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Armed Response

Originaltitel: Armed Response__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: John Stockwell__Darsteller: Wesley Snipes, Colby Lopez aka Seth Rollins, Anne Heche, Dave Annable, Gene Simmons, Mo Gallini, Anthony Azizi, Mike Seal, Chelle Ramos u.a.
Armed Response deutsches Cover

Wesley Snipes flankiert WWE-Superstar Seth Rollins in dessen Langfilmdebüt “Armed Response”.

Als der freeman nach einiger Zeit des kalten Wrestling-Entzuges vor einigen Jahren in die bewährten Hände der WWE zurückkehrte, befand sich die Storyline um „The Shield“ gerade an ihrem Höhepunkt. Das Team aus den mir bis dato unbekannten Roman Reigns, Dean Ambrose („12 Runden 3: Lockdown“) und Seth Rollins hatte im Grunde so jeden WWE-Star mindestens einmal verprügelt und ließ sich scheinbar von niemandem irgendetwas sagen. Doch dann kam es zu dem größten Verrat ever: Seth Rollins fiel seinen eigenen Leuten in den Rücken und biederte sich bei der Autorität an.

Damit begannen drei große Solokarrieren: Roman Reigns wurde von der WWE hofiert und sollte zum absoluten Superstar aufgebaut werden. Nur die Fans spielten da nicht mit. Einerseits heimste Roman so Titel um Titel ein und wurde bei den größten Events im jeweiligen Hauptmatch gebooked, andererseits wurde er zum frenetisch ausgebuhten „Good-Guy“. Ambrose eilte derweil ebenfalls von Titel zu Titel und durfte den durchgedrehtesten WWE-Star schlechthin geben. Und Rollins? Der wurde zu einem der geilsten Champs aller Zeiten!

Schmierig, fies, verschlagen, mit coolem Mic-Work und noch viel geileren Matches, die er nur wegen seinen fiesen Kompagnons gewinnen konnte, zeichnete ihn die WWE als miesesten aller Verräter. Der gerade darum Riesenerfolge einfuhr. Ein riesiger Spaß, bei dem endlich auch mal die Drehbücher der WWE richtig rund liefen. Leider verletzte sich Rollins irgendwann bei einem unwichtigen Event und fiel eine gefühlte Ewigkeit aus.

Schaut in “Armed Response” mit Wesley Snipes und Seth Rollins hinein

Als er zurückkehrte, hatte man das Gefühl, die WWE hatte ihn gar nicht mehr auf dem Radar. Man verpasste ihm eine eilig zusammengeschustert wirkende Underdog-Rolle und… es funktionierte! Rollins zog die Fans auf seine Seite. Doch so wirklich wusste die WWE mit diesem „Erfolg“ nichts anzufangen. Irgendwer Schlaues schien dann endlich darauf hingewiesen zu haben, dass Ambrose die Fans inzwischen ziemlich langweilte und dass auch Reigns die Leute nur noch abnervte. Tja, und dann passierte, was passieren musste: Der Shield wurde wiedervereint. Und alle drei Stars haben richtig Spaß daran. Was man bei jedem Match spürt und sieht. Und der freeman, längst riesiger Rollins-Fan, sitzt bei jedem Match frohlockend auf seinem Sofa.

Und als Fan schaute der freeman natürlich immer mal wieder, ob die WWE Seth Rollins auch für ihre Filmsparte heranziehen würde (Siehe auch unser Wrestler im Actionfilm Special). Viel wurde gemunkelt, konkret wurde aber irgendwie nix. Bis dann endlich “Armed Response” auf dem Radar auftauchte. Nach einem Winzauftritt in „Sharknado 4“ wurde dieser Film zum Langfilmdebüt von Colby Lopez, wie Seth Rollins im Reallife heißt.

Und die Rahmenbedingungen passten durchaus: Lionsgate, Voltage Pictures, Saban Films und die WWE-Studios kollaborierten bei dem Projekt, was für ein ansprechendes Budget sorgen sollte. Wesley Snipes („Blade 2“) flankierte Rollins als Actionstar mit Renommee und Regisseur John Stockwell hatte schon bei „In the Blood“ oder „Kickboxer: Vengeance“ bewiesen, dass er flotte B-Filme auf die Beine stellen konnte. Sehr interessant war auch der Fakt, dass Gene Simmons (Co-Gründer der Hardrocker von „Kiss“) mit diesem Film seine neue Film-Produktionsfirma Erebus Pictures aus der Taufe hob. Der Musiker hatte unter anderem in „Gesucht: Tot oder lebendig“ als Fieswicht bewiesen, dass er für flotte B-Action ein Herz hat. Kurzum: Die Voraussetzungen passten. Jetzt musste nur noch die Story funktionieren und alles sollte irgendwie halbwegs Spaß machen…

Armed Response Seth Rollins

Seth Rollins in seiner Filmkluft. Viele Unterschiede zu “The Shield” hats da nicht.

