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Area 407

Originaltitel: Tape 407__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2011__Regie: Dale Fabrigar, Everette Wallin__Darsteller: Abigail Schrader, Samantha Lester, James Lyons, Melanie Lyons, Brendan Patrick Connor, Ken Garcia, Samantha Sloyan, Everette Wallin, Jude Gerard Prest u.a.
Area 407

Mensch gegen Natur. Area 407 rührt an Urängsten. Ok, das war gelogen…

Ein Flug von New York nach Los Angeles stürzt in der Silvesternacht irgendwo in der amerikanischen Pampa ab. Nur eine Handvoll Passagiere überlebt den Crash und hofft fortan auf Rettung, denn alle Signale wurden gesetzt und eigentlich sollte ungefähr bekannt sein, wo das Flugzeug runtergekommen ist. Doch aus dem simplen Warten auf Rettung wird nichts, denn man ist in einem Gebiet abgestürzt, in dem offensichtlich blutrünstige Kreaturen ihr Unwesen treiben. Das Filmposter verrät auch wenig spannungsfördernd die Spezies, die da auf die Menschlein Jagd macht …

„Area 407“ ist ein reinrassiger Stock Footage Streifen. Gleich zu Beginn lesen wir eine Texttafel, die uns darüber informiert, wo das folgende Filmmaterial gefunden wurde, und dass die gleich bebilderten Ereignisse gerade untersucht werden. Found Footage … ein, wie ich finde, nicht unkompliziertes, inzwischen aber leicht inflationär bedientes Filmgenre. Ich habe per se eigentlich nichts gegen Found Footage Filme und finde teilweise sogar, dass deren Geschichten durchaus frisches Blut ins Genre bringen. Doch Found Footage Filme stehen und fallen für mich aufgrund zweier Punkte:

  1. Wie plausibel wird die Existenz einer alles filmenden Kamera in die Geschichte integriert.
  2. Welche Folgen hat die Kamera für den Zuschauer. Kommt es im besten Falle gar zum POV-Effekt, dem berühmten „Mittendrin statt nur dabei“?

„Area 407“ nun versagt in beiden Punkten grandios! Die Kamera wird etabliert, weil eine der beiden nervigen weiblichen Hauptfiguren den Flug von New York nach Los Angeles filmen will! Warum auch immer! Es sind weder die Chippendales an Bord noch wird eine Schuhmesse in dem Flugzeug zelebriert. Und außerdem sieht das Flugzeug auch nicht aus wie eine fliegende Küche. Doch genug der Klischees. Man bzw. frau beschließt tatsächlich, einen stinklangweiligen Linienflug zu filmen. Sehr plausibel und glaubwürdig. Doch wenn sie es wenigstens dabei belassen würde! Nein, stattdessen quatscht die Kameradame nun die Tonspur zu, dass es scheppert. Alles wird kommentiert: Ein Typ mit Glatze steigt ein und das Mädel erklärt uns noch einmal, was wir da sehen. Ein Fahrgast diskutiert mit der Flugbegleiterin. Kommentar von der Tonspur: „Ein Fluggast diskutiert mit der Flugbegleiterin!“ Wenn der Film zum Hörspiel wird …

Es gibt genau einen Moment, wo die Kamera sinnvoll in den Film integriert wird und nicht wie ein Fremdkörper wirkt. Nämlich dann, als das Flugzeug abgestürzt ist und die Kamera als Lichtquelle genutzt wird, um die Situation zu erfassen. Zwar verwundert es ein wenig, dass ein abgestürztes Flugzeug nicht ein einziges winzigkleines Feuerchen zur Folge hat, zumal auch ein Triebwerk in der Gegend herumliegt, aber geschenkt. Dieses eine Mal ist die Kamera im Film glaubwürdig, ansonsten suhlt sich „Area 407“ geradezu in den dümmsten Fehlern, die ein POV-Found Footage Film machen kann. Einige Beispiele: Ein Überlebender stürzt auf der Flucht, die Kameradame filmt, wie er am Boden liegt, hilft ihm aber nicht auf. Die Schwester der Kamerafrau ist schwer verletzt: Die Kamerafrau filmt, wie ihr notdürftig geholfen wird, tröstet nicht, umarmt nicht. Die Überlebenden werden angegriffen, die Kamerafrau rennt weg, lässt aber die ganze Zeit das Kameralicht an, während man in die Nacht flüchtet. Auf Ansagen wie: „Leg die Kamera weg!“ oder „Mach die Kamera aus!“ wird freilich auch nie reagiert. Und wenn die Überlebenden hilflos in die Dunkelheit starren, um etwas zu erkennen, filmt die Kamerafrau deren verzweifelte Gesichter, anstelle die Lichtquelle der Kamera ins Dunkel zu halten. Und so schießt der Film einen dummen Logikbock nach dem anderen, baut Distanz zu den Figuren auf, die einen nur nerven, und erzeugt so keinerlei POV Gefühl.

