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Hetzjagd in St. Lucas

Originaltitel: Down Twisted__Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 1987__Regie: Albert Pyun__ Darsteller: Carey Lowell, Charles Rocket, Thom Mathews, Norbert Weisser, Trudy Dochterman, Linda Kerridge, Nicholas Guest, Don Michael Paul, Courteney Cox, …

Das deutsche Cover-Motiv.

Das deutsche Cover-Motiv.

Das amerikanische Cover-Motiv.

Das amerikanische Cover-Motiv.

„The deal´s going down – but it´s going down twisted!”

Ich kann mich noch gut daran erinnern, mir Albert Pyun´s 1987er Abenteuer-Action-Crime-Thriller-Genremix „Down Twisted“, welchen er seinerzeit für „Golan-Globus“ bzw. „Cannon Films“ in Szene gesetzt hat, irgendwann im Laufe meiner Jugend (sprich: in den ’90ern) mal im Fernsehen angesehen zu haben – und das unter seinem deutschen Titel „Hetzjagd in St. Lucas“ sowie einige Jahre bevor sich der Name des Regisseurs bei mir zu einem „festen Begriff“ entwickelte. Ich muss jedoch gestehen, nur sehr wenig vom eigentlichen Inhalt im Gedächtnis behalten zu haben – ganz im Gegensatz zu den letzten, musikalisch mit einer feinen „Suspicious Minds“-Coverversion der Fine Young Cannibals unterlegten Minuten, in denen die „Highlight-Momente“ der Hauptdarsteller (dem vorherigen Verlauf entnommen) noch einmal aufgezeigt werden und welche mir seither erstaunlich präsent verblieben waren. Entsprechend gespannt war ich darauf, wie mir das Werk inzwischen (rund zwei Dekaden später) wohl zusagen würde, als ich vor kurzem die Gelegenheit erhielt, mir den Streifen ein erneutes Mal (nun aber in der englischen Originalversion) anzuschauen…

Im Auftrag des reichen Kunstsammlers Deltoid (Norbert Weisser) hat sich eine kleine Gruppe von Dieben daran begeben, im (fiktiven) lateinamerikanischen Staate St. Lucas ein unbezahlbares goldenes Artefakt aus dem dortigen Nationalmuseum zu stehen bzw. es durch ein täuschend echtes Duplikat zu ersetzen. Statt des „Objekts seiner Begierde“ erwartet Deltoid am vereinbarten Übergabeort (im Hafen von Los Angeles) allerdings nichts weiter als eine Kiste voller „Dope“ sowie die herannahende Polizei: Zwar gelingt den Beteiligten in den Wirren des ausbrechenden Chaos die Flucht – doch geht es ihnen fortan (natürlich) sogleich darum, herauszufinden, wer genau sie eigentlich reingelegt hat. Primärer Verdächtiger ist Brady (Nicholas Guest), welcher die Ware zuvor außer Landes geschafft hatte: Als das betreffende „Verhör“ jedoch nichts ergibt und der hitzköpfige Damalas (Thom Mathews) ihn am Ende kurzerhand aus dem Fenster seines Appartements wirft, gerät unweigerlich Brady´s Freundin Michelle (Trudy Dochterman) ins Visier der Hintergangenen…

Parallel dazu lernt der Zuschauer die junge Kellnerin Maxine (Carey Lowell) kennen, welche sich mit Michelle eine Wohnung teilt und eines Abends den „Fehler“ begeht, jener (im Angesicht ihres aufgelöst-verzweifelten Zustands) einen Gefallen zu tun, in dessen Rahmen Michelle´s Wagen jedoch (offenbar mit ihr darin) in die Luft gesprengt sowie Maxine selbst unter Drogen gesetzt und verschleppt wird, da Damalas und seine Partnerin Soames (Linda Kerridge) nun davon ausgehen, dass sie ebenfalls (auf maßgebliche Weise) in die Geschehnisse involviert ist. Als Maxine erneut zu Bewusstsein gelangt, findet sie sich im Beisein eines gefesselten Mannes namens Reno (Charles Rocket) auf einem Boot vor der Küste Mittelamerikas wieder: Mit ihm gelingt ihr im Folgenden die Flucht aufs Festland – doch kann sie ihm wirklich trauen? Schon wenig später werden die beiden nicht nur von Deltoid´s Leuten gesucht und verfolgt – sondern auch vom einheimischen Militär. Im Prinzip die einzige Lösung: Das Artefakt aufspüren und im Zuge dessen (nach Möglichkeit) „alles irgendwie klären“…

