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Balls Up

Originaltitel: Balls Up__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Peter Farrelly__Darsteller: Mark Wahlberg, Paul Walter Hauser, Sacha Baron Cohen, Daniela Melchior, Benjamin Bratt, Eric André, Molly Shannon, Eva De Dominici, Chelsey Crisp, Zen Gesner, Antonio Alvarez, Hal Cumpston u.a.
Mark Wahlberg in "Balls Up"

Mark Wahlberg quält sich durch den unlustigen „Balls Up“.

Es gibt den Actionfilm ohne Action, den Horrorfilm ohne Horror, das Drama ohne Drama und es gibt die Komödie ohne Lacher. „Balls Up“ ist genau so eine „Komödie“. Was angesichts ihres Machers verwundert. Denn es gab Zeiten, da waren die Komödien, die Peter Farrelly mit seinem Bruder Bobby drehte, in aller Munde und prägten das Genre. „Dumm und Dümmer“ oder „Verrückt nach Mary“ seien stellvertretend genannt. Über „Balls Up“ redet niemand. Und das nicht ohne Grund.

Alles dreht sich um Brad und Elijah. Beide arbeiten für ein Unternehmen, das auf die Herstellung von Kondomen spezialisiert ist. Elijah ist als Produktentwickler tätig und Brad kümmert sich als Vertriebler um den Verkaufserfolg der Produkte. Der neueste Clou ist ein Kondom, das nicht nur den Schwanz, sondern auch die Hoden bedeckt. Von dem Gummis ist das Unternehmen derart überzeugt, dass es sich als Sponsor für die bevorstehenden Fußball-WM in Brasilien in Stellung bringt.

Vor Ort lässt vor allem Brad sein Mojo sprühen und unversehens haben er und Elijah einen Fuß in der Tür. Doch anstelle ihren Erfolg unter sich zu feiern, beschließen sie, mit einem zukünftigen Partner des Fußball-Events zu jubilieren. Der ist ein ehemaliger Alkoholiker und wird von Brad und Elijah zu einem Drink verführt. Wenig später hat er mehrere Shots und sogar Drogen intus und schwingt an einer Liane nackt durch den Nachtclub.

Die Folge ist ein wahres PR-Desaster, nach dem der Kondomhersteller vor dem finanziellen Ruin steht. Freilich werden Elijah und Brad folgerichtig gefeuert. Drei Monate später erhalten sie noch vor dem Zwischenfall versprochene Karten für das WM-Finale. Getrennt voneinander beschließen beide, diese Gelegenheit auf eine geile Zeit zu nutzen. Doch in Brasilien eskaliert die Lage erneut. Elijah rennt irgendwann auf das Spielfeld und jagt ein Maskottchen, das ihn provozierte.

Brad versucht, Elijah zu bremsen. Dabei rennt er vor dem Tor der Argentinier vorbei und vereitelt einen Torschuss der zurückliegenden Brasilianer. Die Amerikaner werden inhaftiert und dem Justizminister des Landes vorgeführt. Der entlässt sie scheinbar gönnerhaft. Was unsere beiden Buddys nicht ahnen: In dem fußballverrückten Land sind sie nun vogelfrei! Jeder Einwohner will ihnen aufgrund des letztlich verlorenen WM-Finales ans Leder. Eine verzweifelte Flucht aus Brasilien nimmt ihren Lauf.

Schaut in den Film hinein

Unlustiges mit Mark Wahlberg

Ich gebe gerne zu, dass diese Story wundervoll verstiegen und jenseitig ist. Peter Farrelly („Ricky Stanicky“) erzählt hier absolut kaputten Mumpitz, der geradezu prädestiniert ist, von einer absurden Szene zur nächsten zu hetzen. Doch „Balls Up“ gelingt es einfach nicht, den Witz dieser absurden Story zu heben. Der Komödienversuch torkelt fortan arg zufallsgetrieben von einer Einzelsequenz zur nächsten, die nur mühsam durch den „Fluchtplot“ und zig Brasilien-Klischees zusammengehalten werden.

