Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Neonkiller

Originaltitel: Colpi di Luce__Herstellungsland: Italien__Erscheinungsjahr: 1985__Regie: Enzo G. Castellari__Darsteller: Erik Estrada, Ennio Girolami, Michael Pritchard, Peggy Rowe, Bob Taylor, Louis Geneva, Thaddeus Golas, Robert Paul Weiss, Sheldon Feldner, John X. Heart, Brad James u.a.
Neonkiller

In Enzo G. Castellaris „Neonkiller“ alias „Light Blast“ jagt Erik Estrada fiese Verbrecher

Nachdem Enzo G. Castellari („Metropolis 2000“) in den 1970ern vor allem für Western und Polizeifilme bekannt war, verschob sich seine Arbeiten in den 1980ern immer mehr zum Actionkino amerikanischer Prägung, darunter auch „Neonkiller“ alias „Light Blast“ alias „Colpi di Luce“.

Die Titel deuten es schon an: Hier geht es um eine Strahlenwaffe. Die wird in der Auftaktszene getestet und schmilzt dabei nicht nur ein verlassenes Bahnhofsgelände hinweg, sondern auch ein Teenagerliebespaar, das sich zwecks Schäferstündchen in einen Wagon zurückgezogen hatte. Nach diesen formschönen, an das „Jäger des verlorenen Schatzes“-Finale erinnernden Schmelzeffekten hat „Neonkiller“ gleich den nächsten Knaller parat, wenn Cop-Held Ronn Warren (Erik Estrada) brutalen Geiselnehmern ihr Essen bringen soll und dies lediglich in Unterhose tun darf, damit er keine Waffe verstecken kann. Doch der schlaue Ronn versteckt die Knarre im mitgebrachten Brathähnchen und verpasst Geiselnehmer Nr. 1 damit den Fangschuss, ehe er Geiselnehmer Nr. 2 ausschaltet.

Es ist natürlich klar, was folgen wird: Man setzt Ronn auf den Fall des Schmelzelasers an, denn schon bald melden sich die Übelwichte und fordern ein saftiges Lösegeld von den Stadtvätern, da andrerseits das Brutzeln größerer Menschenmassen bevorsteht. Natürlich wollen Ronn und sein Partner das Unheil abwenden und fahnden mit Hochdruck nach den Mordbuben…

Neonkiller

Supercop Ronn McCann (Erik Estrada) jagt die Übelwichte

Natürlich kann nicht jeder Anschlag komplett verhindert werden, so viel sei verraten, denn andernfalls würde der Zuschauer ja um weitere hübsche Schmelzeffekte gebracht, die für Budget und Entstehungszeit des Films mehr als ordentlich sind. Natürlich ist der Effekt wichtiger als die Funktionsweise der Strahlenwaffe, die sich a) nicht so recht erschließt und b) ausgesprochen unterschiedlich ausfällt: Wird zu Beginn ein ganzer Bahnhof von dem Ding eingeäschert, so sind es bei anderen Gelegenheiten nur ein Teil einer Tribüne oder eine Einzelperson, die vom Effekt der Wunderwaffe betroffen sind. Andrerseits steht hier die Einzelidee immer über dem Gesamtfilm, was immer für gelungene Momente sorgt, etwa wenn Ronn in einer der zahlreichen Verfolgungsjagden einen Geländebuggy requiriert und damit die Gauner hetzt, diverse waghalsige Stuntsprünge inklusive.

Das ist nur ein Teil der Aufgaben der tapferen Helden, der auch mal eine Karatekontrahentin in einer Leichenhalle besiegen muss, sich in diversen knackigen Shoot-Outs behauptet (unter anderem gegen einen baggerfahrenden Kontrahenten) und die Gegner mit verschiedenster Vehikeln jagt – bei einer solchen Hatz muss er gleich mehrmals das Fahrzeug wechseln und sich teilweise von Zivilisten kutschieren lassen. Dabei ist Castellari alles andere als zimperlich, denn Gangster, Polizisten und Zivilisten werden nicht nur vom Laser dahingeschmolzen, sondern auch gerne mal abgefackelt oder mit reichlich blutigen Ein- und Kopfschüssen um die Ecke gebracht – in dieser Hinsicht ist „Neonkiller“ kein Kind von Traurigkeit, so wie viele seiner Italokollegen. Dabei profitiert der Film von der versierten Regie Castellaris, der das Treiben optisch ansprechend und professionell in Szene setzt, unterstützt durch Sergio D’Offizis („Die Rückkehr der Wildgänse“) saubere Kameraarbeit.