Im März 1987 bekam „Down Twisted“ in den Vereinigten Staaten einen limitierten Kinostart zugestanden, bevor er dann erst 1990 „auf Video“ veröffentlicht wurde – was u.a. mit nicht gerade positiven Kritiker- und Publikums-Resonanzen zutun hatte. Sollte sich nun aber jemand denken, dass das verdächtig stark nach einem weiteren „Totalausfall“ von Regisseur Pyun klingt – von denen es (zugegebenermaßen) ja durchaus so einige gibt – dem kann ich jedoch getrost versichern, dass der Film (mehrerer nicht zu verleugnender Schwächen zum Trotz) keineswegs in dieselbe „Schublade“ mit solchen Machwerken wie etwa „Omega Doom“, „the Wrecking Crew“ oder „Tales of an Ancient Empire“ zu stecken ist. Albert, der auch die Skript-Vorlage verfasste, orientierte sich bei seiner Geschichte (eigener Aussage nach) an bestimmten Elementen großer Vorbilder á la Robert Louis Stevenson´s „Kidnapped“, „Key Largo“ (1948), „Slither“ (1973) sowie Martin Scorsese´s „After Hours“ (1985). Alles in allem wird aber viel eher der Eindruck vermittelt, als hätte er sich stattdessen wesentlich stärker von ähnlichen romantisch-humorvollen Abenteuer-Flicks (wie z.B. „Romancing the Stone“, „the Jewel of the Nile“ oder „Miracles“) inspirieren lassen, die jeweils nicht allzu lange im Vorfeld erschienen waren…

Von Beginn an ist ein weder überseh- noch überhörbarer „klassischer ’80s-Vibe“ präsent: Die Anfangs-Credits erstrahlen in leuchtenden Farbtönen und werden musikalisch vom Oingo Biongo Song „No one lives forever“ untermalt – während einen der Score Eric Allamans (aka Berlin Game) phasenweise an den Sound von Bands im Stile Tangerine Dreams erinnert. Optisch weisen die Szenen in Los Angeles das „typische US-Großstadt-Farbschema“ auf – also vorwiegend kühle, bläulich-graue Töne – wohingegen die in St. Lucas angesiedelten Set-Pieces deutlich „wärmer“ und bunter daherkommen, was natürlich auch stark mit den entsprechenden Gegebenheiten der gewählten mexikanischen Drehorte in Verbindung steht. Letztere umfassen u.a. Dschungel-Flächen, einen traumhaften Sandstrand sowie verschiedene für jene Region charakteristische Straßenzüge. Unweigerlich erzeugt die hohe Luftfeuchtigkeit und Hitze (bzw. die daraus hervorgehenden „Auswirkungen“ auf die Protagonisten Schrägstrich Akteure) eine „schwül-heiße Atmosphäre“, welche dem Werk unverkennbar zugute kommt – worüber hinaus Cinematographer Walt Lloyd´s Arbeit per se als „befriedigend“ zu werten ist, er und Pyun allerdings ruhig einige Aufnahmen mehr mit der Kamera „nicht ganz so nahe am Geschehen“ hätten arrangieren können…