Gabriel hat sich seit dem Tod seiner Familie von der Welt und allen Menschen zurückgezogen. Da steht eines Tages ein Mann aus seiner Vergangenheit vor ihm: Isaac. Der war mit Gabriel Teil eines Projektes, das auf den vielsagenden Namen „The Temple“ hörte. Ein ultramoderner Lügendetektor, der feinste Nuancen in Gestik und Mimik, in Schweißtropfen gespeicherte Informationen und dergleichen mehr auswertete und damit binnen Minuten ohne jedwede Folter alles aus den Verhörten herausholen konnte.

Isaac teilt Gabriel mit, dass der amerikanische Standort von „The Temple“, situiert in einem ehemaligen Gefängnis, urplötzlich jedwede Kommunikation abbrach. Isaac bittet Gabriel darum, ihn zu dem Standort zu begleiten und mit ihm gemeinsam sowohl nach den dort stationierten Männern zu schauen als auch „The Temple“ auf seine Funktionsfähigkeit hin zu überprüfen. Nach einigem Zögern sagt Gabriel zu und bereut dies vor Ort umgehend. Man findet nichts als Tod und Verderben. Diverse grausam zugerichtete Leichen geben den Männern große Rätsel dahingehend auf, was in „The Temple“ vorgefallen sein könnte.

Als dann auch noch ein afghanischer General in dem Gemäuer auftaucht, der als einer der meistgesuchtesten Verbrecher des Planeten zählt, ist absolut klar, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Und wirklich: Bald beißen die ersten aus Isaacs Rettungstrupp ins Gras.

Armed Response Wesley Snipes als Isaac

Wesley Snipes gibt als Isaac den souveränen Anführer des kleinen Rettungstrupps.

“Armed Response” beginnt wenig vorteilhaft mit billig wirkenden, schlecht montierten Szenen, in denen angedeutet wird, was in „The Temple“ vorgefallen sein könnte und warum Isaac mit Gabriel hier nach dem Rechten schauen muss. Was sich daran anschließt, sind beinahe 40 Minuten ereignisloses Ganggeschleiche nach immer demselben Muster: Isaac und Co durchschreiten irgendeinen Teil des Gefängnisses und finden irgendwann eine übel zugerichtete Leiche. Weder wird die Story vorangetrieben noch angedeutet, in welche Richtung “Armed Response” eigentlich will. Dabei wird trotz allem Leerlauf eine durchaus rätselhaft angehauchte Grundspannung aufgebaut.

Schnell wird auch klar, dass das eher auf Action ausgerichtete Artwork zum Film falsche Erwartungen weckt. Stockwell und Drehbuchautor Matt Savelloni hatten eher einen horrorlastigen Streifen und weniger einen B-Actioner im Sinn. Sind die ersten 45 Minuten durchgestanden, beginnen Gabriel und Co. endlich, ihre Hirne zu gebrauchen. Sehr zum Nachteil der Spannung im Film, denn dem Zuschauer wird fast umgehend klar, was es mit den Ereignissen im „Temple“ auf sich hat. Das einzige, was fehlt, ist ein Verantwortlicher und ein plausibles Motiv.

Beides bleibt “Armed Response” weitgehend schuldig. Was aber nicht schlimm ist, denn beides kann man sich auch problemlos zusammenreimen. Auf jeden Fall legt “Armed Response” nun an Tempo zu. Twistet in Bezug auf gewisse Personen und gibt sich etwas actionreicher. Große Shootouts und Explosionen darf man sich zwar keine erwarten, dafür aber ein paar harsche Kopfschüsse, kleinere Splattereinlagen und ein paar nette Goreeffekte. Leider wird so mancher Splattereffekt durch schwache CGI-Effekte verhunzt.

