Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Cyborg

Originaltitel: Cyborg__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1989__Regie: Albert Pyun__Darsteller: Jean-Claude Van Damme, Deborah Richter, Vincent Klyn, Alex Daniels, Dayle Haddon, Blaise Loong, Ralf Moeller, Haley Peterson, Terrie Batson, Jackson ‘Rock’ Pinckney, Janice Graser, Robert Pentz, Matt McColm u.a.
Cyborg

Jean Claude van Damme haut in Albert Pyuns “Cyborg” nicht nur Ralf Moeller die Kauleiste ein.

Mit „Cyborg“ präsentiert uns Albert Pyun einen seiner besten Filme, der durch die Besetzung der Hauptrolle mit dem populären Belgier Jean-Claude van Damme auch Beachtung fand. Allerdings spielt van Damme nicht die Titelrolle und kloppt bis ihm die Batterien aus der Mütze fliegen, nein, besagter Cyborg ist eine Frau namens Pearl Prophet (Dayle Haddon). Sie trägt in ihrem Kopf eine Formel, mit der man eine gefährliche Seuche, welche die ganze Erde in ihrem Würgegriff hat, heilen kann. Achja, wie so oft bei Albert Pyun befinden wir uns in der Zukunft, alles liegt in Schutt und Asche und wir haben ein trashig-schönes Cyberpunk Szenario. Aus Kostengründen zeigt Pyun nur später kurz einen Befallenen der Seuche, denn Make-Up Effekte wollen bezahlt werden.

Eine Horde von Banditen tötet Pearls Begleiter und Beschützer und will sie mitsamt der Formel. Ihr Anführer, Fender Tremolo (Vincent Klyn), guckt mit weit geöffneten Augen wie ein Karnickel während einer proktologischen Untersuchung beim Tierarzt, weshalb er meistens eine Sonnenbrille trägt, denn: auch der Augen-Effekt will bezahlt werden. Albert Pyun macht aus der Not eine Tugend, unterstreicht damit die besonderen Momente.

Cyborg

Van Damme setzt das Antivermummungsgesetz durch …

Gibson Rickenbacker (Jean-Claude van Damme), ein sogenannter Slinger (eine Art Bodyguard), kann Pearl nur kurzzeitig helfen und sie verbleibt bei den Banditen. Diese müssen Pearl zum Erlangen der Formel nach Atlanta bringen. Immer auf ihren Fersen: Gibson, denn der will sich an Fender rächen, weil dieser ganz unfein einst seine „Ersatzfamilie“ ausradierte. Näheres dazu erfährt der Zuschauer in Rückblenden; gekennzeichnet werden diese dadurch, dass van Damme eine Perücke mit einer Walle-Mähne trägt, die Brad Pitt in „Legenden der Leidenschaft“ Konkurrenz machen könnte (vielleicht war diese Perücke auch die einzige, die Albert Pyun aus dem Schrank seiner Mutter klauen konnte). Zwischendurch wird noch Nady Simmons (Deborah Richter) eingesackt, einzige Überlebende eines Massakers besagter Banditen, und schon geht’s zu zweit weiter.

Warum macht Albert Pyun nur so selten dermaßen schöne Trash-Action? Vor allem vom Filmischen her liegt dieser Streifen im oberen Bereich, denn Pyun zeigt, dass er was von der Verwendung filmischer Stilmittel versteht… auch wenn er es ab und zu übertreibt (in den Kampfszenen gibt es Zeitlupe bis zum Erbrechen). Zudem sind Szenario und Schauplätze schön und stimmungsvoll gewählt; nur wenige Szenen sehen so aus, als seien sie im nächsten Wald um die Ecke gedreht worden.

Cyborg

Er hat den Längsten …

Der Plot besteht an sich nur aus einer Jagd, bei der van Damme plus Begleitung und die Banditen wechselnd Jäger und Gejagter sind. Das Ganze ist recht spannend und vor allem kurzweilig gemacht worden. Zum Ende hin wird sogar mal nicht das typische „Der Held rettet die Erde und kriegt das Mädchen“-Ende zelebriert. Natürlich darf man keine besondere Finesse von der Geschichte erwarten: So bringt sich die weibliche Hauptrolle (nicht der Cyborg, sondern die Überlebende) immer wieder in Schwierigkeiten, aus denen sie nur van Damme im wahrsten Sinne des Wortes herausboxen kann.

In sich haben es hier vor allem die Kampfszenen, welche typisch Endzeit bzw. Cyberpunk sind. Geschossen wird nur wenig, aber immer wieder kommen archaische Waffen wie Messer, Schwerter usw. zum Einsatz. Jean-Claude van Damme knüppelt, tritt und schlitzt in bester Weise, was eine wahre Freude ist. Den obligatorischen Spagat hat Albert Pyun zudem sehr eindrucksvoll abgefilmt (Kenner des Films wissen, welche Szene ich meine). Könnte natürlich mehr sein, aber für einen Albert-Film dürfte dies das echte Non-Plus-Ultra sein.

