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Iron Mask

Originaltitel: Viy 2__Herstellungsland: China, Russland__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Oleg Stepchenko__Darsteller: Jason Flemyng, Charles Dance, Yao Xingtong, Rutger Hauer, Jackie Chan, Arnold Schwarzenegger, Martin Klebba, Christopher Fairbank, Igor Jijikine, Paul Allica, Anna Churina u.a.
Iron Mask mit Jackie Chan und Arnold Schwarzenegger DVD Cover

Arnold Schwarzenegger, Jackie Chan und Rutger Hauer suchen die “Iron Mask”.

„Fürst der Dämonen“ stellte uns zum ersten Mal den Wissenschaftler und Kartographen Jonathan Green vor. In dem Film nach einer Erzählung von Nikolai Wassiljewitsch Gogol (der Autor wurde selbst zum Held seiner eigenen Fantasy-Filme: Siehe „Chroniken der Finsternis“) will Jonathan die gesamte Welt vermessen. Infolgedessen erlebte er in den Karpaten, in Transsylvanien, haarsträubende Abenteuer, verrichtete aber dennoch pflichtbewusst seinen eigentlichen Job.

In „The Journey to China: The Mystery of Iron Mask“, der schon während seiner Produktionsphase diverse Alternativtitel anhäufte und zunächst in Großbritannien schlicht als „The Iron Mask“ und nun in Deutschland gar nur als „Iron Mask“ veröffentlicht wurde/wird, will Jonathan die Früchte seiner Arbeit ernten. Er hofft auf mehr als nur lobende Worte des russischen Zaren, der zuletzt als sein Auftraggeber fungierte. Doch am Hofe des Zaren muss Jonathan schnell merken, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Und wirklich: Der eigentliche Zar wurde durch einen Doppelgänger ausgetauscht.

Jonathan wird inhaftiert, damit er still hält. Doch der Vater seiner Ehefrau erwirkt Jonathans Freilassung. Damit der Kartograph keinen Ärger machen kann, wird ihm ein neuer Auftrag erteilt. Der Ferne Osten müsse auf Karten erfasst werden. Missmutig bricht er mit seinem neuen Begleiter Cheng Lan gen China auf. Derweil sitzt der wahre Zar im Tower von London im Knast. Er teilt sich eine Zelle mit einem Martial-Arts-Meister, der eine ganz eigene Agenda verfolgt. Er will den Zaren freibekommen, damit dieser seiner Tochter ein besonderes Drachensiegel übergeben kann.

Mit diesem Siegel soll die junge Frau den chinesischen Thron zurückerobern, der ihr durch eine Hexe, die sie perfekt zu imitieren versteht, geraubt wurde. Es versteht sich von selbst, dass Jonathan sein Scherflein zur Lösung der Problemlagen beitragen wird.

Schaut in den Fantasy-Streifen mit Jackie Chan, Rutger Hauer und Arnold Schwarzenegger hinein

Soviel vorweg: Was sich auf digitalem Papier wie eine nette Fantasy-Story um Intrigen, Drachen und Magie anhören mag, ist in Filmform eine Art Buch mit sieben Siegeln. Wer hier wann, warum und mit wem was macht, bleibt über die gesamte Laufzeit hinweg ein großes Rätsel. Immer wieder verliert „The Journey to China: The Mystery of Iron Mask“ den roten Faden seiner Story komplett aus den Augen. Wirkt wirr, zusammenhanglos, überladen.

Dabei gehen ganze Substorys teils spurlos verschwunden. So fungiert beispielsweise der ausgetauschte Zar zu Beginn als wichtiger Story-Aufhänger. Ob der Zar am Ende wieder zurückgetauscht und damit das Chaos in Russland abgewendet wird, juckt das Drehbuch jedoch nicht.

Mehr noch: Die Figur des echten Zaren verschwindet immer mehr in der Bedeutungslosigkeit. Steht nur am Rand herum und schaut den anderen Helden beim Heldentum zu. Dieses Schicksal ereilt im Übrigen auch Jonathan Green, der im eigenen Film nach der Hälfte der Laufzeit keinerlei Rolle mehr zu spielen scheint. Genauso egal: die Charakterzeichnungen. Wer in dieser Scharade wer ist? Man weiß es nicht. Und will es auch gar nicht wissen.

„Iron Mask“ wird zum chinesischen Fantasy-Abenteuer

Während „Fürst der Dämonen“ noch überdeutlich auf der Vorliebe Gogols für gruselige Stoffe basierte, wird mit dem großen Einstieg chinesischer Investoren der grundsätzliche Ton des Stoffes komplett verschoben. „Iron Mask“ wird so ziemlich schnell in Richtung eines typisch chinesischen Abenteuerstreifens mit ausladender Action in wunderschönen Landschaften umgebogen.

Dahingehend hat „Iron Mask“ ohnehin eine Menge zu bieten. Das historische London, das provinziell gezeichnete Moskau, ein gewaltiges Sturmszenario auf hoher See, eine endlose Wüste, der zugefrorene Baikalsee und die sattgrünen, pittoresk schönen chinesischen Landschaften – die häufig wechselnden Settings sind definitiv enorm abwechslungsreich geraten.