Armed Response Wesley Snipes, Anne Heche

Isaac im Kreise seines “Platoons”.

Einigen netten Ideen schaden aber selbst die Effekte nicht. Denn wenn sich gegen Ende scheinbar das Gebäude selbst gegen Isaac und Co. wendet und aus diversen Andeutungen endlich offen ausgespielter Horror wird, hat der Film ein paar coole, leider vollkommen „out of nowhere“ kommende Sequenzen, die “Armed Response” in einer höheren Frequenz – und halbwegs plausibel aufgemacht – richtig gut gestanden hätten.

Die Darsteller schlagen sich derweil ordentlich. Wesley Snipes nimmt man den Anführer des Rettungstrupps in jeder Sekunde ab. Er agiert absolut souverän, geerdet und ruhig und ist immer Herr der Lage. Leider fokussiert das Drehbuch nicht im ausreichenden Maße auf ihn. Lässt ihn immer mehr in eine Nebenrollen-Funktion rutschen. Vor allem zugunsten des extrem blass bleibenden Dave Annable („Brothers & Sisters“) als Gabriel. Dem nimmt man kaum einen Aspekt seiner Rolle so wirklich ab.

Dagegen macht Seth Rollins als sprichwörtlicher Pain-in-the-Ass-Charakter richtig Laune! Ihn hätte man viel häufiger von der Leine lassen sollen und müssen. Sein Gefrotzel ist dabei genauso klasse wie sein aufbrausendes Temperament. Alles in der WWE geschult. Eine eher unvermutete Personalie ist Anne Heche („Wild Card“) als enge Vertraute Isaacs, die man in einem Film dieses Kalibers eher weniger vermutet hätte. Doch Heche schlägt sich beachtlich und hat zudem mit Rollins eine hübsche Rangelei. Die restlichen Charaktere sind als Kanonenfutter vor Ort und fallen weder positiv noch negativ auf.

Optisch ist “Armed Response” eher schmucklos geraten. Was aber auch an dem Schauplatz liegt. Ein echtes Gefängnis in Louisiana. Dem vermag Stockwell einfach keine reizvollen Bilder abzuringen. Zum einen hat man schnell den Eindruck, dass das Drehteam bei weitem nicht die gesamte Location ausnutzen durfte, zum anderen ist die Location eben kein verfallenes Horrorhaus, sondern ein gepflegtes Objekt, dem nicht einmal flackerndes Licht irgendwelche Atmosphäre einzuimpfen vermag. Besondere Perspektiven, schräge Einstellungen, alles Mangelware. Hier und da ein paar POV-Aufnahmen sind die einzige Abwechslung im ansonsten öden DTV-Look. Und selbst die vergisst Stockwell im actionreicheren Part seines Filmes vollkommen. Absolut öde: Die Musik zum Film.

Armed Response Wesley Snipes in Action

Kommt im Film leider ein wenig zu oft vor: Ganggeschleiche…

Was am Ende bleibt, ist ein wenig packender Horrorfilm, der zwar von Anfang an versucht, eine verrätselte Atmosphäre aufzubauen, irgendwann aber den Punkt verpasst, richtig in den Horrormodus zu schalten. Ansätze eines solchen Umschaltens kommen dann so urplötzlich, dass die damit verbundenen Einlagen als kaum mehr als unglaubwürdige „What the fuck?“-Momente wahrgenommen werden und gleichzeitig den Film noch mehr schwächen. Weil sie dem Zuschauer aufzeigen, was da in “Armed Response” für ein Potential für ein echtes Haunted-House-Movie gesteckt hätte. Doch das hätte neben einer finsteren Atmosphäre, fiesen Schockeffekten und mehr Spannung auch einen anderen optischen Ansatz benötigt. Zumindest machen die beiden Powerhouses Wesley Snipes und Seth Rollins ordentlich Laune. Den beiden folgt man durchaus gerne durch dieses lange Zeit ziellos bleibende Vehikel. So ist das Debüt von Rollins vielleicht nicht vollends verhunzt, aber ein Antiheld in einem flotten B-Actioner würde ihm einfach deutlich mehr stehen als seine „10 kleine Jägermeister“-Abzählreim-Rolle in “Armed Response”.

4 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray zu “Armed Response” erscheint am 16. November 2017 von Concorde Home Entertainment und ist trotz deftigerer Effekte mit einer vertretbaren FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Concorde Home Entertainment__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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