| Originaltitel: Natty Knocks__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2023__Regie: Dwight H. Little__Darsteller: Charlotte Fountain-Jardim, Thomas Robie, Noen Perez, Bill Moseley, Channah Zeitung, Danielle Harris, Robert Englund, Amit Sarin, Jason James Richter, Will Murden, Joey Bothwell, Anuschka van Lent u.a. |

Mit „Der Fluch der Natty Knocks“ kehrt Regisseur Dwight H. Little zum Horrorgenre zurück
Zu den wichtigen Stationen in der Karriere von Genrefilmer Dwight H. Little, der im neuen Jahrtausend verstärkt für TV-Serien arbeitete, gehören die Horrorfilme „Halloween 4“ und „Das Phantom der Oper“. Insofern durfte man gespannt sein, als der Mann mit „Natty Knocks“ noch einmal dorthin zurückkehrte.
Das Ganze fängt damit an, dass die titelgebende Natty 1976 einen Mann zum Schäferstündchen bei sich hat, der ganz offensichtlich nicht der eigene ist. Und auch nicht der einzige, denn als es rüde an der Tür klopft, schnauzt der Kerl, dass die Person doch warten solle, bis sie an der Reihe ist. Doch es ist nicht der nächste Freier, sondern eine ganze Reihe erboster Frauen, die von Natty die Herausgabe eines Buches fordert. Als sie sich weigert, wird sie kurzerhand im Schuppen eingesperrt und verbrannt, wobei sie mit verzerrter Fratze Rache schwört. Nebenbei ist noch Halloween, außerdem war Natty mal Horrorfilm-Aktrice, wie man an Plakaten in ihrem Haus sehen kann, womit der Auftakt schon mal einige Fährten legt.
Oktober 2023: Wieder steht Halloween im Städtchen an, als man die Hauptfiguren kennenlernt, darunter Wyatt (Thomas Robie) und Jolie Henderson (Channah Zeitung), deren Makler-Mutter Diane (Danielle Harris) in Scheidung lebt und so viel arbeitet, dass Babysitterin Britt (Charlotte Fountain-Jardim) wie eine ältere Schwester für die beiden ist. Anfangs hält man sie als Zuschauer auch genau dafür, was jetzt allerdings keine dolle Finte des Drehbuchs ist, sondern nur Teil von dessen Inkompetenz im Vorstellen von Figuren und Situationen. Während Britt an jenem Morgen in die Schule aufbricht, machen Wyatt, Jolie und Wyatts Kumpel Robby (Noen Perez) lieber blau und klauen Kupferdraht von einem Heimwerker.
Der Weg führt sie auch zum alten Haus der verbrannten Natty, wo sie das Spielchen Natty Knocks Nine Times spielen, das sich als urbaner Mythos in dem Städtchen verbreitet hat. Dabei sehen sie, wie dort ein verwildert aussehender Mann (Bill Moseley) eine Frau niederschlägt. Sie rufen die Polizei, erregen aber auch die Aufmerksamkeit des Fremden…
Schaut euch den Trailer zu „Der Fluch der Natty Knocks“ an
Für seine Rückkehr zum Horrorgenre brachte Little einige Bekannte mit: Mit Danielle Harris drehte er „Halloween 4“ und „Zum Töten freigegeben“, mit Robert Englund „Das Phantom der Oper“ und mit Jason James Richter (hier in einer egalen Wegwerfrolle) „Free Willy 2“, „Tekken“, „Last Rampage“ und jeweils eine Folge „Bones“ und „Criminal Minds: Team Red“. Dummerweise nahm sich Little nicht auch noch einen verlässlichen Drehbuchautor, sondern verfilmte das erste und bisher einzige Script aus der Feder von Benjamin Olson. Und mit diesem Script beginnt und endet leider das Elend von „Natty Knocks“, denn Olsons Geschreibsel bringt das Kunststück fertig einerseits komplett simpel, andrerseits komplett konfus zu sein.
So kann man den Background des Killers vermutlich schon dann erraten, wenn man während des Auftakts einigermaßen aufpasst, spätestens ab der Erklärbärszene um Minute 40 herum sollte dann der Groschen fallen. Warum „Natty Knocks“ einerseits so lange wartet, um die Mythologie seiner Hauptfigur zu etablieren, andrerseits aber auch nur das ein wenig ausformuliert, was man aus dem Auftakt schon erraten konnte, gehört zu den weiteren groben Schnitzern des Drehbuchs. Dass sich das begehrte Büchlein aus der Eingangssequenz einfach als Adressliste der untreuen Ehemänner entpuppt, von deren Untreue anscheinend eh die ganzen Stadt weiß, und später keine Rolle mehr spielt, ebenso.
