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Krieg im Weltenraum

Originaltitel: Uchû daisensô__Herstellungsland: Japan__Erscheinungsjahr: 1959__Regie: Ishirô Honda__Darsteller: Ryô Ikebe, Kyôko Anzai, Minoru Takada, Koreya Senda, Len Stanford, Harold Conway, Elise Richter, Hisaya Itô, Yoshio Tsuchiya u.a.

An Verbrüderung ist der Menschheit in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg kaum gelegen, zumindest, wenn man die damalige Filmlandschaft als Spiegel begreift. In einem „Kampf der Welten“ (1953) etwa kommt es zwar zum globalen Zusammenschluss, dies aber eher aus Verzweiflung als aus Überzeugung. Es dominieren grimmige Gedankenspiele um bösartige Invasoren, aus denen die Furcht spricht, dass sich die grauenvollen Erlebnisse der jüngeren Vergangenheit im Kalten Krieg atomar multiplizieren könnten: „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1951) um eine physisch überlegene Alien-Kreatur, die im ewigen Eis verborgen auf Beute lauert; der „Blob“ (1958) als formlose, nicht kategorisierbare Bedrohung ohne Gewissen, „Die Dämonischen“ (1956) als vernetzte Intelligenz, die im Unsichtbaren direkt unter uns weilt. Nicht zuletzt eben auch der japanische „Godzilla“ (1954), das fatale Nebenprodukt menschlicher Gottkomplexe im Spiel mit den Naturgewalten.

Dessen Regisseur Ishirō Honda griff mit „Krieg im Weltenraum“ jedoch der Zeitgeschichte voraus. Seine 1959er Arbeit lässt sich aus heutiger Perspektive eher mit den Science-Fiction-Filmen der 90er Jahre vergleichen als mit seinen Zeitgenossen. Beim Versuch, eine weltumfassende Perspektive zu generieren und die Globalität der Bedrohung zu betonen, scheint ein Roland Emmerich mit „Independence Day“ jedenfalls eifrig mit dem Stift im Notizbuch Kreise gezogen zu haben. Hondas Schauplätze gehen über begrenzte Setpieces, ja letztendlich gar über den Tellerrand der Erdkugel weit hinaus. Japanisch fühlt sich sein Film nicht zwangsläufig an, wenn überhaupt an eine Nation gebunden, dann fast noch mehr an die amerikanische – dank der spektakulären Modellzerstörung ikonischer Wahrzeichen der USA (vor Emmerichs Washington kam New York und San Francisco). In letzter Instanz ereignen sich die Geschehnisse aber flächendeckend global.

Schaut in den Science-Fiction-Streifen “Krieg im Weltenraum” hinein

Angesichts der unkomplizierten Einigkeit im Kampf gegen die extraterrestrische Bedrohung bleiben politische Subtexte um fehlgeschlagene Völkerverständigung weitestgehend aus und somit auch Zündstoff, der dem Aufbau von Spannung förderlich wäre. Kommen Völker aus aller Welt zur Erörterung der misslichen Lage in einem Rat zusammen, löst sich dieser mit dem simplen Konsens kindlicher Logik auf, was die militärische Omnipräsenz auf Mutter Erde noch mehr nach Zinnsoldaten und Plastikpanzern auf der Spielzeugmatte aussehen lässt. Das sägt an der potenziellen Substanz und letztlich auch Relevanz des Films, der nie den filmhistorischen Stand erreichen konnte wie die Klassiker seiner Zeit. Andererseits räumt das den Weg frei für satte Weltraumaction. Das schwer mit Raketen, Satelliten und schießenden Astronauten bestückte Cover-Artwork verspricht bei weitem nicht zu viel. In dieser Kategorie tischt Honda mächtig auf, spätestens dann, wenn er eine bunte Besatzung auf den Mond schießt, um das Versteck der heimtückischen Invasoren ausfindig zu machen – ausnahmsweise mal keine Monster aus Schuppen, Krallen, Fell und Kiemen, sondern kindsgroße Humanoiden, die ihr Äußeres hinter robotischen Raumanzügen verbergen und mit Hilfe wilder Permutation irren Gegackers kommunizieren. Der Mensch kämpft hier sozusagen gegen sein verzerrtes Abbild.