Doch es kommt noch „besser“. Denn egal, wie weit der Film vorangeschritten ist, es wird immer kommentiert, was man sieht! Die Folge ist eine permanent zugemüllte Tonspur, die einerseits zwar gekonnt verschleiert, dass man – was ja auch unlogisch wäre – keinen Soundtrack hat, damit aber andererseits den Zuschauer regelrecht aggressiv macht, weil er den beständig krakeelenden, labernden und herumschreienden Vollpfosten ausgeliefert ist, die uns „Area 407“ als Figuren verkaufen will. Selbst in Momenten, wo man einfach mal die Schnauze halten sollte, wird munter umhergelabert, und fordert ein Charakter mal Ruhe ein, labert garantiert Sekundenbruchteile ein anderer los und erklärt uns, was in den letzten Sekundenbruchteilen passiert ist. Schrecklich, einfach schrecklich!

Die Folge ist, dass man immer mehr das Gefühl bekommt, selten zuvor eine dümmlichere Heldenparty geboten bekommen zu haben. Und wirklich, kaum eine der Figuren handelt irgendwie nachvollziehbar oder logisch. Glaubwürdig will einem erst recht keine erscheinen und wirklich gut gespielt werden sie sowieso nicht. So geht dann der Film vollends baden, denn wenn einen die Helden nerven, warum sollte einen dann deren Schicksal interessieren? Und es ist einem auch egal. Dem Film im Übrigen auch. Der nimmt im Off die Figuren aus dem Spiel und irgendein Schauspieler erklärt dann – mal wieder –, was mit den Figuren passiert ist. Wie die FSK 16 Freigabe des Filmes zustande kam, bleibt so ein ewiges Rätsel. Denn weder gibt es wilde Bluteffekte noch ist die Bedrohung sonderlich überzeugend getrickst. Sie funktioniert, wie sie allerdings an diesen Ort kam bzw. mitten in den USA unbemerkt wüten kann, ist ein weiteres riesiges Fragezeichen, das über dem Film schwebt.

Spätestens wenn der Film gegen Ende intelligent sein will, kommt einem der Gedanke, dass das Frightfest, dessen Redaktion auf dem Cover von „Area 407“ orakelte, dass einen „Der Twist am Ende atemlos zurücklassen wird“, noch nicht viele gute Filme mit guten Twists gesehen haben kann. Denn Atemlosigkeit stellt sich bei „Area 407“ zu keiner Sekunde ein. Außer freilich, man hyperventiliert wegen der hypernervösen, gegen Ende kaum eine ruhige Einstellung findenden Kamera oder man ist atemlos vor Wut, weil man den Kameraweibern am liebsten die Kamera aus den Händen reißen würde, um dann die Damen den fiesen Viechern des Filmes zum Fraße vorzuwerfen. Verdient hätten es die Nervbüchsen allemal und der Film wäre viel früher zu Ende. Nutzt also die Zeit und genießt einen POV Porno, der hat mehr Schauwerte und weniger Gequassel zu bieten…

Die deutsche DVD und Blu-ray kommt von dem Label Mad Dimension und ist mit einer harschen FSK 18 Freigabe (Film ist ab 16, den Rest besorgt die Trailer Vollstversorgung) uncut. Leider, möchte man fast meinen …

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Mad Dimension__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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