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Jade

Originaltitel: Jade__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1995__Regie: William Friedkin__Darsteller: David Caruso, Linda Fiorentino, Chazz Palminteri, Richard Crenna, Michael Biehn, Donna Murphy, Kevin Tighe, Holt McCallany, Ken King, David Hunt, Angie Everhart, Robin Thomas, Victor Wong, Ron Yuan u.a.
Jade

Auch Michael Biehn gehört zur Besetzung mit lauter Gesichtern aus Hollywoods zweiter Reihe in William Friedkins „Jade“

Mit seinem „Basic Instinct“-Drehbuch mutierte Joe Eszterhas kurzfristig zum Go-To-Guy, wenn es um schlüpfrige Big-Budget-Thriller ging, doch die Flops von „Silver“, „Jade“ und vor allem „Showgirls“ beendeten den Höhenflug des Autors, der damals zu den bestbezahlten Hollywoods gehörte.

„Jade“, dessen Script von Regisseur William Friedkin noch umgeschrieben wurde, folgt dabei der „Basic Instinct“-Formel. Wieder eröffnet ein sexuell konnotierter , hier aber nicht gezeigter Mord den Film, statt des Eispickels kreist hier die Axt, ein antikes afrikanisches Kriegsbeil um genauer zu sein. Mit besagtem Werkzeug hat man einen nackten und gefesselten Millionär aus dem Leben befördert, dessen Leiche der aufstrebende Staatsanwalt David Corelli (David Caruso) unter die Lupe nimmt, da er mit dem Fall betraut wurde.

David will hoch hinaus, schleppt aber auch etwas Ballast mit sich rum, da er in Trina (Linda Fiorentino), die Ehefrau seines Freundes Matt Gavin (Chazz Palminteri) verschossen ist. Die drei kennen sich noch aus Unizeiten, früher waren David und Trina ein Paar, wobei ersterer die Trennung bitter bereut. Noch dazu arbeitet Matt als Strafverteidiger für die Gegenseite, was an sich schon mal genug Zündstoff für eine spannende Dreiecksgeschichte bieten würde, die aber nur ansatzweise ausgespielt wird, nie so richtig brenzlig erscheint – ein Problem, das „Jade“ in vielen Punkten hat.

Im Safe des Toten findet die Polizei Bilder, die den Gouverneur Edwards (Richard Crenna) beim Sex mit einer jungen Frau zeigen. Anscheinend der war der Ermordete in Erpressungsfälle verstrickt, bei denen er reiche alte Männer mit schönen Frauen zusammenbrachte und beim Liebesspiel filmte. Das beliebteste seiner Callgirls ist eine geheimnisvolle Frau namens Jade…

Jade

Staatsanwalt David Corelli (David Caruso) ist sich nicht sicher: Ist Trina Gavin (Linda Fiorentino) die geheimnisvolle Jade?

Was folgt, ist aus dem „Basic Instinct“-Lehrbuch: Beschädigte Cops suchen gut betuchte Verdächtige in Strandhäusern mit Meerblick auf, leichtlebige Mädels als Zeugen und mögliche Mörderinnen werden befragt (inklusive Hinweis auf erlaubtes Rauchen im Verhörzimmer) und im Mittelpunkt steht natürlich Jade, der alle Männer verfallen sind, die möglicherweise mörderische Femme Fatale ist und bei der es sich um Trina handeln könnte. Hinzu kommt die politische Tragweite, der Friedkin jedoch schon dadurch die Flügel stutzt, dass außer dem Gouverneur kaum einer der Geschädigten auftritt oder auch nur gezeigt wird, dass die mögliche Veröffentlichung der Fotos trotz entsprechender Drohungen des Gouverneurs nie als der megabrisante Skandal erscheinen würde, den man ja fürchten soll. So bleibt auch der Kreis der Verdächtigen klein, während der Film die meisten Geheimnisse um Jade schon früh auf den Tisch packt, sodass es am Ende auch kaum interessiert, wer denn nun warum die Axt geschwungen hat. Immerhin: Mit dem letzten bösen Twist zieht „Jade“ dem Zuschauer dann immerhin etwas den Boden unter den Füßen weg, was den vorigen Film auch nur begrenzt aufwertet.

