es in „Shootout“ auch zu bewundern gibt) und wann die Gewaltauswirkungen aus den Rechenknechten kommen.

Shootout

Sylvester Stallone gehört noch längst nicht zum alten Eisen!

Der zweite Negativpunkt geht an die eigentlich wuchtig brachialen Prügeleinlagen, die zwar durchaus weh tun beim Zuschauen, die einen hier und da aber auch fragen lassen, warum da gerade auf der Leinwand passiert, was passiert. Hill geht in den Infights – für ihn seltsam untypisch – nämlich verdammt nah ran, wobei die Kamera teils so sehr wackelt, dass die Szenen durchaus etwas von ihrer Wucht verlieren. Das ist gerade im eigentlich coolen Endfight zwischen Momoa und Stallone hervorzuheben. Da „Shootout“ seinem deutschen Titel ansonsten aber alle Ehre macht, kann man definitiv festhalten, dass die gebotene Action ziemlichen Spaß macht und in hoher Frequenz auf den Actionfan niedergeht. Der hätte sich vielleicht noch einen weniger zerfaserten Showdown gewünscht, aber man kann ja nicht alles haben.

Was bleibt, ist ein wuchtiger, ungemein physischer Actionknaller von bestem Schrot und Korn, der mit einer geradlinigen, niemals langweilig werdenden Geschichte das Tempo problemlos oben hält, einen großartigen, extrem trockenen Humor lanciert, einen starken Hauptdarsteller im Gepäck hat, von seinem Regisseur souverän und zupackend inszeniert wurde und mit wuchtiger, in schneller Folge abgefeuerter Action – die leider einige kleine Schönheitsfehler aufweist – garniert wurde. Ein weiterer Pluspunkt, der nicht unter den Tisch fallen darf, ist der großartige, herrlich rockende Soundtrack von Steve Mazzaro. Was man sich von „Shootout“ vielleicht noch gewünscht hätte, wären eine stärkere Einbindung des Schauplatzes New Orleans und ein besserer Co-Star für Sylvester Stallone gewesen. Und wo sind eigentlich die genialen Schussgeräusche abgeblieben, die sonst jede Pistole in einem Walter Hill Streifen mindestens wie eine Pumpgun klingen ließen? Egal, „Shootout“ ist unterhaltsamstes Oldschool Männerkino und als solches mit einer Flasche Bier in der Hand und guten Kumpels an der Seite formidabel zu genießen.

„Shootout – Keine Gnade“ ist ab 8. August 2013 auf DVD und Blu-ray im deutschen Handel erhältlich. Mit einer FSK 16 Freigabe sind diese ungeschnitten und haben neben den Film einige weiterführende Informationen zum Film im Gepäck. Etwa einen “Blick hinter die Kulissen” und eine ganze Ladung an Interviews.

In diesem Sinne:
freeman

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