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Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone

Originaltitel: Maze Runner: The Death Cure__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Wes Ball__Darsteller: Dylan O’Brien, Kaya Scodelario, Thomas Brodie-Sangster, Giancarlo Esposito, Ki Hong Lee, Dexter Darden, Aidan Gillen, Walton Goggins, Barry Pepper, Rosa Salazar, Patricia Clarkson, Katherine McNamara, Nathalie Emmanuel, Will Poulter u.a.
Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone

Wes Balls dritter „Maze Runner“-Film bringt die Young-Adult-Saga zum Abschluss

Was Verletzungen alles ausmachen können: Eigentlich wäre der dritte „Maze Runner“-Film bereits ein Jahr früher in die Kinos gekommen, doch Hauptdarsteller Dylan O’Brien verletzte sich bei einem Stunt so schwer, dass der Dreh unterbrochen werden musste, bis er sich von seinen Verletzungen erholt hatte.

Hatte „Maze Runner 2“ mit Verrat, Mord und Gefangennahme geendet, da regt sich zu Beginn von “Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone” ein Hoffnungsschimmer: Vince (Barry Pepper) hat den Widerstand gegen das WCKD-Regime neu organisiert und verübt zusammen mit seinen Getreuen eine raffinierte Attacke auf den Gefangenentransport, in dem Thomas (Dylan O’Brien) seinen Freund Minho (Ki Hong Lee) vermutet. Zum treibenden Soundtrack von John Paesano („S.W.A.T.: Firefight“), der hier gleich das musikalische Sahnestück des Films hinlegt, inszeniert Regisseur Wes Ball ein schickes Action-Opening, das als Young-Adult-Alternative zur „Mad Max“-Reihe oder den Zukunftsszenen der „Terminator“-Saga durchaus bestehen kann, sich dann aber auch als der Höhepunkt des Films erweist.

Thomas und seine Freunde müssen jedoch feststellen, dass die WCKD-Organisation Minho nicht in dem Wagon, den sie kapern, versteckt hatte, weshalb die Befreiung der gefangenen Jugendlichen einen faden Beigeschmack bekommt. Da die vorige Aktion Monate der Planung beanspruchte und Vince mit einem Schiff zu Ufern abseits des verseuchten Kontinents aufbrechen will, ist Thomas wieder auf sich allein gestellt – nicht zuletzt, damit der Young-Adult-Charakter und das Underdog-Heldentum bewahrt bleibt, den die „Maze Runner“-Reihe seinem Zielpublikum bieten will.

Also machen sich Thomas, Newt (Thomas Brodie-Sangster) und Frypan (Dexter Darden) in Richtung der letzten befestigten Stadt auf, wo WCKD sich vor den Cranks genannten Infizierten verschanzt hat und Thomas‘ frühere Kollegin Teresa (Kaya Scodelario) aus immunen Jugendlichen wie Minho ein Gegenmittel gegen die Zombieseuche gewinnen will…

Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone

Drei gegen WCKD: Brenda (Rosa Salazar), Jorge (Giancarlo Esposito) und Thomas (Dylan O’Brien)

Nach Abschluss der Reihe muss man leider feststellen, dass die Folgeteile nicht mehr das Versprechen halten konnten, was „Maze Runner“ anno 2014 gab: Auf die mysteriöse, interessante Mythologie um soziologische Experimente und rätselhafte Aufgaben folgt relativ geradliniges, dystopisches Rebellionskino bekannter Machart. Gerade in “Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone” ist dies klar zu merken: Teil zwei hatte bereits fast alle Fragen geklärt, jetzt bleibt nur noch der gewohnt aussichtslose Kampf gegen ein übermächtiges Regime. Dadurch, dass der Film größtenteils innerhalb der Stadt spielt, sind die Unterschiede zu manch anderem Young-Adult-Film aus der „Hunger Games“- oder „Divergent“-Franchise auch optisch nicht mehr groß: Junge Menschen flitzen durch futuristische Städte, erwachsene Kontrahenten im Nacken und jederzeit in Gefahr. Die vorigen Horror- und Abenteuerelemente werden dagegen leider zurückgefahren, trotz kurzer Crank- und Griever-Auftritte (letzteres allerdings nur in einer Alptraumsequenz). Es ist business as usual also, das immerhin davon profitiert, dass Regisseur Wes Ball den Fuß konstant auf dem Gaspedal lässt, damit man bloß nicht bemerkt, dass hier alles streng nach Schema F verläuft und man quasi nichts mehr über die „Maze Runner“-Welt erfährt, was man nicht schon vorher wusste.

