Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

the Cure

Originaltitel: the Cure__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2026__ Regie: Nancy Leopardi__ Darsteller: Samantha Cochran, David Dastmalchian, Ashley Greene, Sydney Taylor, Tyler Lawrence Gray, Dylan Flashner, Alex Veadov, Marisa Echeverria, Bunny Levine, …

the Cure

Zum Trailer (engl. OV) geht’s hier!

Bei „the Cure“ handelt es sich um einen leicht satirischen Horror-Thriller von Nancy Leopardi („Nanny Cam“) aus dem Jahr 2026, der seitens des Duos Jonathan Bernstein und James Greer (u.a. Steven Soderbergh’s „Unsane“ und Darren Lynn Bousman’s „Twisted“) verfasst wurde sowie mit verschiedenen „Plot-Schlenkern“ versehen daherkommt, von denen ich im Rahmen meiner Rezension hier die Mehrzahl preisgeben werde – und zwar zum Zwecke eines besseren Besprechens des Werks sowie da der Trailer dahingehend im Grunde ohnehin schon alles verrät. Anders als das veröffentlichte Promo-Material, erwähne bzw. spoilere ich eine gewichtige Offenbarung des finalen Verlaufsakts jedoch nicht. Im Zentrum des Films steht Ally (Samantha Cochran), welche als Kind von dem reichen Ehepaar Georgia (Ashley Greene) und Jeff Braun (David Dastmalchian) adoptiert wurde, inzwischen zu einem Teen herangewachsen ist und seit jeher stark behütet wird – denn sie leidet unter der Autoimmun-Erkrankung Lupus; weshalb sie die große, schicke Villa der drei nie verlässt. Fast alle Haare sind ihr inzwischen ausgefallen – sie ist blass und weist nur wenig Kraft auf (so z.B. benötigt sie stets einen Lifter, um den tollen Infinity-Pool hinterm Haus benutzen zu können). Sie hat keine sozialen Kontakte – und Tiere mit Fell kommen wegen vorhandener Allergien ebenfalls nicht in Frage…

Die Tage verlebt sie relativ isoliert – nimmt ihre Medikamente ein, unterhält sich mit einem AI-Chatbot und wechselt sporadisch Worte mit dem Personal. Jeff und Georgia bemühen sich darum, es ihr möglichst angenehm zu gestalten. Jene achten akribisch auf ihre Gesundheit – etwa durch Fitness und einer strikten Diät, qualitativ gutes Essen, Vitamine und Supplements. Just als bei ihnen ein Empfang für Geschäftspartner und Investoren abgehalten wird, erspäht Ally auf dem Feed einer der geradezu überall platzierten Security-Kameras einige Kids, die sich auf ihren privaten Strandabschnitt geschlichen haben, um dort „abzuhängen“. Heimlich schafft sie es, sich zu ihnen zu gesellen – wo sie mit Brooke (Sydney Taylor) ins Reden kommt und dabei gar ihr erstes Bier überhaupt probiert; bevor entsandte Sicherheitsleute sie jedoch aufspüren und sich die beiden Jugendlichen eine „Standpauke“ Georgias anhören müssen. Erwartungsgemäß ist Ally im Folgenden traurig und schlecht gelaunt – bis sich ihre Eltern dazu durchringen, Brooke zu kontaktieren und ihr Geld dafür anzubieten, Ally Gesellschaft zu leisten. Nicht nur wegen „finanzieller Engpässe“ bei ihr, sondern da sie Ally auf Anhieb wahrhaft sympathisch fand, sagt sie zu – und ist ihr gegenüber diesbezüglich auch von Anfang an ehrlich. Ally ist das mit der Entlohnung egal – sie freut sich einfach sehr…

