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Brandzeichen der Hölle

„Brandzeichen der Hölle“ mischt Action, Horror, Mysterythriller und Kriminalfilm. R. Lee Ermey und Jan-Michael Vincent bekommen es als Militärpolizisten in Manila mit einem mörderischen Geist und dem ortsansässigen Unterweltkönig zu tun.

Originaltitel: Demonstone__Herstellungsland: USA/Philippinen__Erscheinungsjahr: 1990__Regie: Andrew Prowse__Darsteller: R. Lee Ermey, Jan-Michael Vincent, Nancy Everhard, Peter Brown, Pat Skipper, Joonee Gamboa, Joe Mari Avellana, Rolando Tinio, Marilyn Bautista, Frederick Bailey, Pen Medina u.a.
Brandzeichen der Hölle

R. Lee Ermey und Jan-Michael Vincent bekommen es mit einem mörderischen Geist zu tun: “Brandzeichen der Hölle”

Dass man auf den Philippinen kostengünstig Genrefilme, vor allem Actionreißer, drehen konnte, entdeckte nicht nur das Duo aus Produzent Roger Corman und Regisseur Cirio H. Santiago, sondern auch andere B-Filmer. Einer davon war Andrew Prowse („Driving Force“), der mit Produzent Brian Trenchard-Smith („Turkey Shoot“) dort den Action-Horror-Hybriden „Brandzeichen der Hölle“, im Original „Demonstone“, drehte.

Beide Titel sind durchaus zutreffend, wobei sich der Dämonenstein auf ein Artefakt bezieht, das ein chinesischer Kriegermönch auf die Philippinen brachte. Via Rückblende und Voice-Over erfährt der Zuschauer zu Beginn des Films mehr über dessen Vorgeschichte: Der gute Mann schuf einen Orden, der sich mit Mystik und Martial Arts beschäftigte, was jedoch nicht allen Einheimischen gefiel. Ein Banditenchef überfiel den Orden (etwas Wemmserei zum Auftakt) und stahl das Artefakt, worauf der Mönch ihn und seine Nachkommen mit einem Fluch belegte. In der Nähe von Manila findet ein Team von Archäologen das gute Stück, denn „Brandzeichen der Hölle“ ist einer jener B-Filme, bei denen die Philippinen auch mal die Philippinen sein dürfen und nicht Ländern wie Vietnam doubeln müssen.

An einen Vietnamfilm, Christopher Crowes „Saigon”, erinnert allerdings das Heldenduo, denn auch hier gehen zwei amerikanische Militärpolizisten zu Werke. Deren Unterschied liegt dann in Wesen, Alter und Rang. Auf der einen Seite der junge Heißsporn Andy Buck (Jan-Michael Vincent), zum anderen sein Vorgesetzter Colonel Joe Haines (R. Lee Ermey). Andy ist sich sicher, dass der ortsansässige Politiker und Gangsterboss Senator Belfardo (Joonee Gamboa) hinter dem Tod eines Kumpels steckt, kann ihm aber nichts beweisen. Als er eine Pinte observiert, in der sich Belfardos Leute treffen, werden dort diverse von den Handlangern des halbseidenen Politikers getötet, wobei man ihnen das hierzulande titelgebende Brandzeichen der Hölle auf die Stirn geschmurgelt hat. Ähnlich wie in Cannons „Die Herrschaft der Ninja“ übernimmt nämlich auch hier der Geist des Kriegermönchs die Herrschaft über einen Menschen, nur dessen Identität lässt der Film erst einmal unklar.

Unter Verdacht gerät der Soldat Tony McKee (Pat Skipper), der jedoch aus dem Gewahrsam der Militärpolizisten entkommen kann, die nur an einen regulären Mord glauben. Als jedoch noch mehr von Belfardos Sippe ums Leben kommen, sucht der Schurke ebenso nach dem Täter wie Andy und Joe…

Mit seinem Mystik-Mumbojumbo wirkt „Brandzeichen der Hölle“ wie das ernstgemeinte Gegenstück zu schrägen Eighties-Werken wie „Big Trouble in Little China“, ist aber immerhin ein sehr eigener Mix aus Action, Horror, Mysterythriller und Militärkrimi. Dummerweise werden viele Ansätze vom Drehbuch nicht wirklich verfolgt: Der Mord an Andys Kumpel tritt irgendwann komplett in den Hintergrund, ein rivalisierendes Kartell, das gegen Belfardo arbeitet, tritt eigentlich nur auf, damit es in der Mitte noch eine Massenballerei geben kann, und die Ermittlungen der beiden Protagonisten sind kaum der Rede wert. Ähnlich sieht es mit dem Anti-Geist-Rezept aus, mit dem das Böse dann gebannt werden kann, auch wenn das Ende immerhin etwas Tragik und Drama besitzt. Dass es sich bei Belfardo und seiner Familie um die Nachfahren des Banditenfürsten handelt, ist dem Zuschauer schnell klar, so wie diesem auch bereits nach einem Drittel der Spielzeit die Identität der besessenen Person offenbart wird, während Andy und Joe bis kurz vor Schluss im Dunkeln tappen. Aber viele Charaktere gibt es eh nicht zur Auswahl, insofern wär auch kein großes Rätselraten drin gewesen.

