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Obsession – Du sollst mich lieben

Originaltitel: Obsession__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2025__ Regie: Curry Barker__ Darsteller: Michael Johnston, Inde Navarrette, Cooper Tomlinson, Megan Lawless, Andy Richter, Haley Fitzgerald, Darin Toonder, Anthony Pavone, …

Obsession

Zum deutschen Trailer geht’s hier!

Über die Jahre hinweg war Curry Barker in erster Linie für Sketch-Comedy-Videos bekannt geworden, welche er und sein Kumpel Cooper Tomlinson regelmäßig auf ihren „That’s a Bad Idea“-Channels bei TikTok und YouTube posten – allerdings besaß er schon immer auch ein Faible fürs Horror-Genre. So z.B. drehte er eine Reihe von Shorts jener Art – darunter „the Chair“ (2023), nach dessen Erscheinen Produzent James Harris (u.a. „47 Meters down“ und „All Souls“) an ihn herantrat, um ihm eine Spielfilm-Version des Werks zu ermöglichen. Stattdessen pitchte Barker ihm jedoch die Idee für einen anderen Streifen – dessen Konzept auf Anhieb noch interessanter klang, so dass sie sich auf ein entsprechendes Angehen einigten und Barker in den folgenden Monaten das Drehbuch ausgestaltete. Parallel zum Realisieren des Projekts stellte er im August 2024 seinen für mickrige 800 Dollar gestemmten 62-MinüterMilk & Serial“ online: Rasch sorgte der Horror-Thriller im Found-Footage-Stil für Aufsehen und machte viele gespannt darauf, was Barker denn wohl als nächstes vorlegen würde – bevor „Obsession“ dann schließlich am 05. September 2025 seine Premiere in der Midnight-Madness-Sparte des 50. Toronto International Film Festivals feierte…

Mit einem Budget von rund einer Million Dollar entstanden, entbrannte nach der gefeierten Vorführung postwendend ein harter Bieter-Kampf um die Vertriebsrechte, den Focus Features und Universal Pictures am Ende für sich entscheiden konnten – für eine Summe von über $15 Millionen! Später kam zudem noch Jason Blum („Insidious“, „Sinister“, „Get Out“ etc.) als Executive Producer mit an Bord – so dass die Veröffentlichung nun obendrein unter dem Blumhouse-Banner geschieht. Lead-Protagonist der erzählten Geschichte – zu welcher Barker übrigens das „Monkey Paw“-Segment des 1991er „the Simpsons“-Halloween-Specials inspiriert hatte – ist der lange bereits in seine Kollegin und Vertraute Nikki (Inde Navarrette) verknallte Bear (Michael Johnston). Mit der Schulzeit hinter sich, arbeiten beide in einem Musik-Geschäft – ebenso wie zwei weitere Mitglieder ihrer Clique: Ian (Tomlinson) und Sarah (Megan Lawless). Ersteren frustriert es, dass Bear noch immer nicht den Mut zu sammeln vermochte, ihr seine Liebe zu gestehen – wozu er ihn aktiv und rege animiert – allerdings ist Bear einfach zu schüchtern dafür. Er sehnt sich danach, die Friend Zone zu transzendieren – will zwischen ihnen aber auch nichts „kaputtmachen“…