Der zentrale Schauplatz von „the Cure“ ist eine schicke, 2023 erbaute Villa mit rund 1125 Quadratmetern Wohnfläche (auf einem Anwesen von knapp 18,9 Hektaren) in Malibu, die aktuell neuneinhalb Millionen Dollar wert ist – zumindest meiner Recherche bei „Zillow“ nach. Makellos sauber und gepflegt – mit hellen Wänden, vielen Panorama-Fenstern und einer edlen Einrichtung der modernen Art – ist sie beeindruckend zu beäugen und beileibe keins dieser geschichtsträchtig-düsteren Häuser, wie man sie des Öfteren im Genre antrifft. Nein, mit all dem Hochglanz mutet das vorliegende unweigerlich „kühl“ an – nicht wirklich gemütlich im klassischen Sinne – was natürlich mit Ally’s Krankheit und dem „Clean Eating and Living“-Bestreben Jeffs und Georgias zusammenhängt. Jene sind momentan übrigens dabei, auf einer entfernten Insel eine sich umfassend selbst erhalten könnende „libertäre Utopie“ aufzubauen: Eine Einrichtung, in welche sich „die Oberschicht“ zurückziehen kann, sollte es bspw. zu Wetter-Katastrophen, Aufständen, Kriegen (etc.) kommen. Und ganz die Philanthropen, unterstützen und optimieren sie mit dem Projekt simultan die Infrastruktur und Existenz-Qualität der Bevölkerung jenes kleinen Staats. Auch unabhängig des Trailers sowie Poster- bzw. Covermotivs wird einem rasch klar, dass sie definitiv etwas im Schilde führen…

Mit den Arznei- und Kühlschränken prall gefüllt – Medikation für Ally, grüne Smoothies usw. – einem unentwegt präsenten Sicherheits-Duo sowie dem Gebaren der Erwachsenen mitunter als „eigenwillig“ beschreibbar, könnte man das eventuell noch als „unrelatable/weird rich People“ einstufen – zumal Ally nichtsdestotrotz ja zu einem netten Mädel herangewachsen ist – allerdings vertraut der Film nicht wirklich darauf, die betreffende Route in Form eines „subtilen Slow Burns“ zu beschreiten. U.a. wird dem Publikum bereits im Start-Drittel aufgezeigt, dass Ally Albträume irgendwelcher merkwürdiger „Prozeduren“ hat: Eine meiner Meinung nach klischeehaft-überflüssige Entscheidung. Hinsichtlich dessen, dass in ihrem Zimmer ebenfalls eine Cam installiert wurde, vermag man die Verletzung ihrer Privatsphäre noch einigermaßen der Sorge ihrer Eltern um sie aufgrund ihres fragilen Gesundheits-Zustands unterzuordnen – und geben jene ja immerhin nach und erlauben ihr die Freundschaft mit Brooke, um sie zufrieden zu stimmen und ihr ein Stück weit „Normalität“ unter diesen Bedingungen zu ermöglichen. Die gemeinsame Zeit tut Ally wohl: Sie haben Spaß, Brooke hilft ihr mit dezentem Make-up aus und bringt ihr gar eine Auswahl an Perücken mit. Von der Bezahlung erzählt sie Ally frei heraus – eine andere Sache begeht sie dagegen verborgen…

Brooke’s Bruder Robbie (Tyler Lawrence Gray), mit dem sie sich eine Wohnung teilt, sitzt im Rollstuhl – und sie haben es schwer, ihre Lebenskosten zu decken. Das Geld der Brauns ist ein Segen – allerdings zwackt sie einmal zudem noch eine Handvoll Pillen-Behältnisse aus den Vorräten der Familie ab, welche Robbie anschließend im Internet zu verticken gedenkt. Beim Ansehen alter Home-Videos von damals, als Ally adoptiert wurde und sich allmählich in ihre neue Umgebung eingewöhnt hat, fällt Brooks indes verwundert auf, dass Georgia und Jeff heute (nach einer verstrichenen Dekade) kein bisschen älter ausschauen. Ally schreibt das ihrer akribischen Gesundheits-Fixierung zu – verknüpft damit, auf die besten Experten und Präparate zurückgreifen zu können – doch Brooke ist skeptisch und lässt die gestohlenen Pillen auf ihre Wirkstoffe hin untersuchen – was stracks noch mehr Fragen heraufbeschwört. Da ihr bewusst ist, dass Ally ihr nicht so ohne weiteres glauben dürfte, zieht sie folgenden Plan durch: Mit Jeff eines Abends unterwegs, kocht sie für Georgia und Ally ein Dinner – versetzt das Essen allerdings mit „K.O.-Tropfen“, schleppt Ally in ihr Auto und braust mit ihr davon, um ihr woanders in Ruhe ihre Nachforschungen darlegen zu wollen. Auf der Fahrt kommt es jedoch zu einem Unfall, der beide ins Krankenhaus befördert – Brooke sogar in ein Koma…

