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Chroniken der Finsternis – Der schwarze Reiter

Originaltitel: Gogol. Nachalo__Herstellungsland: Russland__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Egor Baranov__Darsteller: Sergey Badyuk, Yuliya Frants, Oleg Menshikov, Alexander Petrov, Evgeniy Stychkin, Artyom Tkachenko, Taisiya Vilkova u.a.
Chroniken der Finsternis Der schwarze Reiter DVD Cover

Teil der russischen Fantasy-Saga “Chroniken der Finsternis” heißt “Der schwarze Reiter”.

Es waren die „Wächter der Nacht“, die 2004 mit einem Paukenschlag das russische Kino in den Fokus rückten. Seitdem fehlt es an ebenbürtigen und vor allem erfolgreichen Pendants. Label wie Capelight versuchen dennoch immer wieder, das russische Kino im Bewusstsein der Zuschauer zu halten. Nach „Attraction“, „Beyond Reality“ oder „Dance to Death“ wartet Capelight nun mit den „Chroniken der Finsternis“ auf. Einem Fantasy-Dreiteiler, irgendwo zwischen „Sleepy Hollow“ und den „Brothers Grimm“ angesiedelt.

Den ersten Teil bildet der Film „Der schwarze Reiter“. Dieser führt die wichtigsten Personen und die Haupthandlung ein. Alles dreht sich um Nikolai Gogol. Der ist ein Schriftsteller, der verdammt schlecht mit Kritik umgehen kann. Als sich die schlechten Stimmen zu seinem aktuellen Werk häufen, zieht er los und versucht, alle Exemplare zu vernichten. Um sich derartige „Einkäufe“ leisten zu können, verdingt er sich als Schreiber bei der Sankt Petersburger Polizei. Hier fällt der immer leicht kränklich wirkende Mann vor allem aufgrund seiner Ohnmachtsanfälle in den ungünstigsten Situationen auf.

Meist sind diese Ohnmachtsanfälle mit wahrlich eindrücklichen Visionen verbunden. Visionen, die Nikolai selbst kaum zu deuten versteht. Als er jedoch eines Tages dem Ermittler Yakow Guro begegnet, wendet sich das Blatt. Guro bringt nämlich Ordnung in eine der Visionen von Nikolai. Und löst damit quasi nebenbei einen Kriminalfall. Nikolai ist angefixt: Ist da einer, der ihn versteht? Der seine „Gabe“ zu lenken vermag? Als Guro wegen mehrerer Morde in das Dorf Dikanka gerufen wird, beschließt Nikolai, ihn zu begleiten.

In Dikanka angekommen, erfahren der Ermittler und sein neuer Schreiber, dass ein geisterhafter schwarzer Reiter über die jungen Damen des Dorfes herfalle und sie scheinbar wahllos ermorde. Schnell werden Nikolais Visionen immer intensiver. Bald kann er nicht mehr zwischen Wahn und Realität unterscheiden. Und auch die Dorfbewohner scheinen so manches Geheimnis zu verbergen.

Schaut in “Die Chroniken der Finsternis” hinein

Alle Filme der „Chroniken der Finsternis“ basieren lose auf der Geschichten-Sammlung „Abende auf dem Weiler bei Dikanka“ des ukrainischstämmigen Dramatikers Nikolai Wassiljewitsch Gogol. Dabei ist der Clou der Filme, dass sie das Leben des russischen Autoren mit den von ihm veröffentlichten Werken verweben. Ihn sozusagen zum allgegenwärtigen Held seiner eigenen Geschichtensammlung machen und dabei verbürgte Schlüsselmomente aus Gogols Leben als Hintergrundinfos für den Filmcharakter Nikolai mit einweben. In „Der schwarze Reiter“ gibt es beispielsweise eine humorige Episode um Gogols Verbindung zu dem Dichter Puschkin zu entdecken.