Neonkiller

Bei den stuntreichen Autojagden kommen diverse Vehikel zum Einsatz, darunter dieser Buggy

D’Offizi ist natürlich dazu angehalten immer wieder zu verdeutlichen, dass der Film zumindest teilweise in San Francisco gedreht wurde, weshalb die hügeligen Straßen der Stadt und Sehenswürdigkeiten wie Alcatraz immer wieder prominent ins Bild gerückt werden. Diese hübschen Aufnahmen und das ganze Actiongetöse können dann aber nur teilweise übertünchen, dass „Neonkiller“ erzählerisch eher schwach auf der Brust ist: Die Indizienkette, die Ronn und Kollegen auf die Spur der Killer bringt, ist belanglos und so egal, dass man sie bei Filmsichtung vergisst, und dient eh nur dazu das nächste Scharmützel zwischen Cops und Schurken einzuleiten. Ansonsten folgt man den gängigen Genreklischees, denn wenn der Held eine Freundin und einen Partner, der gleichzeitig bester Kumpel ist, am Start hat, dann ist klar, dass mindestens einer von den beiden für zusätzliche Motivation draufgehen muss – und so kommt es dann auch. Wenn man kleinlich ist, kann man auch manche Logiklücke hinterfragen, etwa warum die Polizisten sich in einer Telefonzelle georteten Gaunern mit Blaulicht und Sirene nähern, damit diese rechtzeitig die Flucht ergreifen können? (Die Antwortet lautet natürlich: Damit für die nächste Autojagd gesorgt ist).

Hauptdarsteller Erik Estrada, damals noch als Ponch aus der Hitserie „CHiPs“ recht bekannt, ist leider auch nicht der überzeugendste Haudegen, auf den Castellari im Laufe seiner Karriere zurückgriff. Routiniert, aber mit begrenzter Ausstrahlung spielt er den gewohnt knüppelharten Cop, aber ein Franco Nero ist er nicht. Castellaris Bruder Enio Girolami („The Riffs“) gibt einen brauchbaren Mad Scientist ab, nach allen Regeln der Klischeekunst: Russischer Rollenname, Sonnenbrille kombiniert mit fiesem Schnauzbart, der die Gesinnung seines Trägers fast herausschreit, und mit der entsprechenden Mischung aus Sadismus, Geltungssucht und Habgier.

Mit Filmen wie „Tote Zeugen singen nicht“, „Racket“ oder „Special Agent Hammer“ mag Enzo G. Castellari noch fetzigere Räuber-und-Gendarm-Spiele auf die Leinwand gebracht haben, doch „Neonkiller“ eignet sich als anspruchsarme B-Actionsause: Mit der Handlung und den meisten schauspielerischen Leistungen ist es nicht weit her, aber es ist ordentlich was los auf der Leinwand und das in ordentlicher Taktung. Darum geht es dem Film dann auch, was schon daran zu erkennen ist, dass der Abspann wenige Sekunden rollt, nachdem der Oberschurke sein Leben ausgehaucht hat – denn alles weitere interessiert „Neonkiller“ einfach nicht.

X-Cess hat den Film zum ersten Mal ungekürzt in Deutschland auf DVD veröffentlicht, einmal als kleine Hartbox im Rahmen der X-Cellent Collection unter dem hiesigen Titel „Neonkiller“ und einmal als limitierte Hartbox unter dem englischen Titel „Light Blast“. Im Bonusmaterial gibt es einen Trailer zum Film, einen zu „Stranger – Wüste der Gesetzlosen“, den alten deutschen Vorspann und einen Audiokommentar von Josh Hadley und Cecil Trachtenberg.

© Nils Bothmann (McClane)

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