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Flucht aus L.A.

Originaltitel: Escape from L.A.__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1996__Regie: John Carpenter__Darsteller: Kurt Russell, Stacy Keach, Steve Buscemi, Peter Fonda, Georges Corraface, Cliff Robertson, Valeria Golino, Pam Grier, Bruce Campbell, Michelle Forbes, A.J. Langer, Ina Romeo, Jeff Imada, Breckin Meyer, Robert Carradine, Leland Orser, Al Leong, James Lew, Isaac Hayes u.a.
Flucht aus L.A.

In „Flucht aus L.A.“ ist Kurt Russell erneut als Snake Plissken unterwegs

John Carpenters Filme zogen in einigen Fällen Sequels nach sich, „Flucht aus L.A.“ ist jedoch die einzige jener Fortsetzungen, bei der Carpenter („Big Trouble in Little China“) auch selbst Regie führte.

Ein einführender Kommentar plus entsprechende Bebilderung zeigt mal wieder, wie verfahren die Situation in der Zukunft aussieht: Durch eine Naturkatastrophe ist Los Angeles zur Insel geworden und der Präsident des unterdrückenden USA-Regimes hat die einstige Megastadt kurzerhand zur Gefängnisinsel umfunktioniert. An der Festlandküste also Wachen bis zum Geht-nicht-mehr, auf der Insel eine Art Gewaltvergnügungspark für Schwerverbrecher, die damit selbst ihre Population klein halten. Im Grunde genommen also das Szenario von Teil eins, nur minimal variiert.

Auch die Hauptattraktion aus „Die Klapperschlange“ ist geblieben: Snake Plissken (Kurt Russell). Der hat als Verbrecher-Hallodri mal wieder den Zorn von Vater Staat auf sich gezogen, wird aber wieder benötigt, da die etwas unterbelichtete Tochter des Präsidenten mit einer Geheimwaffe, die alle Technologie vernichten kann, nach L.A. geflohen ist, um sich einem Terroristen anzuschließen, in den sie verschossen ist. Der Held wider Willen reißt da einfach ein paar coole Sprüche und nimmt die Mission mangels Alternativen an.

Statt der Minibomben injiziert man ihm diesmal einen Killervirus, das Zeitlimit bleibt und so macht sich Snake auf nach Los Angeles, um die Technologie zu retten und für Ordnung zu sorgen – die Präsi-Tochter hingegen läuft unter Kollateralschaden…

Flucht aus L.A.

Snake Plissken (Kurt Russell) im Anflug

Mit Blick auf die Simpelhandlung ist „Flucht aus L.A.“ eine geringfügige Variation der Blaupause, die das Original vorgab, die US-Titel unterscheiden sich tatsächlich nur durch den Städtenamen. Insofern darf man auch hier auf keinen großartig ausgereiften Plot hoffen, Snake stromert halt über die Insel, trifft dort reichlich Freaks und Verbrecher, von denen nicht alle die Treffen überleben. Einzig überraschend mag da die Schlusspointe sein, die aber getrost als Gesellschaftskritik mit dem Holzhammer angesehen werden kann – wie eigentlich jeder Kommentar zum US-Staat in Carpenters Film, da war der erste Teil doch gewiefter.

Doch wo „Die Klapperschlange“ eine düstere Dystopie war, da verhält sich „Flucht aus L.A.“ fast wie eine Parodie dazu. Trotz des nächtlichen Szenarios kommt der Film beinahe grell daher, bietet Schönheits-OP-Freaks, Surfertypen und ’map to the stars’-Verkäufer im zerstörten L.A., die eher als comic relief wirken und nicht so bedrohlich wie die Horde aus dem Vorgänger. Da knickt der Spannungsbogen ein, zumal einige der Gags echte Kalauer sind, obwohl „Flucht aus L.A.“ immerhin mit der Plissken-Coolness punkten kann, unübertroffen in der Szene mit der Blechdose.

Flucht aus L.A.

Ungute Begegungen mit einem durchgeknallten Schönheitschirurgen (Bruce Campbell)

Insofern konsumiert man „Flucht aus L.A.“ auch besser als ein vergnügliches Low-Budget-Movie, denn trotz Paramount im Rücken hatte Carpenter eher wenig Geld zur Verfügung. Deutlich zu sehen an den CGI-Effekten, die selbst damals schon eher mäßig waren, und für verhunzte Szenen wie Surfen auf einer animierten Welle oder einen U-Boot-Sprung aus dem Meer heraus sorgen. Actiontechnisch hat „Flucht aus L.A.“ auch wenig zu bieten, viele Konfrontationen sind schnell gelöst wie unspektakulär, statt eines Nagelkeulenkampfes muss Plissken hier bei den Baddies ein Basketballspiel der besonderen Art bestreiten, aber immerhin gibt es ein paar nette Actionszenen wie die Verfolgungsjagd nach Ende des ersten Drittels zu sehen. Solche Szenen sind auch nett anzuschauen, nur leider dünn gesät und mit Blick auf das talentierte Stuntteam (unter anderem Simon Rhee, Al Leong und Roger Yuan) ist das Gebotene schon weit hinter seinen Möglichkeiten.

Dafür macht Kurt Russell („Cutlass“) seinen Job mal wieder wirklich klasse und spielt die Hauptfigur so dynamisch wie schon im ersten Teil. „Flucht aus L.A.“ funktioniert auch als One-Man-Show, eines durchaus prominenten Ensembles zum Trotze: Stacy Keach („Sin City 2“), Peter Fonda („Der blutige Pfad Gottes 2“), Pam Grier („The Man with the Iron Fists“) und Steve Buscemi („King of New York“) sind kaum mehr als Stichwortgeber in mehr oder minder freakigen Rollen und Bruce Campbell („Sundown“) erkennt man bei seinem Gastauftritt fast gar nicht.

„Flucht aus L.A.“ lebt von seiner Hauptfigur und kann dank seines hohen Tempos noch passabel als filmische Freakshow unterhalten. Aufgrund des ideenarmen Scripts und eines Schauwerte-Mangels kein Film von großem Kaliber, aber auch kein Fehlschlag.

Die deutsche DVD von Paramount ist mit FSK 16 ungekürzt und bietet als Bonusmaterial lediglich einen Trailer.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Paramount__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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