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Tough to Kill – Die Aasgeier kommen

Originaltitel: Duri a morire__Herstellungsland: Italien__Erscheinungsjahr: 1979__ Regie: Joe D’Amato__Darsteller: Alessandro Haber, Percy Hogan, Luc Merenda, Donald O’Brien, Lorenza Rodriguez, Wolfgango Soldati, Laurence Stark, Piero Vida u.a.
Tough to Kill - Die Aasgeier kommen

“Tough to Kill – Die Aasgeier kommen” schaut nach flotter Söldneraction aus, ist aber leider totaler Murks.

Erinnert ihr euch noch an diesen einen filmischen „Datenträger“, der da „VHS“ hieß? Nein? Nun, eine VHS (Kurzform für Videokassette) hatte die Ausmaße eines 250 seitigen Romans, war durchaus schwer und arbeitete nicht mit Einsen und Nullen, sondern war ein magnetisches Speichermedium. Abgelöst wurde es einst von der DVD, die unsere Wahrnehmung von Heimkinomedien grundlegend veränderte. Dennoch könnt ihr euch dank der ganz aktuell auf den Markt geworfenen DVD des Filmes „Tough to Kill – Die Aasgeier kommen“ zumindest mal einen Eindruck vom Look und Feel einer VHS machen. Denn für diese DVD war offensichtlich ein Uralt-VHS-Band das Master.

In der Folge fehlt es komplett an Schärfe und Kontrast. Ausgeglichen wird dieses Manko durch vollkommen übersteuerte Farben, Tonsprünge und einen Bildstand, der so unruhig ist, dass man beinahe seekrank wird. Obendrein scheint das „Masterband“ mehrere Male von irgendeinem Videorecorder (damit spielte man damals Videokassetten ab) gefressen worden zu sein. So laufen massive Störstreifen in aller Ruhe von oben nach unten durchs Bild, sorgen für Tonfehler und weitere Bildhüpfer. Hinzu kommen permanent vorhandene Drop-Outs und Bildverschmutzungen. Tja, und wenn das Band so extrem gefressen wurde, dass die Videoköpfe des Recorders die gespeicherten Bildwerte auf dem Magnetband der „Master-VHS“ gar nicht mehr auslesen konnten, sitzt der geneigte DVD-Gucker vor einem grauen Vollbild-Screen. Und für dieses „Produkt“ will das Label Edel Germany tatsächlich sogar Geld! Und damit meine ich mehr als 20 Cent!

Und genauso, wie sich hier eine VHS als DVD tarnt, tarnt sich ein langweilige Stinker von einem Film auf dem Cover der DVD als actionreicher Söldnerfilm. In der Folge weiß man gar nicht, was nun eigentlich unverschämter ist: Dass der Film je gedreht wurde oder in welcher Qualität er uns nun schmackhaft gemacht werden soll. Die Geschichte ist dabei zu Beginn sogar durchaus nett, wähnt man sich doch in einem typischen Söldner-Reißer…

Alles dreht sich um den Söldner Martin. Der wird für einen Auftrag in Zentralafrika rekrutiert, wo er in einem von einem Bürgerkrieg gebeutelten Land ordentlich auf die Kacke hauen soll. So soll er mit seinen neuen Söldner-Kollegen einen wichtigen Staudamm hochjagen. Doch dazu kommt es nicht, da Martin noch etwas ganz anderes umtreibt: Unter den Söldnern ist ein Fieswicht, der Martins Auftraggebern eine Million Dollar wert ist – tot oder lebendig. Als einige der Söldner von diesem Nebenauftrag Wind bekommen, wird Martins Einsatz ziemlich verkompliziert.

Diese eine Wendung rund um den Hauptcharakter und seinen eigentlichen Auftrag ist so ziemlich das interessanteste Element an „Tough to Kill – Die Aasgeier kommen“. Gleichzeitig tut genau diese Wendung dem Film so überhaupt gar nicht gut. Sie stellt den Zuschauer nämlich vor vollendete Tatsachen: In diesem Streifen geht es mehr um Gier und die menschliche Natur als um handfeste Daueraction. Vielmehr noch: Regisseur Joe D’Amato (der von pornösen Filmen bis zu Kannibalen-Schockern so ziemlich alles in seiner Karriere gedreht hat) macht so gut wie gar keine Action! Es sei denn, man wertet einen Hindernislauf auf einem Trainingsparcours als Action. Oder eine 30sekündige 0815-Ballerei als Actionorgie.

Stattdessen fokussiert D’Amato auf sein ausschließlich aus Arschkrampen bestehendes Figuren-Interieur. Die Figuren sind einem durch die Bank so dermaßen unsympathisch, dass man überhaupt gar keinen Zugang zu dem hier gebotenen Schwachsinn findet. Selbst „Held“ Martin ist ein einziger Vollpfosten, den D’Amato höchstselbst zur Mitte mehr oder weniger komplett aus dem Film rausnimmt. Dazu kommt, dass die Darsteller im besten Fall bessere Kleiderständer sind und teilweise sogar in dieser Funktion versagen. Höhepunkt ist aber ein Charakter, der beständig ein Karnickel mit sich herum schleppt und von dem Nager gnadenlos an die Wand gespielt wird. Selbst wenn der Rammler von einer Stoffpuppe gedoubelt wird!

Dazu gesellt sich eine absolut verrohte deutsche Synchronisation, bei der sich die Filmfiguren eigentlich ausschließlich über rassistisch konnotierte Begrifflichkeiten mitteilen. Kanake, Nigger und Co. sind dementsprechend Dauergast auf der Tonspur. Wenn diese denn mal fehlerfrei läuft. Um das Ganze abzukürzen: Spart euch die Zeit. „Tough to Kill“ ist eher „Tough to Watch“ und auf keinen Fall unterhaltsame Söldneraction. Selbst wenn man wohlwollend in die Bewertung einfließen lassen würde, dass D’Amato wohl ein Lehrstück über die menschliche Natur vorschwebte (der finale, weithin absehbare „Twist“ deutet es an), holt das für diese Katastrophe von einem Film keinerlei Kohlen aus dem Feuer.

Die deutsche DVD erschien am 22. Januar 2016 von dem Label Edel Germany und kann nur als Geldschneiderei bezeichnet werden. Egal, wie ehrenwert es auch sein mag, diesen Film vor dem Vergessen retten zu wollen. So geht es nicht! Die DVD ist ab 16 freigegeben und hat neben dem Film ein paar Trailer im Extrabereich.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Edel Germany__Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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