Als Nikki eine Kette mit einem Kristall-Anhänger verliert, beschließt Bear, ihr eine neue zu schenken – doch weicht er im örtlichen Esoterik-Laden davon ab (weil er es als kitschig erachtet) und wählt spontan ein anderes, neben Nippes und Voodoo-Püppchen in einem der Regale entdecktes Produkt aus: One Wish Willow – ein in einer kleinen retro-designten Box verpacktes „magisches Objekt“ für 6,99 Dollar, welches demjenigen einen Wunsch zu erfüllen verspricht, der es auspackt, das Erhoffte verbalisiert und es dabei mittig durchbricht. Nach einem erneuten gescheiterten Versuch der Preisgabe seiner Feelings Nikki gegenüber schnappt er sich kurzerhand das Gekaufte, befolgt die Anweisungen – und sieht sich auf einmal damit konfrontiert, dass sie die Nacht mit ihm verbringen möchte. Verdutzt, lässt er die daran anknüpfenden Stunden sich stetig weiterentwickeln – letztlich bis hin dazu, dass sie zu einem festen Paar werden; mit Nikki kundtuend, dass sie starke Gefühle für ihn empfindet, deren Erwiderung er (glücklich) bestätigt. Um Rationalität bemüht, erachtet er es (Verwunderung zum Trotz) als ein Zufall – also dass sie bis zu jenem Abend wohl dasselbe verspürten; sie sich jeweils nur halt nicht trauten, es nach außen zu kehren…

Für viele Zuschauer dürfte es nicht schwer sein, sich in die Ausgangslage von „Obsession“ hineinzuversetzen – sei es aufgrund aktueller oder früherer Erfahrungen. Sympathisch und sensibel, ist Bear gehemmt und unsicher, seine Traumfrau nach einem Date zu fragen – zumal er sie schon gut kennt und sie sich des Öfteren sehen. Doch für den nächsten Schritt fehlt es ihm an „Kraft“ und den richtigen Worten. Man kann nachvollziehen, warum er dermaßen für sie schwärmt: Nikki ist hübsch, charmant, locker-lässig und steht ihm empathisch bei – bisher aber bloß auf platonischer Ebene. In dem New-Age-Store plagen ihn wiederum Zweifel (an seiner eigentlichen Präsent-Wahl) – und als er daraufhin das One Wish Willow Exemplar erwirbt, fragt er (leicht belächelnd) nach, ob es denn wirklich funktionieren würde: Einige der Käufer hätten sich diesbezüglich (über die Resultate) beschwert, antwortet man ihm. Mit seiner Katze jüngst verstorben – was ihn zusätzlich mitnimmt; nicht nur wegen der Umstände ihres Todes – „versagt“ er prompt ein weiteres Mal im Zuge eines Gesprächs mit Nikki – unabhängig dessen, dahingehend förmlich eine Steilvorlage gehabt zu haben. Sich deprimiert über sich selbst ärgernd, führt es ihn somit zum Ergreifen des Erworbenen…

Nikki gibt an, nicht allein sein zu wollen – u.a. weil ihr Vater Krebs hätte. Diese Nähe mündet im Offenbaren ihrer beidseitigen Zuneigung sowie in verzückter Verliebtheit. Scheinbar ging es ihr bislang genauso wie ihm – da ein in nicht gerade geringer Zahl hergestellter „Zauber-Weidenast“ für die Summe round about eines Frappuccinos bei Starbucks gewiss nicht dahinter stecken kann… oder? Neben Annehmlichkeiten wie Sex und Frühstücks-Zubereitung fängt Nikki aber auch anwachsend clingy und launisch zu werden an – und das immer einengender, bedrückender und Besorgnis-erregender. Natürlich bleibt Sarah und Ian das nicht verborgen: Sie merken an, wie seltsam es doch sei, dass Nikki von er ist wie ein Bruder für mich so unerwartet-schlagartig hin zu vernarrt geswitcht ist. Spekulationen (á la Drogen-Konsum oder psychische Probleme) erkeimen und werden an Bear herangetragen – verknüpft mit Vorwürfen, er würde ihren „durch irgendetwas fragilen“ Zustand ausnutzen. Das und Nikki’s bizarres Verhalten bewirkt, dass sie zunehmend aus ihrem bisherigen sozialen Umfeld ausgegrenzt (bspw. von Partys ausgeschlossen) werden. Als „traute Zweisamkeit“ ist das, was in ihrer Beziehung inzwischen vorherrscht, keineswegs mehr zu charakterisieren…

