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Resident Evil: Retribution

Originaltitel: Resident Evil: Retribution__Herstellungsland: Deutschland, Kanada__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Paul W.S. Anderson__Darsteller: Milla Jovovich, Michelle Rodriguez, Sienna Guillory, Kevin Durand, Oded Fehr, Shawn Roberts, Li Bingbing, Johann Urb, Boris Kodjoe, Colin Salmon, Megan Charpentier u.a.
Resident Evil: Retribution

Milla Jovovich und Michelle Rodriguez in “Resident Evil 5”

Die „Resident Evil“ Filme vergleiche ich aktuell immer gerne mit Micaela Schäfer. Wenn die nämlich neben einem steht und die Titten auspackt, ist das schon hochunterhaltsam. Ist sie aber nicht zugegen, verdreht man bei der Nennung ihres Namens die Augen und fängt an, etwas von nervender Omnipräsenz zu faseln. Genauso ergeht es mir eben bei den „Resident Evil“ Filmen: Während man im Kino sitzt und sie schaut, wird man für meist (Ausnahme ist der wirklich miese „Apocalypse“) kurzweilige 90 Minuten formidabel aus der realen Welt herausgerissen und gut unterhalten. Wird man dann aber außerhalb des Kinos zu den Filmen befragt, verdreht man genervt die Augen, hat das Gefühl, schon zwanzig Teile gesehen zu haben und wünscht sich eigentlich nur ein Reboot dieser sich selbst viel zu ernst nehmenden Big Budget Trash Reihe, in der die Phrase von der gewollt wirkenden Coolness immer wieder aufs Neue auf ein vollkommen neues Level gehievt wird. Tja, und nun ist da „Resident Evil: Retribution“ … und irgendwie wird Micaela Schäfer auf einmal cool …

Wie das? Nun, alles beginnt mit einer megacoolen Eröffnungsszene, die zum einen rückwärts und zum anderen zu den genialen Beats von tomandandy in Zeitlupe abläuft. Und irgendwie hat man das Gefühl, diese rückwärts ablaufende Sequenz ist gleichzeitig ein Zurückspulen zu den Wurzeln des Franchises. Und damit ist der Videospielursprung gemeint und weniger die filmischen Vorgänger. Und so ist „Resident Evil: Retribution“ weniger ein weiteres filmisches Verbrechen an den Spielvorlagen als vielmehr ein konsequent auf die Leinwand gewuchtetest Spielerlebnis, bei dem einem als Zuschauer eigentlich nur noch ein Gamepad zum Mitdaddeln fehlt. Der ganze Film bekommt eine Levelstruktur aufgedrückt. Jedes Level ist optisch anders aufgemacht, es kommen jeweils verschiedene Gegnertypen darin vor und Alice muss sich mit diversen Kumpanen zum Levelausgang vorfighten, wo sie im besten Falle ein Levelboss erwartet, den es niederzuringen gilt.

Resident Evil: Retribution

Erstmals im Filmfranchise: Die im Game “Resident Evil 6” erstmals spielbare Ada Wong!

Grundlage für diesen Aufbau ist die vollkommen aufs Wesentliche reduzierte „Handlung“, bzw. was Paul W.S. Anderson dafür hält. In selbiger wird Alice nach dem Angriff von Umbrella auf Arcadia in ein Übungsgelände der machthungrigen Gesellschaft verschleppt. Dieses liegt unter Kamtschatka im ewigen Eis versteckt und diente Umbrella für Testläufe in Sachen Ausbreitungsszenarios des T-Virus’. Und aus dieser Basis muss Alice raus. Mehr muss man für den Film nicht wissen, mehr wird auch nicht etabliert. Moment, außer dass Alice’ Verbündeter Wesker heißt! Die deutsche Postertagline vom beginnenden letzten Kampf sollte man also nicht zu ernst nehmen, denn wenn überhaupt wird hier der letzte Kampf vor dem eigentlichen letzten Kampf gezeigt. Soll heißen: Wie gewohnt hält man sich alle Türen für eine Fortsetzung offen. Nach diesem Teil vollkommen zu Recht.

Dieser verschwendet nach der großartigen Eröffnungssequenz gefühlte fünf Minuten auf die Etablierung der Geschichte und gibt ab sofort einfach nur noch Vollgas! Wichtige Storyelemente erfährt man nebenbei, während Anderson eine Actionszene nach der anderen zündet und effektverliebt und hochtourig Schauwert auf Schauwert türmt und eine fast schon atemlose Actionkaskade entfesselt. Nebenbei wirft er Namen wie Leon S. Kennedy ebenso ins Rennen wie Ada Wong und schafft, pünktlich zur Veröffentlichung des neuen Capcom Games „Resident Evil 6“, viele weitere Anknüpfungspunkte an die Spielserie. Für eine Unterfütterung oder Vorstellung dieser Charaktere hat „Retribution“ aber keinerlei Zeit und nimmt sie sich auch nicht. So muss es reichen, dass die Darsteller ihren virtuellen Pendants verflucht ähnlich sehen.

Resident Evil: Retribution

Michelle Rodriguez bestreitet in “Resident Evil: Retribution” ihre erste richtig coole Martial Arts Einlage.

Doch auch an die vorhergehenden „Resident Evil“ Filme schafft Anderson viele Anknüpfungspunkte. So werden die Simulationen im Umbrella Testgelände von den verschiedensten Charakteren bevölkert, die Alice inzwischen auf ihren Reisen begegnet sind und die eigentlich recht unwiderruflich aus dem Franchise gerissen wurden. Der vor allem in „Afterlife“ angerissenen Klonthematik sei Dank kann man sie recht unproblematisch wieder auftauchen lassen und sogar gegen den Strich bürsten. Prominentester Rückkehrer dürfte wohl Michelle Rodriguez sein, die Anderson in diesem Film erstmals so richtig auf die Kacke hauen lässt.