Das Schlimmste: Diese ganzen Einzelepisoden ziehen sich teils furchtbar in die Länge, entwickeln keinerlei Witz und enden meist ohne irgendeine Art von Pointe. Direkt die erste Einlage um einen von Sacha Baron Cohen („Der Spion und sein Bruder“) gespielten Kartellchef macht dem Zuschauer genau das schmerzlich bewusst. Cohen hat nicht eine einzige gute Szene. Es wirkt, als würde er sich immer mehr ins Aus improvisieren, ohne zu merken, dass das, was er da macht, keinerlei Humor birgt.

Mark Wahlberg und Paul Walter Hauser in Balls Up

Hihihi, ne Banane mit hihihihihihi einem Kondom! Copyright: 2024 Amazon Content Services LLC / Foto: Ben Rothstein.

Es geht um Gisele Bündchen, Konkurrenten, dämliche Akzente und eine total bescheuert herbei gedichtete „Affäre“. Nichts davon lässt einen auch nur schmunzeln! Nicht einmal das mit Action angefütterte Finale der Episode funktioniert. Wahnsinn. Dieses „Schema“ zieht sich über den gesamten Film und macht es zunehmend schwerer, dran zu bleiben.

Was neben der absurden Grundgeschichte halbwegs im Film hält, ist das durchaus gut funktionierende Hauptdarsteller-Duo. Mark Wahlberg („Mile 22“) müht sich als Brad sichtlich, den Dampfplauderer und Hallodri des Duos zu geben. Leider bekommt er kaum gute Szenen zugeschanzt. Er hat aber eine gute Chemie mit Elijah-Darsteller Paul Walter Hauser („The Fantastic Four: First Steps“), dem es gut getan hätte, wäre seine Rolle weniger normal angelegt worden. Ein überspannter Jack-Black-Charakter hätte „Balls Up“ sicherlich mehr geholfen als das arg normale Dickerchen, das er nun gibt.

Die technische Umsetzung des Filmes ist okay. Peter Farrelly zeigt einiges von Brasilien, wenngleich vieles seltsam künstlich wirkt. Leider pegelt Farrelly obendrein die Farbigkeit seines Filmes deutlich zurück. So wirkt dieser irgendwie weit weniger lebendig, als man es Brasilien per se zuschreiben würde. Sehr stark ist zumindest die Musikauswahl zum Film geraten, die ein paar tolle Songs präsentiert. Cool ist zudem ein von Wahlberg und Hauser gegebenes Duett.

„Balls Up“ hat keine Eier

Mark Wahlberg findet gefühlt gar nicht mehr im Kino statt. Mehr und mehr wird er zu einer Art Streaming-Gesicht, dessen Wirken bei den verschiedensten Anbietern versenkt wird. Im Falle von „Balls Up“ ist es nicht für eine Sekunde traurig, dass die Komödie bei Amazon geparkt wurde. Dieser Film wäre an den Kinokassen einfach mal krachend durchgescheitert. Denn wer will schon eine Komödie ohne Lacher sehen?

Ich kann hiermit zu Protokoll geben, dass ich zumindest bei einer Szene mal schmunzeln konnte. Dabei dreht sich alles um Fische und einen Penis. Hier zeigt Peter Farrelly auf, dass er das Komödienfach noch nicht vollends verlernt hat. Denn diese Szene baut er weit im Vorfeld der Pointe cool auf. Und wenn er sich dann anschickt, seine Pointe abzufeuern, spielt er wunderbar mit den Erwartungen des Zuschauers, nur um sie dann doch genüsslich eskalieren zu lassen. Keine andere Szene im Film kommt diesem Moment auch nur ansatzweise nahe.

