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Candyman 3 – Der Tag der Toten

„Candyman 3“ von Turi Meyer folgt brav dem Schema der Vorgänger und variiert es nur wenig. Zu den neuen Ansätzen gehört, dass Candyman in diesem Film einer direkten Nachfahrin nachstellt, die das Andenken an Daniel Robitaille umdeuten möchte: Als Maler, nicht als Mythenmonster. Doch Reinkarnation als Todesengel will die Legende lieber am Leben erhalten.

Originaltitel: Candyman: Day of the Dead__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1999__Regie: Turi Meyer__Darsteller: Tony Todd, Donna D’Errico, Alexia Robinson, Jsu Garcia, Mark Adair-Rios, Lupe Ontiveros, Elizabeth Guber, Rena Riffel, Ernie Hudson Jr., Wade Williams, Mike Moroff u.a.
Candyman 3

In “Candyman 3” bekommt es eine direkte Nachfahrin Daniel Robtailles mit ihrem mörderischen Ahnen zu tun

War Clive Barker beim ersten Teil noch stark, beim zweiten noch etwas involviert, so bezieht sich „Candyman 3“ nur noch auf seine Charaktere.

Zudem hat man zum Großteil nur die Story vom zweiten Teil genommen und geringfügig variiert. Wieder wird man zu Anfang des Films im Schnellverfahren über das Schicksal von Daniel Robitaille, dem jetzigen Candyman (Tony Todd) aufgeklärt. Der schwarze Maler sollte die Tochter eines reichen Weißen porträtieren und die beiden verliebten sich, was zur Tötung Daniels durch einen weißen Lynchmob führte. Dieses Mal findet das Ganze nicht im Rahmen eines Vortrages statt, sondern während einer Ausstellung von Robitailles Bildern.

Diese gehören seiner Nachfahrin Caroline McKeever (Donna D’Errico), die ihn jedoch als Maler und nicht als Mythenmonster darstellen will, da die meisten nur die Legende vom Candyman kennen: Sofern man seinen Namen fünfmal in den Spiegel ruft, erscheint er und tötet einen. Ja, es gibt auch die obligatorische Mutprobe, während derer Caroline genau dies tut und man weiß schon zur Genüge, was geschieht, wenn man den Candyman derart herausfordert.

Der lässt auch nicht lange auf sich warten und fordert Caroline auf, doch besser an ihn zu glauben – was sie natürlich nicht tut. Von da an macht er sich daran seine Legende aufleben zu lassen und schlitzt Leute in Carolines Umgebung auf…

Candyman 3

Candyman (Tony Todd) macht auch vor der eigenen Familie nicht Halt

Viel Variation im Vergleich zu den Vorgängern lässt sich bei „Candyman 3“ nicht entdecken. Die besondere Verbindung zwischen Candyman und der Protagonistin ist hier von Anfang an klar und auch sonst wird vom alten Schema keinen Deut abgewichen: Leute in Carolines Umgebung sterben, nach einer Weile hält die Polizei sie für den Täter und im Showdown stellt sie sich dann dem Candyman. Wie in Teil zwei darf auch ein vom Candyman gemeucheltes Elternteil nicht fehlen und nur der Schluss bietet eine neue Pointe: *SPOILER* Caroline macht sich daran, den Candyman endgültig zu besiegen, indem sie seinen Mythos zerstört und die Morde jemand anders unterschiebt. *SPOILER ENDE*

Immerhin klaut „Candyman 3“ halbwegs ordentlich und ist so stellenweise spannend, doch im Vergleich zu den Vorgängern fällt das noch schmalere Budget ins Auge. Gerade die Wohnung der Protagonistin ist so spärlich dekoriert, dass es schon auf mehrere Meter Entfernung nach Filmset aussieht und auch sonst merkt man den Low Budget Charakter an diversen Ecken und Enden. Der Soundtrack klingt zwar wie aus den Vorgängern recycelt, ist aber immerhin ähnlich stimmig platziert, auch wenn Regisseur Turi Meyer („Alien Express“) optisch keine so stimmigen Bilder wie seine beiden Vorgänger hinbekommt.

Candyman 3

Schrei, wenn du kannst: Caroline McKeever (Donna D’Errico) wollte ihren Vorjahren doch als Maler, nicht als Mythenmonster für die Nachwelt überliefern

Der Härtegrad ist (wohl aus Budgetgründen) wieder etwas moderater, auch wenn man sich um einen ordentlichen Bodycount bemüht. Dabei sind die Mordszenen nur leidlich spannend, aber teilweise überraschend sarkastisch (z.B. wenn der Candyman unter seinen Möchtegernjüngern aufräumt). Die Qualität der Effekte ist schwankend, von mies (Bienenangriff auf das Model) über nett (die Hakendurchbohrung im Auto) bis hin zu teilweise wirklich gut (der Blick auf den offenen, von Bienen umschwärmten Brustkorb des Candyman). Leider wirken die Kills hier ähnlich oberflächlich wie im zweiten Teil, so storyimmanent wie im ersten Film sind sie leider nicht.

Auch Donna D’Errico wurde eher aus optischen Gründen gecastet und vom Kostümbildner immer nur in freizügige Outfits gesteckt, aber schauspielerisch ist sie ähnlich ausdruckslos wie die meisten ihrer Kolleginnen aus dem „Baywatch“-Stall. Die Nebendarsteller sind auch nur durchschnittlich, allein Tony Todd („Sky Sharks“) als extrem charismatischer Candyman ist mal wieder eine helle Freude.

Dank einiger spannender Passagen und Tony Todd reicht es dann noch zu unterem Durchschnitt, doch insgesamt ist „Candyman 3“ nur eine wenig einfallsreiche, zu niedrig budgetierte Kopie der Vorgänger.

„Candyman 3“ ist wie seine Vorgänger ungekürzt ab 18 Jahren auf Video erschienen, war aber nie indiziert. Die aktuellen DVD- und Blu-Ray-Veröffentlichungen kommen von NSM Records/Al!ve und bieten Trailer und Filmographien als Extras.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: NSM Records/Al!ve__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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