Schnell wird dabei deutlich, dass die Spezialeffekte die wahren Stars der Geschichte sind. Die hochauflösende Blu-ray legt Garn frei, mit dessen Hilfe die Raketen in die Vertikale befördert werden. Die übersensible Reaktion bei der Kollision von Materie verrät, dass Modellbauten für die große Realität einstehen. Und nicht nur das Gebastelte gibt frech vor, die Physik zu überrumpeln, nein, selbst die Darsteller imitieren theatralisch mit weiten, schweren Bewegungen reduzierte Gravitation, die am eigentlichen Set nicht vorhanden ist. Sägt das am Unterhaltungswert? Natürlich nicht, ganz im Gegenteil: Es fördert sie. Schnitt und Pacing halten dabei alle Trümpfe in der Hand und liefern ein quirliges Potpourri aus Erdenpathos (wer Freude dabei hatte, Ben Affleck und Liv Tyler in „Armageddon“ beim Bauchnabelkeksliebesspiel zu beobachten, wird hier beim Blick in den schwarzen Himmel von einer Wiese aus vielleicht auch glücklich) und Space Opera mit pervertierter Star-Wars-Action, in dessen Spannungsfeld die Stratosphäre dazwischen zum Schauplatz voller Gestaltungsmöglichkeiten erkoren wird.

Das Element der Luft nutzt Honda sehr gekonnt, füllt er die leere, blaue Leinwand doch wild wie ein Expressionist, immer am Rande der Gefahr, er könnte einen von Laserstrahlen getroffenen, sich de-atomisierenden Astronauten zu viel in Szene setzen. Dass spitz zulaufenden Flugkörpern derweil immer ein irdischer Ursprung zugesprochen wird und Außerirdische im Kontrast dazu stets Untertassen steuern, ist ein interessanter aerodynamischer Aspekt, der sich längst als Filmklischee etabliert hat und der hier besonders auffällig inszeniert wird. Man verwendet ihn für geometrische Kontraste, bei denen sich Vertikales mit Horizontalem in einleuchtender Zuordnung kreuzt. Diese Geschichte würde sich spätestens 20 Jahre später wiederholen, als das Vektorspiel „Asteroids“ erfunden wurde.

Natürlich bezahlt Honda die tollkühne Kopfüber-Perspektive auf einen Globus im Alarmzustand damit, nichts von Belang zu sagen zu haben; wenn „Krieg im Weltenraum“ eine Aussage haben sollte, verpufft sie im Dampfausstoß der Lavaldüse bei einem der unzähligen Raketenstarts, mit denen er der Regisseur die Kratzbürstigkeit unserer Spezies ausdrückt. Doch knuffige Spezialeffekte öffnen Pforten zu Bildern, die ihren Unterhaltungswert über all die Jahre konserviert haben.

7 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “Krieg im Weltenraum”

Die dritte Generation der immer jeweils zehnteiligen „Galerie des Grauens“ nähert sich in schnellen Schritten der Vervollständigung. Für die „Rache der Galerie des Grauens“ liegt bereits die achte Ausgabe vor und nach „Das Grauen schleicht durch Tokio“ bedient sich Anolis zum zweiten Mal aus dem Oeuvre Ishirō Hondas.
„Grauen“ ist in diesem Fall vielleicht etwas weit hergeholt, da die SciFi-Parade kaum Horror-Elemente verarbeitet; in Bezug auf die reißerische B-Movie-Lesart des Begriffs darf man aber von einer vorzüglichen Wahl sprechen.