Weil „Basic Instinct“ nun eine Verfolgungsjagd hatte und weil man den Regisseur von „French Connection“ und „Leben und Sterben in L.A.“ engagierte, gibt es natürlich auch in „Jade“ eine Autojagd, die recht zünftig in Szene gesetzt ist, natürlich das hügelige San Francisco für entsprechende Autostunts ausnutzt (wie auch „Bullitt“, „Dirty Harry V“ oder „Presidio“), aber gegen vorige Friedkin-Großtaten nicht anstinken kann, da der Schnitt manchmal doch suboptimal ist. Die hügeligen Straßen sorgen zuvor schon einmal für Krawall, als man des Ermittlers Bremsleitung durchschneidet und er so eine Höllenfahrt hinlegt, und zum Schluss gibt es noch einen Showdown, der aber ebenso verschnitten wie höhepunktarm daherkommt.

Jade

Spürhund mit Schnauzer: Davids Kollege Bob Hargrove (Michael Biehn)

An Friedkins „Cruising“ dagegen erinnert eine etwas gewagtere, dramaturgisch aber vollkommen unnötige Sexszene kurz vor Schluss, die dann für den nötigen Sleaze und den Hauch von Skandal sorgen soll, auch wenn „Jade“ ein relativ zahm daherkommt. Tatsächlich liegen die Stärken von „Jade“ woanders, etwa in der am Film Noir orientierten Inszenierung, die in den Spannungsszenen mit schrägen Kamerawinkeln und einer Bildsprache, welche die Paranoia der Figuren ausdrückt, hantiert. Launig ist auch der copfilmtypische Trashtalk der Ermittler untereinander, bei dem sich die Staatsanwaltschaft kaum von anderen Ermittlungsbehörden im Film unterscheidet, während der nächste mehr oder minder derb beseitigte Zeuge oder die nächste Actionsequenz nie zu lange auf sich warten lässt, als dass dieser formelhafte Film dann zu langweilig würde.

David Caruso, der für die Hauptrollen in „Kiss of Death“ und „Jade“ die gut laufende Polizeiserie „NYPD Blue“ verließ, schlägt sich wacker als Anwalt, hinter dessen cooler Fassade der berufliche Ehrgeiz und das amouröse Begehren brodeln und gelegentlich zu Tage treten. Chazz Palminteri („Running Scared“) als begrenzt sympathischer Ehemann kommt da wesentlich eindimensionaler daher, während Linda Fiorentino („Made of Steel“) routiniert ihre damals gewohnte Nummer als allseitiges Objekt der Begierde abzieht. Unterbeschäftigt bleibt leider Michael Biehn (der schon in Friedkins „Rampage“ mitspielte) als Ermittlerkollege, ähnlich Holt McCallany („Run All Night“) als Assistent des Gouverneurs. Den verkörpert Richard Crenna („Rambo“) mit Ausstrahlung, aber wenig Screentime, während Angie Everhart („Take Me Home Tonight“) in einer frühen Rolle als Kollegin Jades auftritt.

Trotz patentiertem Skandalautor, versiertem Regisseur und guter Besetzung aus Hollywoods zweiter Reihe wurde „Jade“ dann nicht das erwartete heiße Ding, sondern soff an der Kinokasse ab, was man angesichts der formelhaften Geschichte, die ihre Figuren nie auslotet, auch verstehen kann, zumal der Film dann weniger skandalös ist als das Marketing ihn gern gehabt hätte. Dank einiger Schauwerte, des flotten Tempos und des gut aufgelegten David Caruso geht „Jade“ als einigermaßen kurzweiliges Sex-and-Crime-Entertainment durch, bei dem allerdings nicht viel haften bleibt.

Hierzulande ist der Film bei Paramount auf DVD erschienen. Die europäischen Fassungen sind in den Sexszenen länger als die US-Kinofassung, entsprechen aber nicht dem Director’s Cut, der in den USA nur auf VHS ausgewertet wurde; dieser enthält noch zusätzliche Handlungsszenen. Weiteres Manko der deutschen DVD ist das Bildformat: „Jade“ liegt nur in Vollbild vor, obwohl das Originalformat WS 1,85:1 ist.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Paramount__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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