Von dem ersten gemeinsamen Abend an verändert sich Nikki von einer unabhängigen jungen Frau mit Zukunftsplänen woanders hin zu einer, die strikt auf Bear fixiert alles um sich herum vernachlässigt – sofort bei ihm einzieht, ihm unbedingt Zufriedenheit bescheren will sowie mit Bestürzung auf Aussagen und Taten reagiert, die damit nicht harmonieren. Ihre Handlungen werden irrationaler, mitunter verzweifelter im Hinblick auf Bear’s Zuspruch: U.a. baut sie ihm einen „Trauer-Altar“ für seine Katze – komplett mit dem Kadaver des Tiers im Zentrum – und klebt seine Haustür mit Duct-Tape zu, um ihn dazu zu animieren, mit ihr den Tag daheim zu verleben. Bei einer geselligen Runde mit diversen Leuten bei Ian wird ihre gestörte Obsession allen Zugegenen überdeutlich gewahr: Eine absolut großartige Sequenz. Geschrei, Tränen, Vorwürfe, Entschuldigungen, Selbstverletzung – mit einem viel düstereren Background als eine Krankheit (wie Bipolarität oder Borderline) als Ursache. Ohne Mut-beweisend eine mögliche Ablehnung zu riskieren, hat Bear seinen Wunsch bekommen: Einen, den sich diverse Menschen durchaus mal im Kopf ausmalen – nämlich dass eine von einem angehimmelte Person exakt das intensiv, exklusiv sowie auf ewig erwidert…

Bear erschreckt Nikki’s Gebaren und er leidet darunter – doch ist nicht er das Opfer, sondern der Täter hier. Geschickt hat Barker die Nice-Guy– und Jealous/Crazy-Stalker-Girlfriend-Archetypen abgewandelt, verwehrt dem Publikum dadurch, dass er die Story aus Bear’s Perspektive heraus erzählt, eine gängige Identifikations-Figur, und animiert einen im Rahmen dessen außerdem dazu, sich über dies und jenes bestimmte (u.a. reflektierende) Gedanken zu machen. Aus seiner Sehnsucht – und keiner bösen Intention – entsprungen, ist Bear’s Begehr ebenso naiv selbstbezogen wie hochgradig übergriffig: Ein externer Zwang statt Schicksal, der Nikki’s Autonomie beendet und quasi „ihr Wesen überschreibt“; sie ihres freien Willens, ihrer Individualität beraubt. Was für ihn schön beginnt, bewegt sich hin zu einem belastenden Be-careful-what-you-wish-for-Szenario – mit der erhofften Hingabe schon bald zu einer restriktierenden Fixierung auf ihn werdend. Sein Bedürfnis nach einem normalen Maß an Abstand kann sie weder verstehen noch damit umgehen – schlichtweg weil es dem, was sie beeinflusst Schrägstrich leitet, da an „Differenzierung“ mangelt – während Sätze wie „I’ll be anything you want me to be.“ bekanntlich ja in keiner Beziehung fallen sollten…

Und als wäre das nicht bereits abgründig-dark genug, bricht Nikki’s echtes Ich mitunter hervor: Eingangs in Form verwirrter Reaktionen, verängstigter Blicke sowie vereinzelter gellender Schreie – bevor sie später gar ein paar flehende Worte an Bear zu richten vermag. Gefangen in ihrem Körper, ist sie also bei Bewusstsein – vorstellbar wie eine Kombination des Locked-in-Syndroms mit einer Besessenheit: Eine niederschmetternde Erkenntnis – und das deutlich darüber hinaus, dass jeder Sex bis dato demnach als eine Vergewaltigung zu werten ist. Barker lässt den Betrachter ihren Horror nachempfinden – allerdings bloß punktuell im Verlauf; was diese Momente (á la einer mit ihr allein inmitten eines Zimmers stehend verbleibend, mit Bear just zur Tür hinaus) umso eindringlicher gestaltet und sich in ähnlicher Weise ins Gedächtnis einbrennt wie das Zeugewerden des überaus expliziten Zertrümmerns eines Schädels. „Obsession“ hält sich nicht zurück, Unangenehmes unterschiedlicher Art zu präsentieren – steigert sich im Bereich der physischen wie psychischen Eskalation der Geschehnisse und hält an diesem Kurs konsequent bis in die akustisch nicht nur mit dem 1960er The Little Dippers Song „Forever“ unterlegten Schluss-Credits hinein fest…

