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You might be the Killer

Originaltitel: You might be the Killer__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Brett Simmons__Darsteller: Fran Kranz, Alyson Hannigan, Brittany S. Hall, Sara Catherine Bellamy, Olivia Jaye Brown, Kym Canon, Savannah DesOrmeaux, Jesse Gallegos, Jenna Harvey u.a.
You might be the killer deutsches Mediabook

Die Hauptfigur in “You might be the Killer” muss sich der Frage stellen, ob sie der Gute oder der Böse der Geschichte ist.

Sam hetzt durch einen finsteren Wald. Er wird verfolgt, so viel ist mal sicher. Als er eine Hütte erreicht, stürzt er hinein und verrammelt die Tür. Mit schnellen Griffen kramt er sein Handy hervor und wählt die Nummer seiner besten Freundin Chuck.

Chuck ist nämlich ein Horrorfreak und kennt alle Regeln des Genres. Und irgendwie fühlen sich Sams bisherige Erlebnisse in dem finsteren Wald und dem darin situierten Sommercamp verdammt nach einem schlechten Horrorfilm an.

Chuck stellt dann auch direkt die richtigen Fragen. Sie hilft Sam, seine Gedanken zu ordnen und das bislang Geschehene Revue passieren zu lassen. Früh schwant dem Horrorfan Böses. Denn Sams Ausführungen könnten zu der dem Film seinem Namen gebenden Schlussfolgerung führen: Sam könnte der Killer in der Geschichte sein.

Schaut in die Horrorkomödie hinein

Ob dem wirklich so ist, dem geht „You might be the Killer“ fortan auf den Grund. Springt in der Erzählzeit. Lässt Charaktere abtreten, wieder auferstehen und noch einmal sterben. Und er nimmt die bekanntesten Slasher-Klischees her, um ihnen ab und an sklavisch zu folgen oder sie bedeutend häufiger zu brechen und um 180 Grad und mehr zu drehen.

So sind beispielsweise die Ausführungen Chucks zu dem Konzept des Final Girls und dessen eventuelle Gefahr für Sams Leben Gold wert. Dass „You might be the Killer“ dahingehend einen weiteren witzigen Dreh findet, zeigt einfach, dass hier Leute am Werk sind, die das Genre, das sie persiflieren wollen, absolut verstehen. Dabei ist überdeutlich die „Freitag, der 13.“-Reihe das große Vorbild, doch auch „Tanz der Teufel“ und ähnliche Kult-Werke des Genres und deren Epigonen strahlen immer mal wieder gekonnt durch.

Interessant ist, dass der Film beständig an seiner Hauptfigur kleben bleibt. Dadurch bleiben einem die restlichen Figuren derart fremd und unsympathisch, dass der Clou um Sam hervorragend funktioniert. So könnte Sam natürlich durchaus der Fieswicht sein. Chuck bringt da schon gute Argumente für. Doch auch jeder andere Darsteller des Filmes könnte Dreck am Stecken haben. Und selbst das vermeintliche Final Girl erscheint dem Zuschauer niemals koscher.

Zwar ist ungefähr auf der Filmmitte der Rätselspaß vorbei, weil „You might be the Killer“ hier schon extrem konkret in Sachen Identität des Killers ist. Dennoch wird der Spaß nicht langweilig. Immerhin gilt es ja noch das Wieso zu klären. Und obendrein schweben da noch Szenen im Raum, die mehrfach abgespult wurden, aber irgendwie immer einen leicht variierten Verlauf präsentieren. Kurzum: Es macht schlicht und ergreifend Spaß, der verstiegenen Story von „You might be the Killer“ zu folgen.