Aufmerksamen Fantasyfans wird zudem die starke Nähe zu „Sleepy Hollow“ auffallen. Eine Weile wirkt „Der schwarze Reiter“ wie ein russisches Remake. Was auch an der Zeichnung des Helden selbst liegt. Der wirkt schlicht und ergreifend wie ein russisches Johnny-Depp/Ichabod-Crane-Abziehbild. Recherchen zu Gogol lassen dann aber schnell erkennen, wie genial nah dran die Macher an der Optik des Vorbildes (klein, krumm gewachsen, dünn, schlechte Haut, lange spitze Nase) sind. Nicht nur wegen des starken Spiels von Alexander Petrov als Gogol findet „Der schwarze Reiter“ bald seinen ganz eigenen Rhythmus.

Chroniken der Finsternis Der schwarze Reiter Fantasy aus Russland

Nikolai Gogol bei seinen Ermittlungen.

Ungefähr nach einer Stunde Laufzeit ist der Film auf dem Höhepunkt seiner Erzählung. Der Gothic-Einschlag hat sich beim Zuschauer festgesetzt. Das leicht Verschrobene der Story ist angekommen. Die Atmosphäre ist schön dicht und die Spannung auf Anschlag. Als der Film gefühlt urplötzlich von vorn beginnt. Regisseur Egor Baranov startet nämlich auf einmal mit dem Erzählen einer neuen Episode. Die wird zudem nur wenig mit der Story um den schwarzen Reiter verwoben. Ein echter Rausschmiss. Von dem sich „Der schwarze Reiter“ bis zum Schluss nicht mehr so recht erholt.

Einzig die Tatsache, dass in dieser Phase weitere, teils wunderbar störrische Mitstreiter um Gogol eingeführt werden, verhindert, dass der Zuschauer vollends aus der Geschichte aussteigt. Zumal der Showdown erstaunlich unspektakulär geraten ist. Zumindest weckt die Schlusssequenz diverse Erwartungen an die Fortsetzung. Von der würde man sich aber definitiv einen deutlich stärkeren Fantasy-Bezug und eine bessere Fokussierung auf die Grundstory wünschen.

Julia Franz aus Der schwarze Reiter

Wassernymphe Oksana in einer Vision von Nikolai Gogol.

Zumindest in technischer Hinsicht kann man, wie vom russischen Blockbusterkino gewohnt, kaum klagen. Die Ausstattung ist detailverliebt. Die kalten Bilderwelten passen zu der Ablehnung, die Gogol und Co. überall entgegenschlägt. Die düstere und nebelverhangene Optik sorgt für eine stimmige Atmosphäre. Visuell wird vor allem in Gogols zahlreichen Visionen ordentlich aufgedreht: Bullaugenoptik, schräge Perspektiven, eine rastlose Kamera. Hier gibt es einiges aufs Auge. Und auch die Special Effects sind durch die Bank gelungen. Saustark ist obendrein der Score zum Film. Der gibt der Fantasy-Mär immer wieder sanft groteske Züge mit und formuliert auch den Gothic-Touch der gesamten Produktion aus.

“Der schwarze Reiter” ist kein richtig gelungener Start für die “Chroniken der Finsternis”

So richtig heiß auf die Fortsetzungen macht „Der schwarze Reiter“ nicht. Während er wirklich stark einsteigt und den Zuschauer für sich einnimmt, schmeißt er ihn wenig später unsanft wieder aus seiner Welt raus. Der unvermittelte, schlicht nicht notwendige Erzähl-Bruch auf Höhe der Filmmitte schadet dem Auftakt der „Chroniken der Finsternis“-Trilogie enorm. Da können nicht einmal die tolle Düsteroptik, gute Schauspieler und diverse gegen die westlichen Sehgewohnheiten gebürstete Sequenzen etwas retten. Zumindest das gelungene Schlussbild schürt ein wenig die Spannung.

05

Am 5. Juli 2019 erschien von Capelight Pictures die gesamte Trilogie in einem hübschen Steelbook. Gleichzeitig erschien am gleichen Tag „Der schwarze Reiter“ auch als Einzel-DVD/Blu-ray. Beide Veröffentlichungen sind ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Capelight Pictures__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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