Wie üblich liegt das Doppel-Disc-Set bestehend aus Blu-ray und DVD im handelsüblichen DVD-Amaray vor, wobei im Inneren für die zweite Disc ein klassischer Tray-Einleger verwendet wird und nicht die Frontcover-Rückseite – es soll ja noch Platz sein für das 20-seitige Booklet. Dieses verbirgt hinter einem offenbar spanischen Alternativ-Artwork (ähnlich starkes Motiv wie dasjenige auf dem DVD-Cover, das dank Wendemöglichkeit auch ohne FSK12-Logo genossen werden kann) einen ausführlichen Text von Jörg M. Jedner und Jo Steinbeck mit einer zeitgeschichtlichen Einordnung des SciFi-Genres, dekoriert mit Aushangfotos und Postern.

Der Hauptfilm erstrahlt in kernigen Farben, die jeden Spezialeffekt offenlegen. Besonders profitert das Bild von Sequenzen, in denen mit farbigen Lichtquellen gearbeitet wird. Autofahrten mit Rückprojektionen und Kompositionen aus Matte-Hintergründen und Modellen wirken dadurch zwar besonders künstlich, doch kommt dies erst recht dem Charme der Produktion zugute. Die Fremdartigkeit des Bildes, die an ein, zwei Stellen sogar in einer Art sublimer Daumenkino-Ästhetik zu versinken scheint, ermöglicht ein gleitendes Abtauchen in die B-Movie-Welt, ohne dass man bei Schärfe und Details Abstriche machen müsste.

Die Audioeinstellungen bieten japanischen, englischen und deutschen Ton auf, wobei die Menüaufteilung, insbesondere jene der zur Blu-ray inhaltsgleichen DVD, alternative Fassungen suggeriert. Weitere Tonspuren werden von zwei Audiokommentaren belegt, einem mit Dr. Rolf Giesen und Jörg M. Jedner, einem weiteren mit Steve Ryfle und Ed Godziszewski, die gemeinsam an der Dokumentation „Bringing Godzilla Down To Size: The Art Of Japanese Special Effects“ gearbeitet haben. Dazu gesellen sich der Filmtrailer, eine etwa 8-minütige Super-8-Fassung, Werberatschläge, Filmprogramme und Bildergalerien. Zusätzlich produziertes Filmmaterial wie Making Ofs oder Interviews sollte man allerdings nicht erwarten.

Sascha Ganser (Vince)

Bildergalerie von “Krieg im Weltenraum”

Einigkeit im Kampf gegen eine globale Bedrohung… Optimismus oder Wunschdenken?

Gewappnet für den Kampf mit Röntgen 2.0

Von denen wird man im Laufe der 90 Minuten einige starten sehen.

Bei Rückprojektionen und anderen offensichtlichen Studio-Maßnahmen kommen die zahlreichen Beleuchtungseffekte des Films besonders schön zur Wirkung.

Großstadtmonumente werden wortwörtlich wie Pappe auseinandergerissen.

Ästhetisch erinnern die Actionsequenzen oft an Katastrophenfilme von Roland Emmerich (“The Day After Tomorrow”) oder Michael Bay (“Armageddon”).

Auch “Independence Day” ist sehr präsent, hier beispielsweise durch einen typischen Will-Smith-Shot.

Der Mond wird zum futuristischen Kriegsschauplatz.

Hier arbeitet der Regisseur verstärkt mit einer Mischung aus Miniaturmodellen und 1:1-Kulissen.

Ausnahmsweise ist der Gegner mal keine überdimensionale Echse, sondern eine wilde Horde von Miniatur-Astronauten.

Verzeichnen die Menschen im Kampf gegen die Invasoren mal einen Erfolg, feiern sie dies eher gemäßigt kumpelhaft. Kein Vergleich mit den selbstgefälligen Jubelarien in einem Michael-Bay-Film, aber jeder fängt mal klein an…

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