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Fahr zur Hölle, Liebling

Originaltitel: Farewell, My Lovely__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1975__Regie: Dick Richards__Produktion: Jerry Bruckheimer u.a.__Darsteller: Robert Mitchum, Charlotte Rampling, John Ireland, Sylvia Miles, Anthony Zerbe, Harry Dean Stanton, Jack O’Halloran, Joe Spinell, Sylvester Stallone, Kate Murtagh, John O’Leary u.a.
Fahr zur Hölle Liebling

In dieser von Jerry Bruckheimer produzierten Chandler-Verfilmung hat Sylvester Stallone eine seiner ersten Rollen

Raymond Chandlers „Farewell, My Lovely“ war bereits 1942 inoffiziell als Teil der Falcon-Serie unter dem Titel „The Falcon Takes Over“ verfilmt worden, offiziell adaptiert wurde der Roman einmal 1944 als „Murder, My Sweet“ und 1975 unter dem Titel des Romans.

Wie schon im Roman und in „Murder, My Sweet“ ist auch im von Jerry Bruckheimer („Der Staatsfeind Nr. 1“) produzierten „Farewell, My Lovely“ Philip Marlowe (Robert Mitchum) die Hauptfigur. Der macht gerade eine entlaufene Tochter aus gutem Hause ausfindig, als ihn der riesenhafte Moose Malloy (Jack O’Halloran) anspricht: Marlowe soll seine Freundin Velma wiederfinden, die er aufgrund einer längeren Haftstrafe nicht gesehen hat. Auch wenn das Kennenlernen von Marlowe und Malloy unter anderen Umständen stattfindet als im Roman (die Nachtclubszene des Buches folgt allerdings kurz darauf), so hält sich „Farewell, My Lovely“ im Großen und Ganzen an die Vorlage, macht aber einige Änderungen aus Straffungs- und wahrscheinlich auch Budgetgründen.

Nach kurzer Suche erhält Marlowe die Information, dass Velma in einer Irrenanstalt sitzt, doch Malloy will ihm nicht glauben. Kurz darauf nimmt Marlowe einen weiteren Fall an, bei dem er als Bodyguard bei einer Geldübergabe dienen soll. Er wird jedoch betäubt und seinem Klienten der Schädel eingeschlagen. Nach der Logik des Pulp- und Hard-Boiled-Romans müssen zwei scheinbar nicht miteinander verwandte Fälle eine Verbindung haben, nur wie, das ist die Frage.

Bei der Leiche seines Auftraggebers findet Marlowe seine Karte und schließt daraus, dass er sie von jemandem haben muss, der in die Suche nach Velma verwickelt ist. Als er mehrmals gewarnt wird, sich von dem Fall fernzuhalten, wird die Vermutung schon fast zur Sicherheit und als echter Hard-Boiled-Schnüffler lässt sich Marlowe nicht von seinen Ermittlungen abbringen…

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Moose Malloy (Jack O’Halloran) engagiert Philip Marlowe (Robert Mitchum) auf seine Weise

Für die nötige Street Credibility sorgt dann der aus diversen Film Noirs bekannte Robert Mitchum („Die Geister, die ich rief…“), dessen Alter zwar nicht immer ganz vorteilhaft in der toughen Schnüfflerrolle ist, der sich aber mehr als achtbar aus der Affäre zieht. Eine Wonne ist Charlotte Rampling („Angel Heart“) als undurchsichtige Femme Fatale, Jack O’Halloran („Superman II“) ein weiteres Highlight, wobei dieser mit seiner Statur und seinem Gesicht fast nur da sein muss, um zu überzeugen. Auf Seiten der Polizei supporten John Ireland („Sundown – Der Rückzug der Vampire“) und Harry Dean Stanton („Die rote Flut“) solide, in kleinen Rollen sind Sylvester Stallone („Bullet to the Head“) und Joe Spinell („Die erste Todsünde“) zu sehen, die danach noch „Rocky“, „Vorhof zum Paradies“, „Rocky II“ und „Nachtfalken“ gemeinsam drehten. Einen Cameo als Richter hat Pulp-Autor Jim Thompson.

Mit einer Länge von 91 Minuten kommt „Farewell, My Lovely“ als schlanke Variante des Chandler-Buchs daher, die einige Figuren wie etwa Anne Riordan streicht um schneller zu Potte zu kommen. Vermutlich aus Budgetgründen fielen die Besuche auf dem Casino-Schiff weg, für ein paar verruchte Schauwerte wurde aus der Klinik, in der man Marlowe zwischendurch gefangen hält, ein Bordell, dessen Zimmer Marlowe ähnlich abklappert wie in der Romanvorlage. Das Geschehen wurde dabei nicht in die Gegenwart verlegt (wie etwa in Robert Altmans zwei Jahre zuvor erschienener Chandler-Adaption „The Long Goodbye“), sondern spielt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, als auch der Roman veröffentlicht wurde.

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Sylvester Stallone in der Rolle des jungen Handlangers Jonnie

Tatsächlich profitiert „Farewell, My Lovely“ von seiner Vorlage, deren manchmal etwas konstruierte Twists für Spannung und für Überraschungselemente sorgen, während der schnoddrige Off-Kommentar Marlowes (der viele Textpassagen direkt aus dem Buch übernimmt) Flair und Stimmung einbringt. Dass das Script durch einen vorgeschobenen Anfang einen Rahmen schafft, in dem Marlowe seine Geschichte dem Polizisten Nulty (John Ireland) erzählt, wirkt wie ein ärgerlicher, weil unnützer Rechtfertigungsversuch des Voice-Overs, schadet dem spannenden Pulp-Garn insgesamt allerdings wenig.

Unschön dagegen ist die leicht holprige Regie von Dick Richards („Marschier oder stirb“), welche die Geschichte in zweckmäßige, wenig inspirierte Bilder gießt. Höhepunkte der Geschichte, sei es das erste Zusammentreffen mit Helen Grayle (Charlotte Rampling), die sich quasi vor den Augen ihres Mannes an Marlowe heranmacht, die berühmt-berüchtigte Szene mit Malloys mörderischem Ausraster im Nachtclub oder eine Motelschießerei, werden abgehakt, handwerklich okay abgefilmt, aber sie kitzeln sie das aus der Geschichte heraus, was möglich gewesen wäre und das ist schade.

Denn so ist „Farewell, My Lovely“ ein leidlich spannender Neo-Noir der 1970er, rundum okay, aber auch nie mehr als das. Wenn man sich anschaut, was ähnlich gelagerte Filme wie Roman Polanskis Meisterwerk „Chinatown“ zur selben Zeit fertig brachten, ist das schon ein wenig ernüchternd, trotz guter Darstellerleistungen und stimmigem Flair.

Die deutsche DVD kommt von Concorde, ist ab 16 Jahren freigegeben und besitzt kein nennenswertes Bonusmaterial, bietet den Film dafür aber in recht guter Bild- und Tonqualität.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Concorde__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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