In der Hauptrolle ist Carey Lowell zu sehen, welche ein Jahr zuvor in Albert´s „Dangerously Close“ ihr Filmdebüt feierte sowie kurz darauf für den sechzehnten „007“-Streifen „Licence to Kill“ als „Bond-Girl“ auserkoren wurde. Maxine ist ein sympathisches, nicht unsmartes Mädel, das ungewollt in eine gefährliche Situation gerät: Eine recht konventionell gestrickte, zwischen Stärke und Unsicherheit schwankende Figur, anständig portraitiert seitens des hübschen Ex-Models. Der 2005 verstorbene Charles Rocket („Hocus Pocus“) verkörpert Reno absolut solide: Im Grunde ist er immer nur „sich selbst der nächste“ – nimmt sich Maxine jedoch an und lässt sie (trotz des irgendwann in Sachen „Ahnungslosigkeit“ Erfahrenen) auch nicht im Stich. Obwohl ihre permanenten Zankereien und Neckereien eher leidlich amüsanter Natur sind, gefiel mir persönlich der „Running Gag“, dass er andauernd (von wem auch immer) Schläge ins Gesicht erhält, doch vergleichsweise gut. Routiniert mimt Norbert Weisser („Pollock“) den betuchten Auftraggeber, während seine blondierten Haare Thom Mathews („Nemesis“) hier eher uncool ausschauen lassen, man mit den Performances Nicolas Guests („Timescape“), Trudy Dochtermans („Checking out“) und Linda Kerridges („Vicious Lips“) jeweils „leben“ kann und in Cameos überdies noch Don Michael Paul (TV´s „the Hat Squad“) und Courteney Cox (TV´s „Friends“) mit von der Partie sind…

Ein markanter Schwachpunkt des Films ist seine gänzlich mittelprächtige Plot-Qualität – denn trotz einer beachtlichen Anzahl an Offenbarungen, Hintergehungen und Story-Wendungen mutet vieles erstaunlich vorhersehbar an, was wiederum dem Aufkommen echter Spannung klar im Wege steht. Zudem hat Pyun seine „Jagd nach dem MacGuffin“ mit einem Humor ausgestattet, der eigentlich nie wahrhaft witzig ist und bestenfalls sporadisch mal für ein flüchtiges Grinsen sorgt. Abgesehen von wenigen unfreiwillig komischen Momenten, wie einem beinahe „amateurhaft“ inszenierten und geschnittenen Streitgespräch zwischen Maxine und Michelle in einem parkenden Wagen, geht Albert´s Regie-Leistung (insgesamt) durchaus in Ordnung – allerdings lässt die Verlaufsentfaltung ein strafferes Tempo sowie das notwendige Gefühl von „Dringlichkeit“ vermissen, was inspiriertere Editing-Entscheidungen gewiss noch ein Stück weit hätten richten können. Der finale Akt dagegen ist lobend herauszustellen: Er ist rundum unterhaltsam, weist einige schicke Bildkompositionen auf (vor allem Maxine´s Aufsuchen eines Arbeitslagers fällt einem dabei höchst zusagend ins Auge) und mündet schließlich in dem von mir in der Einleitung beschriebenen Ausklang, welcher mir (nach all den Jahren) auch dieses mal wieder erfreulich gut gefallen hat…

Fazit:  Obgleich handwerklich passabel realisiert sowie mit einigen ansprechenden Locations und Momenten aufwartend, handelt es sich bei Albert Pyun´s „Down Twisted“ (1987) letzten Endes leider nur um einen relativ belanglosen kleinen Abenteuer-Crime-Thriller, welchem es in erster Linie an Action, Spannung sowie Rasanz fehlt und dem ein hochwertigeres Skript (u.a. auf die Bereiche Dialoge, Charakterzeichnung und Originalität bezogen) ebenfalls „beileibe nicht geschadet“ hätte…

Hierzulande ist der Streifen im Juni 2010 von “St. Peter Entertainment” auf DVD veröffentlicht worden – und das mit einer “FSK18”-Freigabe versehen (warum auch immer, denn sonderlich brutal ist der Film in keiner Weise). Zuvor war er auf bloß auf VHS (aus dem Hause “Cannon/VMP”) erhältlich. In den USA und Großbritannien ist er indes bis heute noch immer nicht auf DVD (geschweige denn BluRay) erschienen. Als “amüsant” empfinde ich es übrigens, dass das deutsche Cover-Motiv (so schick gestaltet es auch sein mag) den gebotenen Inhalt des Werks (nicht nur auf die Explosion und den Diamanten bezogen) nur sehr bedingt treffend widerspiegelt…

Stefan SeidlDown Twisted

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Down Twisted

Copyright der Cover und Pics: Cannon/VMP (D) / St. Peter Entertainment (D) / Cannon Films (US) __ Infos zur deutschen VÖ: Freigabe: FSK-18__ Geschnitten: nein__ Blu Ray/DVD: nein/ja__

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