An diesem Punkt ist „the Cure“ kaum halb vorüber. Dass das Drehbuch auf keine bessere Idee als ein Car-Crash gekommen ist, ließ mich mit den Augen rollen – doch besaß ich durchaus eine gewisse Neugier, wie sich die nächsten Schritte wohl entfalten würden. Georgia und Jeff holen Ally so schnell es gestattet wird heim und lassen Robbie einschüchtern, Brooke ist weiterhin nicht ansprechbar und Ally fühlt sich von ihrer Freundin hintergangen. Unabhängig dessen ruft sie dennoch in der Klinik an, um sich nach ihr zu erkundigen – wobei der zuständige Arzt (Dylan Flashner) aber auch gleich wegen der Erkenntnisse aus ihren eigenen Untersuchungen nachhakt. Verwirrt, bittet Ally um Aufklärung – und erfährt so, dass ihr Blut über eine extrem rare Zusammensetzung verfügt… ebenso wie dass sie kein Lupus hat! Postwendend konfrontiert sie ihre Eltern mit dieser Aussage – welche zugeben, davon zu wissen: Man wollte ihr jedoch falsche Hoffnungen ersparen, da andere Mediziner diese Diagnose des jungen Doktors als fehlerhaft erachten – und legen ihr diverse Gutachten vor, um das zu beweisen. Zumindest anscheinend nimmt Ally das so hin – hört fortan allerdings mit dem Einnehmen ihrer Medikamente auf. Zügig bestätigt sich ihr Misstrauen: Schon binnen weniger Tage ist bei ihr deutlich mehr Kraft, Appetit und Farbe im Gesicht zu verzeichnen…

Einem wird nicht gerade nachempfindbar vermittelt, wie lange sich die Genesungen Allys und Brookes erstrecken – es wirkt jedenfalls recht schleunig – doch ist der Film an Realismus ohnehin nicht übermäßig interessiert. Mit 87 Minuten (Abspann nicht mitgezählt) eigentlich ordentlich bemessen, hätte man sich trotzdem ein strafferes Pacing gewünscht – oder (alternativ) ein höheres bzw. sich kontinuierlich intensivierendes Suspense-Level; mit der Mystery-Komponente hier das nicht genügend kompensieren könnend. Zusätzlich spielt da mit rein, dass der Score Roy Mayorgas („Studio 666“) nicht sonderlich prägnant ist: In einzelnen Momenten funktioniert es zwar, die anvisierte Atmosphäre via Zurückhaltung (oder gar Stille) dahingehend zu komplementieren – bloß wäre eine präsentere Musik-Untermalung einfach vorteilhafter gewesen. Ernsthaft lahm oder öde wird’s zum Glück allerdings nie. Neben Genre-übliche „Zutaten“ wie Albträume und beklemmende Visionen (oder sind es Erinnerungen?) gibt es überdies eine bizarre, an sich nicht uneffektive Begegnung zwischen Ally und einer creepy älteren Dame (Bunny Levine), die im Vorliegenden jedoch irritierend zusammenhangslos innerhalb der Handlung auftaucht: Erst zum Ende hin kann man sich (nachträglich) dazu was denken – sofern man denn auf ihre Worte geachtet hat…

