| Originaltitel: The Car: Road to Revenge__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: G.J. Echternkamp__Darsteller: Grant Bowler, Kathleen Munroe, Jamie Bamber, Micah Balfour, Nina Bergman, Nathan Cooper, Ronny Cox, Burt Grinstead, Martin Hancock u.a. |

In „The Car: Road to Revenge“ rächt ein Auto den Mord an seinem Besitzer.
1977 ließ Regisseur Elliot Silverstein in „Der Teufel auf Rädern“ eine schwarze Limousine diverse Einwohner einer amerikanischen Kleinstadt überfahren. Unter anderem den ermittelnden James Brolin beschlich dabei schnell der Verdacht, dass da jemand ganz Besonderes (siehe deutscher Filmtitel!) hinter dem Lenkrad sitzen könnte. „The Car: Road to Revenge“ aus dem Jahr 2019 versteht sich als sehr lose Fortsetzung und referenziert einige Male direkt auf das Original, ist ansonsten aber in erster Linie ein exploitatives Spin-off.
In der Zukunft ist Staatsanwalt Caddock der formvollendete Ganovenschreck. Wer sich auch nur ansatzweise als schuldig entpuppt, wird noch im Gerichtssaal hingerichtet. Die Masche funktioniert, die Kriminalitätsrate sinkt. Das freut die Unterwelt freilich wenig. Zudem ist Caddock bei seinem letzten Fall ein Chip in die Hände gefallen, der das Potential hat, das gesamte organisierte Verbrechen zu vernichten. Entsprechend entsendet Unterweltboss Talen seine Handlanger, um den Chip wiederzubeschaffen und den Staatsanwalt auszuschalten.
Vor allem der Mord an Caddock gelingt Talens Lumpenpack vortrefflich. Den Chip jedoch finden sie nicht. Der befindet sich in Caddocks Nobelkarosse. Auf der landet Caddocks toter Körper, nachdem ihn die Fieswichter aus dem Fenster eines Bürohochhauses geschmissen haben. Blut und Eingeweide werden eins mit der Lazarus genannten Limousine. Caddock wird zum Geist in der Maschine und nimmt fortan Rache an seinen Mördern.
So weit, so gut. Das Problem jedoch ist, dass Caddock nicht nur ein verbissener Gerechtigkeitsfanatiker war. Er war zudem ein psychotischer Kontrollfreak mit einer toxischen Einstellung zu Frauen. Frauen wie seine Ex Daria. Die wird fortan ebenfalls von der Limousine gejagt. Ob Cop Rainer Daria zu helfen vermag?
Ein Auto als brutaler Rächer
Obschon „The Car: Road to Revenge“ erst sechs Jahre alt ist, gehört er bereits in die Kategorie „Filme, die heute gar nicht mehr gemacht werden“. Denn Regisseur G.J. Echternkamp („Death Race 2050“) hatte definitiv große Lust auf B-Schlotze. Und das nahezu kompromisslos. Mit diebischer Freude präsentiert er einen Overload an nackten Moppen und Ärschen, an platzenden Schädeln, an zerquetschten und brennenden Menschlein, an tiefen Kehlenschnitten, Halbierungen und abgehackten Extremitäten.
Darum wickelt Echternkamp eine vollkommen abstruse Story, die gar nicht erst vorgibt, mehr zu sein als ein Deckmäntelchen für den gloriosen Spaß drumherum. Es wird nichts erklärt, keine Figur wird irgendwie entwickelt, nichts steht dem Fun im Weg. Im Grunde wollte Echternkamp eine gory Version von „Der Teufel auf Rädern“, von John Carpenters „Christine“ und von dem Charlie-Sheen-Streifen „Interceptor“ drehen. Und das klappt ganz ordentlich.
Auch weil das Drumherum interessant ist. Regie und Drehbuch etablieren eine finstere Cyberpunk-Zukunft, in der alles möglich scheint. Durch die verdreckten Gassen huschen ausnahmslos finstere Gestalten. Die meisten verfügen über Körpermodifikationen wie verstecke Klingen, Flammenwerfer und ähnliches und setzen diese nur zu gerne ein. Cop Rainer ist in seiner altmodischen Art ein ziemlicher Anachronismus im Vergleich zu seiner Umgebung. Aber auch ein fieser Kaugummi an der Sohle des Lumpenpacks, der niemals richtig abgeht.
