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Zombie Fight Club

Originaltitel: Shi Cheng__Herstellungsland: Hongkong, Taiwan__Erscheinungsjahr: 2014__ Regie: Joe Chien__Darsteller: Andy On, Jessica Cambensy, Jack Kao, Philip Ng Wan-Lung, Michael Wong, Terence Yin, Candy Yuen, Derek Tsang u.a.
Zombie Fight Club

“The Raid” und “Spartacus” mit Zombies. Das ist “Zombie Fight Club”.

Mit „Zombie World War“ hat Regisseur Joe Chien im Jahre 2012 den ersten Zombiefilm Taiwans inszeniert und 2014 mit „Zombie Fight Club“ nachgelegt. Im Vorfeld hat er wohl sehr oft „The Raid“ und die eine oder andere Folge von „Spartacus“ geschaut…

Alles beginnt in irgendeinem Hochhaus in Taipeh. Hier werden rauschende Partys gefeiert und örtliche Kartelle haben sich ebenfalls in dem Hochhaus niedergelassen. Während in einem Zimmer die Bettgenossinnen eines Rapstars aufgrund des Missbrauchs einer neuen Designerdroge zu Zombies mutieren, stürmt eine SWAT-Einheit das Hochhaus und will scheinbar einen Drogendeal unterbinden. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass sich die Mitglieder der Einheit nur ihre eigenen Taschen vollmachen wollen. Als sie sich mit einer Reisetasche voller Geld absetzen wollen, müssen sie bemerken, dass die Zombie-Betthupferl vom Rapstar inzwischen das ganze Haus infiziert haben.

Schnell beklagt auch die SWAT-Einheit erste Verluste. Mittels Martial Arts und massivem Waffeneinsatzes kämpft sich die Spezialeinheit ihren Weg frei und versucht, dem Irrsinn zu entkommen. Doch die Infektion hat sich längst auch außerhalb des Gebäudes ausgebreitet…

Was ein irrer Ritt! Keine fünf Minuten nach dem Vorspann holzt Joe Chien so richtig los und lässt seine Zombie-Horden und die SWAT-Einheit einen Bodycount kreieren, der schnell in unzählbare Gefilde vordringt. Dabei setzt es herzhaft ausgespielte Brutalitäten. Zig Zombie-Hirne enden an Wänden und Türen, Genicke werden gebrochen, Kiefer ausgerissen, Schädel zermatscht oder an Wänden zerschlagen und diverse Menschen werden von Zombies ausgeweidet. Das wird in einem Mix aus handgemachten und digitalen Effekten dargereicht, wobei beide Varianten nicht perfekt funktionieren und die digitalen deutlich schlechter performen als die handgemachten Pendants. In ihrem überbordenden Detailgrad und Blutzoll passen sie aber gut zum angeschlagenen, leicht comichaften Ton des Streifens, der mit brachialem Tempo über den Zuschauer hinweg rast.

Zombie Fight Club

Das Zombie-Design rockt!

In dieser Phase wird chargiert und overacted, geschmatzt und gegrunzt, geschrien und geballert, dass es nur so scheppert. Und auch schräge Ideen schlagen sich Bahn. So mutiert der Bauch eines Gebissenen zu einem riesigen Maul, im Grande-Finale rast man mit einem BMW durch die Hochhausflure und die Taiwanesen scheuen sich auch nicht, einen Großteil ihrer weiblichen Zombies mal eben komplett nackt herumrennen zu lassen. Echte Highlights bilden die knochenharten Martial-Arts-Fights gegen die Zombies, in denen vor allem Hongkong-Star Andy On („Special ID“) so richtig austeilen darf.

Leider verliert sich „Zombie Fight Club“ nach etwa 30 irren Minuten in kleineren, teilweise gar nicht zum bisher angeschlagenen Ton passenden Episoden, die vom Missbrauch Schutzbefohlener über Vergewaltigungen bis zu einem total irrational handelnden Heldenduo reichen. Hier ist der Film immer kurz davor, seine Zuschauer komplett zu verlieren, was noch dadurch verstärkt wird, dass dem Film in dieser Phase ein Zentrum bzw. eine Figur zum Festhalten fehlt. So wird der Film immer grotesker, während der Zuschauer dagegen immer mehr abstumpft ob des wahnwitzigen Treibens.

Nach einer Stunde beschließt Joe Chien dann, dass es nun mit dem „The Raid“-Abkupfern reicht. Er beendet diese Storyline einfach so und startet eine neue. Ein Jahr später sei die Welt von den Zombies überrannt wurden und eine Figur aus dem Hochhaus habe sich zu einem wichtigen Herrscher aufgeschwungen. Es ist obendrein die Unsympathischste, die nun 35 Minuten lang ihren geistigen Dünnpfiff ausformulieren darf und einen irgendwann nur noch nervt. Die positiv besetzten Figuren müssen sich nun in diversen Gladiatoren-Fights gegen Zombies behaupten und Chien kopiert in Sachen Gewaltdarstellung und Optik gnadenlos von der „Spartacus“-Serie. Spannung oder eine ungemütliche Atmosphäre kommt nie auf.

Zombie Fight Club

Die drei wichtigsten Hauptdarsteller…

Reizvoll sind in der Phase eigentlich nur noch die sepiafarbenen Bilder, das coole Design der Zombies, der fetischlastige Kostümlook und die steil emporragenden Nippel der Hauptdarstellerin Jessica Cambensy. In Sachen Gewalt hat man bis dahin bereits alles gesehen, so dass auch diese den Part nicht mehr retten kann. So klingt „Zombie Fight Club“ total öde aus und verzettelt sich auch im Ton, denn plötzlich möchte der Film nur noch todernst sein.

Im Grunde muss man „Zombie Fight Club“ als eine Art Episodenfilm bewerten. So scheint die erste Stunde schier überzulaufen vor Gore- und Splattereffekten und punktet mit einem irren Tempo, satter Action, schrägen Charakteren, coolen Perspektiven und einem comicartigen Grundton. Letzterer beißt sich zwar mit kleineren Zwischenepisoden im Abgang ziemlich extrem, schwebt aber immer über den Geschehnissen und bricht diese durchaus auch ein wenig auf. Das macht das Chargieren mancher Darsteller und diverse Geschmacklosigkeiten erträglicher und unterhält auf abgefahren schräge Weise hervorragend. Im Abgang aber versemmelt es der Film komplett. Man muss plötzlich annehmen, dass auch die erste Hälfte ernst gemeint war. Die Dialoge werden immer mieser, die Situationen immer weniger nachvollziehbar und warum hier irgendwann der eine gegen den anderen kämpft, begreift man gar nicht mehr. In dieser Phase bleiben nur Look und Score auf hohem Niveau, selbst die Actionregie baut deutlich ab und hat nur in einem Fight in und um einen Bus coole Momente. Das Ergebnis ist über weite Strecken anarchischer Punk in Reinkultur und einfach ein gigantischer Angriff auf unsere Sehgewohnheiten. So richtig cool rockt „Zombie Fight Club“ letzten Endes aber nicht.

Die deutsche DVD und Blu-ray kommt von Mad Dimension und darf sich meines Erachtens sehr glücklich schätzen, mit der FSK 18 Freigabe uncut durch die FSK gekommen zu sein. Extras zu dem Projekt findet man auf den Datenträgern leider keine.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Mad Dimension__Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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