Cyborg

Kicken hält fit …

Van Damme beweist auch hier, dass seine guten Leistungen in späteren Filmen wie „Sudden Death“ oder „Maximum Risk“ learning by doing waren, denn hier guckt er ständig mit dem gleichen Gesichtsausdruck aus der Wäsche. Die anderen Darsteller sind bestenfalls routiniert, lediglich Vincent Klyn ist als Fiesling beeindruckend. Ralf Moeller (im Vorspann köstlicherweise als Rolf Muller erwähnt) ist mir gar nicht aufgefallen und wird wohl nur irgendwo kurz als Prügelmasse aufgetaucht sein.

„Cyborg“ ist ein gelungenes Beispiel für trashige Action von Meister Pyun höchstpersönlich. Hirn aus und Spaß haben.

Ich habe die UK DVD des Films im Schrank stehen, ist sogar von MGM und in Widescreen. Hat deutsche UT, seit einiger Zeit ist auch eine deutsche MGM DVD raus, die auch deutschen Ton hat und ebenfalls uncut ist. Vor kurzem gelang es nun der Fox, den Film erstens vom Index und zweitens ganz regulär als FSK 18 freigegebene uncut DVD im Rahmen ihrer “Action Cult Uncut” Reihe zu veröffentlichen.

© McClane



Der Director’s Cut von „Cyborg“

Albert Pyun bringt aktuell immer mal wieder kleine Perlen unter die Leute. Aus den unmöglichsten Quellen trieb er diverse Rough Cuts seiner bekannteren Streifen auf und vertrieb diese speziell auf Zuruf seiner Fans. Darunter war auch eine frühe Schnittfassung von „Cyborg“ … Dazu hier einige Worte:

Cyborg

Das sind keine Mutationen, das sind Muskeln!

Im Albert Pyun Cut wäre der Film nicht das, als was er heute wahrgenommen wird. Klar, es ist ein Rough Cut, aber es deutet sich schon an, dass die Action nicht halb so spektakulär daherkommt, wie in der “Originalfassung”. Dennoch oder gerade weil Albert nicht so extrem auf die Action fokussiert, wirkt „Cyborg“ im Albert Pyun Cut deutlich runder, filmischer und zwischen den Actionszenen bestehen nun sogar logische Zusammenhänge. Sprich: Van Damme stolpert nicht einfach nur zufällig in ein Haus und holzt los.

Auch die Umstellung der Flashbacksequenzen in Richtung Anfang des Filmes macht den Streifen in sich schlüssiger, nachvollziehbarer. Allgemein wird ein wenig mehr gelabert. Blöderweise wirkt Van Damme gerade in den Dialogszenen doch schwer überfordert. Muss er im “Original” nur mit physischer Präsenz punkten, lässt er im Albert Cut nur ein und denselben Dackelblick vom Stapel, was irgendwann schwer nervt. Härter ist der Film im Albert Cut kein Stück, er wirkt sogar deutlich zurückgenommen. Ein Szenenvergleich lohnt sich. Gerade der Showdown ist im Albert Cut deutlich kürzer – vor allem der Fight Van Damme vs. Klyn ist extrem kurz und schlecht choreographiert (also zumindest so, wie es Albert zusammengebastelt hat).

Optisch gefällt mir das strahlende und knallig bunte Original besser, auch wenn Alberts Farbfilterspielereien in seinem Rough Cut besser zum Sujet passen. Vincent Klyn kommt im Albert Cut noch kaputter und bedrohlicher rüber und unser Ralf Moeller darf deutlich länger im Film herum grunzen (sprichwörtlich). Der Burner ist aber der Soundtrack! Hier weiß ich gar nicht, was ich bevorzugen würde. Ich finde die Synthiesounds des “Originals” schon fett, aber wenn im Albert Pyun Cut den Namen der Protagonisten entsprechend auf einmal die E-Gitarren losheulen, sobald die Figuren in Action sind, rockt das schon schwerst! Allgemein ist der Albert Cut Score echt eine Wucht.

Im Großen und Ganzen eine interessante Sache, dieser Albert Pyun Cut. Ein neuer Film kommt dabei zwar nicht raus, auch kein härterer oder besserer, zumindest aber einer, der runder wirkt und sich tempomäßig von der Actionkaskade im “Original” teils deutlich abhebt und nicht so atemlos wirkt. Dafür aber eben auch weniger rockt …

In diesem Sinne:
freeman



„Slinger“ in der Platinum Cult Edition

Slinger

“Cyborg” im Director’s Cut von Albert Pyun heißt nun “Slinger”