In der Hauptrolle überzeugt Samantha Cochran („V/H/S/Halloween“) als Ally: Man nimmt ihr die Figur und deren Wandlung glaubwürdig ab – von kränklich-sehnsüchtig-passiv über verunsichert-initiativ bis hin zu wütend-entschlossen-dominant. Ihre Interaktionen mit Brooke sind von verschiedenen Emotionen geprägt – welche Sydney Taylor („Marked Men: Rule and Shaw“) wiederum prima verkörpert: Eigenständig, leicht rebellisch und energisch. Als Robbie und Dr. Morrissey liefern Tyler Lawrence Gray („the Girl in the Pool“) und Dylan Flashner („Saint Clare“) brauchbare Performances ab – sind im Prinzip aber nur „am Rande“ mit von der Partie – während David Dastmalchian („Dust Bunny“) und Ashley Greene („It Feeds“) ihre Parts mit einer feinen „kühlen Distanziertheit“ portraitieren – ähnlich dem, wie man sich gemeinhin vielbeschäftigte Multi-Millionäre vorstellt, die (nicht nur in Sachen Erziehung und Betreuung) über keine herzlich-innige Bindung zu ihren Kindern verfügen. Georgia und Jeff bilden ein gestandenes, abgestimmtes Team, agieren kalkuliert und strahlen häufig eine unterschwellige Bedrohlichkeit aus – mit ihrem Umgang Ally gegenüber bisweilen den Eindruck einer Art von „Projekt-Management“ erweckend. Schade, dass das Skript den kompetenten vier Leads insgesamt nicht reichhaltigeres Material zu bieten in der Lage war…

Die „glatte“ Optik Cinematographer Andrew Russos („Jackals“) harmoniert mit der zentralen Location – bevor es schließlich hinab in einen „rauer“ beschaffenen subterranen Gebäude-Komplex geht, nachdem Ally eine versteckte Tür entdeckt sowie hinter jener darauf stößt, dass Georgia und Jeff dort regelmäßig Blut-Transfusionen erhalten – und zwar ihrs! Tatsächlich sind beide nämlich bereits klar über 50 (Stichwort: „Blood Boy“-Prozedur). Mit dieser Offenbarung treten nun die „Biotech“-Thriller- und „Elite Lifespan Extension Obsession“-Satire-Elemente hervor – allerdings gelingt es dem Werk nicht, seine durchaus reizvollen Inhalte (darunter Gaslighting, Entitlement, Jugendwahn und Biohacking) zu einem substanzielleren, clevereren Ergebnis zu vereinen: Stattdessen gibt’s einen weiteren „Twist“ und mündet das Ganze in eine typische Aufeinanderfolge an Brutalitäten. Vor Einsetzen der Credits wird einem dann außerdem noch ein Epilog serviert, der (von Ally’s Character-Arc her) gut beginnt – am Ende jedoch mit einem finalen „Cliffhanger-Stinger“ aufwartet, der seine angedachte Wirkung verfehlt sowie zugleich eine neue Logik-Schwäche aufdeckt. Kurzum: Mit seiner zu oberflächlich ausgestalteten Story und Leopardi’s Regie-Arbeit nicht inspirierter als „routiniert“ daherkommend, wird „the Cure“ seinem Potential letztlich leider nicht hinreichend gerecht…

eher knappe7 von 10

Während „the Cure“ u.a. in England und den USA als Video-on-Demand verfügbar ist, sind mir bis heute (06/2026) indes noch keine Veröffentlichungspläne für Deutschland bekannt…

Stefan Seidl

the Cure

(© Signature & Vertical Entertainment)

Was hältst Du von „the Cure“?
zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright des „the Cure“ Postermotivs und der Pics: Indy Ent. / Showdown Prod. / Popternative Pictures / Rebel of America / Vaneast Pictures / VRC Films / Signature Ent. / Vertical Ent.__ Freigabe der amerikanischen VÖ: Rated R__ DVD/BluRay/VOD: nein/nein/ja

Tagged as: , , , , , , ,

Categorised in: Horror, the Horror Pit

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 23409548 andere Actionnerds