Apropos auf die Kacke hauen: Anderson versucht die jeweiligen Actionexplosionen immer einzigartig aussehen zu lassen. Dies erreicht er freilich schon durch die Levelarchitektur und die damit verbundenen Schauplatzwechsel seines Filmes, doch auch die Ausprägungen der gezeigten Action differieren von Actionmoment zu Actionmoment stark. Vom simplen Zombieumballern wird über Autoverfolgungsjagden, dicke Explosionen, knackige Martial Arts Einlagen und übergroße Desasterszenen alles aufgefahren, was der geneigte Actionfan sehen will. Echte Highlights bilden die übercool inszenierten Einlagen um die Licker und den aus Teil 4 bekannten, übergroßen (und eher zu Silent Hill passenden) Hammerschwinger, der hier gleich in doppelter Ausführung auf die Pauke hauen darf. Deutlich zugelegt hat man in den Martial Arts Einlagen, bei denen Milla Jovovich endlich einmal nicht so ungelenk wirkt und man wirklich edle Choreographien erkennt, die in ihren coolsten Momenten (Die Kettenschwingersequenz) an die leichtfüßigen Keilereien eines Jason Statham in der Transporter-Reihe erinnern.

Resident Evil: Retribution

In gewohnt cooler Pose: Milla Jovovich als Alice!

Darstellerisch darf man sich von „Retribution“ wie gewohnt gar nichts erwarten. Nichtsdestotrotz überrascht ausgerechnet die im Franchise sonst viel zu steife Jovovich mit einigen durchaus guten Momenten, vor allem ihre Panik in der Traumsequenz wirkt absolut glaubwürdig und offensichtlich hat man auch mal darauf verzichtet, ihr Gesicht in jeder Szene durch den Computer zu jagen und es noch puppengleicher und ausdrucksloser zu machen, als es das eh schon ist. Ansonsten erfreut man sich vor allem an der Wiederkehr vieler Charaktere und ihrer Darsteller. Genannt seien Oded Fehr , Colin Salomon, Michelle Rodriguez oder Sienna Guillory, wobei vor allem letztere teils ungeahnte Actionwoman Qualitäten offenbaren! Vor allem Guillory stehen die diversen Martial Arts Moves im Showdown richtig prächtig! Ein toller Neuzugang ist sexy Li Bingbing als Ada Wong, die sowohl für amtlich Eyecandy als auch ordentlich Action sorgt.

Resident Evil: Retribution

Leon s Kennedy ist ebenfalls erstmals im Filmfranchise anzufinden!

Inszenatorisch ist Anderson hier absolut auf der Höhe seines Schaffens. Nach dem fast schon kammerspielartigen „Afterlife“ darf er diesmal aus dem Vollen schöpfen und an vielfältigen, an sich bereits ordentliche Schauwerte liefernden Schauplätzen operieren, was der Optik des Streifens rundweg gut tut. Auch findet er endlich ein vernünftiges Maß zwischen vor Coolness erstickenden, arg überinszenierten und mit viel zu viel Zeitlupe versehenen Momenten und Szenen, in denen er einfach einmal die Action und die kinetische Kraft der bloßen Actionchoreographien wirken lässt. Das kommt auch dem großartigen 3D Effekt des Filmes zugute, der zum einen für erstaunliche Räumlichkeit sorgt und zum anderen für tolle Kirmeseffekte (a la auf die Kamera spritzendes Blut oder in den Zuschauerraum fliegende Messer, Magazine usw.) genutzt wird. Endlich mal wieder ein 3D Film, für den sich der Aufpreis definitiv lohnt. Dabei bleibt Anderson im Übrigen im Gesamtlook näher an seinem „Afterlife“ dran an als an den drei Vorgängerstreifen, was zum einen stark an Matrix erinnert, zum anderen aber durchaus cool rüberkommt. Unter diesen Bildern wummert ein großartiger, themenaffiner, mit fettesten Bässen auftrumpfender Soundtrack, der sich im Vergleich zum starken Score des Vorgängers noch einmal steigern konnte.

Was bleibt, ist ein Film, der für mich den bisher stärksten Teil der Reihe darstellt. Klar, er hat keine wirkliche Geschichte, es gibt noch immer kleinere Fremdschämkatastrophen (Coolness geht irgendwie doch anders!), ein zwei Effekte funktionieren nicht vollkommen, der Ernst, mit dem der Film dargeboten wird, tut einem fast schon physisch weh und mit der Atmosphäre der Games und deren eigentlichen Gruseleinschlag hat „Retribution“ nach wie vor gar nichts gemein. Davon abgesehen ist „Resident Evil: Retribution“ aber ein echtes Actionpowerhouse, das mit einem irren Tempo vorangetrieben wird und im Dauerfeuer nicht nur Zombies, Ironie, Sinn, Logik und Verstand niedermäht, sondern auch die diversen Kritikpunkte und Vorbehalte gegenüber der Reihe beherzt niederknüppelt. Vor allem Actionfans sollte dieser unterhaltsame und atemlose Filmhappen rundweg zufrieden stellen.

„Resident Evil: Retribution“ kommt von Constantin Film und ist auf DVD und Blu-ray mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Constantin Film Verleih GmbH__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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