Verkörpert wird Rainer von einem gut aufgelegten Grant Bowler („Guns Akimbo“). Der schraubt sich mit lockeren Sprüchen und einem launigen Spiel durch den Irrsinn. Er wird flankiert von Kathleen Munroe („The Void“), deren Figur in ihrer ach so starken Anlage immer mal wieder nervt. Zumal der Film ihr kaum wirklich starke Auftritte zuschanzt. Jamie Bamber („The Lair“) spielt als Caddock wunderbar arrogant und arschlochig. Das macht es durchaus traurig, dass er so schnell aus dem Film fliegt. In einer fies endenden Minirolle ist zudem Schauspielveteran Ronny Cox („Robocop“) zu erleben. Der war im Übrigen auch schon Teil von „Der Teufel auf Rädern“.
Alle Darsteller im Film verrichten einen ordentlichen Job und ordnen sich dem Wahnsinn unter. Der bricht sich in regelmäßigen Abständen in Form von hübschen Actionsequenzen Bahn. Es wird geballert und gebrawlt. Schaltet sich Lazarus ein, werden Autos verschrottet, setzt es Verfolgungsjagden und zerplatzen Menschlein an Kühlergrills. Dabei sind die Splattereinlagen durchgehend handmade umgesetzt und dürfen ordentlich saften.
Es gibt allerdings auch „größere“ Momente, etwa wenn sich Lazarus um seine Längsachse drehend über andere Autos hinwegschraubt und dabei den Lumpen auf den Ladeflächen den Kopf absenst. Hier kommen ganz ordentliche CGIs zum Einsatz – Phillip J. Roth sei Dank! Der bekannte B-Produzent – unter anderem „Digital Man“ oder „Jarhead: Law of Return“ – weiß, wie so etwas geht. Im Übrigen legt „The Car: Road to Revenge“ in Richtung Finale immer mehr an gut umgesetzter Action zu. Wird zudem zynischer und lässt seinen stählernen „Helden“ gerne auch unschuldige Passanten platt walzen.
Leider reicht Regisseur Echternkamp all das an einem ziemlich billig wirkenden Look. Vor allem die Entscheidung, so gut wie alle Farben aus dem Film zu tilgen, sorgt für eine arg triste Optik. Die passt zwar ganz gut zu der etablierten, finsteren Zukunft, man hat sich daran aber sehr schnell „satt“ gesehen. „The Car: Road to Revenge“ wirkt so deutlich schäbiger, als er ist.
„The Car: Road to Revenge“ macht Laune
Der Actionfilm „The Car: Road to Revenge“ lässt das kleine Kind im B-Filmfan mehrfach laut aufjauchzen! Unangepasst und kompromisslos scheißt er auf politische Korrektheit und präsentiert viele Motive, die man im aktuellen B-Actionbereich weitgehend vermisst. Er zelebriert Lust an der Zerstörung, an Nacktheit und an Gewalt. Seine nichts erklärende Story rückt das ganze Unterfangen noch mehr in Richtung Gewaltcomic. Und als solcher macht der Film einfach nur Spaß.
Als Fan des wohlgelittenen Vorgängerfilmes „Der Teufel auf Rädern“ wird man diese Qualitäten der Fortsetzung vermutlich nicht derart feiern. Auch die finanziellen Limitierungen, zahlreiche egale Nebenfiguren, ein manchmal zu hart pausierter Handlungsvortrieb und der wirklich schäbige Look von Echternkamps Film hauen ebenfalls negativ ins Kontor. Das in Bulgarien gedrehte Ergebnis ist aber aufgrund seines beachtlichen exploitativen Unterhaltungsfaktors trotzdem noch über Durchschnitt anzusiedeln.
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Über eine deutsche Veröffentlichung ist mir nichts bekannt. Zumindest läuft der Film immer mal ungeschnitten auf dem deutschen TV-Sender Nitro. Für physische Datenträger muss man ins Ausland blicken. In den USA gibt es eine Code-1-DVD der Unrated-Fassung von Universal Pictures Home Entertainment.
In diesem Sinne:
freeman
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Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love
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