Das liegt zum einen am cleveren Drehbuch, an dem auch Regisseur Brett Simmons mitwerkelte, der schon mit „Husk“ und „Animal“ seine Liebe zum Genre abfeierte. Zum anderen liegt es an dem irre spielfreudigen Fran Kranz („The Cabin in the Woods“), der den Zuschauer mit Verve an der Hand packt und durch „seinen“ Film zerrt. Wenn er irgendwann mit sich selbst „ringt“, erinnert dieser Kampf genial an Bruce Campbells ähnliche Momente in den „Tanz der Teufel“-Streifen. Die einzige, die da halbwegs mithalten kann, ist Alyson Hannigan („American Pie“) als nerdige Chuck, die den Film ab einem gewissen Punkt deutlich mitlenken darf.

Technisch ist der Film eine einzige Liebeserklärung an Summercamp-Slasher der Marke „Freitag, der 13.“. Wenn Sam schon wenige Minuten nach Beginn zu einem Handy greift, ist man fast ein wenig geschockt, weil selbiges so gar nicht in den genialen, grobkörnigen, leicht abgeranzten 80s-Look von „You might be the Killer“ passen will. Dem fehlt eigentlich nur noch das berühmte Jason-Thema und schon wäre die Hommage absolut rund. In Sachen Maske, durch die häufiger POV-Bilder präsentiert werden, erinnert der Killer des Filmes im Übrigen an Groot aus „Guardians of the Galaxy“ und seine „Machete“ ist echt cool geraten.

Wo man seine Ansprüche etwas herunterschrauben sollte, ist der Blut- und Gore-Gehalt. „You might be the Killer“ ist zwar kein Kind von Traurigkeit und trennt Köpfe von Hälsen oder spaltet Schädel, diese Momente sind aber sehr highlightartig gesetzt. Der Film fokussiert straff auf die Liebeserklärung ans Genre, nicht auf Blutfontänen. Und auch in einem anderen Punkt enttäuscht die Hommage: Es gibt keine Hupen. Also zumindest keine nackten.

„You might be the Killer“ bietet feinen Metahorror

Irgendwie fragt man sich ja schon, ob ein simpler Wald- und Wiesenslasher im Stile eines „Freitag, der 13.“ heute noch einen solchen Impact auf das Genre haben könnte, wie einst. Brett Simmons stellt sich diese Frage gar nicht erst. Er geht seine Hommage an derartige Filme als Metakomödie an. Die macht sich einen Spaß daraus, beliebte Klischees des Slashergenres herzunehmen und auf den Kopf zu stellen. Dabei geht Simmons clever vor, arbeitet technisch sauber, hat einen starken Hauptdarsteller als Ass im Ärmel und einen feinen Humor an Bord.

Dennoch will der clevere Spaß nicht formvollendet zünden. Fühlt man sich zu Beginn von dem gezündeten Ideenfeuerwerk teils regelrecht überfordert, häufen sich im Mittelteil Momente, in denen der Film repetitiv anmutet. Beispielsweise in den Szenen rund um das Gimmick, das letzten Endes die gesamte Handlung anstößt. Auch würde man sich immer mal wieder einen Perspektivwechsel zur „anderen Seite“ wünschen, was dem Rätselspaß sicherlich zuträglich gewesen wäre. Zudem hätten die Macher ihrem Film auch ein paar modernere technische Kapriolen angedeihen lassen dürfen. Der großartige „Final Girls“ ist dahingehend nach wie vor der Platzhirsch im Genre der Horror-Meta-Komödien.

Im Großen und Ganzen sollte jeder Genrefan einen Blick auf „You might be the Killer“ wagen. Weil der Film sein Sujet einerseits ernst nimmt und ihm andererseits trotzdem ordentlich in den Hintern tritt.

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Die deutsche Veröffentlichung stammt von dem Label Indeed Film. Die veröffentlichten den Film erstmals in Deutschland als Mediabook. Hier liegt der Film auf DVD und Blu-ray bei, inklusive Audiokommentaren, Interviews und Booklet. Der Film ist ungeprüft und uncut. Ob Single-Veröffentlichungen geplant sind, ist bislang unbekannt. Dann sollte eine KJ problemlos möglich sein. An einem guten Tag der FSK könnte es gar eine Freigabe ab 16 werden.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Indeed Film__Freigabe: ungeprüft__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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