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Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot

Originaltitel: Ready or Not__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett__Darsteller: Samara Weaving, Andie MacDowell, Mark O’Brien, Adam Brody, Henry Czerny, Nicky Guadagni, Melanie Scrofano, Kristian Bruun, Elyse Levesque u.a.
Ready or Not

In „Ready or Not“ wird Braut Samara Weaving in ihrer Hochzeitsnacht in eine Menschenjagd verwickelt

Schon mit „Devil’s Due“ war das Regieduo aus Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett kommerziell durchaus erfolgreich unterwegs, doch als „Ready or Not“ mit einem 6-Million-Dollar-Budget fast das Zehnfache einspielte und sich in Fankreisen zu einem kleinen Kultfilm wandelte, starteten die beiden im Genre so gut durch, dass man ihnen danach unter das „Scream“-Reboot in die Hände gab. Doch was kann ihr Durchbruchsfilm wirklich?

Dass es hier um Menschenjagd geht, das verrät schon die Pre-Credit-Sequenz, in der ein Mann durch ein Anwesen verfolgt wird und sich verstecken möchte, jedoch von einem Kind verpetzt wird und anschließend erst verwundet, danach davon geschleift wird. „Ready or Not“ zeigt in seiner folgenden Credit-Sequenz liebevoll mehrere fiktive Brettspiele, die das Team vom Szenenbild sich ausdachte. Denn mit Brettspielen hat die Familie Le Domas ihren Reichtum gemacht und genau in diese Familie will Grace MacCaullay (Samara Weaving) einheiraten. Durch den Opener ist natürlich schon klar, dass mit der Bagage was nicht stimmt, aber andrerseits ist der Großteil des Publikums ja eh wegen der Menschenjagd-Prämisse hier, weshalb man damit wohl nicht hinterm Berg halten musste.

Grace‘ Verlobter Alex (Mark O’Brien) hat sich eigentlich von der Familie entfremdet, bringt die Braut in spe aber zur Hochzeit auf das familiäre Anwesen. Unter der Le-Domas-Sippschaft sind der Patriarch Tony (Henry Czerny), dessen Ehefrau Becky (Andie MacDowell), Alex‘ zynischer Schluckspecht-Bruder Daniel (Adam Brody) plus Ehefrau, seine zugekokste Schwester Emilie (Melanie Scrofano) nebst Familie und die verbitterte Tante Helene (Nicky Guadagini). Alles etwas schräge High-Society-Gestalten, die auch eine High-Society-Regel für neue Familienmitglieder haben: Diese müssen in der Hochzeitsnacht ein Spiel mit der Familie spielen, das eine ominöse Puzzlebox bestimmt. Von dem Pakt hängt angeblich der Familienwohlstand ab, da mag sich angesichts der Horror-Einordnung des Films schon denken, wer da wohl hinter dem Deal steckt. Jedenfalls entgleisen einigen Anwesenden die Gesichtszüge, als die Box Verstecken als Spiel auswählt, während Claire lediglich amüsiert ist, dass sie einen Teil ihrer Hochzeitsnacht mit einem Kinderspiel verbringen soll.

Als die Braut sich jedenfalls versteckt, rüsten sich die Familienmitglieder mit Waffen aus. Denn Verstecken ist das einzige Spiel, das nicht harmlos ist, sondern mit der Opferung der Beute enden muss…