Zunächst einmal Respekt an die Verantwortlichen hinter „Digidreams Studio“. Wie sie hier anhand von brillantem HD Material und dem VHS Material von Albert Pyun ein filmisches Erlebnis zu zaubern versuchen, verlangt schon ordentlich Chuzpe. Zum einen, weil man mit der Gesamtqualität des Filmes die Kunden, die von den Ereignissen hinter den „Cyborg“-Kulissen keine Ahnung haben und sich damit auch nicht beschäftigen wollen (Pyun schwebte mal eine Schwarz-Weiß-Rockoper vor, davon brachte man ihn ab und nahm ihm nach einem erneuten Anlauf, dem hier vorliegenden Cut des Filmes, den Final Cut weg und überließ ihn Van Damme, der den Streifen neu arrangierte und auch Nachdrehs anberaumte.), nur vergraulen kann. Zum anderen, weil das „Zusammenbauen“ dieser Director’s Cut Version eine irre Fummelarbeit dargestellt haben muss. Und zum Dritten, weil man nicht einmal den Aufwand scheute, eine neue Synchronisation anfertigen zu lassen, die sogar näher am Original ist als die bekannte Synchro und unter anderem auch den Original-Van-Damme-Sprecher an Bord hat! Eine echte Fleißarbeit mit vermutlich nicht unerheblichem finanziellen Aufwand.

Ganz zufrieden ist man letztendlich aber dennoch nicht. So wünscht man sich förmlich einen Datenträger mit der HD Variante herbei (Hoffentlich schafft hier Fox bald Abhilfe! „Cyborg“ in HD schaut frisch wie ein neugedrehter Film aus!). Des Weiteren hat man die VHS Kopie von Albert Pyun wirklich ordentlich eingezoomt. Was freilich zu erwarten war, immerhin prangen im Original zwei fette Timecodes oben und unten im Bild. Dazu kommt, dass Pyuns Vorlage auch häufiger das Format wechselt. Die Folge sind nun teils wirklich abenteuerliche Bildausschnitte. Im Showdown erkennt man hier und da teils gar nicht mehr, was eigentlich passiert. Auch fallen während des Films zwei sehr lange Schwarzblenden auf. Hier gibt es im Pyun-Original Bildmaterial vom am Kreuz hängenden Van Damme zu sehen. Doch das Material ist schon in der Vorlage so erbärmlich mies, dass man sich wohl direkt dazu entschieden hat, diese Szenen wegzulassen und die zugehörigen Sequenzen mit einem Schwarzbild zu hinterlegen.

Das größte Problem dieser Veröffentlichung ist aber der wirklich beständige Wechsel zwischen den Qualitätsstufen. Und von HD zu miesestem VHS ist es schon ein enormer Sprung. Auch wirken die nachbearbeiteten Bilder der VHS Kassette sehr weich gezeichnet. Für ein homogeneres Filmerlebnis liegt in den Extras auch die gesamte überarbeitete VHS Vorlage von Pyun vor. Leider auch teilweise zu stark eingezoomt und zu matschig/weich.

Apropos Extras: Hier hat man sich wahrlich bemüht, einige Informationen zusammenzutragen. Letztlich requirieren sich die Extras zwar vornehmlich aus Bilddaten und eingescannten Presseheften, aber immerhin spürt man das Bemühen, hier etwas Mehrwert zu bieten. Highlight ist freilich der auf eine zweite Disc ausgelagerte Audiokommentar von Albert Pyun, der hier fast eine Stunde und fünfzig Minuten aus dem Nähkästchen plaudert, die traurige Geschichte erzählt, wie ihm sein Film weggenommen wurde, und einige Anekdoten vom Dreh zum Besten gibt. Diese Disc alleine lohnt eigentlich schon die Anschaffung.

Exklusiv auf der „Platinum Cult Edition“ ist nun im Übrigen auch ein Epilog zum Director’s Cut enthalten, der die Brücke zum neuesten Beitrag aus dem „Cyborg“-Franchise „Cyborg Nemesis“ schlagen soll. Hoffentlich rennt die Hauptdarstellerin da wirklich die ganze Zeit so nackt herum…

Kurzum: Wer sich den Director’s Cut nicht bei Albert direkt besorgt hat oder besorgen will, der ist mit dieser Veröffentlichung eigentlich gut bedient. Durch die ständigen Qualitätswechsel wird man nämlich auch mal direkt mit der Nase darauf gestoßen, was hier warum verändert worden sein könnte. Alle Veränderungen bekommt man so zwar nicht mit (etwa ist die Hintergrundgeschichte von Van Dammes Figur hier etwas anders in der zeitlichen Abfolge angeordnet), aber man bekommt einen guten Eindruck davon, was „Cyborg“ unter der Führung von Albert Pyun geworden wäre (siehe meine Ausführungen zum Albert Pyun Cut weiter oben!). Letzten Endes, und damit schließt sich der Kreis zum Beginn meiner Ausführungen zu „Slinger“, ist diese Veröffentlichung vor allem für die echten Die Hard Fans von „Cyborg“ geeignet. Und im Grunde nur jene mit einem solchen Aufwand zu bedienen, das braucht – wie ich finde – eben wirklich Eier!

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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