Der langweilige, höhepunktlos und dysfunktional gereichte Rest zeigt nur auf, wie schlecht es aktuell vor allem um die amerikanische Komödie im Allgemeinen bestellt ist und läuft sichtlich unter dem Motto: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Wer mit so etwas zufrieden ist, kann mal in „Balls Up“ hineinschauen, der Rest findet sicherlich einen weitaus sinnvolleren Zeitvertreib.

03 von 10

In diesem Sinne:
freeman


……


Das toppt sogar „Sete A Um“!

Ginge es nach den Brasilianern, hätten sicher nicht Mark Wahlberg und Paul Walter Hauser die Hauptrollen bekommen, sondern vielleicht Til Schweiger und Matthias Schweighöfer. Wann bekommt man sonst schon die Gelegenheit, zwei Deutsche mit der Mistgabel durch Rio de Janeiro zu jagen, die Brasilien gerade den Weltmeistertitel gekostet haben… schon wieder!?

Anstatt einer therapeutischen Aufarbeitung des 8. Juli 2014 geht es in „Balls Up“ einmal mehr um das Zentrum der Welt, den Amerikaner on tour, in all seiner Kulturignoranz. Südamerika bedeutet hier: Samba im Stadion, von Drogenbossen organisierte Poolpartys, hektarweise Dschungel. Zugegeben: Peter Farrellys Filmografie wird zwar mit jedem neuen Film ein wenig platter (Ausnahmen bestätigen die Regel), aber man kann „Balls Up“ zumindest nicht vorwerfen, dass er mit seinem angepeilten Niveau hinter dem Berg hielte. Wer sich auf eine US-Komödie über zwei Kondom-Vertreter bei der Fußball-Weltmeisterschaft (2025! Ein Paralleluniversum?) einlässt, weiß ganz genau, was er tut.

Mark Wahlberg in "Balls Up"

Irgendwas mit Fußball is immer witzisch!!! Copyright: 2024 Amazon Content Services LLC / Foto: Ben Rothstein.

Mark Wahlberg hat seinen komödiantischen Tiefpunkt mit „Me Time“ (2022) ohnehin bereits hinter sich. Da lebt es sich wohl inzwischen ganz ungeniert. Der ehemalige Lebemann, dessen Image von den Autoren immer öfter in entlarvender Weise vorgeführt wird, bekommt mit Hauser einen Co-Star an die Seite gestellt, der als unsicheres Etwas mit Fettnäpfchengarantie den nötigen Kontrast liefert, damit die Buddy-Nummer flutscht wie angegossen.

Fußballfans sollten sich übrigens eher nicht auf eine Party freuen: Das WM-Finale zwischen Brasilien und Argentinien (Wunschvorstellung?) ist nicht nur – wie für eine Produktion aus dem Land des American Football gewohnt – befremdlich geschnitten und kommentiert wie aus dem Munde des amtierenden US-Präsidenten, sondern findet darüber hinaus als Auslöser der Handlung relativ früh am Anfang statt und nicht etwa als Finale, wie es die Konventionen eigentlich vorgeben. Immerhin darf Wahlberg dem Begriff „Vollpfosten“ auf diese Weise schon früh im Film eine ganz neue Bedeutung verleihen.

Von der Sport- zur Abenteuerkomödie

Das vermeintliche Leitthema Fußball spielt anschließend kaum eine Rolle mehr. Stattdessen verdient sich die Genre-Kategorisierung „Komödie“ das „Abenteuer“-Präfix hinzu, als sich das Duo im Urwald mit Aktivisten, Wildtieren und den Tücken der Natur herumschlagen muss. Dass die Horror-Komödie „Cocaine Bear“ (2023) tatsächlich wörtlich referenziert wird, als sich ein Alligator am Koks zu schaffen macht, spricht wohl Bände in Bezug auf die waltende Originalität. Darüber hinaus lässt sich Farrelly zu einem Selbstzitat hinreißen, als er die wohl schmerzhafteste Szene seines Klassikers „Verrückt nach Mary“ mit den Ressourcen des brasilianischen Regenwalds neu auflegt.