Schaut euch den Trailer zu „Ready or Not“ an

Das Poster zeigt die Hauptfigur mit Hochzeitskleid und Elefantenbüchse, ist allerdings auch ziemlicher Etikettenschwindel, denn große Action oder Konfrontationen gibt es nicht. Meist versteckt sich Grace oder rennt davon, Gegenwehr gibt es eigentlich nur in Form von etwas Haue und der meiste Bodycount geht auch gar nicht auf ihre Kappe. Ihre Überlebenschancen steigen vor allem dadurch, dass einige Familienmitglieder sie gar nicht umbringen wollen, andere dagegen sich unheimlich blöd anstellen. Emilies Ehemann Fitch (Kristian Bruun) beispielsweise muss noch YouTube-Tutorials zur Armbrustnutzung gucken, manchmal macht die Drehbuchlogik auch einfach Urlaub, etwa wenn ein Handlanger der Le-Domas-Familie die Beute weder im Auge noch im Ohr behält und sich dann überrumpeln lässt. Angesichts der Fallhöhe des Ganzen muss man sich schon fragen, warum viele der Schurken so fahrlässig sind, denn eine Survivalspezialistin wie etwa die Protagonistin von „You’re Next“ ist Grace jedenfalls nicht. Eher vom Schicksal begünstigt, dass so viele ihrer Widersacher offensichtlich mit dem Klammerbeutel gepudert sind.

Nun mag das als Witz gemeint sein, denn „Ready or Not“ ist ja offensichtlich als Horrorkomödie gedacht. Dummerweise ist das allerdings nur begrenzt komisch und ist damit dann eher Spannungskiller als Erheiterungsgrund. Allerdings schwingt das Drehbuch von Guy Busick („Final Destination 6“) und R. Christopher Murphy („Ready or Not 2“) eh selten das feine Florett, auch humoristisch nicht. So gehört es zum Höhöhö-Running-Gag, dass die Hausmädchen dran glauben müssen, vor allen deshalb, weil Schwester Koksnase allzu trigger happy ist. Und um wenigstens ein bisschen Bodycount in der ersten Hälfte zu bieten, da die Heldin sich ja kaum wehrt und andere Opfer nicht parat stehen. Manche amerikanische Horror-Webseite unterstellte „Ready or Not“ dann sogar satirisches Potential, was allerdings eher etwas über die Ansprüche amerikanischer Horror-Webseiten als über den Film aussagt: Dekadente Reiche taugen in meisten Filmen als skrupellose Antagonisten, lebensunfähige Witzfiguren oder beides, gern im Konflikt mit einer ehrlichen Hauptfigur aus einfachen Verhältnissen, so wie Waisenkind Grace in diesem Film. Auch sonst hakt „Ready or Not“ ein Reichenklischee nach dem anderen ab, ohne dieses sonderlich zu variieren oder mit Leben zu füllen: Verkorkste Verhältnisse, Daniels skrupelloses Trophy Wife, freimütiger Gebrauch vom weißen Nasenpülverchen durch Emilie usw. Das ist nicht besonders neu, sondern eher Gesellschaftskritik für Dummies, wenn man das Ganze überhaupt so nennen möchte.

Zumal Grace für eine Protagonistin erstaunlich eigenschaftslos ist: Man erfährt kaum etwas über sie, außer dass sie Waisenkind ist. Und dass sie ungern umgebracht werden möchte, aber das ist jetzt eine ziemlich universale Eigenschaft. Tatsächlich bekommen ihre Gegenspieler wesentlich mehr Raum, sodass „Ready or Not“ bisweilen besser als schwarzhumorige Sezierung einer dysfunktionalen Familie funktioniert. So beweist eine Figur der Le-Somas-Familie unerwartete Tiefe, eine andere im Abgang dagegen unerwartete Abgründe. Einige schleppen ihr Säckel mit sich herum, etwa Helene, deren Verbitterung daher rührt, dass das Opfer aus der Eingangssequenz ihr Bräutigam war. Bei der Familiencharakterisierung bekommt „Ready or Not“ nicht nur am ehesten Tiefe hin (z.B. beim Verhältnis der Brüder Daniel und Alex), sondern auch seine besten Pointen, gerade wenn Daniel seine zynischen Sprüche raushaut.