Brandzeichen der Hölle

Colonel Joe Haines (R. Lee Ermey) und Andy Buck (Jan-Michael Vincent) ermitteln

All diese Schwächen des Behelfsdrehbuchs von Frederick Bailey („Cybertech P.D.“), David Philips („Nachbarn“) und John Trayne („Runaway Flight – A Case of Honor“) gleicht Regisseur Andrew Prowse dann durch ein hohes Tempo aus. Alle paar Minuten ist irgendetwas los, wenn sich die Helden der schurkischen Schergen erwehren müssen oder der Geist eines seiner Ziele meuchelt. Wirklich zum Fürchten sind die Horroreinlagen mit den leuchtenden Besessenenaugen nicht, aber dafür gibt es bei diesen Attacken einige hübsch derbe Effekte zu sehen, wenn ein Opfer mit einem Speer gepfählt wird oder es einen Arm verliert, der danach reflexartig noch den Abzug der gehaltenen Pistole drückt.

Auch die Actionszenen sind wenig zimperlich, bieten ein paar blutige Einschüsse und eine Szene, in welcher die besessene Person einem Gegner ein M16 durch den Bauch rammt, um damit den Schurken dahinter zu erschießen. Mit der Action kann „Brandzeichen der Hölle“ eh am meisten punkten: Da sind zum einen die Shoot-Outs der Marke gute Hausmannskost, die zwar wenig akrobatisch in Szene gesetzt sind und nach Schema F montiert daherkommen, aber eben reichlich Geballer bieten. Und dann ist da noch eine Verfolgungsjagd mit Autos und Motorrädern in der Mitte des Films, die einige Stunts und Crashs bietet, die das Actionherz erwärmen. Dabei gilt – wie bei so vielen US-philippinischen Actionproduktionen, dass Masse vor Klasse geht, aber dahingehend liefert „Brandzeichen der Hölle“.

R. Lee Ermey („Best of the Best 3 – No Turning Back“) spielt mal wieder einen Militärtypen, aber ausnahmsweise mal keinen Widerling, sondern einen von den Guten. Er macht das ziemlich gut und sorgt im Zusammenspiel mit Jan-Michael Vincent („Mörderischer Irrtum“) für etwas Auflockerung und Wortgefechte, die zwar keinesfalls zu den Meisterleistungen der Action-Dialogkunst gehören, aber etwas Leben in die Bude bringen. Vincent ist solide, kann aber kaum Akzente setzen, da seine Rolle auch im Drehbuch mit über den Bullen mit dem Groll hinauskommt. Natürlich hat der harte Cop auch eine Ex-Flamme, auf die er im Laufe der Ermittlungen trifft und der er wieder näherkommt. Dabei handelt es sich um die Reporterin Sharon Gale, solide verkörpert von Nancy Everhard. Eine Nullnummer dagegen ist Joonee Gamboa („Saigon Commandos“) als Oberbösewicht, der kaum bedrohlich wirkt. Und kaum eine US-philippinischer B-Reißer wäre komplett ohne eine Gastrolle für einen Cirio-H.-Santiago-Spezi wie Joe Mari Avellana („Killer Instinkt“), welcher den Kriegermönch Han Chin gibt.

Man muss sich schon ein wenig für US-philippinische Cheapo-Actioner erwärmen können und auch da gehört „Brandzeichen der Hölle“ nicht zur Königsklasse. Doch trotz eines Behelfsdrehbuchs hat dieser nicht ganz gewöhnliche Actionhorrormix immerhin Tempo, viel Geballer und Stunts sowie R. Lee Ermey zu bieten, was für okayes Wegwerf-Entertainment sorgt.

Bisher gab es „Brandzeichen der Hölle“ hierzulande nur auf VHS und sowohl mit die deutsche als auch die amerikanische Version waren leicht gekürzt. Die kürzlich erschienene DVD von Cargo Records in der Action Classics Collection ist erfreulicherweise ungekürzt und ab 18 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Cargo Records__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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