Umgeben von all den Flachköppern mit Schwimmflügeln ist es allenfalls Sacha Baron Cohen in einer Nebenrolle als Drogenbaron mit Christus-Erlöser-Styling, der die Messlatte ein wenig höher legt… weil es ihm mal wieder gelingt, nicht nur die beiden Protagonisten, sondern auch den Zuschauer nachhaltig zu irritieren. Bei Cohen sieht Blödsinn immer so leichtfüßig aus, insbesondere, wenn er dermaßen dankbare Gegenspieler hat wie hier. Der Borat in ihm dürfte aber fortlaufend die Zähne zusammengebissen haben, um seinen Gästen nicht lautstark persönlich zu demonstrieren, wie man sich in einem fremden Land wirklich effektiv danebenbenimmt. Benjamin Bratt sieht immerhin so aus, als hätte er bei den Dreharbeiten einen mörderischen Spaß gehabt. Allerdings muss er den dann wohl außerhalb Brasiliens gehabt haben, denn gedreht wurde da nicht, wie etliche künstliche Einstellungen mit Studio-Appeal verraten.

Sacha Baron Cohen in Peter Farrellys Komödie

Come-on, Sacha Baron Cohen is immer lustig! IMMER! Außer halt in „Balls Up“. Copyright: 2024 Amazon Content Services LLC / Foto: Ben Rothstein.

Der um die Marketing-Branche gesponnene Rahmen bleibt trotz eines Vorwissens von sieben Staffeln „Mad Men“ ebenso cartooneskes Beiwerk wie der Rest. Hätte Seth Rogen noch für einen Cameo vorbeigeschaut, wäre das nur angemessen gewesen, denn hier geht es ausschließlich um die Sausage Party, in die zwei arme Würstchen „von der Produktion“ und „vom Vertrieb“ aufgrund ihrer zwischenmenschlichen Chemie hineinrutschen, um den Weg der Läuterung zu meistern, den die meisten Helden in US-Komödien beschreiten: Vom mit Tomaten beworfenen Trottel zum gefeierten Helden, vom Tellerwäscher zum Millionär der Herzen. Auch wenn man dafür sämtliche Sympathien Brasiliens wohl für immer verspielt.

Dumb it Down – Balls Up!

Im Jahr der tatsächlichen Fußball-Weltmeisterschaft beweist die USA zwar weiterhin null Sachverstand in Sachen Fußball oder Völkerverständigung, geschweige denn in Sachen Humor, dafür aber ein ungebrochen gesundes Selbstbewusstsein – immerhin mit einem Schlag Selbstironie. Wahlberg und Hauser werfen sich eher ungelenk die Bälle zu und erniedrigen sich die übrige Zeit in einer filmischen Variation des Dschungelcamps. Der Name „Farrelly“ ist in Bezug auf Komödien eben keine Marke mehr, sondern steht in den Gelben Seiten Hollywoods schon lange unter 555-Auftrag, weshalb das Ergebnis auch nicht allzu sehr überrascht. Das leichteste Angriffsziel von „Balls Up“ ist nicht unbedingt seine offensive Derbheit, die sicherlich ihr Zielpublikum finden wird, sondern seine schale Künstlichkeit. Wenn man schon dermaßen auf die Kacke haut, dann doch bitte nicht mit einem solchen Modulkasten von Comedy, die man nur noch der Form halber so nennen kann.

3 von 10

Informationen zur Veröffentlichung

Die Komödie ist seit dem 15. April 2026 exklusiv bei Prime Video gelistet. Prime-Mitglieder sehen den Streifen kostenlos. Amazon empfiehlt ihn einem Publikum ab 18 – worin auch immer diese hohe Beurteilung gründen mag. Über Pläne für eine physische Auswertung ist momentan nichts bekannt.

Sascha Ganser (Vince)

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