Inde Navarrette’s Darbietung ist einfach grandios: Nachdem man Nikki als crushworthy-relatable-charmantes Mädel kennenlernt, „verzerren“ sich ihre Eigenschaften (wie sie spricht und fühlt, ihre Positur und ihr Gebaren) hin ins Beunruhigend-Beängstigende – mit ihrer Konfusion, Bestürzung und Verletzlichkeit aber noch immer durchschimmernd. Navarrette („Trap House“) meistert die Mehrschichtigkeit des Parts mit Bravour – und auch Michael Johnston („Endangered Species“) überzeugt als Bear, welcher irgendwann begreifen muss, dass das, was er „erhalten“ hat, keine Liebe ist. Getrieben von Entsetzen und Reue, bemüht er sich fortan darum, diese Ereigniskette zu stoppen oder gänzlich zu widerrufen – z.B. indem er die One-Wish-Willow-Service-Hotline kontaktiert: Ein sich mit einer Gänsehaut auslösenden Preisgabe darin entfaltendes Telefonat. Man hofft, dass es ihm gelingt – allerdings nicht um seinetwillen, sondern um ihret. Derweil steuern Cooper Tomlinson („Treasure Trackers“) und Megan Lawless („Killer Rental“) in Nebenrollen soliden Support bei und war es eine Freude, Conan O’Brien’s Sidekick Andy Richter („Girlfriend’s Day“) als Besitzer des Music-Stores zu erspähen (übrigens derselbe Laden wie bei „Wayne’s World“ damals)…

Souverän hat Barker diese Fusion aus klassischen Genre-Elementen, einem erdenden Ernst, unaufdringlich verarbeiteten Denkanregungen (zu Themen wie Consent und Co-Dependency) sowie einem das Werk durchziehenden schwarzen Humor gemeistert: Mal köstlich launig – siehe eine überraschende andere Erfahrung mit dem „magischen Zweig“ – häufig albtraumhaft beklemmend, grotesk und fies. Beinahe so wie eine Mischung aus „Together“, „Companion“, „the Substance“ und „Smile“ – und dennoch frisch anmutend. Neben dem atmosphärischen Score Zach Burwells („Violent Mind“) kommt das Sound-Design aggressiv wie effektiv daher, fällt bei der Bebilderung Taylor Clemons‘ („Worthless“) neben dem ungewöhnlichen 1.50:1-Format das inspirierte Nutzen von Dunkelheit (gerade beim Verbergen von Nikki’s Gesicht in speziellen Einstellungen) auf und führt die Unberechenbarkeit der plötzlichen Launen-Wechsel und Gewalt-Ausbrüche zu stetiger Anspannung auf Seiten Bears sowie des Zuschauers. Überdauernde Ungemütlichkeit statt plumpe Jump-Scares. Barker’s Regie ist selbstbewusst und wirkungsvoll; sein Talent unverkennbar – und „Obsession“ eine wahre Genre-Perle…

knappe7 von 10

Hierzulande kommt „Obsession“ am 25. Juni in die Kinos – in einer dem „Festival-Cut“ gegenüber leicht geschnitten Fassung…

Stefan Seidl

Obsession

(© Capstone Pictures, Blumhouse, Focus Features & Universal Pictures)

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Copyright der „Obsession“ Postermotive und Pics: Capstone Pictures / Blumhouse / Tea Shop Prod. / Under the Shell / Focus Features / Universal Pictures__ Freigabe der dt. VÖ: FSK-16__ DVD/BluRay: noch nicht (erst einmal ab dem 25.06. im Kino)

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