Leider wird recht oft zum digitalen Pinsel gegriffen, um die Schauplätze zum Leben zu erwecken. So schauen beispielsweise London und der gewaltige Sturm schon reichlich nach Playstation-2-Grafik aus. Von derartigen Ausrutschern abgesehen, bietet auch die detailverliebte und üppige Ausstattung viel fürs Auge. Die Inszenierung ist enorm dynamisch, die Kamera fliegt nur so durch die Schauplätze und der wuchtige Score sorgt für Tempo.

Regisseur Oleg Stepchenko greift also zum großen Überwältigungshammer, was bei der desolaten Story auch dringend angeraten ist. Von der versucht er auch immer wieder mit Action abzulenken. Und die hat dank Jackie Chans Stuntteam einiges zu bieten. Verfolgungsjagden in Pferdekutschen, zig Martial-Arts-Duelle und ein übergroßer Showdown, in dem von futuristisch anmutenden Superbösewichtern, die mit Blitzen und tödlichen Soundeffekten um sich schmeißen, bis hin zu Fluggeräten und Drachen wirklich noch einmal alles aufgefahren wird, was das Budget hergibt.

Arnold Schwarzenegger gerät mit Jackie Chan aneinander

Im Zentrum der Action steht trotz all des Pomps gefühlt aber dennoch ein Intimduell. Das erste handgreifliche Aufeinandertreffen der Actionikonen Arnold Schwarzenegger („Killing Gunther“) und Jackie Chan („Vanguard“). Beide hatten zwar schon in „In 80 Tagen um die Welt“ miteinander zu tun, richtig auf die Zwölf gibt es aber erst in „Iron Mask“.

Leider lässt der Fight der beiden Actionheroen Arnold Schwarzenegger ziemlich alt aussehen, da dieser in besonders schnellen Szenenabfolgen immer wieder auf Doubles zurückgreifen muss. Obendrein wirkt er gegen den auch nicht mehr sooo agilen Chan deutlich steifer. Man fragt sich häufiger im Verlauf des Kampfes, warum die Choreographen nicht auf die Unterschiede beider Darsteller aufgebaut haben. Arnold also die Power gegeben haben und Chan die Schnelligkeit. Stattdessen versucht man, sie seltsam anzugleichen, was vor allem Arnold Schwarzenegger echt nicht steht.

In der Folge funktioniert das Drumherum besser als der Fight. Also wenn beispielsweise Chans Slapstick-Humor auf Arnies Oneliner-Vorliebe trifft. Doch allgemein haben sich beide Mimen mit dem Fantasy-Abenteuer, in das sie auch als Produzenten eingestiegen sind, nicht den größten Gefallen getan. Beide werden in dem „Tower“-Setting eingesperrt und spielen keine Rolle für den Film. Obendrein lässt sich Schwarzenegger als britischer Befehlshaber zum teils recht irre wirkenden Overacting hinreißen.

Allgemein wirken die großen Namen verschenkt. Charles Dance („Auf der Suche nach dem goldenen Kind“) hat zwei ultrakurze Szenen. Jason Flemyng („Stonehearst Asylum“) scheint als Jonathan keinerlei Bock auf den Film zu haben und langweilt sich von Auftritt zu Auftritt. Und Rutger Hauer („Die Jugger“) wird in einer kurzen Sequenz verbrannt und darf gnädigerweise wenigstens drei bis vier Worte sagen. Einfach nur schade. Dafür schlagen sich vor allem die chinesischen Darsteller, zum Beispiel Xingtong Yao als verstoßene Prinzessin, ganz ordentlich.

„Iron Mask“ – von allem zu viel

Was am Ende bleibt, ist ein Film, der alle Anlagen für einen gelungenen Abenteuerfilm in sich trägt, aber derart maßlos geraten ist, dass man schnell genug von ihm bekommt. Was „Iron Mask“ in erster Linie fehlt, ist eine funktionierende, im Film haltende Story mit Figuren, denen man gerne bei ihren Abenteuern folgt. Stattdessen offeriert der Film einen wirren Haufen loser Handlungsfäden, die er kaum entwirrt und noch weniger zu einem Ende bringt. Spannung oder Dramatik? Fehlanzeige.

Alsbald lustlos und reichlich gelangweilt folgt man den nichtssagenden Figuren durch zig Schauplatzwechsel, während „Iron Mask“ sein Bombardement mit fetten Bildern, Farben und Formen ohne Hemmungen fortsetzt. Und irgendwann hat man einfach nur noch die Schnauze voll von dem überkandidelten, überladenen und seltsam humorlosen Treiben. Da ist der missratene Clash of the Titans zwischen Arnold Schwarzenegger und Jackie Chan nur ein weiterer, reichlich egaler Sargnagel.

04 von 10

In Großbritannien erschien der Film von dem Label Signature mit einer Freigabe ab 12 auf Blu-ray und DVD. Bild- und Ton knallen dabei amtlich, Extras zum Film finden sich allerdings keine. Die deutsche Veröffentlichung kommt am 27. Mai 2021 auf DVD und Blu-ray von Koch Media und trägt eine passige FSK 12 Freigabe.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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