So geht Adam Brody („River Wild“) hier auch als bester Spieler vom Platz, da er die memorabelste Performance abliefert, mit der besten Charakterzeichnung und den markantesten Momenten. Doch auch Samara Weaving („Eenie Meanie“) kann punkten, macht sie doch aus dem wenigen, was das Drehbuch ihr gibt, eine starke Leistung als wehrhafte Heldin, die im Laufe der Nacht über sich hinauswächst. Ihr ehemals weißes Brautkleid wird zerrissen und schmutzig, die inneren wie äußeren Strapazen somit visuell sichtbar, ähnlich wie bei John McClanes Unterhemd in „Stirb langsam“. Die Altstars Henry Czerny („Mission: Impossible – The Final Reckoning“) und Andie MacDowell („Red Right Hand“) liefern starken Support als Eltern des Clans, Elyse Levesque („The Big Ugly“) dreht in einer Nebenrolle als Giftspritze und Trophy Wife so richtig auf. Eher blass dagegen bleibt Mark O’Brien („Kleinstadtorgien“) in der Rolle als Le-Somas-Spross zwischen Familie und Gattin, während Melanie Scrofano („Nurse 3D“) und Kristian Bruun („The Girl Who Escaped“) als begrenzt lebensfähiges Knallchargen-Paar in erster Linie Gesichtskirmes abliefern.

Seine Menschenjagdplotte zieht „Ready or Not“ immerhin einigermaßen zügig in rund 90 Minuten vom Leder, auch wenn er gerade in der ersten Hälfte mit Schauwerten spart. Das Figureninventar wird erst nur langsam dezimiert, am Ende dann ganz gewaltig, wenn das Finale die Hintergründe zum Familiengeheimnis ausbuchstabiert, die dem halbwegs aufgeweckten Zuschauer aber eigentlich schon wesentlich früher klar sein müssten. Hin und wieder gibt es ein paar Gore-Einlagen, wenn jemandem das Gesicht weggeschossen oder Schädel eingematscht wird, aber auch nicht im Übermaß. Auf der Schlussgeraden spritzt das Kunstblut nochmal ordentlich, allerdings auch sehr gleichförmig, da alle Betroffenen auf dieselbe Weise zu Tode kommen, was diese Schmaddereinlage dann nicht ganz so kreativ wirken lässt.

Äußerst kreativ dagegen sind Szenenbild und Ausstattung zugange, die sich richtig Mühe bei der Ausgestaltung des Anwesens gegeben haben. Klassik und Moderne kommen zusammen, während verschiedene Einrichtungsgegenstände die Doppeldeutigkeit des englischen Wortes „Game“ wiedergeben, das sowohl „Spiel“ als auch „Jagdbeute“ bedeuten kann. So finden sich hier nicht nur verschiedene Brettspielkreationen der Le Domases aus verschiedenen Epochen, sondern auch Tierköpfe und verschiedene Jagdwaffen an den Wänden. Die Farbpalette ist gedämpft, vermittelt ein etwas muffiges, angestaubtes Flair, passend zu den (vermeintlich) veralteten Familientraditionen. Und hinter der hochherrschaftlichen Fassade ist auch vom Production Design her noch Platz für Abgründe, etwas wenn Grace im Stall eine Grube findet, in der sich die Überreste von menschlichen Opfern und von Ziegen findet – letztere ebenfalls klassische Opfertiere.

So hat „Ready or Not“ eine vielversprechende Menschenjagdprämisse, einige starke Darsteller und eine tolle Gestaltung zu bieten, holt aus diesen Voraussetzungen wenig heraus. Der Plot ist wenig komplex, die Satire eher simpel bis einfältig und die Schauwerte bleiben sparsam, da die Heldin meist wegrennt oder Leute bloß niederschlägt, zumal sie oft von der Doofheit ihrer Widersacher profitiert. Angesichts des Potentials, das dem Stoff innewohnt, muss man „Ready or Not“ schon als milde Enttäuschung abbuchen.

„Ready or Not“ ist in Deutschland bei 20th Century Fox auf Blu-Ray und DVD erschienen, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Als Bonusmaterial gibt es einen Audiokommentar von Radio Silence und Samara Weaving, ein Making of, ein Gag Reel, eine Bildergalerie und den Trailer zum Hauptfilm.

© Nils Bothmann (McClane)

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