Doch auch sonst wirkt hier nichts zu Ende gedacht, Figuren und Handlungsstränge werden schlampig eingeführt und teilweise fallengelassen, von der Logik ganz zu schweigen. Da streiten sich Diane und ihr Ex am späten Nachmittag, aber mitten in der Nacht kommt ein Polizist vorbei, um auf die Ruhestörung zu reagieren. Noch so ein Knaller ist Britts Boyfriend, von dem sie selbst sagt, dass er ein Depp ist, aber dass sie ihn süß findet. Natürlich gibt es die entsprechenden Klischeeszenen mit Fummelei im Auto, „Nicht hier“-Argumentation und der Vorfreude auf Geschlechtsverkehr in der Halloween-Nacht.
Dreimal darf geraten werden, ob es im Film tatsächlich dazu kommt oder der Galan nicht irgendwann mit aufgeschnittener Kehle im eigenen Kofferraum landet. Aber nichts ist hier so wirklich gut erzählt, der obligatorische Cliffhanger wirkt massiv erzwungen und warum der Killer, der am liebsten im Keller des Hauses alten Exploitation-Horror-Schlonz mit Natty in der Hauptrolle schaut (natürlich mit Projektor und Filmrolle), gleichzeitig als Polizist arbeiten kann, das ist noch so ein Hammer.
So bleibt es dann Little hängen trotz begrenzter budgetärer Mittel und des murksigen Scripts noch das Beste aus der Sache zu machen. Natürlich hat er damit zu kämpfen, dass der Film kaum aus dem Quark kommt und auch der Bodycount relativ niedrig ist, denn manche Opfer ermordet der Killer direkt, andere nimmt er gefangen und wieder andere schlägt er nur zusammen – das System dahinter ist kaum zu erkennen. Kreativ sind die Verletzungs- und Mordszenen nicht, eine Axt die Brust und ein paar gebrochene Finger bleiben noch am ehesten in Erinnerung.
Dafür bekommt Little immer wieder atmosphärisch dichte Passagen hin, etwa den Opener, den Besuch einer Haunted-House-Attraktion zu Halloween (wenngleich die Spannung darunter leidet, dass man den Killer und sein Kostüm schon vorher sieht) oder ein, zwei gut sitzende Jump Scares. Letztere kündigen dann die Auflösung des Plots zwischen Serienkillerkrimi, Hexenhorror und Geisterfilm zwar überdeutlich an, aber man ist eh früh auf der richtigen Fährte, so schwach die Auflösung auch ausfällt. *SPOILER* Die Rachepläne Natty scheinen übrigens auch passé zu sein, da der Film zumindest nie andeutet, dass Verwandte ihrer früheren Peiniger ins Visier geraten. *SPOILER ENDE*
Drei Namen mit Horror-Crediblity hat Little zudem in seinem Cast, deren Darbietungen jedoch unterschiedlich gut ausfallen. Robert Englund („Good Day for It“) als Dianes Chef gibt den Erklärbär durchaus stark, hat aber eine limitierte Screentime, auch Danielle Harris („Once Upon a Time in Hollywood“) als gestresste Mutti ist in erster Linie okayer Support. Wesentlich mehr gibt es dagegen von Bill Moseley („Prisoners of the Ghostland“) zu sehen, dessen Darbietung jedoch stets zwischen überzeugend unheimlich und albernem Chargieren hin und her wechselt. Bleiben noch die vier Jungdarsteller Charlotte Fountain-Jardim („Doc“), Thomas Robie („Insidious: The Last Key“), Channah Zeitung („Danger Force“) und Noen Perez („Freakier Friday“), aus denen Little leider keine sonderlich guten Performances rauskitzeln kann und die oft durch laienhaftes Aufsagen ihrer Dialogzeilen unangenehm auffallen.
So mag man angesichts von Regie und Erwachsenenbesetzung vielleicht noch Hoffnung in „Natty Knocks“ setzen, doch das Endergebnis ist mit einem verquasten Script und teilweise sehr schwachen Darstellerleistungen geschlagen. „Natty Knocks“ braucht lange, um in die Puschen zu kommen, und baut im Drehbuch keinen vernünftigen Spannungsbogen auf, auch wenn Little mit seinem Können dagegen an inszeniert und einige stimmige Passagen schafft. Auch der Mythos um die Titelfigur hat Potential, aber das kann die Mängel des Ganzen nur schwer vergessen machen.
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Tiberius Film hat „Der Fluch der Natty Knocks“ in Deutschland auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Als Bonusmaterial gibt es Trailer
© Nils Bothmann (McClane)
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