Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Baywatch

Originaltitel: Baywatch__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Seth Gordon__Darsteller: Dwayne Johnson, Zac Efron, Priyanka Chopra, Alexandra Daddario, Kelly Rohrbach, Jon Bass, Ilfenesh Hadera, Pamela Anderson, Charlotte McKinney, Angelique Kenney, David Hasselhoff u.a.
Baywatch der Film Kinoplakat

Dwayne Johnson schnappt sich die rote Badehose und watcht die Bay in “Baywatch”

Denkt man an „Baywatch“, denkt man an einen gigantischen TV-Kult. Der in so viele Länder verkauft wurde, wie keine andere Serie jemals zuvor. Man denkt an Spin-offs wie „Baywatch Nights“. An rote Badekleidung. Rote Rettungsbojen. Sexy Rettungsschwimmerinnen und kernige Rettungsschwimmer. An David Hasselhoffs eingezogene Plauze. Und an diese erstaunliche Liaison zwischen dem „Playboy“ und der Serie, wo man nie sagen konnte, ob jede weibliche Darstellerin mit ihrem „Baywatch“-Vertrag die Verpflichtung unterschrieb, in dem Heft blankzuziehen, oder ob die Girls vom Playboy direkt nach einem Shooting an den Strand von Malibu gekarrt wurden.

„Baywatch“ ist die pure Popkultur. Und so verwundert es eigentlich schon, wie lange es dauerte, bis man auf die Idee kam, den Kult erneut aufleben zu lassen. Jetzt ist es auf der großen Leinwand endlich vollbracht. So richtiges „Baywatch“-Feeling will sich beim Betrachten des Endergebnisses aber nicht einstellen.

Dabei macht das Drehbuch prinzipiell ziemlich viel richtig. Legt den Film beispielsweise wie eine lange Baywatch-Folge an. Sprich: Eine spektakuläre Rettungsaktion geht nahtlos in einen Kriminalfall über, bei dem Mitch Buchannon und seine Mannen sofort bar jeder Zuständigkeit ermitteln und am Ende ihre ganze liebgewonnene Bucht vor miesen Spekulanten schützen müssen. Dass garniert man mit ein wenig zwischenmenschlichen Reibereien im Rettungsschwimmer-Team, die sich freilich im Filmverlauf in Luft auflösen und fertig ist die Laube.

Schaut in den „Baywatch“-Film hinein

Grundsätzlich haben die Drehbuchautoren des Filmes also alles richtig gemacht. Blöderweise ist es das Drumherum, rund um die so funktionale wie egale und irre unspannende Story, das nicht funktioniert. Man wird mit den Figuren nicht warm. Das anfangs irre unsympathische Gepose der arg gockelhaften männlichen Besetzung geht einem tierisch auf den Zünder. Der Bösewicht funktioniert wirklich kein Stück. Die Rettungseinsätze kicken nicht. Die Action – so man das Gebotene überhaupt so bezeichnen will – ist megalahm und der Humor… ja, der Humor.

Der speist sich aus dem nach wie vor aktuellen, amerikanischen Humorverständnis, dass steife Schwänze, nackte Pimmel, Gekotze und ein paar Ekelgags mehr reichen, um das Kinopublikum zu unterhalten. Das sitzt derweil eher peinlich berührt im Kinosessel und weiß nicht, ob es lachen oder weinen soll ob des Humorverständnisses des Filmes. „Baywatch“ war niemals Hochkultur, aber an einen derart miesen Humor kann ich mich nicht erinnern.

Baywatch Zac Efron und Dwayne Johnson in Rettungsboot

Dwayne Johnson und Zac Efron hassen und mögen sich. Wie es halt sein muss unter Männern.

Blöder Humor, unspannende Story… sind die Chicks wenigstens heiß? Tja, das ist auch so ein Ding. Auf der einen Seite haben wir eine Serie, die von in Zeitlupe hüpfenden, gigantischen Vorbauten lebte. Und von knackig eng anliegenden Badeanzügen, die die Körper der darin steckenden Ladys umschmeichelten. Auf der anderen Seite ist da ein Film, der einen nackten Männerarsch und einen nackten Pimmel zelebriert, von den prinzipiell sexy Hauptdarstellerinnen aber rein gar nix zeigt. Ein paar wogende Ausschnitte hier, ein wenig Arsch frisst Badeanzug da. Scharf ist da nix. Leider. Zumal die unzähligen Frauen im Cast (Priyanka Chopra, Alexandra Daddario, Kelly Rohrbach und Ilfenesh Hadera seien genannt) von ihren öden Rollen auch komplett unterfordert wirken.

Zumindest, und das kann man dem Film definitiv zugute halten, erlaubt er sich ironische Brechungen, was den Körperkult der Serie angeht. Etwa wenn sich darüber gewundert wird, warum an dem Strand alle scharfen Ladys in Zeitlupe laufen. Ein gelungener Gag unter vielen schwachen. Gerade vom “Kill the Boss”-Regisseur Seth Gordon war da sicherlich mehr zu erwarten.

Baywatch Alexandra Daddario, Kelly Rohrbach und Ilfenesh Hadera im Rettungsboot

Das Love Boat! Mit lauter Chicks!

Wenigstens mühen sich Dwayne Johnson („Fast & Furious 8“) und Zac Efron („Dirty Grandpa“) als zunächst höchst dysfunktionales und dann langsam zusammenwachsendes Buddy-Gespann redlich. Vor allem The Rock steht seine Rolle ziemlich gut. Zumal er eine physische Präsenz hat, bei der man meint, er könnte Ertrinkende inmitten des Ozeanes packen und mit einem Arm an den rettenden Strand schmeißen. Zudem spielen er und Efron auch ziemlich relaxed auf.

Aber in diesem Fall reicht das nicht für einen guten Film. Vor allem dann, wenn eklatante Effektschwächen auch noch die einzige, halbwegs nach Action riechende Szene absaufen lassen und der Showdown absolut uninspiriert ausgedacht, mies montiert und endöde umgesetzt daherkommt. Da schaffen es nicht einmal die nett eingebundenen Cameos von David Hasselhoff und Pamela Anderson (die sich noch einmal gruseligst generalüberholen hat lassen) „Baywatch“-Flair aufkommen zu lassen. Auch das Jonglieren mit bekannten Figuren und Namen aus der Serie hilft hier nur wenig. So bleiben ein paar schöne Bilder von schönen Menschen vor einem wunderschönen Strand. Der seltsam klemmige Rest säuft ab in einem grünlich vollgekotzten Meer aus dämlichen Jokes und viel Langeweile.

3 von 10

„Baywatch“ läuft seit dem 1. Juni 2017 in den deutschen Kinos, kommt von Paramount Pictures und ist mit einer FSK 12 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Weitere Informationen zu „Baywatch“

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Copyright aller Filmbilder/Label: Paramount Pictures__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, seit 1.6.2017 in den Kinos

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