Interessant sind dann eher die kleinen Dinge, die im Subtext von “Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone” hängen bleiben, aber selten wirklich gut ausgearbeitet werden. Gerade die für Young-Adult-Verhältnisse beinahe typische Dreieckskonstellation ist hier auch mit inhaltlicher Bedeutung aufgeladen: Entscheidet sich Thomas für das Rebellentum mit Fokus auf Selbstrettung, wie es Brenda (Rosa Salazar) verkörpert, oder stellt er sich wie Teresa in den Dienst der skrupellosen WCKD-Leute um ein Gegenmittel zu finden, das der ganzen Menschheit helfen könnte? Dieser Zwiespalt gehört zu den interessanteren Seiten von “Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone”, auch wenn der Film wenig daraus macht – was gerade am Ende störend auffällt: Die (wenig altruistische) Auflösung lässt manche Aktion und manches Opfer sinnlos wirken, während der romantische Plot bestenfalls im Ansatz zu Ende gebracht wird.

Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone

Teresa (Kaya Scodelario) und Janson (Aidan Gillen) stehen auf der Seite von WCKD

Dabei wäre für solche Dinge wunderbar Zeit gewesen, würde man nicht bei der Rettungsaktion eine repetitive Last-Minute-Rescue an die andere pappen, wenn die Heldentruppe im Fünf-Minuten-Takt wahlweise der Gefangennahme oder dem Tod entgeht. Eine in der Stadt befindliche Rebellenfraktion bleibt Randnotiz zur Verstärkung der Heroen, ein überraschender Auftritt einer Figur ist kurz für den Effekt da, danach wird diese Figur ohne großes Federlesen ins handelsübliche Rennen, Verstecken und Kämpfen integriert. Selbst Zerwürfnisse im WCKD-Lager sind meist nur dafür da, damit diese oder jene Figur ihre Haltung überdeckt und wieder für eine Rettung in letzter Minute oder spontane Bedrohung da ist. Immerhin sorgt das Ganze für reichlich jugendfreie Action. Sind die Scharmützel mit den WCKD-Leuten noch okaye Standardware, so besticht ein regelrechter Bürgerkrieg im letzten Drittel mit bildgewaltigen Schauwerten und Mittendrin-Gefühl. Eine Attacke der zombieartigen Cranks bei der Infiltrierung der Stadt, eine Verfolgungsjagd mit kreativer Flucht via Kran und der erwähnte Auftakt sind ebenfalls actionreiche Highlights, die dafür sorgen, dass “Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone” bei aller Routine immerhin optisch etwas her macht.

Bei der Besetzung liefern Dylan O’Brien („American Assassin“), Thomas Brodie-Sangster („The Baytown Outlaws“), Dexter Darden („Burden“) und Ki Hong Lee („Wish Upon“) Gutes, aber nichts Überragendes in ihren gewohnten Rollen ab. Patricia Clarkson („Das Versprechen“), Barry Pepper („Snitch“) und Nathalie Emmanuel („Fast & Furious 7“) bleiben verlässliche Nebenrollengesichter, die der Film kaum nutzt. Dafür haben andere Raum zum Glänzen: Rosa Salazar („Die Bestimmung – Insurgent“) empfiehlt sich als erfreulich toughe Actionheldin mit Herz, Kaya Scodelario („Tiger House“) spielt recht facettenreich die Wissenschaftlerin im Zwiespalt und Giancarlo Esposito („Poker Night“) ist bei jedem seiner Auftritte eine Wonne. Aidan Gillen („King Arthur: Legend of the Sword“) kann als fieser Hund ebenfalls punkten, aber ein anderer, sträflich vernachlässigter Darsteller ist das schauspielerische Highlight: Walton Goggins („The Hateful 8“) hat als Rebellenführer besonderer Natur lediglich Auftritte in drei Szenen. In denen klaut er dann allerdings den Film und rennt damit weg.

“Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone” ist schon eine kleine Enttäuschung: Die ehemals reizvolle Prämisse der Reihe mündet in Rebellen-Dystopie-Kino nach Schema F, ohne neue Erkenntnisse, ohne Überraschungen, ohne mehr als Routine abzuliefern. Immerhin: Diese Routine wartet mit fetzigem Tempo, diversen schicken Actionszenen und einigen darstellerischen Highlights wie Rosa Salazar, Giancarlo Esposito und Walton Goggins auf. Das macht schon Laune, zeigt aber auch, wie viel mehr mit einem inspirierteren Script drin gewesen wäre.

Knappe:

20th Century Fox bringt “Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone” ab 1. Februar 2018 ungekürzt mit einer Freigabe ab 12 Jahren in die deutschen Kinos.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: 20th Century Fox__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 1.2.2018 in den deutschen Kinos

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